Polianders Zeitreisen

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Eben erlebt, schon spannende Erinnerung

07.08.2020 · poliander

Erste Märzhälfte 2020: Die feministische Psychotherapeutin und Autorin Gabriele Freytag fasst den Entschluss, sich gemeinsam mit einer unmittelbar benachbart lebenden Freundin in eine Art freiwillige Quarantäne in ihrem Wohnort zurückzuziehen. Sie nennen es Retreat und bleiben dabei, als wenige Tage später so gut wie das gesamte öffentliche Leben in der Bundesrepublik stillgelegt wird.

Freytag beginnt eine Folge täglich, später in lockerer Folge erscheinender Mails an Freundinnen und Kolleginnen zu schreiben, in denen sie „über die äußere und innere Lage“ reflektiert. Man erhält sie, außer der ersten, nicht ungefragt, sondern muss abonnieren. Vom 16. März bis zum 30. Juni 2020 erscheinen rund 30 „Briefe in Zeiten von Corona“. Unmittelbar anschließend gibt Gabriele Freytag sie bereits Ende Juli 2020 unter dem Titel „Luft holen“ als Buch heraus.

Das Unerwartete zuerst: Während über Corona-Blogs und -Kolumnen räsoniert wurde, die Verfasser!nnen zögen sich auf Innerlichkeit zurück und jammerten auf hohem Niveau, fesseln Freytags Briefe die Aufmerksamkeit über Momentanes und Privates hinaus. Und zwar obwohl sie genau davon ausgehen, beginnend im Augenblick, in dem „social distancing“ zur Regel wird, stattfindend an dem Ort, an dem Freytag zugleich wohnt und arbeitet.

Obwohl ich selbst regelmäßige Leserin ihrer Briefe war, erinnere ich mich beim Wiederlesen erstaunt und intensiv, als hätte ich die ersten Tage schon vergessen: Atemübungen, Beobachtungen des Mikrokosmos vor dem Fenster, die Frage: „Wie lange wird das dauern?“, und die besorgte Beobachtung dessen, was in anderen Ländern geschieht. Freytag, sicher geübt darin, den Blick nach innen zu richten, richtet ihn von Anfang an und gezielt auch nach außen, vor allem nach Italien, ihrem Zweitwohnort.

Liest man das wieder, im heutigem Auf und Ab der Infektionszahlen, rückt Freytags Reflexion der Anfänge Wahrnehmungen und Bewertungen zurecht. Was die deutsche Öffentlichkeit spätestens anhand der skandalös schlechten, infektionsfördernden Arbeits- und Lebensbedingungen in der Fleischindustrie lernte, zeigte sich bereits in der Ausbreitung des Corona-Virus in den italienischen Fabriken für Billigtextilien: Vor dem Virus sind keineswegs alle gleich. Sondern wer wirtschaftlich und sozial schlechter dasteht, hat auch ein größeres Risiko zu erkranken. Freytag trägt das nicht moralisierend vor, sondern so, dass die Leserin sich wie von selbst fragt, was eigene Lebens- und Konsumgewohnheiten damit zu tun haben.

Auch sonst gibt sie nicht vor, wie andere sich zu verhalten haben. Sie selbst distanziert sich konsequent, sie achtet auf Infektionsschutz. Therapeutische Arbeit findet statt, aber mit weitem Abstand und bei offenem Fenster, Lebensmittel kommen mit der Gemüsekiste. Sich in der Ausnahmesituation einrichtend, schreibt sie noch im März davon, es sei „prima möglich“, mit Abstand zu viert am See Kaffee zu trinken. Sie schreibt aber auch, dass es „für uns alle“ in dieser Zeit um Kontrollverlust, Angst vor mangelndem Schutz und um Hilflosigkeit gehe.

Und sie erzählt von ihrem Leben, dem in Deutschland, dem in Italien, reflektiert ihre Beziehungen zu anderen. Die räumliche Distanzierung von den Freund!nnen erzwingt für sie keine soziale Distanz. Freytag nutzt die Zeit, aufzuschreiben, was ihr durch den Kopf geht. Zum Beispiel kleine und größere Konflikte, aus denen man lernen kann oder in ihnen einfach einer Geschichte lauschen. Oder beides. Und überraschend für die Leserin, die die schrecklichen Nachrichten und Bilder aus Italien nicht nur im Hinterkopf hat, taucht eine ausführliche Erklärung der ganz besonderen Art von Virenabwehr und Resilienz der Bewohner!nnen jenes Dorfs in Italien auf, das Freytag so gut kennt. Die „verreisen nicht viel, sie sind zufrieden mit dem, was sie direkt vor ihrer Nase vorfinden“. Ob das nun wirklich das Geheimnis dieser Menschen ist, wer weiß. Sicher ist, dass es in Freytags Beschreibung klingt wie eine Liebeserklärung.

Manches, von dem sie schreibt, kommt der Leserin bekannt vor, so die Begegnung in einem Ein-Frau-Dienstleistungsbetrieb, dessen Betreiberin Freytag empört aufforderte, sie möge „das Ding“ abnehmen, “das Ding”, also den Mund-Nasen-Schutz. Doch auch im Anekdotischen steckt das Politische und sei es die Erkenntnis, dass wir alle auf unsere eigene Art auf die neuartige Krankheit reagieren. Freytag folgt überzeugt den schlichten Regeln, die vor Ansteckung schützen können. Demokratische Werte möchte sie deswegen noch lange nicht aufgeben. So wichtig es sei, die Stimmen aus der Wissenschaft zu hören: „Ich kann mich nicht erinnern, zugestimmt zu haben, dass wir statt von PolitikerInnen von VirologInnen regiert werden.“

Das Persönliche und Politische gehört für Freytag zusammen, sie fragt, wie wir miteinander klarkommen, erwägt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, und sie tut es praxisnah, indem sie auf den Alltag schaut. Und zum politisch-persönlichen Alltag gehören auch die Enten in Norddeutschland, von denen man vielleicht etwas lernen, aber über die man auf alle Fälle fabulieren kann, und jene dicke Katze in Italien, die doch jemand füttern muss, auch wenn grad Corona ist.

Ich habe oft gehört in den letzten Wochen, das Virus ändere nichts an unseren grundsätzlichen Problemen, den politischen wie den privaten, es mache sie einfach nur deutlicher sichtbar. Gabriele Freytags Corona-Briefe stehen dieser recht allgemeinen Erkenntnis nicht entgegen. In ihnen zeigt sich aber auch, dass wir längst nicht alles wissen und dass es gut ist, wenn uns wenigstens das bewusst ist. Deshalb und weil diese Briefe heiter geschrieben sind, unverdrossen, Sorgen nie kleinredend, doch ohne Jammerton, deshalb ist es ein Vergnügen, sie zu lesen.

Denn Lesen, liebe Leserin, ist auch eine Art, Luft zu holen. Und dann lange ausatmen. Ah!

Koordinaten: Gabriele Freytag, Luft holen. Briefe in Zeiten von Corona. Hamburg: tredition 2020, 12,80 €. Kranz / Krone (62)

Kranz oder Krone
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Endlich im Kino – Wiedersehen im Dunkeln

14.07.2020 · poliander

Wenn es dunkel wird, kommen Träume.
Wenn es im Kino dunkel wird, werden Träume wahr.

In all den Wochen und Monaten ohne Kino träumte P. davon, endlich wieder ins Kino zu gehen. Gutscheine für den ersten Besuch schliefen im Regalfach. Ja, wir schauten sie ab und zu an. Kino ist unersetzlich.

Das erste, was P. beim Betreten des Lieblingskinos sieht, ist Desinfektionsmittel. Meinetwegen. Brav ziehen wir den Schutz über Mund und Nase (ja, über die Nase auch, was dachten Sie denn?) Dann sehen wir sofort das freundliche Gesicht an der Kasse, hier: Reservierungsnummer 842. Klingt magisch, die Zahl. Dann haben wir die Karten in der Hand. Ah. Blick zur Kaffeemaschine: Kaffee? Nicht jetzt. Nach so langer Abstinenz ist P. sowieso aufgeregt.

Aber im Kino-Café herumgehen, das müssen wir schon, denn dort hängen Fotos von geschlossenen Kinos, also von dem, was jetzt monatelang herrschte. Entschuldigen Sie bitte, natürlich, Abstand, und P.s Gefährte entdeckt auf den Bildern sofort ein Kino, das wir kennen: das Astra in Essen, in der anderen tollen Kinostadt, einer Stadt, in der wir auch ein Lieblingskino haben, in das wir immer so gern mit der Tür direkt ins Kino fielen.

Jetzt ist es ziemlich ruhig im Bundesplatz-Kino, ruhiger als normalerweise. Aber Kinogäst!nnen sind da, fast so viele, wie grad reinpassen, wie grad reindürfen, mit diesem riesigen Abstand von zwei Sesseln zwischen jedem besetzten Platz und leeren Reihen zwischen besetzten Reihen. Herr Latta weist uns einen Platz an, wir dürften, sagt er, auch einen anderen nehmen, im Rahmen des Möglichen, zum Beispiel den dort oder da hinten, schaun Sie mal. Wir nehmen den hier. Sobald wir im Sessel versinken, braucht’s keinen Mund-Nasen-Schutz mehr. Und es gibt freundliche Worte von vorn, dort neben der Leinwand. Eine Besonderheit unseres Lieblingskinos sind die freundlichen Worte vorm Film. Vor dem sehr gut ausgewählten Film, möchte P. sagen. Danke, Herr Latta.

Es ist schön, so im Kino begrüßt zu werden. Niemand hüstelt, niemand schnieft, auch nicht vor Rührung. Obwohl wir gerührt sind.

An ihren ersten Kinofilm erinnert P. sich nicht mehr, nur daran, dass das Kino “Lichtspieltheater” hieß, so wie das Dorf “Kurort” hieß. Es existiert noch, das Lichtspieltheater, aber heute heißt es “Kino”. Es hat blaue Sessel, hat P. im Internet gefunden, aber den “Augenzeugen” gibt es lang nicht mehr, und vom Programm schweigen wir jetzt mal ganz. Damals war am schönsten der Film um halb 7, denn beim Rauskommen war es dunkel, und P. konnte länger in der dunklen Welt des Lichtspiels bleiben. Der Film um halb 7, ein echter Lieblingsfilm.

An den ersten Film nach der Corona-Kinoschließung will P. sich unbedingt später noch erinnern. Als die Dunkelheit alle einhüllte, begann er, es war “Paris Calligrammes” von Ulrike Ottinger.

Der erste Film, den P. im Westen sah, war ebenfalls von Ulrike Ottinger: “Jeanne d’Arc of Mongolia” . Das Kino war eine Schachtel mit schwarzen Wänden, es gab eine Pause, weil der Film so lang war, und als P. und der Gefährte weit nach Mitternacht aus dem Kino taumelten, war der Tauentzien voller Licht und voller Menschen. Das Kino gibt es nicht mehr.

Ottinger also, und “Paris Calligrammes”, nicht ganz so lang, aber lang genug. Es ist einfach sagenhaft schön, man bleibt sitzen bis zum letzten Moment, bis der letzte Name über die Leinwand gegangen ist und sie ganz schwarz wird, der Vorhang rauscht. (Stimmt das überhaupt? Rauschte er oder war es gefühltes Rauschen?) Draußen dann Helle, Sonntagmittag, der Wind geht, und es dauert ein bisschen, bis der Kaffee da ist. Da ist dann wieder Corona dabei: Holen Sie den Kaffee nicht selbst, warten Sie am Tisch!

Und wie Ottingers Film nun genau war? Na hören Sie mal, das ist ein Post übers Kino. Gehen Sie hin. Ins Kino.

Koordinaten: Bundesplatz Kino Berlin, 52° 28′ 44” N, 13° 19′ 4” O, Filmplakat “Paris Calligrammes”: Verleih, “Paris Calligrammes” auf Ottingers Website. Kranz / Krone (61)

Augenweide · Kranz oder Krone
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Gebündelte Aufmerksamkeit für Elke Erb

07.07.2020 · poliander

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt hat der Dichterin Elke Erb den Georg-Büchner-Preis verliehen.

P., die stets nach guten Nachrichten hungert, freut sich sagbar.

Denn das beste und schönste an dieser Entscheidung ist, dass sie auf literarischen Sachverstand zurückgeht. Sie fragt nicht nach einer Bestsellerin, nicht nach Konsumierbarkeit, nicht nach Auflagen, politischen Maßgaben, Vitamin B, Geld oder Ruhm. Sondern nach der Sprache. Die Jury selbst schreibt von Elke Erbs Sachverstand:

(…) Elke Erbs poetischer Sachverstand, der sich auch in ihrer reichen übersetzerischen Arbeit zeigt, beeinflusste mehrere Generationen von Dichterinnen und Dichtern in Ost und West. Ihre Gedichte zeichnen sich durch eine prozessuale und erforschende Schreibweise aus, in deren Verlauf die Sprache zugleich Gegenstand und Mittel der Untersuchung ist. Elke Erb gelingt es wie keiner anderen, die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert. (…)
aus der Begründung der Jury

Elke Erb, die zu lesen herrliches Vergnügen bereitet, ist höchstwahrscheinlich die größte lebende Dichterin in deutscher Sprache, in den deutschen Sprachen.

P. zieht den Hut und geht in die Knie.

Elke Erb ist eine, die jedes Wort ernst nimmt, sie ist eine, die weiß, was sie tut, und darum kann sie so spielerisch mit Worten umgehen, wie sie es bisweilen tut. Die Sprache steht ihr zur Verfügung, und P. ist überzeugt, dass es viel Arbeit gemacht hat, dahin zu kommen. Wer schreiben will, muss lesen, lesen, lesen. Wer steht hinter jeder großen Dichterin? Die Sprache. Und was steht vor ihr? Die Sprache. Und wo setzt sie ihre Füße? In den Wegen der Sprache.

Ja, Intuition. Die gibt es. Was Elke Erb P. einmal sagte: Intuition ist eine phantastische Form gebündelter Aufmerksamkeit. Und übrigens hasse ich das sehr, wenn die Frauen erzählen, sie schreiben aus dem Bauch und solche schrecklichen Geschichten. Es könnte ja auch ein Herz geben, oder? Mindestens, nicht? Aber da ist etwas, was einen Konkurrenzbetrieb aufnimmt, und der ähnelt immer dem, mit dem er konkurriert. Ich kann nicht aus dem Bauch schreiben, wo anscheinend alles weich und organisch zugeht, wenn es in der Welt Gefängnisse gibt.
In: “Es könnte ja auch ein Herz geben oder?” Ulrike Gramann, Gespräch mit Elke Erb, ursprünglich publiziert in weibblick 5/1999, jetzt abrufbar unter www.planetyrik.de (etwas scrollen)

Und ja, andere Dichterinnen, selbstverständlich gibt es sie, einige, etliche, sagt P., Friederike Mayröcker hat es auch, und Sarah Kirsch hatte es, und Christa Reinig, Christa Reinig, die hatte es sowieso. Lesen Sie, was Dichterinnen schreiben. Unbedingt. Und lesen Sie Elke Erb.

Koordinaten: Elke Erb. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Und dank Wikipedia Link zum Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.

Erregung
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Bukolisch

15.06.2020 · poliander

Es hat geregnet. Alle Steine im Hintergrund sind ebenfalls Schafe. Sie kümmern sich nicht um die Betrachterin.

Koordinaten: 52° 27′ 29” N, 13° 17′ 15” O

Augenweide

Kranz oder Krone (60) – Baustellen und Offices. Ein Brief

14.06.2020 · poliander

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

draußen das Geräusch, das monotone Tschilp der Sperlinge. In der Schwüle löst sich der Geruch der soeben aufblühenden Linden und kommt mit dem Luftzug ins Zimmer. Er legt sich über die Unordnung im Büro. 90 Tage, 60 Einträge. Und noch ein paar unnummerierte. Später: Regen, Gewitter, Regen. Dann Nacht. Aus dem CD-Player erzählt Michael Rotschopfs Stimme Marcel Proust. Sodom und Gomorrha. Leises Rauschen vor dem offenen Fenster.

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Kranz oder Krone · Reisebrief
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ZB 100

11.06.2020 · poliander

Für alle, die gern schauen, eine herzliche Einladung:

ZB 100 – 100 Zündblättchen
Ausstellung vom 7. Juni bis 26. September 2020
im Kreuzgang des Klosters St. Afra
Kloster St. Afra / Evangelische Akademie, Freiheit 16, 01662 Meißen

Die Ausstellungseröffnung, die wegen Covid-Nr.-19 eine geschlossene Veranstaltung vor geladenen Gäst!nnen war, fand am 6. Juni 2020 im Remter des Klosters statt; die Rede hielt Undine Materni. Sie fragte darin:
Kennen Sie das? Dass man bestimmte Dinge für selbstverständlich hält und deshalb nicht danach fragt? Und wie wunderbar erhellend es dann ist, wenn man es trotzdem getan hat? Warum heißt das Zündblättchen eben so und nicht anders?
Die ganze Gründungsgeschichte der kleinen und feinen Kunst- und Literaturzeitschrift Zündblättchen steht in ZB Nr. 40. Hier wird sie nicht erzählt. Wer sie lesen möchte, wende sich an Else Gold oder an den Kunstverein Meißen. Wer mehr über Else Gold und WEHerbst Silesius, zwei der ursprünglich drei Gründer!nnen der Zeitschrift wissen möchte, kann hier weiterlesen, was P. über sie schrieb.
Ulrike Gramann las am 6. Juni das Märchen Herrn Hörmanns Einladung, das im Zündblättchen Nr. 100 zusammen mit Fotografik von Else Gold veröffentlicht wurde.

Wie kann eine Ausstellungseröffnung eine geschlossene Gesellschaft sein? Da ging es bei aller Freude recht leise zu, und man kann schon traurig sein, dass Covid Nr. 19 aus den normalsten Dingen der Welt geschlossene Veranstaltungen machen kann. Immerhin aber gibt es endlich wieder Veranstaltungen und Ausstellungen, und deshalb nun zum Vergnügen:

Die Ausstellung ist geöffnet!
Für den Besuch wird bis auf Weiteres um telefonische Voranmeldung gebeten. Tel. 03521-4706-22. Vielen Dank für Einsicht und Verständnis.
Der schöne Kreuzgang ist offen, frische Luft und Platz zum Ausweichen sind gegeben.

Koordinaten: 51° 10′ N, 13° 29′ O, Kunstverein Meißen – ZB 100.

Augenweide · Buchstabenfracht

Kranz oder Krone (59) – Nachricht vom Grün

08.06.2020 · poliander

Die Hummel, die erstaunlich ausdauernd war in ihrem Schlaf, sich nur ab und zu ein wenig drehte, heute morgen zwischen 8 und halb 10 hat sie ausgeschlafen. Sie ist fort. Die Ringelblüte steht offen.

Lindgrün ist das Kleid unserer Straße, Blütenfähnchen wie Lichter, ein dezent unruhiges Muster. Vor jedem Fähnchen sitzen die Knospen. P. kann sie riechen, ehe sie aufgehn.

P. hört sagen, das wären mandschurische Linden. Schön wär’s. Denn die mandschurische Linde lebt in Steppen und Trockenwäldern auf sonnigen bis lichtschattigen Standorten, die hält das aus. Und Berlin ist zur Steppe geworden. Jeder Regen wird begrüßt, als wär er der erste. Oder letzte.

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Kranz oder Krone
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Kranz oder Krone (58) – Welt dreht weiter

07.06.2020 · poliander

Am Sonntag bleiben P.s Gedanken privat.

Dies sind die Gedanken von Freitag:

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Kranz oder Krone
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Kranz oder Krone (57) – statt ins Bücherregal schaut P. ins Landleben

01.06.2020 · poliander

Liebe Leserinnen und Leser,
mit Vergnügen kündigt Poliander an:

Die Geduld der Wanderratte
Ein Märchen von Poliander

seit vorgestern online auf dem Begine-Blog. Bitte oben auf den Titel des Märchens oder hier klicken. Dauer der Lesung: zirka zehn Minuten.
Die Wanderratte gestattet einen tiefen Einblick in einen verborgenen Winkel des Tierlebens auf dem Lande.
Zuhörerinnen und Zuhörer sind herzlich willkommen!

Zündblättchen und Lesenacht

Das Zündblättchen Nr. 50, in dem das Märchen zusammen mit den schönen Scherenschnitten von Carla Schwiegk erschien, ist übrigens bei der Herausgeberin Else Gold noch erhältlich.

Als Zugabe nur für Frauen die Ankündigung, dass die
Begine – Treffpunkt und Kultur für Frauen
demnächst wieder öffnet. Mehr Information hier.

Und in eigener Sache: Zwar bedeutet Normalisierung längst nicht Normalität, doch kehrt das öffentliche Leben aus der Zurückgezogenheit schrittweise zurück. P. wird “Kranz oder Krone” darum ab Folge 60 vorerst aussetzen oder auflockern und Beiträge auch wieder den bislang üblichen Kategorien zuordnen. Und wenn Sie meinen, für P. habe sich doch nichts geändert, sei sie doch ganz normal jeden Tag an ihrem Schreibtisch zu Hause, den man auch Homeoffice nennen kann: P. ist nicht nur Zeitreisende, sondern schreibt auch in der Zeit und analog diesseits und jenseits der Grenzen des eigenen Büros – im Vorraum des Lieblingskinos, in der Bibliothek, im Café, in Zügen, im botanischen Garten, auf Spielwiesen… überall da, wo ein Notizbuch und ein paar Stifte Platz finden. Die meisten dieser Orte werden nach und nach wieder zugänglich – unsere Stadt.

Koordinaten 1: Die Geduld der Wanderratte. Ein Märchen von Poliander. Mit Scherenschnitten von Carla Schwiegk. Als Zündblättchen Nr. 50 herausgegeben von Else Gold und WEH 2012
Koordinaten 2: 181.815 (Zahl laut Robert-Koch-Institut vom 1. Juni 2020, 0 Uhr, online aktualisiert 7:50 Uhr). Genesene: 165.200 (vom RKI geschätzte Zahl laut Lagebericht vom 31. Mai 2020)

Kranz oder Krone
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Kranz oder Krone (56) – Baumglück und die Erinnerung an eine Kommandantura

29.05.2020 · poliander

Blick aus dem Fenster: Die voll ergrünten Bäume verhindern den Blick auf das Gerüst dort drüben, am Ende der Straße, oben, unten, schräg gegenüber. Ach, draußen sein!

Geräusch: Klappern und Schlagen von Metall auf Metall zeigt an, was geschieht: Das Gerüst, das am Anfang des “Lockdowns” aufgebaut wurde, wird nun abgebaut. Das Dach ist repariert, sieht aus wie neu. P. und der Gefährte hoffen nur, dass die Fledermäuse, deren es viele gibt in der kleinen Straße, weiterhin in den Dächern wohnen und in der Dämmerung durch die Luft flitzen. Drinnen sein können und draußen sein, auch die Flügelmäuse.

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Kranz oder Krone
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