Polianders Zeitreisen

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Hundert

10.01.2022 · poliander

Das Meiste, was Poliander über Mythos und Märchen weiß, hat P. von Franz Fühmann gelernt, oder muss man sagen: aus Franz Fühmann? P. ist ihm nie begegnet. Nur seinen Büchern.

Das Märchen kennt Wunderautomaten; der Mythos, strenggenommen, weder Automaten noch Wunder.
in: Zweiundzwanzig Tage oder Die Hälfte des Lebens

Zweiundzwanzig Tage oder Die Hälfte des Lebens, das erschien 1980 in erster Auflage in Reclams Universal Bibliothek Band 860, weiße Schrift, schwarzer Grund, die noch immer tief vertraute Gestaltung des Umschlags von Irmgard Horlbeck-Kappler, tief im Bewusstsein verankert: So muss ein Buch aussehen. Das Copyright lag beim VEB Hinstorff Verlag Rostock 1973, aber P. hatte immer dieses Reclamheft, printed in the German Democratic Republic. 2,- M. Alle griffen schnell zu, billiges Geld war genug da, es mangelte an den Büchern, nach denen wir gierten. Franz Fühmann. Abgeschabter Umschlag, doch der schmale Rücken ist dem Buch nicht gebrochen. Das holzhaltige Papier ist dunkel bräunlich verfärbt von der Luft in Berlin, all dem Kohlendioxid, all dem Schwefeldioxid vom Verbrennen der billigen Kohle, die doch in Berlin-HauptstadtderDDR noch immer besser war als in den Bezirken, später dann vom Ozon und dem Feinstaub des Autoverkehrs in Gesamtberlin, daran leiden P.s Bücher bis heute. Von den Lungen nicht zu reden.

Zweiundzwanzig Tage Ungarn, immer wieder diese zweiundzwanzig Tage, P. las das Buch auf vielen Reisen, oft also, man soll ja auf Reisen immer etwas Entgegengesetztes lesen, also in den Alpen etwas von der Küste, auf Spitzbergen etwas von der Sahara und so weiter (und P. schreibt das mit der größten Schamlosigkeit und ignoriert, dass die Welt augenblicklich nur in zwei große Zonen eingeteilt ist, “Hochrisiko-” und andere, und gemeint ist das nicht etwa politisch, sondern bezieht sich nur auf die Verbreitung eines bestimmten Erregers). P. schweift ab, das hat sie auch von Fühmann gelernt, aber egal, aber jedenfalls: Fühmanns Ungarntagebuch ist als Sprach- und Denkbericht noch immer entgegengesetzt zu ungefähr allem.

Von Fühmann kann man das Handwerk lernen, das, wie er es in Zweiundzwanzig Tage nennt, Scheißhandwerk. Jedes Wort umkreisen, wie er es tat, am Text arbeiten, wie er es tat, mit immer neuen Korrekturgängen, die ihn dazu brachten, Bretter zu kleben aus immer wieder korrigierten Manuskriptseiten, am Ende fest wie Pappmaché. Und wie leicht das heute geht, nur dass die Zwischenzustände im Computer verschwinden, wenn du sie nicht abspeicherst.

Handwerk lernen, da hat P. noch zu tun.

Morgens beim Aufwachen diesen Traum
Fühmann: Wie er seine Träume notierte, und wie er andere Träume erfand, und welche Träume das wohl waren, die er für sich behielt. Und wie er die Geschichten nacherzählt, die von Gellert vielleicht, dem Patron der Stadt Budapest.

Und eine Episode, über die man nicht genug nachdenken kann. Gellert ist mit Reisigen unterwegs und hört plötzlich das Knarren einer Mühle und dazu den Gesang einer Frau. Näher kommend entdeckt er ein Weib, das singend die Weizenmühle dreht, und fragt seinen Begleiter: “Sag Walter, läuft die Mühle nun durch die Kunst oder durch die Arbeit?”
Walter: “Durch beides, Vater, durch die Kunst und die Arbeit, denn es ziehet ja nicht irgendein Tier, sondern man muss die eigene Hand dabei herumdrehn!”
Gellert: “Welch eine merkwürdige Sache, wie das Menschengeschlecht sich ernährt. Gäbe es keine Kunst, wer könnte ide Arbeit ertragen?”
Ein Satz, den ich sofort unterschreibe.

Sagt Fühmann, wieder in Zweiundzwanzig Tage.

Nebenan brüllt das Radio Walzer um Walzer. “Gäbe es keine Kunst, wer könnte die Arbeit ertragen?”
Aber wie erträgt man die Kunst

Durch Arbeit

Schreibt Fühmann in Zweiundzwanzig Tage.

Das berühmte, geradezu sprichwörtliche Bergwerk Fühmanns, in dem er kämpfte und litt, und das kein Buch wurde, sondern seine Bücher, dieses Bergwerk also war der Abbau der Worte vor Ort, und wenn Zweiundzwanzig Tage ein kleiner Tagebau ist, so ist Vor Feuerschlünden eine Tausende Meter tief reichende Grube, und auf irgendeiner tiefen Sohle steht die heilige Barbara, die den ewigen Fühmann, den Wort-Bergmann beschützen möge. Doch das geht jetzt zu weit hier, das kann P. nicht so auf einmal in einem einfachen Logbucheintrag erklären, was Vor Feuerschlünden eigentlich ist. Oder gewesen ist, in diesem Land damals, in dem Fühmann so hartnäckig von seiner Wandlung schrieb.

Und man muss lernen, und dann muss man wieder vergessen, damit man überhaupt und auch nur irgend etwas arbeiten kann. Ob Fühmann das gesagt hat, weiß Poliander auch nicht.

Dahintreiben, aufspringen, gehen.

Koordinaten: Am 15. Januar wäre Franz Fühmann einhundert Jahre alt. Biografie nach Wikipedia.

Begegnung
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Der Schein am Himmel

06.01.2022 · poliander

Sonne, Mond und Sterne.

Der Mond ist die schmale Sichel des diesjährigen Epiphaniastages, die Bauchung wie beim altmodischen Z zeigt an, dass er zunimmt. Der HImmel ist klar, das zeigt kommende Kälte. Vielleicht wird Schnee fallen. Vielleicht auch nicht.

Die weihnachtlichen Lichter am Haus gegenüber sind verschwunden, an den Straßenrändern vertrocknen die ersten der abgetanen Tannenbäume. Aber wir zünden noch einmal die Lichter an auf dem Kranz. Ach, Sie müssen doch nicht an Weihnachten glauben! Es kann auch ein ruhiges Zweitagewerk sein, arbeiten, während die andren feiern. Wir machen das aber nicht mehr, wir feiern und dehnen die Zeit zwischen den Jahren, wir dehnen die zwölf Nächte, wir träumen.

In Karlsruhe im badischem Land erschienen zu Epiphanias Jugendliche, die sangen und schrieben zwischen die Ziffern der Jahreszahl ein C + M + B auf ein schwarzes Schildchen, das eigens dafür über der Wohnungstür angebracht war. Also da stand dann das ganze Jahr dieses Christus mansionem benedictat, denn den Segen nahmen wir immer gern, noch dazu, wenn er von singenden Jugendlichen gebracht wurde, die Geld für andere Kinder und Jugendliche sammelten. Was durchschien, war der gute Sinn des Brauchs, unbeschädigt von der Institution, die in diesem Zusammenhang auch vorkam, irgendwie. Süßigkeiten und Geld statt Gold, Weihrauch und Myrrhe.

In Berlin haben die Jugendlichen was anderes vor. Oder man kann welche bestellen, die dann was singen. Falls man eine katholische Gemeinde in der Nähe hat. Bestellter Segen, geht das denn? Vielleicht, aber nicht in diesem Jahr, mit dieser Seuche im Land. Doch der Sonne ist es egal, sie scheint auch in diesem Jahr und für alle.

Schein, sagen die Brüder Grimm in ihrem wunderbaren Wörterbuch: leuchtender, strahlender glanz: splendor, nitor, candor, fulgor, jubar, und ganz besonders und zuerst genannt: von selbstleuchtenden körpern und lichtquellen, schein der sonne, des mondes, der sterne: diu sunne was in scine (sie schien), und P. denkt an den Stern ganz besonders, dem die Weisen gefolgt waren. Einem Stern zu folgen, was für eine Entscheidung!, denkt P. Wir nicken und stimmen zu.

Und was die Grimm-Brüder noch schreiben: von dem glanze glatter flächen, die das licht zurückwerfen, wie poliertes metall, edelsteine, spiegel. Ja, der Mond ist ein Spiegel. Auch wenn wir wissen, dass seine Oberfläche nicht glatt ist.

Epiphanias kommt von epiphaneia, Erscheinung. Erscheinung, da denkt P. an den Schein, von dem es im Wörterbuch heißt: ein leuchtender ring, wie ihn z. b. der mond bei unklarer luft um sich hat, hof. “Der Mond hat einen Hof”, das ist einer von P.s Lieblingssätzen, und zwar der, der so tief in den Zellen steckt, dass nicht mehr herauszubringen ist, woher P. das eigentlich hat. Aber auch der Schein, wie die mittelalterliche malerei ihn um die köpfe der heiligen anzubringen pflegte, strahlenkranz, nimbus, aureole; vgl. heiligenschein.

Das Schlimme an Grimms Wörterbuch ist, dass man jeden Eintrag zitieren und zitieren möchte, das Ding ist die reine Poesie. In unseren Köpfen hat Grimms Wörterbuch den hellsten Schein, den wir uns denken können, und wir werden nie müde, davon zu sprechen. Besäßen wir eines dieser Bücher realiter, nicht nur virtuell, wir würden es in eine lederne Hülle einschlagen wie in ein heiliges Säcklein, wie es einst mit den heiligsten Büchern geschah, die man nicht einfach so berühren durfte.

Epiphan, erscheinend, diaphan, durchscheinend. Es ist angekommen, das neue Jahr, wie der Morgen, wie des neuen Tages Schein, und an diesem Tag, zu Epiphanias, ist es schon einen Hahnschrei länger hell. Wir singen: Wach auf, meins Herzens Schöne, / Herzallerliebste mein. / Ich hör ein süß Getöne von kleinen Waldvögelein, / die hör ich so lieblich singen, ich mein ich säh des Tages Schein / von Orient her dringen.

Ich hör die Hahnen krähen- Oja, das kommt vor, so mitten in Berlin.

Kommt er nicht aus dem Osten, des Tages Schein, so metaphorisch, aus dem Osten das Licht? Aber vom Mond, da kommt er auch. Heute zieht er rasch über den Himmel, dabei ist die Nacht noch so lang, mitten im Winter. Es ist eine alte Geschichte mit der Epiphanie, heidnisch und fromm. Schein ist Wirklichkeit.

Koordinaten: Wie lang währt ein Hahnschrei? Epiphanias. Wach auf, meins Herzens… Tagelied aus dem 16. Jahrhundert, Melodie auch Johann Friedrich Reichardt zugeschrieben.

Augenweide

Rüberlaufen

30.12.2021 · poliander

Als der Winter kam und das Jahr zu Ende ging, legte Poliander Beifuß in die Schuhe. Denn das Jahr war alt geworden und Poliander spürte es in den Knochen. Beifuß war das Kräutlein, das die Füße weckte, das wach hielt und geschmeidig machte. Der Weg war noch nicht zu Ende, und im neuen Jahr sollte er ja gleich wieder in den nächsten übergehen.

Nur nicht müde werden.

(Beifuß-Abbildung: Copyright siehe unten.)

Als das Jahr zu Ende ging, entzündete P. ein paar Kohlen in einer Schale aus Ton. P. blies die Flamme fort und legte ein Beifußstengel mit Blättern und Blütchen auf die Glut. Der aufsteigende Rauch machte das Zimmer sauber, den Atem frei.

P. entzündete ein Büschel aus Beifuß und Salbei und ging übers Feld, und die Räucherung ließ eine Fahne aus Duft hinter P. Der starke Duft treibt das alte Jahr fort, zu den Pfützen, in die Rinnsale des Winterregens, in die Kanäle und die kleinen Flüsse in der großen Stadt. Es war ein Jahr, an dessen Ende P., wir alle die Atmosphäre klären wollen, können, müssen. Es war ein Jahr, an dessen Ende P. wie alle ein bisschen Zauber brauchen kann, nach all den Langsamkeiten, den Lockdowns, den Absagen von Veranstaltungen, dem Kummer über ausbleibende Begegnungen, nach all der Müdigkeit in den Augen von P.s Freundin, die auf einer Rettungsstelle alltäglich ihr Bestes gibt.

Freiheit und Solidarität, Freiheit und Verantwortung: die schwere Last im alten Jahr. Was soll ich tun, was muss ich lassen?

Als das Jahr zu Ende ging, mischte P. einen Nudelteig und mengte Beifuß darunter. Auswellen, Streifen schneiden, die Streifen in sich verdrehen. P. brachte das Wasser zum Kochen, P. warf die Beifußnudeln hinein. Schnell abgießen, schnell die Butterflocken aufsetzen, rasch durchschütteln und alles in die vorgewärmten Teller geben. Löffeln, roten Wein dazu trinken: Beifuß macht fröhlich.

P.s Fröhlichkeit nimmt die guten Stunden des Jahres in die Erinnerung: als die Museen wieder öffneten und P. in der Spätgotik-Ausstellung stand, als die Restaurants wieder öffneten und P. frohe Zeit mit Freundinnen und Freunden verbrachte, als P. im Kino saß, wisst ihr noch, Leserinnen? Als wir “Die Unbeugsamen” sahen. Dann P., eine Zuschauerin im Theater, P. glücklich, als Gramann endlich wieder öffentlich lesen durfte. Jammer vorbei! Die Freude eines vollen Saals, Freude, dass überhaupt wer gekommen war, Freude über ein kontroverses oder zustimmenden Gespräch. Ganz besondere Freude über eine Musik vom Akkordeon.

Und dass die anderen Menschen das Glück sind, nicht das Unglück, dass sie die Rettung sind, nicht die Gefahr.

P. eilte mit ihren Beifußfüßen durch den Wald, P. stieg auf einen Turm.

Jetzt nur nicht müde werden.

P. eilte die Stufen hinan, kroch durch eine Tür, noch eine, auf allen vieren zuletzt eine Leiter hinauf. Plötzlich freier Blick hinaus. Beifuß, Artemisia vulgaris, ist auch eine Medizin für die Geburt, und während P. über die Ebene hinschaut und da vorn das neue Jahr sieht, versteht sie endlich: Hier geht es jetzt um die Geburt des neuen Jahres. Ja, wir werden alle zum neuen Jahr überlaufen, schnell hinüberlaufen. P. winkt, P. ruft: Neues Jahr, komm raus, neues Jahr, komm!

Koordinaten: 2021, 2022.
Vorbotin: Ein ausführlicher persönlich-pflanzlicher Jahresrückblick erscheint im Audio, und zwar im Blog der BEGiNE. Demnächst. Bis dahin gern mal öfter dort vorbeischauen, ggf. etwas scrollen.
Dankeschön für Abbildung einer Beifuß-Pflanze: Sie wurde dem Wikipedia-Eintrag von Artemisia vulgaris entnommen, die Datei zur Verwendung auf www.poliander.de leicht verkleinert. Copyright für die Abbildung wie folgt: Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the GNU Free Documentation License, Version 1.2 or any later version published by the Free Software Foundation; with no Invariant Sections, no Front-Cover Texts, and no Back-Cover Texts. A copy of the license is included in the section entitled GNU Free Documentation License.

Begegnung · Erregung
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Weihnachtsfreude

24.12.2021 · poliander

Liebe Leserinnen und Leser und liebe zufällig Vorbeischauende,

Poliander und Gramann wünschen Ihnen und Euch allen fröhliche Weihnachten, schöne Stunden mit den Liebsten und Momente des Innehaltens, allein und mit anderen, und vor allem Hoffnung und Zuversicht!

Fröhliche Weihnachten

Beten, strampeln, kochen

Anbeten, strampeln, kochen, blasen: Relief aus dem Erfurter Dom

Koordinaten: O du fröhliche mit dem Windsbacher Knabenchor und Bäumchen-wechsel-dich-Aufstellung

Schönste Stellen
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Prolog Nr. 23 erscheint: Re-izende Selbst- und Wirklichkeits-Re-konstruktionen

07.12.2021 · poliander

Liebe Freundinnen und Leser, Leserinnen und Freunde,

freudig bewegt teilen wir mit, dass Prolog – Heft für Zeichnung und Text Nr. 23 soeben erschienen ist.

Bei der Einladung, etwas beizutragen, wirkte das Titelthema Re- zunächst etwas sperrig auf Poliander und Gramann: Ein Präfix als Thema für Schreibende und bildende Künstler!nnen? Reizte das? Gab es einen Anreiz?

Oh ja!

Und während P. grad heute einen druckfrischen Packen Zeitschriften in der U-Bahn abtransportierte, reichte die Fahrzeit, sich grundsätzlich davon zu überzeugen, dass Prolog Nr. 23 vielfältig und überraschend geworden ist.

Und was steht drin?

Aus der Ankündigung der Redaktion:

Re- Relevant Re- Relativ Re- Return Re- Reduktion Re- … So hieß es im Aufruf zur nun erscheinenden Ausgabe Nummer 23. Direkt oder touchierend widmen sich alle Texte, Zeichnungen, Gedichte, künstlerische Arbeiten dem Präfix Re-.

Es finden sich im Heft persönliche Rückblicke und Wahrnehmungen oder die Reduktion in der eigenen Arbeit, Verweise auf soziale Ungleichheiten, den Umgang mit der Demokratie und die Suche nach Utopien wieder. Ebenso Kalauer wie Re-h und Zeichnungen aus dem RE 2. Auch ist die von Corona in Beschlag genommene Gegenwart in einigen Arbeiten präsent. Wie im Heft 20 gibt es ein Stimmungsbild der Künstler*innen und Autor*innen zur ihrer aktuellen Situation in der Pandemie. Es ist ein assoziationsreiches und überraschendes Heft geworden.

Prolog 23 mit Beiträgen von: Andreas Becker, Anton Schwarzbach, Armin L. Fischer, blumenleere, Celia Mehnert, Christine Geiszler, Christine Kriegerowski, Clemens Schittko, Daniela Risch, Denis Vidinski, Dolores Flores, Doris Buhss, Doris Scheuermann, Dorit Trebeljahr, Eike Laeuen, Eileen Dreher, Franca Bartholomäi, Frank Bölter, Gesa Foken, Gisela Weimann, Gowara Minsa, Hanna Hennenkemper, Helmut Werres, Henriette Vásárhelyi, Ilka Haederle, Ilse Ermen + ~, Jeannette Abée, Jenny Dam, Jenny Schon, Johann Reißer, Jorge Álvaro-González, Kai Pohl, Katja Schraml, Katja Winkler, Katrin Salentin, Klara Li, Klaus Fezer, Kristin Albrecht, Lars-Arvid Brischke, Marlies Blauth, Martin Bartels, Matthias Geitel, Maximilian Meier, Natalia Breininger, Peter Piontek, Peter Wawerzinek, paul m waschkau, Raoul Eisele, reep schtumwiner, Rose Schreiber, Sabine Herrmann, Stefan Malicky, Stephan Groß, Susanne Britz, Susanne Eules, Susanne Kunjappu-Jellinek, Teresa Weißert, Theodor Yemenis, Thomas Buts, Thomas Glatz, Ulrike Gramann, Viola Wandrey, Wolfgang Hille, zettelmann

Selber lesen? Selbst ansehen?

Prolog 23 ist erhältlich bei der Redaktion und bei Poliander.

Prolog-23-Hefte sowie Arbeiten der Beteiligten können auch im eigens dafür entstehenden KUNST-WERK-shop mit Zeichnungen, Büchern, Objekten, Bildern, Grafiken, Seltenheiten erworben werden.
Wann? vom 10. bis 23. Dezember 2021, komprimiert und Corona-konform.
Wo? im Projektraum io lux, Lehderstraße 119, 13086 Berlin
Öffnungszeiten des KUNST-WERK-shops: 10. bis 23.12.2021, Mi, Do, Fr 17-20 Uhr & Sa 14-18 Uhr und auf Anfrage

Die Natur hat es klug eingerichtet, dass unser Stern, die Sonne, in diesem Tagen bereits am Nachmittag schlafen geht. Das bedeutet, wir dürfen das Licht einschalten, schauen und lesen.
Wir wünschen Vergnügen dabei, Erhellung in der Dunkelheit und senden allerbeste Grüße
Poliander und Ulrike G.

Koordinaten: Prolog. Heft für Zeichnung und Text. Hier erhältlich sowie bei Poliander.

Buchstabenfracht
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Lesefrüchte (2)

01.12.2021 · poliander

Überraschend blühten die Korallenärmchen der Leseblume auf:

Überraschend fand sich die Lösung: Die Blume ist eine Jatropha-Art, die wiederum zu den Wolfsmilchgewächsen, den Euphorbien, gehört. Davon gibt es viele, die alle unterschiedlich aussehen. Oder, wie ein gestandener Botaniker P. einst vermittelte: Was man nicht bestimmen kann, sieht man als Euphorbia an. Hier hat sich’s, wie es scheint, wieder einmal bewahrheitet. Und wer weiß, vielleicht finden wir auch noch heraus, was sich in den grünen Gebilden verbirgt.

Liebe, nicht genannt sein wollende Hinweisgeberin, danke! P. wird sich persönlich erkenntlich zeigen.
Die Blume indessen hat sich zu einer Amaryllis gesellt:

Koordinaten: Jatropha.

Augenweide

Lesefrüchte

27.11.2021 · poliander

Dankeschön für die Blumen, EWA!

Liebe Leserinnen und Leser,

Kennen Sie diese Blume? Ich meine nicht das Ornithogalum (links) und nicht den Pistazienzweig (hinten), sondern den dritten Zweig (vorn rechts). Ein Tier ist es nicht und kein Pilz, bleibt: Blume. Sachdienliche Hinweise sind willkommen. Kontaktaufnahme gern über Polianders Nachrichtenfeld beim Literaturport.

Herzlichen Dank und herzliche Grüße
P. und Gramann

Koordinaten: 52° 32′ 39” N, 13° 25′ 38” O

Augenweide

Kranz oder Krone (80) – Leben auf Abstand, wollen wir das?

24.11.2021 · poliander

Kranz oder Krone: seit drei Monaten nichts in dieser Rubrik geschrieben.

Kranz oder Krone: Seit beinahe zwei Jahren halten wir sorgsam Abstand zwischen uns und den anderen. Wir schützen uns, wir schützen sie. Und umgekehrt.

Kranz und Krone: Als es losging, diese Kranz-Krone-Sache, wies eine Frau Poliander zurecht. P. nämlich hatte gesagt, dass wir Menschen in Herden leben. Die Frau sprach: “Ich bin kein Herdenmensch!”

Das Wort Herde enthält von Natur aus keine Bewertung. Viele Tiere leben in Herden. Herde ist ein Begriff aus der Zoologie. Er steht für eine Gruppe gleichartiger Tiere, meist Säugetiere und große Vögel, oft sind es Tiere, die sich überwiegend oder ausschließlich von Pflanzen ernähren. Diese Gruppen haben eine soziale Struktur, manche beziehen sich in ihrer sozialen Struktur auf ein Leittier, andere sind eher lose organisiert. Ihre Selbstorganisation in einer sozialen Struktur hilft den Tieren, beispielsweise Huftieren, sich vor Beutegreifern zu schützen. Oder, beispielsweise bei Pinguinen, hilft das Herdenverhalten, bei kalten Witterungsbedingungen die Körperwärme zu bewahren. Und so weiter.

Auch Pflanzen sind gern gesellig.

Menschen?

Wer in einer Großstadt lebt, kann dem Kontakt zu anderen Menschen ganz sicher nicht ausweichen. Wir kommen einander nahe. Wenn es zuviel wird, ziehen wir uns vielleicht zurück, oft fahren wir dafür extra aufs Land oder, wie P. das gern tut, auf eine Insel. Doch schon auf dem Weg zur Insel und dort erst recht und umso mehr, je länger wir bleiben, sind wir aufeinander angewiesen. Wenn wir sagen: Ich brauch mal Abstand, dann weil es eben nicht selbstverständlich ist, dauerhaft auf Abstand zu leben. Abstand kann gut und hilfreich sein. Zugleich kennen, mögen, lieben fast alle von uns Menschen, zu denen sie allenfalls zeitweilig ein wenig Abstand halten möchten. Und dann wieder zurück kommen in die vielleicht kleine, aber so gut wie immer vorhandene Gruppe von Kolleginnen, Freunden, Gleichgesinnten, zurück in den Gesprächszusammenhang, zurück zu den Menschen, mit denen man für ein paar Stunden gemeinsam im Kino sitzt, durch eine Ausstellung geht, durch den Wald läuft, zurück zu den Menschen, die ebenfalls ein Brot kaufen oder einen Kaffee trinken wollen. Zurück zu den Geliebten.

Was ist ein Leben ohne Nähe, ohne Berührung? Reicht es aus, ab und zu einen Baum zu umarmen?

Sie verstehen, was Poliander meint. Oder etwa nicht?

Kranz oder Krone: Kinder waren solidarisch, als es hieß, Oma und Opa würden sterben, wenn sie sich nicht zurückhielten. Und was für eine Last für sie, dass es ihnen so gesagt wurde! Und nun, wie sollen sie jemals wieder normal zur Schule gehen, wie sollen sie herausfinden, wie sie leben wollen, wenn wir Erwachsenen nicht solidarisch sind?

Kranz oder Krone: Poliander liest viel. P. fühlt sich nicht schlecht informiert. Natürlich, ein bisschen Mühe machen darf man sich schon, wenn es um die eigene Haltung geht, die man entwickeln möchte, um die eigene Entscheidung, die man finden muss. Über “die Medien” zu schimpfen, ohne einen Unterschied zwischen einzelnen Medien auch nur zu erwägen, und dann obskuren Websites zu glauben, das findet P. unredlich. “Die Medien” gibt es nicht. Jede, auch die beste, auch die schludrigste Website ist ein Medium, genauso wie die Knallblättchen mit Promireport, genauso wie die von gut ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten gemachten Zeitungen mit ordentlich recherchiertem Wissenschaftsteil es sind. Lesen Sie den Wissenschaftsteil!

Wer den Begriff Herdenimmunität nicht mag, kann auch Community Immunity sagen.

Fragen Sie Ihre Hausärztin!

Kranz oder Krone: Wir, Poliander und Gramann, sind eine sehr kleine Herde, wir können auch ich sagen. Ich kann lange argumentieren. Vieles, was ich denke, manches, was ich weiß, hat eine andere schon einmal formuliert. Vielleicht kann ich es dann anders, aber nicht unbedingt besser oder kürzer sagen. In diesem Fall – also dem SARS-CoV-2-Virus und der Frage, wie wir uns als Gruppe von Individuen dazu verhalten, – war das Luisa Francia, die mit ihrer Meinung selten hinterm Berg hält. Diesmal finde ich Luisa Francias Meinung überaus lesenswert: www.salamandra.de Es geht um den Tagebucheintrag von heute, 24. November 2021, früh um 6 Uhr und 8 Minuten.*

Kranz oder Krone: Es gibt einen Weg aus der Krise. Viele Menschen sind ihn gegangen oder gehen ihn gerade jetzt.

Vor ein paar Tagen lief P. über einen Strand an der Ostsee. Das Meer war hell, an manchen Stellen glatt wie ein Spiegel, die Wellen platschten leise, winzige Steinchen rollten und raschelten. P. war nicht allein da, sondern gemeinsam mit dem Gefährten in einem Bus gekommen, in dem sie fast die ganze Zeit die einzigen Fahrgäste waren. Viel Landschaft unterwegs. Viele Menschen dann gingen über den Strand, freundlicher Abstand, freundliche Nähe. Hund kam gelaufen, schubste P. sanft gegens Bein, fremder Mensch entschuldigte sich. Es macht nichts aus, sagte P. Alle gingen weiter. Es war in Schleswig-Holstein. Da drüben, das ist schon Mecklenburg, sagte der Gefährte und deutete auf jene verblaute und ein wenig graue Küste. Dort stand ein kleiner Regenbogen, der nach oben in einer Wolke verschwand. Spätnachmittagssonnenwolkenlicht. Kein Foto, nur schauen. Und als wir zurückfuhren, fragte die Busfahrerin: Und, wie war’s?

Wie wollen wir leben? Mit oder ohne Kontakt, mit oder ohne Kultur, mit oder ohne öffentliches Leben? Mit oder ohne Solidarität?

Koordinaten: November 2021
Covid-Zahlen: 5.430.911 bestätigte Fälle (Zahl laut täglichem Lagebericht des Robert-Koch-Instituts vom 23. November 2021), davon ca. 651.500 aktive Fälle. Genesene: ca. 4.680.000 (vom RKI geschätzter Wert zum gleichen Datum). Einmal geimpft: 58.697.074, zweimal geimpft: 56.570.199, dreimal geimpft: 6.106.025 (alle drei Zahlen laut Lagebericht vom gleichen Datum).
Covid-Wissen: Reportage aus der FAZ über eine Nacht auf einer Intensivstation im Darmstädter Krankenhaus, auf der Menschen mit schweren Verläufen behandelt werden: “Auf der Endstation“.

* Einzelne Einträge auf www.salamandra.de, so auch derjenige vom 24. 11. 2021, können leider nicht direkt verlinkt werden. Der tagesaktuelle Eintrag befindet sich stets oben auf der Seite, wird aber nach unten wandern. Das muss die Leserin dann gegebenenfalls auch tun.

Kranz oder Krone

Für Neugierige: Lesen im Herbst 2021

04.10.2021 · poliander

Liebe Leserinnen und Leser,

Ihr seid, Sie sind herzlich eingeladen zu Lesungen in diesem Herbst, und Poliander freut sich sehr über zahlreiches Erscheinen, aufs Wiederbegegnen und aufs Kennenlernen:

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Augenweide · Buchstabenfracht · Ohrenschmaus
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Vorbotin der jugendlichen Dichterin

25.08.2021 · poliander

Einladung auf eine Zeitreise zu der Barockdichterin Sibylla Schwarz

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Buchstabenfracht
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