<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Völkerwanderung</title>
	<atom:link href="http://www.poliander.de/tag/volkerwanderung/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.poliander.de</link>
	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Jan 2012 19:50:18 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2.1</generator>
		<item>
		<title>Geschüttelte Faust und eleganter Fingerzeig</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/12/18/fotografie-gundula-schulze/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2011/12/18/fotografie-gundula-schulze/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 21:44:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Sternbild]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=3707</guid>
		<description><![CDATA[Es muss zwischen September 1983 und Mai 1989 gewesen sein, dass in der Berliner Almstadtstraße eine Galerie öffnete. Wahrscheinlich ist es nicht vor 1985 gewesen, da Poliander und ich in unseren ersten beiden Jahren in Berlin die Almstadtstraße, die frühere Grenadierstraße im Scheunenviertel, sicher nicht kannten. Wir wohnten in Ostkreuz. Am wahrscheinlichsten ist, dass ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es muss zwischen September 1983 und Mai 1989 gewesen sein, dass in der Berliner Almstadtstraße eine Galerie öffnete. Wahrscheinlich ist es nicht vor 1985 gewesen, da Poliander und ich in unseren ersten beiden Jahren in Berlin die Almstadtstraße, die frühere Grenadierstraße im Scheunenviertel, sicher nicht kannten. Wir wohnten in Ostkreuz. Am wahrscheinlichsten ist, dass ich um 1987 zum ersten Mal in der Galerie war. Sie hieß sicher &#8220;Weißer Elefant&#8221;. Beim ersten Besuch sahen P. und  ich dort Bilder von Gundula Schulze, später erneut. Ihre Fotografien waren vor allem eines: radikal. <span id="more-3707"></span>Heute sehe ich diese frühen Arbeiten der Fotografin Gundula Schulze Eldowy wieder und weiß, dass ich sie auch damals so verstanden habe. Auf einem der Bilder taucht eine alte Frau aus dem Dunkel und schüttelt die Faust, gegen einen Menschen, der links im Bild nur bruchstückhaft erkennbar ist, sicher auch gegen die Kamera. Die Frau ist wütend, sie hat nicht aufgegeben, ihre Wut hat viel Überzeitliches, Mythisches, viel, das über den Ärger, unerlaubt fotografiert zu werden, hinausgeht. Ich erkenne darin die Wut von Leuten wieder, die ich in Moskau fotografierte, im Sommer 1990, auf einem Markt, auf dem es beinahe nichts zu kaufen gab&#8230; Auf einem anderen Foto, bei dem ich nicht sicher bin, ob ich es damals in der Almstadtstraße gesehen habe, stehen zwei Mädchen schräg im Bild, trotziger Blick über schweren Schatten, dunkle Ponys, die ihre Gesichter zusätzlich bedrücken, und eines der Mädchen macht eine klassische, elegante Geste mit dem Finger. Sie zeigt zur Erde und weist auf etwas, das die Betrachterin nicht sieht. Poliander sagt: in die Unterwelt. Das andere, größere Mädchen stützt sich auf einen Stock oder Stecken. Die Blicke sind zeitlos, die Kinder ohne Alter.</p>
<p>Berlin, in das Poliander und ich in den frühen achtziger Jahren kamen, haben wir nie als Heimat verstanden oder es sonstwie gekauft. Vielmehr nahm die Stadt uns in Besitz, schluckte uns umstandlos, hat uns seitdem oft geschluckt, verdaut, wieder ausgespien. Die Anonymität der Stadt hat viele Gesichter, die wir in den Fotografien von Gundula Schulze wiederfinden und auf der Straße, noch immer. Die Gesichter, nicht die Anonymität. Die S-Bahn-Bögen, nahe am Bahnhof Friedrichstraße waren mit faustgroßen Löchern übersät, viele Häuser hatten ebenfalls diese tiefen Löcher in ihren Fassaden. Auch in Erfurt hatte es Verfall gegeben, Vernachlässigung, waren Häuser buchstäblich vor unseren Augen zusammengebrochen. Dort hatten wir in einem der ältesten Häuser der Stadt gelebt, einem verbauten Labyrinth winziger Wohnungen, Dachböden, Keller, teils baupolizeilich gesperrt, auch sonst baufällig an der Grenze zur Begehbarkeit. Wenn es gewitterte, floss das Wasser in Sturzbächen über die Haustreppe, die innere, versteht sich. &#8220;Ruinen schaffen ohne Waffen&#8221; lautete der bittere Spruch, den die Erfurterinnen hersagten, um ihren Kummer über die Verkommenheit der Innenstadt, die im Krieg unzerstört geblieben war, auszudrücken. Kam Honecker zur Staatsjagd, strich man die &#8220;leergewohnten&#8221; Häuser über dem verdreckten, abblätternden Putz, soweit der Blick aus einem auf der Hauptstraße fahrenden Auto in die Seitenstraßen hinein möglich war. Auch in Berlin waren die Häuser verkommen, doch diese Ruinen waren durch Waffen entstanden. Die meisten Zerstörungen rührten vom Krieg und den  Kämpfen der letzten Kriegstage  her. Viele Gesichter beherrschte eine unterdrückte Wut, oft auch Resignation. Schulzes Fotos rufen die Erinnerung an diese Zeit zurück, an die späte DDR, in der ich verständnislos schaute, wenn Freunde aus dem Westen beklagten, Ostberlin sei so grau. Ja wie denn sonst? Und als P. und ich später Westberlin sahen, haben wir es eben nicht groß anders empfunden. Sicher, es war mehr und besser renoviert. Doch bis heute finden wir, selbst im gepflegten Südwesten, in manchen Straßenzügen Häuser, die Narben des Krieges tragen, zuweilen überwuchert vom Efeu. Manchmal, damals, kamen Freunde aus der Provinz und suchten in Berlin eine Wohnung, dann liefen wir sonntags stundenlang treppauf, treppab und fragten nach freistehenden Wohnungen. Viele Leute öffneten auch nachmittags im Bademantel, meine Besucherinnen staunten: Kümmerte es denn keinen, was man hier machte, sonntags nachmittags? Poliander und mich kümmerte es nicht. Es gefiel uns sogar.</p>
<p>Schulze Eldowys Fotos werden in der Galerie c/o Berlin gezeigt. Dort, im ehemaligen Postfuhramt ist das Abgeranzte eine Allianz mit der Sparsamkeit eingegangen. Keine Wand gestrichen, nichts renoviert, die Hinweisschilder dienen der Orientierung im Haus kaum andeutungsweise, auch wenn sie aus Freundlichkeit für Touristen in englischer Sprache sind. Nicht zu renovieren galt in den 1990er Jahren als irgendwie schick, vielleicht verband sich in der 2000 gegründeten Galerie damit die Hoffnung auf das Provisorische aller Existenz. Die Bilder von Gundula Schulze Eldowy wirken an diesem Ort, der die Verkommenheit der letzten DDR-Jahre perpetuiert, dennoch vollkommen fremd. Die kleine Galerie &#8220;Weißer Elefant&#8221; in der Almstadtstraße, lebhafte Erinnerung, war ein Laden mit riesigen Fenstern, die Wände schneeweiß gestrichen. Alle, die ich kannte, liebten den Ort und bangten um seine Weiterexistenz. Denn Schulzes Bilder erschienen unerhört subversiv, nicht obwohl, sondern weil das, was sie zeigten, jeder in der umgebenden Realität sehen konnte. Auch seine Zerstörung, übrigens, denn noch vor 1989 begann man, einen Teil der Almstadtstraße neu zu bebauen, mit unschönen, disproportionierten Wohnhäusern.</p>
<p>Heute überfallen Schulzes Fotos die Besucherin, die schon vor 1989 in Berlin lebte, wie ein Déjà-vu. c/o Berlin zeigt, dankenswert, auch den Film <a href="http://www.progress-film.de/de/filmarchiv/film.php?id=804">&#8220;Aktfotografie. Z.B. Gundula Schulze&#8221;</a> von Helke Misselwitz (1983). Wer sich die zwölf Minuten nimmt und ihn ansieht, kann neben dem Gespräch mit Gundula Schulze Sequenzen sehen, die  Misselwitz in einer Kaufhalle gefilmt hat. Sie sind wundervoll.</p>
<p>Koordinaten: 52° 31&#8242; 29&#8221; N, 13° 23&#8242; 40&#8221; O, <a href="http://www.berlin-ineinerhundenacht.de/">&#8220;Berlin in einer Hundenacht&#8221;</a>. youtube:  <a href="http://www.youtube.com/watch?v=YqYDoQEjI8A">Interview mit Gundula Schulze</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=OX-VXdDvoi0&amp;feature=related">Interview Teil2</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=M7_2s4eHkoQ&amp;feature=related">Teil 3</a>,  <a href="http://www.co-berlin.info/programm/exhibitions/2011/gundula-schulze-eldowy.html">Ausstellung bei c/o Berlin</a>, 10. Dezember 2011 bis 26. Februar 2012</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2011/12/18/fotografie-gundula-schulze/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Polianders historischer Hedonismus: Staufer in Mannheim</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/01/25/polianders-staufer-in-mannheim/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2011/01/25/polianders-staufer-in-mannheim/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 23:41:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Augenweide]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=2515</guid>
		<description><![CDATA[Der Mantel liegt unter Glas, ein perfekter Halbkreis: Viermal zeigt das Muster den Adler mit der Träne, der auf Schlangen tritt. Sie umklammern seine Klauen. Die elegant stilisierten Tiere und die Halbmonde im Mustergrund zeigen Geschmack, Gesinnung und Geschick der arabisch-normannischen Handwerkskünstler des frühen 13. Jahrhunderts auf Sizilien. Eine später hinzugefügte Borte mit Kreuzigungsmotiv stört [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2517" class="wp-caption alignleft" style="width: 215px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/01/stauferausstellung-barbarossakopf.jpg"><img class="size-medium wp-image-2517" title="Foto: Frank Boxle (Bildrechte: Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim)" src="http://www.poliander.de/files/2011/01/stauferausstellung-barbarossakopf-205x300.jpg" alt="Foto: Frank Boxle (Bildrechte: Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim)" width="205" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Frank Boxle (Bildrechte: Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim)</p></div>
<p>Der Mantel liegt unter Glas, ein perfekter Halbkreis: Viermal zeigt das Muster den Adler mit der Träne, der auf Schlangen tritt. Sie umklammern seine Klauen. Die elegant stilisierten Tiere und die Halbmonde im Mustergrund zeigen Geschmack, Gesinnung und Geschick der arabisch-normannischen Handwerkskünstler des frühen 13. Jahrhunderts auf Sizilien. Eine später hinzugefügte Borte mit Kreuzigungsmotiv stört kaum. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_II._%28HRR%29">Friedrich II.</a> soll den Mantel bei seiner Krönung getragen haben, Barbarossas Enkel, geboren auf Sizilien, genannt &#8220;stupor mundi&#8221;, Staunen der Welt. <span id="more-2515"></span></p>
<p>&#8220;Die Staufer und Italien&#8221; lautet der Titel der <a href="http://www.staufer2010.de/">Ausstellung</a> der Länder Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz im <a href="http://www.rem-mannheim.de/">Mannheimer REM, dem Reiss-Engelhorn-Museum</a>, 33 Jahre nach der legendären Stuttgarter Staufer-Ausstellung von 1977. Darin wendet sich das REM weniger der staufischen Herrschaft zu als ihrer Verortung in Raum und Zeit.  Das Staufergeschlecht und sein schwärmerisch überformtes Abbild erfreut sich ungebrochener Popularität im Gedächtnis der Deutschen. <a href="http://www.badische-seiten.de/wissen/kaiser-friedrich-1.php">Friedrich I. Barbarossa</a>, der auf dem dritten Kreuzzug ertrank und der Sage nach im Kyffhäuser schläft, Symbol der &#8220;Reichseinheit&#8221;, von dessen Körper ein Teil beinah zur Reliquie geworden wäre: Trunken, so will die Legende, stolperte er auf der Treppe einer italienischen Schenke und schlug sich einen Zahn aus, welcher, von unbekannter Hand geborgen und geschickt verpackt, sich über die Jahrhunderte erhalten haben soll. In Mannheim ist der Inhalt der Verpackung zu sehen: ein Holzspan, ein bizarres kleines Objekt, das irgendwann den Zahn, wenn je einer in der Verpackung lag, ablöste. Heilig wurde das Dingelchen nicht, wie auch Friedrich es nicht zum Heiligen, sondern zur Sagengestalt brachte, als nationales Symbol nur immer missverstanden. Aber das vergoldete, zum Kaiserkopf idealisierte Abbild Friedrichs I. birgt buchstäbliche Heiligkeit: winzige Päckchen, allerliebst umhüllt mit textilem Material, die Fragmente heiligen menschlichen Gebeins enthalten. Dem Kopf, der ein Reliquiar ist, entnommen, liegen sie hingebreitet vor der Besucherin, wundertätiges Kunstgewerbe, in dem steckt, was modernen Geistern makaber scheint.</p>
<p>Die Mannheimer Ausstellung, mag eine von ihr halten, was sie will, und Poliander sieht sie <a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/189238.wo-er-ist-ist-das-reich.html">ordentlich kritisch</a>, zeigt in großer Fülle, was das Mediävistinnenherz zu sehen begehrt: Skulpturen, Siegel, Handschriften, Spolien, Merkwürdigkeiten. Polianders Lieblingsstück: ein bronzegegossner Pelikan, dessen Rücken eine Buchstütze hergibt, dessen Brust aber eine Traube von Blutstropfen entquillt, die schwer und satt die Natur des Metallvogels enthüllen:  Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Physiologus">Physiologus</a> sagt von ihm, dass er sich die Brust aufreißt, die eigenen Jungen mit seinem stets quellenden Blut zu nähren, &#8220;schön spricht der Physiologus vom Pelikan.&#8221; Die Ausstellung zeigt auch gleich zwei Handschriften von Friedrichs II. Falkenbuch: die älteste und eine besonders schön illuminierte. Sie zeigt, Wunder über Wunder, Grabsteine aus dem polyglotten Sizilien des 12. Jahrhunderts, in dem man arabisch sprach, griechisch, hebräisch.</p>
<p>Wer über derlei staunen will, sollte eilen:  Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Februar 2011 geöffnet.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.staufer2010.de/">Die Staufer und Italien</a>. <a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/189238.wo-er-ist-ist-das-reich.html">Polianders Kritik, erschienen am 25. Januar 2011</a>.<br />
Die Abbildung oben links zeigt den &#8220;<a href="http://www.histosem.uni-kiel.de/legitimation/quellenbild/cappenberger.html">Cappenberger Barbarossakopf</a>&#8220;, Westdeutschland, um 1160, Bronze; H: 31,4 cm / Gewicht: 4605 g, Selm, St. Johannes Ev., Schloss Cappenberg.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2011/01/25/polianders-staufer-in-mannheim/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Loibls Buchstabenkunst 3</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/12/15/loibls-buchstabenkunst-part3/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/12/15/loibls-buchstabenkunst-part3/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Dec 2010 08:07:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=2263</guid>
		<description><![CDATA[Mit Maria und Josef sei sie bei der Arbeit an der Krippendarstellung nicht glücklich geworden, sagt Loibl mir bei unserem Wiedersehen im Atelier. Erst als sie sich auf die Geburt konzentriert habe, die doch eigentlich Menschwerdung bedeute, hätten sich Text und Bild geformt. Sie selbst habe diese Menschwerdung mehrmals erlebt. Ihre Kinder. Ein leerstehender Laden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2271" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-mittagessen-detail.jpg"><img class="size-medium wp-image-2271" title="loibl mittagessen detail" src="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-mittagessen-detail-300x271.jpg" alt="Ruth Loibl, Mittagessen, Detail mit Stuhl, Tisch, Schrift" width="300" height="271" /></a><p class="wp-caption-text">Ruth Loibl, Mittagessen, Detail mit Stuhl, Tisch, Schrift</p></div>
<p>Mit Maria und Josef sei sie bei der Arbeit an der Krippendarstellung nicht glücklich geworden, sagt Loibl mir bei unserem Wiedersehen im Atelier. Erst als sie sich auf die Geburt konzentriert habe, die doch eigentlich Menschwerdung bedeute, hätten sich Text und Bild geformt. Sie selbst habe diese Menschwerdung mehrmals erlebt. Ihre Kinder. Ein leerstehender Laden zwischen Innsbrucker Platz und Hochschule der Künste. Vor 20 Jahren fuhr die Studentin Loibl als mit dem Fahrrad vorbei. Der Laden wurde ein Ort, an dem sich die eigene Erfahrung von Menschwerdung mit der Menschwerdung Gottes verband, <a href="http://www.poliander.de/2010/12/13/loibls-buchstabenkunst-part-2/">Jahre später ein Schauplatz in ihrer Grafik</a>. <span id="more-2263"></span>Die Bildhauerin und Buchdruckerin, geboren 1959 in Nürnberg, lebt in Rheinfelden bei Basel. Dorthin führte sie eine private, nicht berufliche Entscheidung. Am 9. November 1989 nahm sie mit ihrer Tochter den Nachtzug Berlin-Basel. Ein Fahrgast, der gegen Morgen in Freiburg zustieg, erzählte ihnen, dass in Berlin die Mauer gefallen sei. In Südbaden war das eine Nachricht, kein Geschichtsbruch, der sie selbst betraf: &#8220;Als ich nach Rheinfelden kam, gab es da nur Chemiker und alemannische Hausfrauen.&#8221; Aber Rheinfelden hat eine Gemeinsamkeit mit dem geteilten Berlin: es existiert zweimal. Ein Rheinfelden liegt diesseits, eines jenseits der deutsch-schweizer Grenze.</p>
<p>Andere Künstler, erzählt sie, hätten sich nach der Ausbildung umstandsloser als sie selbst in den Beruf integriert. Sie habe beobachtet, dass &#8220;ihnen das Leben abhanden kommt.&#8221; Dieses Leben, mit dem sie &#8220;soziale Einbindung, Nahrungsbeschaffung, Familie, Freunde&#8221; meint, ist in Loibls Arbeit sehr präsent. Mit Naturalismus hat das nichts zu tun, kaum mit Realismus. Loibl legt biographische Spuren, so in Zeichnungen, die den Grundriss der Familienwohnung überlagern. Der Blick wandert in den Raum hinein und erfasst nacheinander die Schuhe an der Wand, den Kücheneingang, den Tisch, Stühle, nicht in &#8220;realistischer&#8221; Perspektive. Sondern das Auge nähert sich wie bei einer Kamerafahrt den einzelnen Dingen nacheinander, zoomt sie heran, andere bleiben fern. Diese erzählerische Haltung findet sich auch in Objekten, wie in den &#8220;Kämmen&#8221;, gesägten Objekten aus Holzkloben, in denen ein Einschnitt dicht neben den anderen gesetzt ist. Sie entstanden bei gleichzeitiger Betreuung eines Kleinkindes, die zu vielen Arbeitsunterbrechungen führte. &#8220;<a href="http://www.ruthloibl.de/bildhauerei.html">Später hab ich einfach weitergesägt.</a>&#8221; Störungen sind ein Geschenk, sagt sie, weil sie Situationen verschieben. Die biographische Struktur bedeutet Verständigung: &#8220;Das heißt nicht, dass ich dauernd aus meinem Leben erzähle. Ich mache das, um Antwort zu bekommen. Dass von anderen etwas kommt, was nicht von mir kommen kann.&#8221; Sie will, sagt sie, mit Fremdheit umgehen, anstatt sie zu umgehen. Mit einem Projekt in der Stadt Rheinfelden stehen, bei dem sie gemeinsam mit dem Künstler Tobias Eder einen imaginären <a href="http://www.centralpark-kunstprojekt.de/">Centralpark Rheinfelden</a> anregte, Centralpark wie Central Park. Leute aus dem deutschen und dem Schweizer Rheinfelden pachteten für 25 Euro eine Parzelle und gestalteten sie nach ihren Vorstellungen. Die Arbeit erzählte, was in der kleinen Industriestadt fehlt. So kam die Stadt zu Loibl. Auch anders: Als Lehrerin an der Rheinfeldener Volkshochschule zeigt sie Jugendlichen, darunter Jugendliche aus einem Asylbewerberheim, in ihrer Werkstatt, wie sie selbst einen Text setzen und drucken können. Das <a href="http://www.ruthloibl.de/setzen_und_drucken.html">Drucken</a> ist auch so etwas, das durch Zufall zu ihr kam, als sie vor mehr als zehn Jahren die Möglickeit hatte, eine alte Druckerpresse zu übernehmen, vollständig mit allen Lettern.</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p>Koordinaten: Rheinfelden, Berlin, Laden, Park, Fahrrad, Zug</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/12/15/loibls-buchstabenkunst-part3/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Nabel der Welt</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/07/20/nabel-der-welt/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/07/20/nabel-der-welt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 21:15:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=1601</guid>
		<description><![CDATA[Koordinaten: 32°C Berlin, 33°C Madrid, 34°C Bukarest, 35°C Tokio, 36°C Timbuktu]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1603" class="wp-caption alignleft" style="width: 215px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/07/zentrum.jpg"><img class="size-medium wp-image-1603" title="Temperierter Größenwahn in Berlin" src="http://www.poliander.de/files/2010/07/zentrum-205x300.jpg" alt="Temperierter Größenwahn in Berlin" width="205" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Temperierter Größenwahn in Berlin</p></div>
<p>Koordinaten:<br />
32°C Berlin, 33°C Madrid, 34°C Bukarest, 35°C Tokio, 36°C Timbuktu</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/07/20/nabel-der-welt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gewässerleben</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/05/09/gewasserleben/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/05/09/gewasserleben/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 09 May 2010 06:28:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrwasser]]></category>
		<category><![CDATA[Pferdewechsel]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=1247</guid>
		<description><![CDATA[Diesmal sind wir an Herrn Tullas Denkmal vorbeigefahren. Der Fluss, als ich ihn zuerst sah, steckte in einem öden, gemauerten Bett, das mythische Gewässer war eine Enttäuschung. Ich erinnere mich nicht, den Dom von innen gesehen zu haben. Mehr erfuhr ich im Museum, damals, Fotos von Chargesheimer, ich blieb nur kurz in Köln und lernte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1273" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/05/seerhein.JPG"><img class="size-medium wp-image-1273" src="http://www.poliander.de/files/2010/05/seerhein-300x168.jpg" alt="Seerhein: auch im Westen, tiefer im Süden" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Seerhein: auch im Westen, tiefer im Süden</p></div>
<p>Diesmal sind wir an Herrn Tullas Denkmal vorbeigefahren.</p>
<p>Der Fluss, als ich ihn zuerst sah, steckte in einem öden, gemauerten Bett, das mythische Gewässer war eine Enttäuschung. Ich erinnere mich nicht, den Dom von innen gesehen zu haben. Mehr erfuhr ich im Museum, damals, Fotos von <a href="http://www.museenkoeln.de/_medien/mlk/Chargesheimer_02.jpg">Chargesheimer</a>, ich blieb nur kurz<span id="more-1247"></span> in Köln und lernte niemanden kennen von den Leuten am eingemauerten Fluss und trug ein Buch weg, in dem mehr Menschen vorkamen als Gewässer, dann kam ich lange nicht wieder.</p>
<p>Ich wusste nichts von Herrn Tulla.</p>
<p>Die Elbe, die Labe, Albis, der Strom, Albja, Elf und Elfa, <a href="http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&amp;mode=hierarchy&amp;textsize=600&amp;onlist=&amp;word=elbe&amp;lemid=GE03758&amp;query_start=1&amp;totalhits=0&amp;textword=&amp;locpattern=&amp;textpattern=&amp;lemmapattern=&amp;verspattern=#GE03758L0">&#8220;allgemein für fluvius und immer weiblich&#8221;</a>, nie soll man versäumen, aus dem Fenster zu schauen, wenn der Zug über die Elbe fährt, schon gar nicht im Frühling, wenn sie weich die umgebenden Wiesen wässert, und stundenlang sitzen Poliander und ich, wir sammeln Schiffe mit Augen, wenn sie in Hamburg in den Hafen fahren und von dort wieder aufs Meer. Ja, der Dreck, ich weiß, die Ausbaggerung, ich weiß, die Hafencity, ich weiß, die Zustände auf den Schiffen vor allem, ich weiß, und wie könnt ich es vergessen. Aber. Die Elbe.</p>
<p>Nichts von Herrn Tulla.</p>
<p>Wieder kam ich an den Rhein, Rhenus, Hrenus, Rin und Ryn, <a href="http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&amp;mode=hierarchy&amp;textsize=600&amp;onlist=&amp;word=rhein&amp;lemid=GR04933&amp;query_start=1&amp;totalhits=0&amp;textword=&amp;locpattern=&amp;textpattern=&amp;lemmapattern=&amp;verspattern=#GR04933L0">vom Stamme ri, gehen und fließen</a>, der beiläufig ist zur Stadt Karlsruhe, mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinh%C3%A4fen_Karlsruhe">Häfen</a> an ihrem Rand, der ist ein</p>
<div id="attachment_1277" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/05/seerhein2.jpg"><img class="size-medium wp-image-1277" src="http://www.poliander.de/files/2010/05/seerhein2-300x168.jpg" alt="Rhein im See, nicht bei Karlsruhe" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Rhein im See, nicht bei Karlsruhe</p></div>
<p>Grenzfluss, setz über, nimm nicht die Brücke, sondern die <a href="http://rheinfaehre-neuburg.de/">Fähre</a>, du und dein Fahrrad, ihr passt allemal drauf, flussab fährst du in die Pfalz, flussauf nach Frankreich, doch auch auf dieser Seite erstrecken sich die Auen tief ins Land hinein, und dort stehn sie und gehn sie, die Arme, die Gewässer, die münden oder für sich bleiben, ein Gezwitscher im Frühling, Gequak im Sommer ist da, selbst wenn man, flussab der Stadt, den Ölhafen zur Seite hat, der mit der Raffinierie zur Seite weit größer ist als der Stadthafen, über den Poliander gern lächelt. Also die Auen, die Erlen, das Gewese, feucht und warm, was man im letzten Winter beinahe vergessen hätte, als spitzer Wind Eisschleier ins Gesicht trieb, nun, Mai, wieder feucht, sehr feucht, und wild schauen die abgebrochnen Riesen aus dem Gehölz.</p>
<p>Das Gewese wollte Herr Tulla abschaffen.</p>
<p>Herr Tulla drängt sich auf, mault Poliander, wir haben sein Denkmal doch links liegen lassen! Rechts, sage ich, denn wir sind flussab gefahren. Poliander seufzt: Johann Gottfried Tulla, wohlan! Seit wann redet Poliander gestelzt? Seit dem Ingenieur Tulla, wohlan also! Na gut, sage ich, also der Ingenieur Tulla, der kam 1770 in der noch jungen Stadt Karlsruhe zur Welt. Studiert hat er in Freiberg in Sachsen. Der Oberrhein, der Fließende also, floss  wie eh und je durch sein weiches Bett, und wie es ihm gefiel, änderte er seinen Weg in zahllosen  Schlaufen, teilte sich in kleinere Läufe, vereinigte sich wieder, überschwemmte das Land, bildete Arme und Ärmchen, Auen, feuchte Niederungen, führte mal hohes, mal niedriges Wasser, die Sonne schien schon damals wärmer als anderswo im deutschsprachigen Raum, Mücken brüteten, Fische nährten viele Leute in der Oberrheinebene. Dem Fluss gefiel&#8217;s, nicht aber dem Herrn Staat. Denn der Fluss war die Grenze, und was ist das Schlimmste für einen Staat?, fragt Poliander. Richtig, benickt er sich selbst, eine Grenze, die von selbst sich ändert, vor allem: der andren Seite plötzlich mehr Land zuträgt. Und von den Sümpfen, das sah Herr Tulla ganz recht, kam auch das Fieber. Herr Tulla fasste deshalb den Plan, den Rhein zu begradigen, dass sein Bett tiefer würde und härter und das Wasser schneller fließe, gut für die Schiffe. (Auch gut gegen das Fieber der Fischer, sagte Herr Tulla, doch die Fischer wollten lieber das Fieber ertragen, wenn ihnen nur auch der Fischfang blieb, unvernünftiges Volk, das essen will anstatt Ingenieursklugheit zu folgen.)</p>
<p>Wie Herr Tulla gesagt, so getan. Mit 18 großen Durchstichen wurde <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinbegradigung">der Rhein verkürzt</a>, zwischen Basel und Bingen um 81 Kilometer, getragen wurde dies vom bayrischen, vom badischen, vom hessischen Staat, Rheinhessen war grad rechtzeitig 1814/15 an das Großerzogtum Hessen gekommen. Mit Frankreich, später, doch solche Arbeiten dauern lang genug, dass es immer ein Später gibt, wurde ein Staatsvertrag geschlossen. Als 1817 der Durchstich in Knielingen begann und die Wälder geholzt wurden, begehrten die Fischer auf. Aber gegen den Widerstandsgeist der Badener hatte man auch in dem Jahr das Militär. Hochwässer hat der schnell fließende, vertiefte Fluss auch seitdem noch viele gebracht. Viele Häuser längs des Rheins zeigen die Marken, diesseits und jenseits. Nur in den Resten der Rheinschleifen verlaufen sich auch hohe Wasser, drum sind die nun geschützt und hüten das Gewese. Der Altrhein bildete Seen aus und tote Arme, und in denen, Gezwitscher, Gesang, Gekrächze und Gequak, und grad jetzt noch stehen die Gänse in kleinen Scharen am Rand und laufen eine der andern nach ins Wasser, wenn uns der Kies unter den Sohlen knirscht. Aber die großen Schiffe gäb&#8217;s ohne Herrn Tullas Plan nicht, sagt Poliander. Eben noch hast du dich über Tulla lustig gemacht, sag ich, drauf großspurig Poliander: Das sind eben die historischen Widersprüche.</p>
<p>Ob Herr Tulla je in Köln war, weiß ich nicht. Er starb 1828 an der Malaria und liegt auf dem Montmartre in Paris.</p>
<p>Koordinaten:<br />
Denkmal für Tulla in der Maxau <span title="Breite">49° 2′ 12.52″ N</span> <span title="Länge">8° 18′ 11.72″ O, </span><a href="http://www.hvz.baden-wuerttemberg.de/cgi/daten.pl?id=9016">Pegelstände Maxau</a><br />
Altrhein Neuburgweier und Fermasee 48° 58&#8242; 36&#8243; N 8° 16&#8242; 22&#8243; O (Naturschutzgebiet mit Badestelle)<br />
Mehr sehen: Auf die Bilder klicken</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/05/09/gewasserleben/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wenn du da wärst</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/02/23/wish-you-were-here/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/02/23/wish-you-were-here/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 16:53:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=1125</guid>
		<description><![CDATA[Freitag, Spätberufsverkehr. Vor einem Dreivierteljahr brach eine Radscheibe, entgleiste eine S-Bahn, seitdem fährt die S-Bahn ungefähr halb so oft und oft mit halben Zügen, der Skandal ist Gewohnheit geworden, stoisch ertragen die Berliner die Ungewissheit, wann welche Bahn von wo nach wo geht, mit oder ohne Unterbrechung. Freitag, Spätberufsverkehr. Ring über Gesundbrunnen: Poliander müsste neun [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1143" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/02/Winterbahn.jpg"><img class="size-medium wp-image-1143" src="http://www.poliander.de/files/2010/02/Winterbahn-300x168.jpg" alt="Winterbahn" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Winterbahn</p></div>
<p><span id="more-1125"></span></p>
<p>Freitag, Spätberufsverkehr. Vor einem Dreivierteljahr brach eine  Radscheibe, entgleiste eine S-Bahn, seitdem fährt die S-Bahn ungefähr halb  so oft und oft mit halben Zügen, der Skandal ist Gewohnheit geworden,  stoisch ertragen die Berliner die Ungewissheit, wann welche Bahn von wo  nach wo geht, mit oder ohne Unterbrechung. Freitag, Spätberufsverkehr. Ring über Gesundbrunnen: Poliander müsste neun Minuten warten, Ring über Ostkreuz: kommt sofort, kommt, also steigt Poliander ein. Was man hat, hat man. Gleich kommt ein Kontrolleur, erwischt sofort eine Frau ohne Fahrschein. Sie folgt ihm durch den Wagen. Der Zug hält. Prenzlauer Allee. &#8220;Zurückbleiben!&#8221; Ein zweiter Kontrolleur kommt zwischen die Reihen, &#8220;Fahrausweise bitte mal&#8221;. Murren, &#8220;War grad einer da.&#8221; Einer von zwei Jungs mit Bierflasche hat schon die Karte gezückt.</p>
<p><em>Kontrolleur:</em> Die is nicht gültich.<br />
<em>Mädchen auf der Nebenbank:</em> War doch grade einer da.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Dit is ne Rückfahrt.<br />
<em>Junge mit dem Bier:</em> Ich bin grade kontrolliert worden.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Dit is ne Rückfahrt!<br />
<em>Fahrgast aus dem Hintergrund:</em> Wir sind grade alle kontrolliert worden.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Ja, aber der Fahrschein hier gilt nicht! <em>(zum Kollegen:)</em> Kommste mal!<br />
<em>Junge: (versucht aufzustehen)</em><br />
<em>Kontrolleur:</em> Dit is ne Rückfahrt, gilt nich. Außerdem überstempelt.<br />
<em>Junge:</em> Ich steige jetzt sowieso aus. <em>(steht auf, geht an P. vorbei in Richtung des anderen Kontrolleurs)</em><br />
<em>Kontrolleur: (geht hinterher)</em><br />
<em>Poliander:</em> Na, Sie traun sich was, ich möchte auch mal bei der S-Bahn kontrollieren, ob da noch alles gültig ist.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Halten Sie sich geschlossen!<br />
<em>Poliander:</em> Was?<br />
<em>Kontrolleur:</em> Sie müssen hier nich mitfahren!<br />
<em>Poliander:</em> Gibt ja auch kaum noch Gelegenheit dazu bei der Zugfolge.<br />
<em>Junge: (ist hinterm Rücken des Kontrolleurs zur anderen Tür zurückgegangen)</em><br />
<em>S-Bahn: (hält Greifswalder Straße)</em><br />
<em>Kontrolleur: (versucht den eben ausgestiegenen Jungen zu verfolgen)<br />
Junge: (verschwindet im Gedränge)<br />
Kontrolleur: (steigt wieder ein)</em><br />
<em>Gitarrist: </em>Wusst ich gleich.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Wieso?<br />
<em>Gitarrist:</em> Weil der so hin und her gelaufen ist.<br />
<em>Kontrolleur:</em> &#8212;<br />
<em>Gitarrist:</em> Die Leute sind sauer.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Wir können nix dafür. Wir kriegen alles ab. <em>(steigt aus)</em><br />
<em>Poliander: (denkt)</em><br />
<em>Gitarrist: (spielt &#8220;Wish you were here&#8221;)</em><br />
<em>Alle: (erkennen die Melodie bei den ersten Griffen)<br />
Mädchen auf der Nebenbank: (sucht Geld heraus)</em><br />
<em>Gitarrist:</em> Running over the same old ground/ What have we found.<br />
<em> Poliander: (glücklich)</em></p>
<p>Koordinaten: 52°31&#8217;20&#8243; N 13°17&#8217;51&#8243; O. <a href="http://www.s-bahn-berlin.de/">S-Bahn Berlin</a>. Selber hören: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=IXdNnw99-Ic">Pink Floyd</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/02/23/wish-you-were-here/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Poliander rückwärts</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/12/23/fur-immer-westberlin/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2009/12/23/fur-immer-westberlin/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Dec 2009 10:19:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohrenschmaus]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=983</guid>
		<description><![CDATA[Fragt mich das alte Westberlin: &#8220;Gehn wir mal in die Badensche?&#8221;, ja, gehn wir hin. Die Badensche Straße liegt dunkel, die Fenster haben die Jalousie übers Gesicht gezogen, die hängt noch so vom Sommer, oder hängt die immer so, ja die hängt immer so. &#8220;Ihr seht aus, als wär draußen Winter&#8221;, ruft der Wirt.Es ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1001" class="wp-caption alignleft" style="width: 233px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/12/westhafen.JPG"><img class="size-medium wp-image-1001" src="http://www.poliander.de/files/2009/12/westhafen-223x300.jpg" alt="Alter Westhafen" width="223" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Alter Westhafen</p></div>
<p>Fragt mich das alte Westberlin: &#8220;Gehn wir mal in die Badensche?&#8221;, ja, gehn wir hin. Die Badensche Straße liegt dunkel, die Fenster haben die Jalousie übers Gesicht gezogen, die hängt noch so vom Sommer, oder hängt die immer so, ja die hängt immer so. &#8220;Ihr seht aus, als wär draußen Winter&#8221;, ruft der Wirt.<span id="more-983"></span>Es ist warm, innen, es ist Freitag, als wir das letzte Mal hier waren, war es voll, nicht, dass wer denkt, das wär in den Achtzigern gewesen, oder doch, sicher bin ich nicht, es wäre, zum Beispiel, der 15. Juli 89, dagegen spricht das Wetter und dass es dunkel ist draußen, und nicht, dass ich wüsste, wer am 15. Juli 89 hier gespielt hat oder welcher Wochentag das war, es ist ein Beispiel. Es könnte auch der 27. November 1988 sein. Dafür spricht der mit dem mickrigen Zopf, der jetzt hinter die Bühne rennt, wieder vorkommt, wieder hinter rennt. Später wird er mit anfassen, wenn die Pianistin das Klavier entkleidet. Nicht dass er hier angestellt wäre, er sitzt an der Bar, oder doch, man weiß nie. &#8220;Da saß er auch letztes Mal, als diese Sängerin&#8221;, sagt Westberlin zu mir, &#8220;bitte erinnere dich doch mal, genau, du hattest dieses Hemd an, zu aufgeknöpft, wenn du mich fragst&#8221;, das kann nicht sein, sage ich, aber ich erinnere mich genau. Da mussten wir schon rausgehen zum Rauchen.  Undenkbar in den echten Achtzigern, ich gebe es zu. Ich habe den ersten Wein getrunken, im alten Westberlin trank man Bier und Wein und niemals Schorle. Ich also, ja, Wein, ja, getrunken, als sie kommt. Sie ist wie damals, das Kleid, von dem sie die Jacke abzieht, rückenfrei und schwarz, an den Nähten schon etwas grau, genau zu sein. Sagte ich, dass wir sitzen, in dem Raum, wo das Podium steht? Wirst du alt? &#8220;Nee&#8221;, sagt er, ganz altes Westberlin, &#8220;du bist das doch, die immer ganz  genau sehen will.&#8221; Das stimmt. Aber ich würde trotzdem lieber bei der Bar stehn, den Typen mit dem Mickerzopf im Rücken und zwei drei andre im Blickfeld, uneindeutige Botschaften tauschen, nur so, sag ich mal, keine Sorge. Jetzt kommt auch sie, braune Haare, braunes Kleid, ist jetzt aber ein Stilbruch, so ein Koller mit roten Blumen drauf, sind wir denn in den Sechzigern? Dafür ist sie auch zu jung, spielt Saxophon, ist eine Überraschung. Die Pianistin nicht. Sie spielt wie immer, sogar wie im Haus der Jungen Talente, das war im alten Ostberlin, das nicht alt wurde, aber sein Gesicht trotzdem verlor. Sie, die Klavier spielt, hat ihr Gesicht noch, greller jetzt, das kommt von Westberlin, einer trüben Droge, wenn man mich fragt, ich bin auch drauf. Sie spielt genau wie immer, ich weiß jetzt schon, was kommt, es ist kalt und heiß wie immer, gefällt nicht allen, Ornette Colemann, das steckt dahinter, manchmal huscht ein Melodiestreif durch wie ein Erkennen, nur ich erkenne vor allem sie, die sich verliert, &#8220;perdido&#8221;, das haben sie damals bei Amiga verkauft, das nur am Rande, sage ich zum alten Westberlin, Luftballons flogen über die Plattenhülle, es war der Montagstermin, aber früher 87 oder sogar 86, wer weiß, sie war größer damals, der Rücken frei, sie war kalt und glitzerte, wenn sie lachte, sie wohnte in Westberlin. Jetzt nimmt sie Aluminiumfolie aus einer Tüte und klemmt sie zwischen die Saiten. Ein Begeisterter beim Piano ist halb so alt, klatscht doppelt so heftig, muss hier eingeflogen sein, man ist nicht mehr kühl und melancholisch, nur ich. Rechts sitzt ein Mann und schreibt und schreibt, er schreibt nicht von der Musik ab, sondern aus seinem Kopf, was der wohl hört. Und ich trinke und trinke mit Westberlin und sehe den Rücken der Pianistin, dann ist das Saxophon still (ja, es ist schön, das Saxophon), die Pianistin greift mit einer Hand über die andere, hört sich zu, weiß, was sie tut, haut mit dem Ellenbogen auf die Tasten, so war, ist es, wird es sein. Später dann und dazwischen, die Überraschung, die Klarinette. Von jetzt, wenn Sie wissen, was jetzt ist.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.badenscher-hof.de/">Jazzklub</a>. Sehr alt. <a href="http://www.akitakase.com/">Aki Takase</a> (p),  Silke Eberhart (sax).</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2009/12/23/fur-immer-westberlin/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Poliander en colère: Bei Mainz gingen die Vandalen über den Rhein</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/11/08/poliander-encolere-landesmuseum-karlsruh/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2009/11/08/poliander-encolere-landesmuseum-karlsruh/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 08 Nov 2009 22:30:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=857</guid>
		<description><![CDATA[Kleine Städte, schöne Schlösser, schöne Schlösser, feine Museen. Poliander besucht das Königreich der Vandalen in Karlsruhe, mit schnellem Fuß, es ist Sonntagmittag, eilt P.  am Springbrunnen vorbei, trocknen Auges glotzen die Beleuchtungskörper aus dem leeren Becken. Herbstmitte vorbei. Am Eingang der Ausstellung: Polianders Hand um Eintrittskarte, Börse, Notizbuch. Aufsichtsführender (schaut flüchtig die Eintrittskarte an, intensiver [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kleine Städte, schöne Schlösser, schöne Schlösser, feine Museen. Poliander besucht das Königreich der Vandalen in Karlsruhe, mit schnellem Fuß, es ist Sonntagmittag, eilt P.  am Springbrunnen vorbei, trocknen Auges glotzen die Beleuchtungskörper aus dem leeren Becken. Herbstmitte vorbei. <span id="more-857"></span></p>
<p>Am Eingang der Ausstellung: Polianders Hand um Eintrittskarte, Börse, Notizbuch.<br />
<em>Aufsichtsführender (schaut flüchtig die Eintrittskarte an, intensiver Polianders Notizbuch):</em> Machen Sie Notizen?<br />
<em>Poliander: </em>Ja.<br />
<em>Aufsichtsführender: (atmet hörbar)</em><br />
<em>Poliander (latent aggressiv):</em> Ist das verboten?<br />
<em>Aufsichtsführender:</em> Haben Sie einen Kugelschreiber?<br />
<em>Poliander (hasst Kugelschreiber):</em> Nein.<br />
<em>Aufsichtsführender: </em>Einen Tintenstift! Hier sind nur Bleistifte erlaubt. Warten Sie hier!<br />
<em>Poliander: (steht dumm herum. Leute in Mänteln und mit großen Taschen  gehen vorbei.)</em><br />
<em>Innere Stimme:</em> Geh weg!<br />
<em>Poliander:</em> Nö.<br />
<em>Aufsichtsführer: (händigt P. einen spitzen, harten Bleistift aus)</em><br />
<em>Poliander:</em> Warum?<br />
<em>Aufsichtsführender: </em> Ausstellungsstücke wurden beschädigt!<br />
<em>Poliander:</em> Von alleinreisenden Frauen um die 50? Mit Notizbuch und Stift?<br />
<em>Aufsichtsführender:</em> Gilt für alle!<br />
<em>Poliander:</em> Sie verdächtigen alle? Das ist unglaublich.<br />
<em>Aufsichtsführender (Dialekt):</em> Das ist mir egal, was Sie unglaublich finden!</p>
<p>Poliander verstört in den Saal. In der Hosentasche brennt der Bleistift. Der Saal ist voll. Herz zittert. Poliander schleicht zur Toilette, zieht drinnen das Telefon aus der Tasche.</p>
<p><em>Poliander:</em> Mir ist passiert.<em> (Bericht)</em><br />
<em>Kollegin:</em> Bleistift? Wer will denn damit schreiben?<br />
<em>Poliander (Herz bebt):</em> Alle sind verdächtig, die schreiben.<br />
<em>Kollegin:</em> Hast du deinen Presseausweis gezeigt?<em><br />
Poliander:</em> Wo kommen wir hin, wenn man einen Ausweis zeigen muss, um zu schreiben?<br />
<em>Kollegin:</em> Privilegien.<br />
<em>Poliander:</em> Außerdem bin ich privat hier.<br />
<em>Kollegin:</em> Alle verdächtig außer Analphabeten!<em><br />
Poliander:</em> Haben Analphabeten keine Stifte?<br />
<em>Kollegin:</em> Nicht wenn Völker wandern gehen.<br />
<em>Poliander (Herz glüht):</em> Sind von den Vandalen keine Grafitti überliefert?<br />
<em>Kollegin:</em> Dafür hatten sie lateinische Schreiber.<br />
<em>Poliander:</em> Ach so.<em> (Herz hebt sich, wird wild)</em></p>
<p>Poliander verlässt den Saal, Eilschritt, rote Ohren, wehendes Haar, Blicke zucken aus den Augenwinkeln, Blitze aus den Fingerspitzen: Münzen verlieren den goldnen Schein, Silber wird stumpf, die Dekomposition von Mosaiken setzt ein, Videos schalten auf den Abwehrkampf des KSC,  Vitrinenglas reißt, Statuen steigen von den Sockeln. Besucher  erbleichen: &#8220;Ins Baptisterium!&#8221; Poliander lacht: Das Baptisterium ist ein Nachbau! Mauern schwanken und stehn wieder still. Erstarrt starrt das Publikum. Die Vandalen waren nie in Karlsruhe. Bei Mainz gingen sie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rhein%C3%BCbergang_von_406">über den Rhein</a>.</p>
<p>Verlassen liegt ein Bleistift auf dem Brunnen. Spitz weist er zum Platz der Leselust, wo Pflastersteine erglühn.<br />
Polianders Mobiltelefon schnurrt: &#8220;Willst du mir die Sandalen pfänden / dann musste schon Vandalen senden.&#8221;</p>
<p>Koordinaten: 49° 0&#8242; 50.4&#8243; N, 8° 24&#8242; 15.48&#8243; O</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2009/11/08/poliander-encolere-landesmuseum-karlsruh/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

