Polianders Morgen im Café: wegen des Kaffees und wegen der Zeitungen, wegen des freundlichen Barista, wegen der Stammgäste, die sich schon mal ein Stück Zeitung weiterreichen, wegen des stillen alten Mannes, der jeden Tag da sitzt, den Rollator zur Seite.
Was P. aus dem Café mitnimmt: fast immer ein Satz, der bleibt, der die Gedanken für den Rest des Tages bestimmt. Meistens nimmt P. so einen Satz mit, der weiterleuchtet: durch das Geschrei des Tagesgeschäfts, durch den Lärm der Straße, die Mühe der Arbeit, das Gedöns des Vergnügens und bis in den tiefen Schlaf. Es kann ein strahlender Satz sein, einer der hell leuchtet, oder einer, der seine düstere, beunruhigende Energie nur langsam abgibt.
Am 23. März 2026 war es dieses Zitat:
(Frage): Im Südsudan gibt es mehr als zwei Millionen Vertriebene. Zwei weitere Millionen sind bisher in Nachbarländer wie Kenia oder Uganda geflohen. Im Sudan findet derweil die größte Flüchtlingskrise der Welt statt, mit rund 14 Millionen Vertriebenen. Nach Europa kommen davon jedoch nur sehr wenige, ihre Zahl bewegt sich im niedrigen fünfstelligen Bereich. Rechnen Sie mit einer neuen Fluchtbewegung in Richtung EU?
(Antwort): Daran ist gar nicht zu denken. Die Menschen fliehen, um den nächsten Tag zu erleben. Ihr einziger Wunsch ist es, sich und ihre Familie in Sicherheit zu bringen.
Dabei machen sie sich keine Gedanken über die Zukunft oder die Frage, ob das Gras auf der anderen Seite vielleicht grüner ist. Es geht ihnen schlicht darum, ihr Leben zu retten. Das ist alles, woran die Menschen auf der Flucht denken.

Quelle: „Die Krise im Südsudan wird völlig vernachlässigt“. Gespräch mit Yashovardan, dem Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. Tagesspiegel vom 23. März 2026.
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