Polianders Zeitreisen

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Poliander im Land der Kohle (1)

25.06.2019 · poliander

Da sind Halden, da ist Industrie, da ist die Stadt, der Förderturm ist da, da ist die Landwirtschaft und dort die Arena auf Schalke, und von der Flutlichtanlage nicht weit weg liegt der Gemeinschaftsgarten. Natur, das ist dann so ein Hinweis im Wald:

„Die Wege bitte nicht verlassen! Gefahr durch Bergschäden!“

Unter der Natur in Gestalt von Wald, Wiese, Fluss und auch unter der Kultur in Gestalt von Stadt, Industrieanlage und Feld liegt Natur in Gestalt von Kohle.

P. ist gern im Land der Kohlen, auch P.s Gefährte. Rumfahren und rumgucken. Zum Beispiel nach Bottrop, zum Tetraeder, da fährt man schon fast direkt, von Essen aus gesehen, geradezu direkt direkt, oder über Gelsenkirchen, das geht auch, und es dauert weniger als eine Stunde. Im Ruhrgebiet, da steigt man oft um, aber dann ist man auch schnell da, an dieser Straße mit dem zarten Grün, gut, das war im Frühling, jetzt haben wir Sommer und Hitze, aber im Frühling war es dort vor allem sehr zart grün, und P. und Gefährte, sie gingen einfach schräg den Weg die Halde hinauf, hin und her, zick und zack, und die Bäumchen da standen seit richlich 20 Jahren, vielleicht, und waren 5 Meter hoch, vielleicht, vielleicht auch mehr, und die Blättchen säuselten schon ein bisschen, im Wind oder so. Auf die Halde würdest du vielleicht nicht dein Gemüse pflanzen. Aber so Bäume schon, die sind ganz schön so, wie sie da stehn. Und auch das Gestrüpp und die Gräser und Kräuter und was da sonst wächst, schön. Schön grün.

Von der Halde schaut man auf die Schachtanlage Prosper Haniel. Davon haben Sie schon gehört, liebe Leserinnen und Leser, vor Weihnachten 2018. Prosper Haniel war die letzte Zeche, in der am Ende die Steinkohlenförderung eingestellt wurde. So sieht sie aus, von außen gesehen:


Darunter liegt immer noch Kohle. 300 Millionen Tonnen wurden hier herausgeholt, also unter den Zechen Prosper, Jakobi und Franz Haniel, die man am Ende zu Prosper Haniel zusammenfasste. Ein bisschen Kohle ist immer noch da. Und bleibt auch da. Nur gearbeitet wird hier weiter, bis in alle Ewigkeit. Oder sagen wir, solange es Menschen gibt. Grubenwasser, zum Beispiel, darf sich nicht mit dem Grundwasser mischen. Das muss man verhindern. Auf der Halde neben der einstigen Zeche steht seit 1995 schon ein Tetraeder aus Stahl. 78 Meter hoch ist die Halde, und einen Namen hat sie auch: Halde Beckstraße.

tetraeder bottrop

Der Tetraeder schwebt. Die Brücken zu den Aussichtspunkten hängen im Stahl. Leicht fasst Schwindel die Hinaufsteigenden an. Aber Stahl hält. Und dann: Ausblick.

Bottrop Blick vom Tetraeder

Leicht schwingt der Tetraeder auf seinen stählernen Füßen. Man mag es oder man mag es nicht. Man liebt die Aussicht oder nicht. Berlin, sagt P., ist nicht der Nabel der Welt. P. weiß nicht, ob die Welt einen Nabel hat. Die Erde, denkt P. hat ein reiches Innenleben, das eigene und das, das Menschen in sie hineingruben.

Koordinaten: 51° 31′ 39“ N, 6° 57′ 35“ O. Emscher. Route Industriekultur.
Alle Fotos: © Klaus Meyer-Gramann und Ulrike Gramann.

Begegnung
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