Polianders Zeitreisen

Polianders Zeitreisen header image 1


Herzliche Einladung nach Baden

04.04.2018 · poliander

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie sind, Ihr seid herzlich eingeladen zu einer Veranstaltung
im Rahmen der Europäischen Kulturtage “Umbrüche // Aufbrüche” in Karlsruhe:

Roman

Roman

Die Sumpfschwimmerin
Roman

Lesung und Gespräch mit Ulrike Gramann
24. April 2018, 20 bis 21.30 Uhr
Stadtbibliothek im Neuen Ständehaus, Lesecafé
Ständehausstraße 2, 76133 Karlsruhe
Eintritt frei.

Poliander und Gramann freuen sich auf ein Wiedersehen, auf Meinung und Kritik.

Koordinaten: 49° 0′ 34” N, 8° 24′ 15” O. Europäische Kulturtage.

Buchstabenfracht

Ein Gebirge, ein Kristall

17.04.2018 · poliander

Wallfahrtsdom in Neviges

Wallfahrtsdom in Neviges

Anfängliche Wärme, Anfang April, in Essen blühen Forsythien am Bahndamm, schwache Nebel aus Blüten steigen in Bäumen auf, dünnes Grün auf Zweigen, der lang Erwartete kommt in dünnem Kleid, der Frühling, und manche mögen sein Suffix nicht, weil sie glauben, jedes, das auf -ling endet, müsse ein dienstbarer Geist sein oder ein unmündiges Kind.  [Mehr →]

Augenweide
· · ·

Unbekannte Manuskripte, nächtliche Briefe, Polianders subjektive Sicht

16.04.2018 · poliander

Christine Düwel, Nächtliche Briefe 3

Christine Düwel, Nächtliche Briefe 3

“Nächtliche Briefe”, sie sehen aus, als wären sie im Dunklen geschrieben. Wie sonst hätten sie geschrieben sein können: Irgendwo ist es immer dunkel. Grau grau sichtbar unsichtbar: als wären Fäden über das Blatt gezogen, schwarzweiß auf Grau, grau auf Schwarzweiß. Nächtliche Briefe, als wäre Papier knapp gewesen, immer noch ein Brief steht auf dem selben Grund. Um sie zu lesen, schieben wir uns zwischen die Schichten, wir versuchen es. Schlaflos, fragt P. sich, oder traumlos? Schreiben wie im Traum, denkt P.: aufwachen und einfach weiterschreiben. [Mehr →]

Augenweide
· ·

Illusion und Fremdheit

15.03.2018 · poliander

Züge fahren ab.

Manche Züge sind schon abgefahren.

Auf dem Bahnsteig: sitzen im Zug, warten, dass er fährt. Spürt zuerst der Körper das Fahrgestell anrucken, sieht zuerst das Auge, wie das Bild im Fenster sich verändert? Blick hinaus: Dinge geraten in Bewegung. Äh, welche jetzt?

Wenn das Schiff am festen Strande
     hinfährt auf dem Wogenpfad,
Glauben die im Schiffe manchmal,
     was da fährt, sei das Gestad’.
So auch wir, deren Schicksal
     im Vergehen nur besteht,
Glauben doch auf unsrer Reise:
     Wir bestehen; die Welt vergeht.
(Dschalāl ad-Dīn ar-Rūmī)

P. stimmt dem kritischen Dichter für sich zu. Der Mystik, gleich welcher Färbung, ist P. still zugeneigt. Leise saß P. damals in Erfurt an Sommermittwochabenden in Meister Eckhards Kirche und lauschte der Orgel. Und einmal zitierte ein Prediger den Meister, der habe geschrieben: Und wenn einer in Verzückung ist in einem der Himmel und darin Paulus gleich, und da käme ein Armer an die Tür, um einen Teller Suppe zu bitten, dann möge der Verzückte die Verzückung lassen und gehn und dem armen Menschen die Suppe geben. Und als P. das hörte, schaute P. zu den Trümmerfenstern. Farben waren geblieben, als die Bilder im letzten Krieg in Trümmer gingen.

P. schaut zweifelnd und kritisch auf sich selbst. P. schaut ärgerlich auf die, die sich umstellt fühlen, weil andere ärmer sind als wir, bedroht in ihrer Freiheit und an Leib und Leben. Dabei wollen doch alle das Beste für sich und die Ihren, wie können wir es andern verdenken, dass die auch nichts Anderes wolln. Die größte Angst vor den Fremden haben, die gar keine kennen. Wir haben Freiheit nicht immer gekannt, doch wir verfügen über die Gabe, ihre Sprachen zu lernen.

Man kann es auch anders sagen:

Wenn Ihr Schiß habt vor der Freiheit, geht zurück in euren Stinkstall und laßt euch verwursten.
(F.K. Waechter)

Koordinaten: März 2018, Bundesrepublik Deutschland.

Erregung
· ·

Zurück nach Babel geht es durch den Fluss

18.02.2018 · poliander

FREIHEIT film von jan speckenbach

FREIHEIT Film von Jan Speckenbach

Trinkt sie aus dem Lethefluss, wird sie vergessen, die Seele. So sagt der Mythos, und so glaubt sie auch. Sie schöpft das Wasser mit der Hand. Eine Verwirrte kommt, spricht mit ihr, schreit sie an, ehe sie noch das Wasser vom Munde gewischt hat. Die Alte läuft davon, sie hat längst getrunken. Ob das Wasser auch bei ihr gewirkt hat, wird die Jüngere erst noch erfahren.

[Mehr →]

Augenweide · Begegnung
· · ·

Große Tochter, endlich gesehen

08.01.2018 · poliander

Anita Rée_Weiße Nussbäume_1922-1925, Copyright Hamburger Kunsthalle

Anita Rée (1885–1933)
Weiße Nussbäume, 1922–1925. Öl auf Leinwand, 71,2 x 80,3 cm. © Hamburger Kunsthalle / bpk. Foto: Elke Walford

Weiße Nussbäume: Von den Stadt/Landschaften, die historische, oft vollkommen verlassen erscheinende Orte in Kampanien und Kalabrien zeigen, mag ich diese am meisten, die laublosen Bäume, Stille und Menschenferne. Es muss Menschen hier geben, an einer Mauer lehnt noch die Leiter, benutzt zum Beernten der Bäume vielleicht, vielleicht bereit, dass wer die Mauer übersteigen kann. Kein Horizont, nur eine Palme im Mittelgrund des Bildes täuscht ihn vor, indem sie den dunkleren Hintergrund für die Nussäste abgibt. Einen wirklichen Hintergrund gibt es nicht, nur wenige Häuserzeilen sind hintereinander gereiht. Leere Fenster, in einem sieht man die Ecke eines anscheinend ebenfalls leeren Raumes. Bögen, Stufen, eine Brücke führt in das Bild hinein, ob etwas unter ihr fließt, ob ein Weg darunter entlang führt, bleibt im Dunklen. Ein paar Zweige weisen hinein. (P.)

[Mehr →]

Augenweide · Reisebrief
·

Fließend übergehen

31.12.2017 · poliander

wassermuehle

2018 in Bewegung bleiben

Was fließt, ist der Regen, manchmal auch Schnee. Das Jahr floss dahin, ein Bach, ein kleiner, dann größerer Fluss, ein Strom sodann, der in ein Delta überging, das Jahr wurde breit, der Weg vom Beginn zum Heute weit. Bald ist es zerflossen im Fluss der Zeit.

An einem fernen Ort bereitet die Quelle sich vor, aus der das Rinnsal kommen wird, das bald die Öffnung erweitert, mit größerem und größerem Druck will Wasser aus der Erde dringen, ein Quell, ein Fließ mit schwacher zuerst, dann größerer, schließlich beträchtlicher Schüttung; das Fließen kommt näher, wir sehen es kommen, fühlen es, zuletzt überschwemmt uns das neue Jahr mit Tagen und Nächten, die sind wie Wasser und hüllen uns ein, wir schwimmen, um nicht zu ersticken, nicht zu ertrinken, wir drehen das Gesicht zum Himmel: dort! ein Stern *

Wir gehn mit dem Fluss, folgen ihm, schwimmen darin, treiben dahin mit dem Floß, flößen die Arbeit neuer Tage, den Fischtreppen entgegen, auf denen die Fischlein quellwärts steigen auf dem Organismenaufstieg, und wir fahren hinab, meerwärts, ins unendliche Meer ***** und was da treibt, was der Fluss zerreibt, was für immer bleibt: entscheiden wir.

Liebe Leserinnen und Leser,
Poliander wünscht Ihnen und Euch ein neues Jahr, in dem alles im Fluss bleibt, Lebendiges lebendig sein kann, kluge Gedanken frei fließen und bewegliche Hände schönes Menschenwerk und gutes in den Fluss der Zeit setzen. Bleiben Sie verbunden! Herzlich grüßen
Poliander & Gramann

Koordinaten: 2017/2018. Bonne Année! Mutlu yeni yıllar! A seegend neijuar! A happy new year! С Новым годом! La Multi Ani! Gelukkig Nieuwjaar! Ein glückliches neues Jahr!

Reisebrief
· · ·