Polianders Zeitreisen

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Abenteuer Leselust: hören, sehen, lesen

08.03.2026 · poliander

Ulrike Gramann im Gespräch mit Anke Engelmann bei Literaturland Thüringen im Radio Lotte

Liebe Leserinnen und Leser,

lange nichts gehört? Aber jetzt!
Sie hören, ihr hört Poliander gleich selbst und in persona, nämlich im Radiopodcast.
P. war unterwegs. Doch nicht die Bahnfahrt war P.s Abenteuer, sondern die Reiselektüre, eine Reise zurück in der Zeit und voran in der pikaresken Welt, in der ein Mensch seine Geschichte zurechtbiegt, wie er will. (Oder muss?)

Um mit Anke Engelmann über ihr soeben erschienenes Buch „Blender“ zu sprechen, kam Poliander ins thüringische Weimar, das zugleich einer der Schauplätze von Leben und Abenteuern des Johannes Bohn ist. Direkt zum Gespräch, aufgenommen an einem vergnüglichen Vormittag, bitte hier entlang.

Wer aber ein wenig mehr über Engelmanns Schelmenroman erfahren will, bleibt zunächst hier:

BLENDER:
Johannes Bohn, ein Ende der 1950er Jahre geborenes Nachkriegskind, will schon als Baby nicht der sein, der er ist. Bohn, den Vater, bezeichnet er darum nur als Nennvater und phantasiert sich einen besseren, den Philosophen Ernst Bloch. Kein Wunder, dass das thüringische Kind – Stichwort: Grenznähe – schon bald mit der DDR-Staatsmacht in Konflikt kommt. Eigentlich möchte Hannes (Johannes will er auch nicht heißen) aufs Prinzip Hoffnung setzen und als Künstler leben. Doch Hannes denkt, die Stasi lenkt: Er landet im Gefängnis, alkohol- und drogensüchtig und verschuldet. Als die Stasi seine Begabung entdeckt, wird er zum Kunstfälscher ausgebildet. Denn die Kunst geht nach Devisen, die freilich nicht für Hannes gedacht sind, sondern fürs Regime.
Anke Engelmann leiht ihre Stimme einem Helden, der mit so viel Abenteuerlust wie krimineller Energie ausgestattet ist. Man folgt seinen Geschichten immer wieder mit Mitgefühl, zunehmend mit Zweifeln, bis man merkt: Der lügt ja!, und zurückblättert, um die Stelle zu finden, an der das immerhin Mögliche ins unzweifelhaft Erdichtete umschlug. Mal kommt fast Sympathie auf, aber dann klaut Hannes einem Kind den Inhalt der Sparbüchse. Mal wird er Zeuge von Verbrechen, aber fast sofort fragt man sich, ob er sie nicht doch selbst begangen hat.

Und en passant erfahren Leserinnen und Leser von Revolten und Ausschreitungen in der DDR, von denen man bislang in Funk und Fernsehen nicht ganz so viel erfuhr – Neugier aufs Weiterlesen in der Zeitgeschichte frei Haus mitgeliefert.

Darüber und über vieles mehr sprachen Anke Engelmann und Ulrike Gramann fürs Weimarer Radio Lotte.
Nachhören ab sofort hier bei Literaturland Thüringen im Radio.

Koordinaten: Anke Engelmann: Blender. Voland & Quist 2026. 50° 59′ N, 11° 20′ O

Reisebrief
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