Polianders Zeitreisen

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Einladung zur Lesung

22.03.2021 · poliander

Als Tau auf mich fiel
und andere Geschichten

Lesung und Gespräch mit Ulrike Gramann
am 18. April 2021, 17 Uhr über Zoom
Gastgeberin: BEGiNE − Treffpunkt und Kultur für Frauen

Drei Frauen arbeiten und leben in vertrautem Miteinander. Eines Tages aber kommen mit drei Handwerkern auch Unruhe und Zwietracht ins Haus. Ja, einer wirft sogar den Stein, der ums Haar die Erzählerin erschlagen hätte! Da hilft nur Zauber. Nur: Wer zaubert am stärksten?

Ulrike Gramanns Erzählungen heben die Trennung zwischen Alltag und Geheimnis auf. Was einer jeden jederzeit begegnen kann, erscheint in neuem Licht − sei es ein Heizungsumbau oder ein Kuss.

Neugierig? Alle sind herzlich eingeladen.
Anmeldung zur Zoom-Lesung über kultur@begine.de

Koordinaten: Begine − her story. Wer waren die Beginen?

Buchstabenfracht
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Kranz oder Krone (70) – sie springt nicht zurück

01.04.2021 · poliander

Die Sonne eilt über den Himmel. Sie kreist mit 220 Kilometern in der Sekunde um das Zentrum der Milchstraße.

Am letzten Sonntag hörte P. die Stimme im Radio sagen:
In Deutschland gilt wieder die mitteleuropäische Sommerzeit. In der Nacht wurde die Uhr um eine Stunde vorgestellt. In der Folge geht die Sonne nun morgens später auf, während es abends länger hell bleibt.*

P. glaubte zu träumen. Wie war das am letzten Märzsonntag vor einem Jahr? (O nein, nicht, was Sie denken. Zu Hause sind wir immer noch. Aber wir haben seitdem noch ein paar andere Bücher gelesen.)

Also, was sagte die Stimme da? Und geht die Sonne später auf?
Nein, die Uhr zeigt nur früher drei Viertel sieben, Ihr Lieben.
Fragen Sie einen Klassiker, fragen Sie den Klassiker an sich.

Der Klassiker antwortet nicht, er delegiert das Wort. In seiner Anmaßung delegiert er es an einen Engel, den Erzengel Raphael. Der Engel spricht:

Die Sonne tönt, nach alter Weise,
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.
**

Sie tönt? Fast vergessen, oder? Suchmaschinen Sie doch “Sonne” plus “Frequenz”. Dass der Klassiker das wusste! Aber darauf kommt es hier gar nicht an, sondern darauf, dass sie auf eine vorgeschriebne Reise geht. Stimmt nämlich. (Gut, mit Donnergang hat er eindeutig übertrieben. Jedenfalls wenn wir aus der Ferne von beinahe 150 Millionen Kilometern lauschen.)

Was P. sagen wollte: Die Sonne verspätet sich nicht. Sie springt keine Stunde vor, sie bleibt keine Stunde stehn. (Wenigstens nicht in den nächsten fünf Jahrmilliarden. Sehr, sehr wahrscheinlich nicht.) Und das heißt auch: Heute ist Gründonnerstag, am Sonntag ist Ostern. Auch in diesem Jahr wieder so große Hoffnung. Egal, woran Sie glauben. Den Frühling leugnet niemand. P. sah bereits einen kleinen Fuchs, einen Zitronenfalter und einen anderen Schmetterling, der zu schnell weg war, als dass P. ihn erkannt hätte. Ein Schmetterling, bedeutet das nicht: eine Seele? Und wer kann schon behaupten, einen Schmetterling erkannt zu haben?

Du sollst doch nicht traurig sein, sagt Poliander.

Denn C. ist nicht das einzige Thema im Weltall.

P., Gramann und der Gefährte des mittäglichen Kaffetrinkens in der grellen Frühlingssonne wünschen Ihnen, dass es auch in Ihrem Leben mehr Themen gibt. Die Gesichter sind dabei ganz rot von der letzten Märzen- und ersten Aprilsonne, die schon Kraft hat, die ihre Kraft stärker auf uns abstrahlt, weil sie, von unseren Breiten aus gesehen, schon höher steht.

Und wir wünschen Ihnen, Euch und allen, dass die Pflanzen auf dem Balkon, die Blumen im Garten, die Bäume unten in der Straße, dass alle, alle den letzten fiesen Wintereinbruch von minus zehn und mehr Grad überstanden haben. Wir wünschen Ihnen einen grünenden, blühenden Frühling, schöne Sonne und viel vom milden Regen.

Und für alle, die damals wie wir die Worte des Klassikers auswendig hersagen mussten, ob in der Schule oder beim ostersonntagnachmittäglichen Spaziergang, und dann auch für alle, die diese Worte niemals auswendig lernen mussten oder die sie einfach nicht auswendig gelernt haben, also insgesamt überhaupt für alle, für Sie, Leserinnen und Leser, hier die verheißungsvollen Worte:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer kornigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt’s im Revier
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß, in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!
***

Die Sonne ist, was immer weiter reist. Wir reisen mit. Die Zeit wartet nicht. Die Zeit bringt uns näher zu jenem Augenblick, da wir wieder und gemeinsam… Ja. Genau. Es wird so sein.

Koordinaten: 2.808.873 (Zahl laut täglichem Lagebericht des Robert-Koch-Instituts vom 31. März 2021). Genesene: ca.2.521.800 (vom RKI geschätzter Wert zum gleichen Datum). Einmal geimpft: 9.428.662, zweimal geimpft: 4.059.489 (beide Zahlen ebenfalls laut dem Lagebericht vom 31. März 2021).
* Nachrichten des DLF am 28. März 2021, 8 Uhr.
** Goethe, Faust. Eine Tragödie. Prolog im Himmel.
*** Goethe, Faust. Eine Tragödie. Vor dem Tor.
Soundtrack: Time Waits For No One (ja doch, von den Stones).

Kranz oder Krone · Schönste Stellen

Wir wollen keine Pralinenschachteln: Wir wollen fair share!

07.03.2021 · poliander

Zur Performance unter dem Motto
fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen
sind Sie, seid Ihr herzlich eingeladen:

Künstlerinnen besetzen die Piazzetta vor der Gemäldegalerie

am 8. März 2021, Beginn 14 Uhr
Gemäldegalerie (Matthäikirchplatz, Berlin-Tiergarten)

In der Aktion treten Bildende Künstlerinnen im Verbund mit Kulturschaffenden anderer Sparten für mehr Sichtbarkeit von Frauen im Kunst- und Kulturbetrieb ein.

Der Aufruf kommt von einem Bündnis von Künstlerinnen, das an Prozessen arbeitet, die einen Bewusstseinswandel im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit im Kunstbetrieb befördern sollen. Die aktuelle Aktion ist mit Vertreterinnen Berliner Künstlerinnenverbände und –initiativen geplant: Verein der Berliner Künstlerinnen 1867, Frauenmuseum Berlin, GEDOK Berlin, kunst+kind berlin, INSELGALERIE Berlin, SALOON BERLIN. Sie wird außerdem unterstützt von Vertreterinnen des bbk berlin und des VBK (Verein Berliner Künstler).

Nachtrag: kleines Video mit Blick auf die Performance

Koordinaten: Internationaler Frauentag 2021. 52° 30′ 31” N, 13° 21′ 53” O

Augenweide · Schönste Stellen
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Kranz oder Krone (69) – lebe wohl, meine Schneefrau

17.02.2021 · poliander

Februar ist der Hornung, das war der, in dem Walther* für seine Zehen fürchtete, solang er kein Lehen hatte. Der Februar ist auch der Schmelzmond oder Taumond. Und er ist der Narrenmond. Von all dem bekamen wir im Februar 2021 reichlich, und am Aschermittwoch ist lang nicht alles vorbei. Wie der Schnee dahingeht, schnellstmöglich, während die Temperatur schneller steigt als die Polizei erlaubt, so geht auch das Tauen voran, und den Augenblick, in dem es gerade soviel Schnee wie Wasser gab, haben wir verschlafen.

Gestern noch Schneefrau, heute schon feuchter Hauch, der in den Straßen schwebt.

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Kranz oder Krone
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Kranz oder Krone (68) – Frisur ist Würde, Bildung Ländersache, Kultur Privatangelegenheit

13.02.2021 · poliander

Draußen: Schnee und Sonne.
Drinnen: alle Fußböden geputzt.
Stimmung: im Keller.

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Kranz oder Krone
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Liebesgeschichte – Geschichtenliebe

09.02.2021 · poliander

Der erste Satz eines Romans kann alles entscheiden. Manchmal der erste Absatz:
Der Radfahrer hatte den roten Volvo nicht bemerkt. Ich hatte am Steuer gesessen. Ich hatte ihn gesehen.

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Begegnung
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Zarter Winter

04.02.2021 · poliander

Koordinaten: Berlin am Sonntagnachmittag
Foto: © Klaus Meyer-Gramann

Begegnung

Kranz oder Krone (67) – wir malen uns was

22.01.2021 · poliander

Male mal a Fard, sagte Opa, eens, das racht fatze kann.

Ach könnt ich mir ne Sonne baun, sangen Pannach und Kunert, und sie bauten dem Meister wirklich eine und noch eine für die schönste der Küchenfraun.

Poliander schreibt sich eine Reise in der Zeit. Wer da mitkommt, wer da nachkommt, wer da vorbeikommt, bitteschön, schreibt P. sich herbei und herbei.

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Kranz oder Krone

Gehn und kommen

06.01.2021 · poliander

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Begegnung

Der Baum ist anders dieses Jahr

25.12.2020 · poliander

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Ihnen Glück und Freude, gute gemeinsame Stunden in fern und nah, Singen und Klingen, Zeit zum Lesen und Schauen, Spazierfüße und Rotweinmünder, Süßschnäbel und Sternenaugen, eine gute, glückliche Zeit.

Fröhliche Weihnachten!

Koordinaten: Weihnachtsliederpodcast beim SWR. Brassica oleracea convar. capitate var. rubra L.

Schönste Stellen
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