Polianders Zeitreisen

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Gehn und kommen

06.01.2021 · poliander

Da ging es zu Ende, als in der regnerischen Nacht Biosekt und Schaumwein in die Gläser flossen. Als es in benachbarten Straßen böllerte und krachte. Göttin, waren das wirklich gebunkerte Knaller vom letzten Jahr? So naiv gingen wir aus dem alten Jahr hinaus.

Wir riefen alle: Geh, 2020, du bist frei, du bist vorbei.

2020 schmollte, antwortete nicht, drückte sich zwischen abgestellte Autos, versuchte durch einen Fensterspalt ne offene Tüte mit Kartoffelchips zu greifen, Tüte rutschte um, Chips ergossen sich, konnt keinen fassen. 2020 trank Neigen aus verlorenen Bierbüchsen, versuchte, eine abgebrannte Wunderkerze zu zünden. Streichholz zerbrach. Als hätte das Jahr 2020 nicht genug angerichtet, maulte es uns an, das sei eine Konvention, dass Jahre in der Silvestermitternacht zu gehen hätten, es kam damit, dass die 12 dunkelsten Nächte doch die Zeit zwischen Jahren wären und würde die nicht erst am 6. Januar enden? Und überhaupt, es wolle nicht gehn! Argumente, nein: Ausflüchte. Es wollte partout nicht gehn.

Aber wir fütterten das alte Jahr nicht mehr. In der Box steckte der Geburtstagskuchen des neugeborenen Jahres, das gleich kräftig zugriff, minütlich wuchs, zu reden begann und sich Schokladenstreusel ins Maul stopfte.

Staubzuckersprühend skandierte das neue: Altes Jahr, bist vorbei, mach dich heim, ich bin jetzt frei!

Als der Silvestermitternachtsregen das alte Jahr fortspülte, tanzten wir auseinander, tanzten wir mit abstand zusammen, gehemmter Exzess, zähneknirschende Einsicht, und niemand nannte den dritten Buchstaben des Alphabets beim Namen. Das neue Jahr blieb einen Atemzug im Kreis unseres Tanzens, ehe es sich auf die Stadt ausdehnte und den Erdkreis. Es nahm mir die Sektflasche aus der Hand, schluckte was weg, setzte ab: 2021 rülpste. 2021 nahm kein Blatt vor den Mund, als es sich mitten im Rauskommen, Loskommen, mitten im Kommen und Weitergehn zu uns drehte, beweglich wie sonstnochwas. Keine Vorurteile, schrie es uns zu, Keine Vorverurteilung, ihr!, brüllte es, und: Hah!

Heute ist Epiphanias.
New year sent a message: Welcome to reality!
Ging ja flott.
Am selben heutigen Tag ging eine Postkarte ein, vorn drauf der Hahn, hinten in krakliger Schrift: Epiphanias ist es einen Hahnschrei länger hell.

Verpassen Sie ihn nicht.

Koordinaten: 2021.

Begegnung

Der Baum ist anders dieses Jahr

25.12.2020 · poliander

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Ihnen Glück und Freude, gute gemeinsame Stunden in fern und nah, Singen und Klingen, Zeit zum Lesen und Schauen, Spazierfüße und Rotweinmünder, Süßschnäbel und Sternenaugen, eine gute, glückliche Zeit.

Fröhliche Weihnachten!

Koordinaten: Weihnachtsliederpodcast beim SWR. Brassica oleracea convar. capitate var. rubra L.

Schönste Stellen
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Kranz oder Krone (66) – Nachricht vom Lebensmittelpunkt

17.12.2020 · poliander

Sagt man eigentlich Knospe bei Amaryllis? Oder sind das geschlossene Blüten? Von außen sahen sie metallisch rot aus. P. vermutete, innen wären sie scharf rosa.

Im Arbeits- und Lebensmittelpunkt steht die Vase der Oma, die schon einmal auf den Müll geworfen worden war, so vor fünfzig Jahren ungefähr. Das Mädchen nahm den großen Krug in ihren Lebensmittelpunkt und klebte die Scherben mit Duosan Rapid ineinander. Das hält bis heute.

Als die erste Blüte aufgeht, zeigt sich ein stumpfes Rot wie eingetrocknetes Blut oder wie der Rotweinrest im Glas von gestern. Stellen Sie sich das mal als Blume vor.

Hinter dem Fenster der Herbst 2020. Oder soll das der Winter sein? Astronomisch betrachtet: ja. Jupiter und Saturn nähern sich ihrer großen Begegnung. P. glaubte lange an die Geschichte, dass die große Konjunktion im Jahr 7 vor Christus der Stern von Bethlehem gewesen sei. Nun heißt es, das sei nur eine Legende. So berichtet die Sternzeit im Deutschlandfunk. Die Sternzeit ist eine seriöse Quelle. Ihr zufolge hat Matthäus den Stern erfunden. Die Erfindung eines Schriftstellers, was könnte realer sein?

P. und Gramann halten sich an den kleinen vertrockneten Stern von neulich, der so viel Leben in sich hat.

Abends schauen wir zum Himmel. Er ist trüb.

P. hat sich vorgenommen, darüber zu schreiben, was in diesem Jahr dankbar macht. Denken Sie, da gibt es nichts?
P. hat Gründe, dankbar zu sein.
Zum Beispiel dankbar den NachbarInnen. Der von einem Virus erzwungene Abstand brachte uns näher. Wir tauschten Befindlichkeitsberichte, Brot, Lebkuchen und Trost. P.s Wort des Jahres heißt Spaziergang. Wir gingen mit Abstand, Freundlichkeit und den wichtigen Fragen.
Zum Beispiel ist P. dankbar für die Lesungen, die stattfinden … durften. Dankbar nicht, weil jemand es erlaubt hatte, sondern weil die VeranstalterInnen so klug, umsichtig und vorsichtig alles vorbereiteten, dass niemand in Gefahr geriet. Danke, liebe LeserInnen, fürs Kommen und dafür, dass wir auch mit Abstand und Mundschutz ins Gespräch kamen. Es war aufschlussreich und verbesserte unsere Stimmung. Danke, VeranstalterInnen, für Streamings und Podcasts. Danke, dass ein Buch kam.
Zum Beispiel sind wir dankbar, wie viele einfach ihre Arbeit taten, unter oft besonders schwierigen oder nervenaufreibenden Bedingungen, und das haben sie nicht gemacht, weil jemand es anordnete, sondern einfach so, weil sie ihr Brot damit verdienen. Weil sie ihre Arbeit gern tun. Und so weiter.
Dank den Patzigen, sie haben P. erinnert, dass Freundlichkeit nicht vom Himmel fällt.
Danke, zum Beispiel, dass wir an jedem Sonntag dann doch eine Bäckerei fanden, in der außer Brot auch die Zeitung verkauft wurde. Danke für kluge Kommentare in FAS und DLF, danke, dass das C.-Wort niemals allein die Zeilen beherrschte.
Es gab genug Lebensmittel im Lebens-Mittelpunkt. Es gab FreundInnen in der Nähe und Ferne und Gemeinsamkeit dank Telefon, Video, dank Brief und Karte und Mail. Dank unseren Gedanken. Danke für Dankbarkeit.

Danke Zweifel, danke Trotz, danke Mut, danke, dunkle und helle Gedanken..

Die Bäume wuchsen nicht in den Himmel im Jahr 2020. Es gab Kummer im Jahr 2020, Sorgen und Schmerz, und die Folgen werden uns folgen bis ins dritte Glied. Es war, es ist ein seltsames, krisenhaftes Jahr. Doch wer meint, es gäbe nichts zu feiern angesichts dessen, dass auch BundesbürgerInnen erkranken und schwer leiden, ignoriert Schmerz, Unglück, Katastrophen auf der Erde. Gibt es denn fremdes Leid? Hat man je einen SPD-Mann sagen hören, es gäbe für uns nichts zu feiern, weil in Afghanistan seit 1978 Krieg ist? Oder, zum Beispiel, weil jedes Weihnachten in Deutschland so viel Kinder und Frauen verprügelt werden wie sonst das ganze Jahr nicht?

P.s Fingerzeig für Verzagte aller Couleur: 2. Timotheus, Vers 1,7.

Danke jeder Geschichte, die an P.s Tür klopfte. Noch sind nicht alle eingetreten und wurden nicht alle hereingebeten. Geschichten brauchen keinen Mundschutz. Nur löst der Abstand zu den guten und den schlimmen Geschichten sich nicht sofort und nicht von selbst.

Leute und Geschichten, auf euch trinken wir!

Die Amaryllisblüten sind ganz durchfärbt von Buntstiftrot. Kennen Sie diese Stifte, die man mit einem Pinsel oder dem nassen Finger vermalt? Brilliant werden die Farben nicht, die Farben werden satt.

Es ist nicht alles schlecht in Preußen. Berliner und Brandenburger Buchläden bleiben geöffnet. Was könnte realistischer sein? In den Brutstätten des Geistes keimt der Same des Wissens. Tragen Sie ihn nach Hause, pflanzen Sie ihn ein.

Was könnte optimistischer sein?

Koordinaten: 2020.
Begleitmusik: BWV 226, Stockholm Bach Choir, Concentus musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt

Kranz oder Krone
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Kranz oder Krone (65) – Advent, am Rande, an den Rändern

10.12.2020 · poliander

Worauf willst du warten? Das fragt der graue Himmel.
Worauf willst du warten? Das fragen dich die Bücher in den Regalen.
Worauf willst du warten? Das fragen die Augen der lange nicht Umarmten.

Gestern schrieb P.: … finde ich, dass die meisten Menschen trotz der Belastung ziemlich vernünftig mit der Situation umgehen und sich bemühen, es den anderen nicht noch schwerer zu machen.

Dann kamen die Handwerker. Hinterher hat P. gelüftet und die Klinken desinfiziert. Es roch wie im Schwimmbad.

Die Handwerker haben es jetzt auch nicht leicht. Aber die Handwerker könnten es leichter haben. Sie klingeln Sturm und hämmern mit der Faust gegen die Tür, als wären sie die Polizei und P. wäre stark verdächtig. Die Handwerker sind auf Krawall gebürstet, zack! steht die Leiter in P.s Arbeitszimmer, wo es für sie nichts zu tun gibt. Die Mieter in Berlin, sagen die Handwerker, sind schwierig. Die Handwerker könnten es sich leichter machen. P. sagt es ihnen nicht.

Die Handwerker haben sich in P.s Gedanken vorgedrängt. Denn in Wahrheit ist es ein guter Tag. P.s Gedanken sind, eigentlich und auch gleich wieder, am Rand unterwegs, am Rand des Jahres, zwischen Hexenneujahr und Epiphanias, also von November über Advent und durch die zwölf Nächte bis zum Tag der drei heiligen Weisen. Das ist eine Zeit, in der Gesagtes an Unausgesprochenes grenzt. Da kommen die Gedanken vom Ungesagten zum Gesagten und wieder zurück, vom Hölzchen aufs Stöckchen, von Alpha nach Omega aber auch.

Konzentriere dich. Worauf wartest du? Konzentriere dich, schweife umher.

Gottfried Keller schrieb von den Augen als lieben Fensterlein. P. schaut am Fenster, dem äußersten Rand des Büros. Der Himmel ist grau. Kein buntes Grau, das, wie P. gelernt hat, aus Farben gemischt wird. Das Auge, die nimmermüde Kamera, begegnet Kellers Zaubermetapher im Spiegel aus Fensterglas, und durch den schaut P. hindurch und hinüber. Die Fenster dort drüben sind die Äuglein des Hauses, und weit aufgerissen jeden Morgen eine Tür zum Balkon.

Advent: Lichter, die allabendlich erscheinen, elektrisch beleuchtete Sterne und Rentiere aus leuchtendem Schlauch. Im Tageslicht erscheint eine Ringelblume neben ihrer älteren Schwester, dem vertrockneten Stern. An den Rändern des Jahres erscheinen die immergrünen Zweige des Rosmarins, die letzten und die ersten Blüten, an den Rändern des Jahres wärmt P. die Balkonflora zwischen Zweigen aus Tannengrün, die Nädelchen trocknen dem Frühling entgegen.

Advent, worauf willst du warten?

Zumutungen tangieren P. am Rande, in Wahrheit hat Kolleginnenpost Vorrang, Kolleginnenvideo lädt ein zu einem Rundblick an den Rändern. An den Rändern begegnen P. Gedichte, Bilder, Gebilde. Viel Abstand macht viele Ränder. P. schweift, findet, verliert, verliert und findet, viel großes Ziel hilft selten beim Finden. “An den Rändern”, wie treffend sind die Blicke, die Wörter für dieses Jahr.

Freund!nnenmail, Kolleginnenpost, Zeichen der Nachbar!nnen an die Türe gehängt, ein Stück vom Kuchen mit langem Arm übergeben.

P.: Umarmungen, worauf wartet ihr?
Umarmungen: Wir warten noch.

Der trockene Stern der Calendula, diese nicht überraschende Metapher, besteht leibhaftig aus den bezackten und spiraligen Rundbögen der Samen. Worauf warten? *** P. weiß es wieder.

Koordinaten1: 10. Dezember. Advent 2020. Quelle und Antwort nach dem Mehr-Link.
Koordinaten 2: In dem empfohlenen Video liest Undine Materni Gedichte von Lars Gustafsson, Franz Hodjak und Ragnar Helgi Ólafsson in einer Ausstellung von Stefan Voigt in der Stadtgalerie Radebeul.
Koordinaten 3: 1.242.203 (Zahl laut Robert-Koch-Institut vom 10. Dezember 2020, 0 Uhr, online aktualisiert 8.25 Uhr). Genesene: ca.902.100 (vom RKI geschätzter Wert laut Lagebericht vom 9. Dezember 2020)

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Kranz oder Krone
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Neuerscheinung: Was der Regen Poliander erzählte

26.11.2020 · poliander

November. Das Licht schwindet, eben noch raschelten Blätter, nun werden sie Mulm unter den Füßen. Was für ein Jahr, liebe Leserinnen, liebe Leser. Der Regen rinnt, bittersüß riecht der heiße Schlehenwein. Wohin fließen die Geschichten? Poliander, Gramann und die Königin der Linien zeigen was vor, eine Neuerscheinung. Unsere Botinnen kündigen an:

Meetchens Hochzeit
Nach Motiven aus Wittenwilers Ring erzählt von Ulrike Gramann
Zeichnungen von Gudrun Trendafilov
Erschienen im November 2020 in der edition petit
Verlag SchumacherGebler Dresden

Inhalt:
Eine Quelle, ein Wasser, ein See und ein Regen bringen die Geschichte von Meetchens Hochzeit zur Erzählerin. Ungestüm eilen die Ereignisse, seit Meetchen das Gesicht ihres Liebsten in der Quelle sah. Seine ungeschlacht-hartnäckige Werbung bleibt nicht lange verborgen im Dorf am See. Bald geraten die Liebenden in einen Wirbel, die Dorfleute wirbeln kräftig mit, zuletzt greifen auch nicht-menschliche Kräfte ins Geschehen ein. Ein Mädchen wie Meetchen, wer steht ihr bei?
Gudrun Trendafilovs Zeichnungen begleiten Meetchens Geschichte in verwandter Stimmung und auf eigene Art.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Poliander wünscht Ihnen gute, freie Stunden zum Betrachten und Lesen. Verfasserin und Zeichnerin sind gespannt auf Meinung und Kritik.
Sein Sie gegrüßt, bleiben Sie uns gewogen, und wir bleiben
von Herzen die Ihren

Koordinaten: Ab sofort erhältlich im Buchhandel, beim Verlag sowie bei Gudrun Trendafilov und Ulrike Gramann.

Anmerkung und Dank: Eine frühere Fassung der Erzählung Meetchens Hochzeit wurde 2010 von der Dichterin und Buchbinderin Carla Schwiegk in einer Kleinstauflage gedruckt, gebunden und herausgegeben. Diese nun vergriffene Ausgabe begleitete meine Augen, Herz und Hirn, während ich den Text für die Neuausgabe bearbeitete.

Augenweide · Buchstabenfracht
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Kranz oder Krone (64) – Ein Märchen kommt selten allein

16.11.2020 · poliander

Liebe Lesefreudige und Literaturinteressierte,
wie geht es Ihnen, wie geht es euch im November? Schaut ihr den Zugvögeln nach, genießen Sie das letzte Laubgold, das auf den Straßen raschelt, zündet ihr ein Licht an, um das Dunkel zu erhellen? Sehnen Sie sich nach dem Schönsten, das es nicht zu kaufen gibt, nicht im Einkaufscenter und nicht im Internet – Begegnungen, Umarmungen, Gespräche mit Menschen?

Öffentlich erzählen steckt an.
Es war einmal, eben jetzt, da sollte Poliander in der BEGiNE ihre Märchen, darunter das von der Nixe und zwei jungen Schwestern erzählen. Aber ach! Ein neuartig unbekanntes Wesen, heißt Corona, brachte die Welt der Märchen und Menschen durcheinander. Alle die schönen Orte, an denen geredet, gelacht und erzählt wird, mussten ihre Tore schließen, und anderen laut etwas vorzulesen, wurde für gefährlich erklärt. Die Märchen bleiben in den Stuben, wandern einsam durch den Märchenwald und sind im Meer der Geschichten untergetaucht.

Wie es ist, kann es nicht bleiben.
Geschichten und Märchen sind Vorbotinnen besserer Zeiten. Werden sie vorne nicht reingelassen, kommen sie durch die Hintertür. Dabei helfen für diesmal Computer und Lautsprecher. (Nur die Nixe ist nicht dabei, denn Meerwasser und Computer sind einander spinnefeind.) Wer das Blog der Begine aufruft, findet “Herrn Hörmanns Einladung“, ein Märchen aus dem vergangenen Jahrhundert. Gramann erzählt darin die Geschichte einer jungen Frau, die einer Einladung folgt und dann zusehen muss, dem Unheimlichen zu entgehen. Begreift sie überhaupt, was los ist?

Ein Märchen kommt selten allein.
Die Märchen “Die Geduld der Wanderratte” und “Herrn Hörmanns Einladung” von P. und Gramann wurden als “Zündblättchen” Nr. 50 und Nr. 100 von Else Gold herausgegeben, die sie für einen Heller und 50 Schlickerlinge feilhält. Auch bei Poliander sind sie zu bekommen.

Jede wahre Märe wandert durch Zeit und Wirklichkeit.
Geschichte erzählt Geschichten, und Erzählerinnen machen sie hörbar: Auch Anke Engelmann erzählt eine Geschichte aus dem vergangenen Jahrhundert, nicht Märchen, sondern Mär in jenem alten Sinn, nach welchem das Erzählte besonders wahr ist. “Der Zaun”: Hören Sie selbst.

Liebe Leser!nnen, liebe Neugierige,
weil die Märchen nicht gestorben sind, leben sie noch heute.
Mit den besten Wünschen für eine gute Zeit mit Geschichten, mit Lichtblicken und herzerwärmenden Gesprächen grüßen tausendmal
Poliander und Gramann

Koordinaten: BEGiNE. BEGiNEblog. “Herrn Hörmanns Einladung” ist der Post vom 15. November. Else Golds Zündblättchen. Engelmanns Poesiebuero. Polianderkontakt.

Buchstabenfracht · Kranz oder Krone · Ohrenschmaus
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Kranz oder Krone (63) – stures Leuchten

21.10.2020 · poliander

Von einem Tag zum anderen wurden die Blätter gelb. Vorgestern Nacht ist es geschehen. Die Blätter der Sommerlinde vorm Fenster sind gesprenkelt mit braunschwarzen Punkten, die holländische Linde vorn ist noch fast grün. Vor der Hausstür stehen wir im Abstand und im kalten Wind und überlegen, welchen der Bäume wir am stärksten gegossen haben und ob es Einfluss darauf hatte, welcher jetzt zuerst gelb geworden ist. P. ist sicher, dass die eine, bestimmte Sommerlinde in jedem Jahr zuerst gelb wird. Was ist schon sicher?

Sommelrinde.

So gelb noch nicht, aber viel gelber als vor zwei Tagen.

Nächtliches Gehen an einer nächtlich stillen Straße, die Linden stehen dicht. Regen dringt durch die Jacke, Regengeräusch ins Ohr. Auch der Laubgeruch wird nass. Straßenlaternen funzeln gerade genug, dass die Fußgängerin sich fragt, ob das Laub nicht von einem gelben, sturen Eigenleuchten erfasst ist anstatt von der städtischen Beleuchtungsanlage.

Haben Sie gedacht, dass es so lange dauert?

(Sie wissen doch, was “es” ist.)

Geduldig färbt sich ein Blatt nach dem anderen. Nächtlicher Abkühlung zum Trotz schieben die Zinnien neue Blüten. Es ist keine drei Wochen her, dass P. in einem See schwamm. Der war eiskalt, von einem Bach durchflossen und wollte nicht Meer heißen.

Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist keine Maske.
Augen können anderen Augen winken.
Geduld hält Abstand.
Geduld bleibt aufmerksam für das Grundgesetz.

Geduldig schiebt die Zinnie ein zweites Stockwerk aus ihrer Blüte.

Koordinaten 1: Johann Sebastian Bach, Goldberg-Variationen, gespielt von Rosalyn Tureck.
Koordinaten 2: 380.762 (Zahl laut Robert-Koch-Institut vom 21. Oktober 2020, 0 Uhr, online aktualisiert 8.30 Uhr). Genesene: 298.300 (vom RKI geschätzter Wert laut Lagebericht vom 21. Oktober 2020)
Fotos © Ulrike Gramann

Kranz oder Krone
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“Die Sportlerin” in Leipzig

10.10.2020 · poliander

Alle sind herzlich eingeladen:

Die Sportlerin
Lesung und Gespräch mit Ulrike Gramann
am 18. Oktober 2020, 13 Uhr
Eine Veranstaltung des Leipziger Lesbentreffens 2020open to all gender
Soziokulturelles Zentrum Frauenkultur Leipzig
Windscheidstr. 51, 04277 Leipzig
Eintritt: Spende

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Buchstabenfracht
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Strandpunkte in West und Ost

07.10.2020 · poliander

Körbe, Strand, Sand, Sylt.

Vögel, Watt, Schlick, Föhr.

Wo war Poliander?

Lieber zweimal hinschauen.

Koordinaten: Herbstreise, 54° 39′ 6” N, 8° 20′ 11” O.
Fotos: Ulrike Gramann.

Augenweide · Schönste Stellen
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“Die Sportlerin” unter Brennesseln

05.09.2020 · poliander

Liebe Leserinnen,
Sie sind, ihr seid herzlich eingeladen nach Erfurt:

Die Sportlerin
Lesung und Gespräch mit Ulrike Gramann
am 9. September 2020, 18 Uhr
im Frauenzentrum Brennessel
Regierungsstr. 28, 99084 Erfurt
Veranstaltung für Frauen.

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Buchstabenfracht
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