Polianders Zeitreisen

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Zündp/blättchen in alle Hosentaschen

26.05.2014 · poliander

Kunst und Literatur in der Burg

Dazu gehören immer drei.

Poliander zeigt an:

Albrechtsburg, die Evangelische Akademie und Kunstverein Meißen veranstalten:

ZB Terzett

Die Kunst- und Literaturzeitschrift
DAS ZÜNDBLÄTTCHEN – überelbsche Blätter für Kunst und Literatur
feiert zehn Jahre seines Bestehens, in denen 60 Hefte erschienen sind.

Feier: eine Ausstellung von Arbeiten aller beteiligten Künstlerinnen und Künstler,
Graphik, Malerei, Skulptur, Plastik und Objekte

Feier: zahlreiche Lesungen von beteiligten Autorinnen und Autoren, besonders zum Literaturfest Meißen

 

Das Zündblättchen ist auch ein Abkömmling des namengebenden Zündplättchens, der pyrotechnischen Munition für Spielzeugwaffen. Wer von Ihnen gehörte zu jenen Kindern, die eine Zündplättchenpistole besaßen? Wahrscheinlich wenige. Eine Rolle Zündplättchen aber besaßen die meisten von uns, von Zeit zu Zeit zumindest, manchmal auch nur ein Fetzchen davon. Man kratzte mit dem Daumennagel, bis der kleine Punkt zündete, wobei ein knackendes oder spritzendes Geräusch frei wurde, ein Fünkchenschlag, ein brandiger, brenzliger, köstlicher Geruch, jedenfalls für Kindernasen. Mutigere erzeugten diese Mini-Explosion, indem sie auf das Plättchen bissen, was den Hauch eines Knalls ergab. Ich weiß nicht mehr, was eine Rolle Zündplättchen kostete, in meiner Erinnerung wanderten die Dinger von Hosentasche zu Hosentasche. Und das sollte sie mit den Zündblättchen verbinden.
Der Entstehungsort und assoziative Namensgeber dieses Zündblättchens ist der Meißner Goldgrund. Dort, in der einstigen Bickfordschen Zünderfabrik wurden von 1844 bis 1918 Zündschnüre für Sprengungen im Bergbau hergestellt. Die waren etwas ernster als Zündplättchen. Auch das Zündblättchen ist gefährlicher, als das feine Punktdekor, das an die Zündplättchen erinnert, uns glauben macht. Denn fein, zierlich und auf den ersten Blick unauffällig ist an diesem Zündblättchen alles: das schlichte Gebrauchspapier, die Schriften, der Schwarz-Weiß-Druck, ursprünglich mit einem alten Risographen, heute mit einem Laserdrucker hergestellt, der einfache Pappschuber, in dem ein ganzer Jahrgang kommt, die Buntstiftfarben des Aufklebers und der Gummi, der den Schuber zusammenhält
.
Es ist nicht nur ein Klischee, dass sich das Schlichte gern mit dem Raffinierten verbindet. Bei jedem Zündblättchen müssen die Seiten des einfach geklammerten Druckbogens erst aufgeschnitten werden. Alle, die auf einem Grafikmarkt ein Zündblättchen in die Hand nehmen, sind also erst einmal mit der Entscheidung konfrontiert: Will ich einen Euro und fünfzig Cent ausgeben, ohne zu wissen, ob da wirklich Literatur und Kunst enthalten sind? Und ob ich die dann mag? (…)
Allen, die zweifeln, kann ich hier Mut zusprechen: Für den Gegenwert eines Kaffees mit Milch bekommt man zwei hosentaschentaugliche Hefte voller literarisch-künstlerischer Subversion. Subversion heißt: Hier gibt es das, was es nicht überall gibt, und darum stellen diese Hefte das, was es überall gibt, in Frage. Subversiver, das heißt auch: ungewöhnlicher Ausdruck und zündende Gedanken stecken im Kleinen, erst auf den zweiten Blick Erkennbaren.

(aus Polianders Lobrede auf das Zündblättchen vom 23. Mai 2014:)

Zündblättchen in Schubern

Zündblättchen in ihren Schubern

Das älteste Schloss Deutschlands öffnet seine Räume für zeitgenössische Kunst und Literatur. Und das sind schöne historische Räume voller Licht, in denen jedes einzelne Bild seinen richtigen, von viel Luft umgebenen Platz bekommen hat.

Koordinaten: 51° 10′ N, 13° 29′ O, Albrechtsburg, Ausstellung ZB Terzett, Literaturfest Meißen.

Mehr: Polianders Zündblättchen

 

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