Polianders Zeitreisen

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Die Sportlerin / Die Frau in deinem Leben bist du

30.07.2019 · poliander

Lizzie Libera und Ulrike Gramann laden herzlich ein zur
Sonntagsöffnung der Amerika-Gedenkbibliothek:

Die Sportlerin / Die Frau in deinem Leben bist du

Ulrike Gramann liest aus ihrem Buch „Die Sportlerin. Die Geschichte der feministischen Kickboxerin Claudia Fingerhuth“, und die Liedermacherin Lizzie Libera singt frauenbewegte Lieder.

am 11. August 2019, 14.30 bis 16 Uhr
im Salon der Amerika-Gedenkbibliothek, Blücherplatz 1, 10961 Berlin-Kreuzberg [Mehr →]

Augenweide · Buchstabenfracht · Ohrenschmaus

Poliander im Land der Kohle (2)

19.07.2019 · poliander

Sie ist 1000 Jahre alt, sogar 1011, und als P. und der Gefährte vor ihr ankommen, ist es heiß, es ist trocken, die Sonne steht unverrückbar am Himmel, die Sommerzeit steht still. Eine Hochzeit gerinnt zum Standbild. P. wartet. Die Kirchentür steht offen. Der Gefährte und P. drücken sich an den Hochzeitsgästen vorbei.

Löwe, Dorfkirche Stiepel. Foto: Gramann
Löwe, Dorfkirche Stiepel.

Bochum ist älter als man denkt. Jedenfalls älter als P. bisher dachte. Vor viertausend Jahren waren Menschen hier, die Spuren hinterlassen haben. Im 9. Jahrhundert wurde Bochum in einer Urkunde des Benediktinerlosters Werden erwähnt, im Heberegister. Das lassen wir jetzt mal andere erklären. Jedenfalls bedeutet die Existenz einer solchen Urkunde: Da waren schon etliche da. Denn das war ein Rechtsakt, da brauchte man Leute. Vielleicht hatte Karl der Große schon um 800 einen Reichshof anlegen lassen, und in dem Fall waren sogar viele Menschen da. Wo heute die Städte Dortmund und Essen stehen, also an Orten, die heute zu diesen Städten gehören, existierten Königspfalzen. Und in der villa stipula gab es einen Haupthof, der zu solch einem Reichshof gehörten. Wo ein Hof ist, ist auch ein Herr. Und, wir verkürzen das jetzt, der Frau dieses Herrn, Imma, wurde 1008 die Erlaubnis erteilt, auf diesem Hügel eine Kirche zu errichten.

Stiepel, freigelegtes Kapitell, oben, innen
Stiepel, freigelegtes Kapitell, oben, innen.



Vielleicht war das ein Kirchlein, zuerst. Dann entstand eine Basilika, mit nur zwei Jochen, wie man zugeben muss, später dann einer Halle. So entstand ein Raum von begrenzter Größe, der doch, wie fast alles in der Romanik, monumental wirkt.

Da kann eine lange stehen und rumschauen. Es ist hell und kühl, draußen heiß. Manchmal eine Stimme aus der Hochzeitsgesellschaft, die sich draußen aufhält, Sekt und Glückwünsche, Fotos und so weiter. Da kommt jetzt ein Chor herein, beginnt sich einzusingen. Ist jemand Offizielles hier? Von der Kirchgemeinde vielleicht? P. fragt, ob sie bleiben können. Der Offzielle nickt. Er wirkt auch überrascht. Aber die Kirche ist belebt, auf einmal, und das ist schön. Eigentlich ist es zu laut, was sie da singen, als sie sich eingesungen haben, der Raum, monumental oder nicht, zu klein für die Lautstärke: Gospel. Good spel, das heißt: gute Nachricht. Kann gar nicht laut genug sein, denken sie vielleicht, und es passt doch, in diese ernste romanische Anlage. Passt zu den gemalten Teppichen, die an den Mauern zu hängen scheinen, zu den Bögen, den Bildern, zu dem Drachen ganz oben, in dessen hoch gelegener Ecke es noch dunkler ist als in der des Löwen. Fotografieren geht gar nicht. Sie gehen herum, leise leise, hören zu, leise leise. Fotografieren geht doch.

Stiepel, Flucht nach Ägypten
Stiepel, Flucht nach Ägypten.

Was wollte ich gleich sagen? Wir sind mitten im Ruhrgebiet. Aber auch auf dem Weg nach Ägypten. Das Schöne an der Romanik ist, dass man die Zeichen leicht deuten kann. Esel, Mann, Frau, Kind: Flucht nach Ägypten. Und das bedeutet: Mann und Frau wollten bleiben, doch sie mussten gehen. Das Baby und der Esel, die wurden gar nicht gefragt. Es geschah zum Besten des Kindes, dessen Altersgenossen politisch verfolgt wurden, ermordet, ohne dass sie auch nur die kleinste politische Handlung begangen hätten. Gut, dass es den Esel gab, der Mutter und Kind tragen konnte.

Du suchst die Vergangenheit und findest die Gegenwart.

Kohlen haben P. und der Gefährte an diesem Tag nicht gesehen, Förderanlagen schon, still liegende, unterwegs. Warum ist es an der Ruhr so schön? Altes Kulturland. Die Sonne brannte heiß, an diesem Tag des Besuchs. Als sie aus der Kirche traten, saßen noch einige Hochzeitsgäste auf den Grabsteinen und ruhten sich aus. Und um die Ecke feierte die Kirchgemeinde ein kleineres Fest. P. und der Gefährten nahmen den Löwen und den geflügelten Drachen als Bilder mit. Kultur, ja. Aber auch Kellerbier.

Koordinaten: 51° 24′ 59“ N, 7° 14′ 7“ O.
Alle Fotos: Ulrike Gramann.

Begegnung
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Poliander im Land der Kohle (1)

25.06.2019 · poliander

Da sind Halden, da ist Industrie, da ist die Stadt, der Förderturm ist da, da ist die Landwirtschaft und dort die Arena auf Schalke, und von der Flutlichtanlage nicht weit weg liegt der Gemeinschaftsgarten. Natur, das ist dann so ein Hinweis im Wald:

„Die Wege bitte nicht verlassen! Gefahr durch Bergschäden!“

Unter der Natur in Gestalt von Wald, Wiese, Fluss und auch unter der Kultur in Gestalt von Stadt, Industrieanlage und Feld liegt Natur in Gestalt von Kohle.

P. ist gern im Land der Kohlen, auch P.s Gefährte. Rumfahren und rumgucken. Zum Beispiel nach Bottrop, zum Tetraeder, da fährt man schon fast direkt, von Essen aus gesehen, geradezu direkt direkt, oder über Gelsenkirchen, das geht auch, und es dauert weniger als eine Stunde. Im Ruhrgebiet, da steigt man oft um, aber dann ist man auch schnell da, an dieser Straße mit dem zarten Grün, gut, das war im Frühling, jetzt haben wir Sommer und Hitze, aber im Frühling war es dort vor allem sehr zart grün, und P. und Gefährte, sie gingen einfach schräg den Weg die Halde hinauf, hin und her, zick und zack, und die Bäumchen da standen seit richlich 20 Jahren, vielleicht, und waren 5 Meter hoch, vielleicht, vielleicht auch mehr, und die Blättchen säuselten schon ein bisschen, im Wind oder so. Auf die Halde würdest du vielleicht nicht dein Gemüse pflanzen. Aber so Bäume schon, die sind ganz schön so, wie sie da stehn. Und auch das Gestrüpp und die Gräser und Kräuter und was da sonst wächst, schön. Schön grün.

Von der Halde schaut man auf die Schachtanlage Prosper Haniel. Davon haben Sie schon gehört, liebe Leserinnen und Leser, vor Weihnachten 2018. Prosper Haniel war die letzte Zeche, in der am Ende die Steinkohlenförderung eingestellt wurde. So sieht sie aus, von außen gesehen:


Darunter liegt immer noch Kohle. 300 Millionen Tonnen wurden hier herausgeholt, also unter den Zechen Prosper, Jakobi und Franz Haniel, die man am Ende zu Prosper Haniel zusammenfasste. Ein bisschen Kohle ist immer noch da. Und bleibt auch da. Nur gearbeitet wird hier weiter, bis in alle Ewigkeit. Oder sagen wir, solange es Menschen gibt. Grubenwasser, zum Beispiel, darf sich nicht mit dem Grundwasser mischen. Das muss man verhindern. Auf der Halde neben der einstigen Zeche steht seit 1995 schon ein Tetraeder aus Stahl. 78 Meter hoch ist die Halde, und einen Namen hat sie auch: Halde Beckstraße.

tetraeder bottrop

Der Tetraeder schwebt. Die Brücken zu den Aussichtspunkten hängen im Stahl. Leicht fasst Schwindel die Hinaufsteigenden an. Aber Stahl hält. Und dann: Ausblick.

Bottrop Blick vom Tetraeder

Leicht schwingt der Tetraeder auf seinen stählernen Füßen. Man mag es oder man mag es nicht. Man liebt die Aussicht oder nicht. Berlin, sagt P., ist nicht der Nabel der Welt. P. weiß nicht, ob die Welt einen Nabel hat. Die Erde, denkt P. hat ein reiches Innenleben, das eigene und das, das Menschen in sie hineingruben.

Koordinaten: 51° 31′ 39“ N, 6° 57′ 35“ O. Emscher. Route Industriekultur.
Alle Fotos: © Klaus Meyer-Gramann und Ulrike Gramann.

Begegnung
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„Die Sportlerin“ in Potsdam

10.06.2019 · poliander

Dies ist eine Einladung zum emanzipatorischen (Kampf-)Sportwochenende der Sternfabrik, das vom 14. bis 16. Juni 2019 in Potsdam stattfindet. Zum Auftakt seid ihr herzlich willkommen bei Lesung und Gespräch:

Die Sportlerin 
Lesung mit Ulrike Gramann und Gespräch mit Claudia Fingerhuth
am 14. Juni, 19 Uhr im Freiland Potsdam (Haus 2)
Friedrich-Engels-Str. 22, 14473 Potsdam

Die Sportlerin erscheint im Dezember 2018

Koordinaten: 52° 24′ N, 13° 4′ O, Potsdam, Sternfabrik 2019

Buchstabenfracht

Mehr lesen: Die Sportlerin in Meißen

19.05.2019 · poliander

Herzliche Einladung an alle:

Die Sportlerin
Lesung und Gespräch mit Ulrike Gramann
am 25. Mai 2019, 17 Uhr
in der Ausstellung HIGH NOON – Nadine Wölk, Zeichnung und Malerei
Kunstverein Meißen, Burgstr. 2, 01662 Meißen

Koordinaten: 51° 10′ N, 13° 29′ O, Kunstverein Meißen, Nadine Wölk.

Buchstabenfracht

„Sportlerin“ in Frankfurt

03.05.2019 · poliander

Liebe Sportler!nnen und Leser!nnen,

alle sind herzlich eingeladen zu Lesung und Gespräch:

Die Sportlerin. Die Geschichte der feministischen Kickboxerin Claudia Fingerhuth
mit Ulrike Gramann
am 10. Mai, 20 bis 22 Uhr
auf Einladung des Sportvereins Roter Stern e.V.
im Haus der Falken, Rödelheimer Straße 14, 60487 Frankfurt am Main
Eintritt frei!

Die Gastgeber!nnen und die Autorin freuen sich auf Neugierige und auf Meinung und Kritik.

Koordinaten: 50° 7′ N, 8° 41′ O. Die Sportlerin.

Buchstabenfracht

Einladung zur 21. Langen Buchnacht in Berlin-Kreuzberg

30.04.2019 · poliander

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie sind, Ihr seid herzlich eingeladen zur 21. Langen Buchnacht:

Mit jedem Schritt den Standort wechseln: Literarisch-musikalischer Spaziergang durch Berliner Kieze
Juliane Beer und Ulrike Gramann lesen, Lizzie Libera singt
am 18. Mai 2019, 20.30 Uhr in der Mittelpunktbibliothek Kreuzberg
Adalbertstr. 2, 10999 Berlin-Kreuzberg


Wir freuen uns über Stadtflaneur!nnen, Neugierige und Leselustige.
Der Eintritt ist frei!

Koordinaten: 52° 29′ 15“ N, 13° 23′ 0“ O, 18. Mai 2019, 20.30 Uhr, Mittelpunktbibliothek Berlin Kreuzberg,

Buchstabenfracht

Wie wir heute sehen

15.04.2019 · poliander

Sie sieht aus, als könnten wir sie kennen, persönlich kennen, meine ich.

Lotte Laserstein, Liegendes Mädchen auf Blau, um 1931, Privatbesitz Berlin, Courtesy Das Verborgene Museum, Berlin, Foto: Das Verborgene Museum, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Lotte Laserstein, Liegendes Mädchen auf Blau

Ich kenne sie aus Frankfurt, dieses Mädchen meine ich, diese junge Frau, aus dem Städel, und sie wirkte so körperlich, so gegenwärtig, und es kamen mir altmodische Gedanken ins Gehirn, als ich sie sah: als ob ich sie atmen sehen könnte.Wie das gemalt ist. Wie das gezeichnet ist, die Akte, auch die männlichen, auch die vom Rücken her gesehenen. Der Körper wird so ernst genommen, nicht mit „liebendem Auge“auf Schönheit aus oder was eine dafür halten kann, sondern so genau, um das zu zeigen, was da ist. Und das kann man in zwei Richtungen betonen: was da ist, dort, was da ist, vorhanden.

Und Lotte Laserstein ist oft mit im Bild. Sie dachte sich mit, sie zeigte ihre Arbeit, den Prozess. Sie geht so nahe dran. Wie das Modell vor dem Spiegel steht, nackt, mit sich beschäftigt, das heißt: mit ihrem Bild, dem Bild im Spiegel. Und die Malerin dahinter ist ebenfalls mit sich beschäftigt: mit ihrem Bild, dem Bild, das sie malt. Wie sie bei den Frauen das Herbe sieht und bei den Männern das Weichbewegte. Sie malt mit beseelter Stimme.

Sie ist auf so vielen Bildern zu sehen, sie muss sich so sehr gefreut haben, malen zu können. Das Selbstpoträt, 1927 im Atelier, in der Friedrichsruher Straße. Die gibt es noch, diese Straße, da kann man zu Fuß hingehn.

Die sind schon über 90 Jahre alt, diese Bilder. Und sie sehen aus wie grade gemalt, nur besser vielleicht. Die sind so frisch, so gegenwärtig. Die Malkunst ist wie von einer alten, einer ganz alten Meisterin. Die Gemälde sind von jetzt. Und diese junge Frau, die sieht aus, als kennten wir sie.

Koordinaten: Lotte Laserstein (1898-1993), Ausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“ in der Berlinischen Galerie vom 5. April bis zum 12. August 2019
Abbildung: Lotte Laserstein, Liegendes Mädchen auf Blau, um 1931. Foto: Das Verborgene Museum, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Allgemein
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„Die Sportlerin“ im Schriftstellerhaus

01.04.2019 · poliander

Die Sportlerin erscheint im Dezember 2018

Lesung und Gespräch mit Ulrike Gramann
am 5. April 2019, 19.30 Uhr
im Schriftstellerhaus, Spanheimstr. 1, 13357 Berlin-Gesundbrunnen

Leser und Leserinnen sind herzlich eingeladen.

Der Eintritt ist frei!

Koordinaten: Berlin-Gesundbrunnen. 52° 32′ 55“ N, 13° 23′ 25“ O Das Schriftstellerhaus.

Buchstabenfracht

Herzliche Einladung zu den Buchköniginnen

07.03.2019 · poliander

Die Sportlerin

Lesung und Gespräch mit Ulrike Gramann
am 14. März 2019, 19.30 Uhr
in der Buchhandlung „Buchkönigin“ [Mehr →]

Buchstabenfracht
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