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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Ströme</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Keine Nostalgie</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 21:35:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Mädchen mit einem Schirm ist ein Motiv dieses Films, das P. nicht vergisst. Die Kleine geht und holt ihren besoffnen Vater aus der Kneipe. Ihre Beharrlichkeit und Unverdrossenheit in ihrem schweren Kinderleben hat P. damals beeindruckt, sie, die im Film wohl Edith hieß, jedenfalls sagt das Polianders Erinnerung im Nachhinein, ist eine seltsame, wunderbare [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3823" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/01/michael-gwisdek.jpg"><img class="size-medium wp-image-3823" src="http://www.poliander.de/files/2012/01/michael-gwisdek-300x214.jpg" alt="Gwisdek. Pressefoto: Babylon Berlin" width="300" height="214" /></a><p class="wp-caption-text">Gwisdek, anderer Film. Pressefoto Babylon Berlin</p></div>
<p>Ein Mädchen mit einem Schirm ist ein Motiv dieses Films, das P. nicht vergisst. Die Kleine geht und holt ihren besoffnen Vater aus der Kneipe. Ihre Beharrlichkeit und Unverdrossenheit in ihrem schweren Kinderleben hat P. damals beeindruckt, sie, die im Film wohl Edith hieß, jedenfalls sagt das Polianders Erinnerung im Nachhinein, ist eine seltsame, wunderbare Nebenfigur der Filmgeschichte (nee, wir haben es jetzt mal nicht kleiner, liebe Leute!) Der Film &#8220;Jadup und Boel&#8221; war, als P. ihn sah, 1988 wahrscheinlich, das Radikalste, was im Osten zu sehen war, nimmt man das, was offiziell zu sehen war, für das Ganze. (Was nicht  ganz korrekt ist, im Großen und Ganzen aber doch.)<span id="more-3815"></span>P. hat diesen Film damals gesehen, im Osten, in der letzten Phase des Niedergangs. Er war verboten, aber er wurde gezeigt, im Berliner Kino &#8220;Babylon&#8221; (heute: Babylon/Mitte, denn es gibt auch Babylon/Kreuzberg). Mundpropaganda, sie gingen hin, zwei Freundinnen, sie zogen sich extra bunt an: Die Schwarzgekleideten würden alle, alle da sein. Bunt, um den Niedergang zu negieren, denn sie selbst würden nicht niedergehen, da waren sie sicher, was an ihrer Unerfahrenheit lag oder ihrer Arroganz oder beidem. Die Schwarzgekleideten waren auch alle da. Die Plätze des Kinos reichten, aber keiner blieb leer. P. kann heute nicht rekonstruieren, wer gesagt hatte, dass es diesen Film geben würde, und rekonstruiert auch nicht, warum er eben doch, verbotenerweise, gezeigt wurde. Auch nicht, warum heute, wenn überhaupt, von diesem Verbot die Rede ist und nie davon, dass er ganz wenige Male (P. vermutet: zweimal) zu sehen war. Dabei charakterisiert das so sehr gut den verzweifelten und aberwitzigen Zustand des Staates in seinen letzten Jahren. Ständig brach irgendwas zusammen, ständig ging es doch wieder weiter, ständig besorgte ihnen einer den rettenden Kredit, der das Leiden verlängerte  (Strauß, you remenber?), ständig ging uns auch ganz privat das Geld aus, ständig brauchten wir dann doch keins, weil uns wer was schenkte, dauernd kriegte wer Einreiseverbot, dauernd reiste wer aus, ständig wurde irgendwo hart durchgegriffen, ständig schlüpfte irgendwo was durch. Genug, dass wir uns nicht beruhigten, genug, dass wir nicht vollends ausflippten.</p>
<p>Es ist eine spezielle Sache, warum dieser Film auch nach dem Ende der Verbote nie die Popularität fand, die andere erlangten, wie &#8220;Spur der Steine&#8221; zum Beispiel. Es ist nichts darin, das zum Schenkelklopfen animiert.  Er bringt manchmal zum Lachen, aber macht keine populären Witze. Er bezieht sich auf Tabus, über die zu reden auch heute noch tabu ist. Vergewaltigung zum Beispiel. Er zeigt nicht nur das hyperrealistische Detail, wie bei der Eröffnung einer Kaufhalle ein benachbartes Häuschen zusammenbricht (ja realistisch, P. sah Häuser zusammenbrechen, die wurden nicht abgerissen, sondern brachen einfach zusammen und wurden weggeräumt). Der Film erzählt, wie ein Händler übers Land zieht und den Leuten ihre historischen Möbel abschwatzt, um sie zu &#8220;Antiquitäten&#8221; zu machen (und wir wissen ja alle, was mit diesen Antiquitäten geschah, oder?) Er erzählt aber auch die Geschichte  des Mädchens Boel und die des Mädchens Edith, erzählt etwas über widerständiges, widerspenstiges Leben. Der Film wirft einen Blick vom Turm übers Land, atemlos vom Treppensteigen, atemberaubend vor Weite.</p>
<p>Jetzt, aus Anlass des Geburtstags von Michael Gwisdek, der jenen Antiquitätenhändler spielt, wird &#8220;Jadup und Boel&#8221; wieder gezeigt. Wer was verstehen will, kann da ruhig mal hingehen. Wer einen großartigen Film sehen will, der dauerhafter ist als der Staat, der ihn verbot, auch.</p>
<p>Ansehen: 18. Januar 2012, 18 Uhr im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin<br />
Koordinaten: 52° 31&#8242; 33&#8221; N, 13° 24&#8242; 42,8&#8221; O, <a>Jadup und Boel (1980)</a>, R.: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Simon">Rainer Simon</a>, 103 min</p>
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		<title>Keiner, der anderen die Stiefel putzt</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 10:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im November reiste Poliander nach Bremen und sprach mit Ludwig Baumann. Baumann, Jahrgang 1921, wollte nicht auf Menschen schießen. Er desertierte. Mehrere Hunderttausend Männer sind aus der Wehrmacht desertiert. Mehrere Zehntausend wurden verurteilt. Über Zwanzigtausend wurden hingerichtet. Desertion, wie deserere, vernachlässigen, verlassen, also Fahnenflucht, das Fernbleiben eines Soldaten von militärischen Verpflichtungen, die Vernachlässigung, das Verlassen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im November reiste Poliander nach Bremen und sprach mit Ludwig Baumann. Baumann, Jahrgang 1921, wollte nicht auf Menschen schießen. Er desertierte. Mehrere Hunderttausend Männer sind aus der Wehrmacht desertiert. Mehrere Zehntausend wurden verurteilt. Über Zwanzigtausend wurden hingerichtet. Desertion, wie deserere, vernachlässigen, verlassen, also Fahnenflucht, das Fernbleiben eines Soldaten von militärischen Verpflichtungen, die Vernachlässigung, das Verlassen solch einer Pflicht, der Fahne nicht dienen, sie verlassen. Wer nicht hingerichtet wurde, erlebte Zuchthaus und Strafbataillon. Wenige überlebten, auch Ludwig Baumann. Andere, die überlebt hatten, schwiegen. Baumann redet. Er  ist ein Zeuge, er sagt: &#8220;Ich kenn keinen mehr. In Bayern, zum Beispiel, auf dem Lande, da kann sich keiner melden, da sind die Kriegerdenkmäler auf dem Friedhof, wer sich da als Deserteur meldet, wird es schwer haben.&#8221; Baumann ist ein zierlicher, zäher Mensch, grade und freundlich, mit einem bewegten Leben, von dem er offen berichtet. Baumann sagt: &#8220;Der Kampf um Gerechtigkeit, das ist für mich das Wichtigste, weißt du?&#8221; Heute wird er 90 Jahre alt.</p>
<p>Mehr lesen: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/213215.der-raedelsfuehrer.html">Der Rädelsführer</a>, in der Tageszeitung ND vom 13. Dezember 2011</p>
<p>Koordinaten:<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bremen"> 53° 5&#8242; N, 8° 48&#8242; O</a>, 90. Geburtstag</p>
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		<title>Precious Liquids, Reminiszenz</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 19:10:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Du darfst nicht über die Brücke gehn!&#8221; Du darfst nicht über die Brücke gehen. Der schmale Fluss, mehr als ein Bach, im Park, jenseits der baufälligen Brücke (sie ist baufällig) ein verschlossenes Tor. Woher ich das weiß, ich weiß es nicht, die Leute sagen es. Ich nehme die Kamera. Eine Frau mit Kinderwagen kommt, zögert, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3401" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/10/flüssiges-laufen.jpg"><img class="size-medium wp-image-3401" src="http://www.poliander.de/files/2011/10/flüssiges-laufen-300x224.jpg" alt="Auch die Luft verflüssigt." width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Auch die Luft verflüssigt.</p></div>
<p>&#8220;Du darfst nicht über die Brücke gehn!&#8221; Du darfst nicht über die Brücke gehen. Der schmale Fluss, mehr als ein Bach, im Park, jenseits der baufälligen Brücke (sie ist baufällig) ein verschlossenes Tor. Woher ich das weiß, ich weiß es nicht, die Leute sagen es. Ich nehme die Kamera. Eine Frau mit Kinderwagen kommt, zögert, ich senke die Kamera, ich habe Zeit heute genug gearbeitet, ich mache ein Foto, als sie vorbei ist, ich fotografiere schlecht, nur zur Erinnerung. Ich gehe tiefer in den Park, da sind Stimmen über dem Wasser und dem selbst unterm bewölkten Himmel goldflüssigen Laub, Goldfluss wie Blutfluss. <span id="more-3391"></span>Die Stimmen sind, kein Zweifel, künstlich, das hat eine Frau gemacht, denke ich (zwei, um genau zu sein), ich gehe weiter, es ist so feucht, die Stimmen werden lauter. Gänse landen, die Vögel schwimmen in Richtung der Stimmen, gehen nicht ans Ufer. Ein Mann mit albernem Riesenroller und ernstem Riesenhund kommt vorbei, er bleibt am Übertragungswagen stehen. Da, das muss das Fischhaus sein, rechts vom Ü-Wagen, Kabel im schlammigen Weg, und links eine Brücke, wieder, deren Tragebalken mit ein paar schräg liegenden Brettern bedeckt sind, &#8220;Brücke baufällig! Nicht betreten!&#8221;, als ob man das nicht sähe, dass kein Fuß aus Fleisch und Blut hier drüber geht, drunter das Wasser, grünlich, freigesetzt: precious liquids (Louise Bourgeois you remember), Fischhaus-Rückseite, große Planke mit kleinem Öffnungsquadrat, Lautsprecher, gegen die Nässe mit Müllsäcken bedeckt, jetzt halb entblößt, der Ursprung der flüssigen Stimmen. Vielleicht. Eine Frau joggt heran, die Seelen verstummen. Es war nur zur Probe. Ich gehe zur nächsten Brücke, sie führt ans Gatter, der Weg am Gatter führt zur Stadt, kleine Häuser, die Straße hoch, links liegt das Schloss, ich gehe hoch, das Schloss duckt unten, was duckt es sich, es ist ein Schloss. Ich schau runter, ich sehe: Der Fuhrpark ist zu repräsentativ, um vom Vordach verdeckt zu werden. Louise Bourgeois konnte Fließendes auch mit den Mitteln der Eingrenzung zeigen.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.poliander.de/2009/04/24/im-feuchten/">Feuchte Gärten Privatbesitz</a>, Liquid Souls: Komposition im Auftrag des SWR bei den <a href="http://www.swr.de/donaueschingen">Donaueschinger Musiktagen 2011</a>, Urheberinnen: Claudia Brieske, Franziska Baumann. <a href="http://www.centrepompidou.fr/education/ressources//ENS-bourgeois-EN//popup08.html">Precious Liquids</a>.</p>
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		<title>Lektüre ist Geschichte</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 09:58:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Schreibwerk]]></category>
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		<description><![CDATA[Lektüre ist eine eigene Biographie. Jede hat ihre. Jede, die liest. Aber welche liest nicht? Ehrlicher Bericht, warm empfohlen: Ich erinnere mich an die Enttäuschung, als ich das letzte Buch schloss. Koordinaten: Poesiebuchblog. Dem Link folgen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lektüre ist eine eigene Biographie. Jede hat ihre. Jede, die liest. Aber welche liest nicht? Ehrlicher Bericht, warm empfohlen:<a href="http://blog.poesiebuero.de/2011/09/11/die-second-hand-welt-der-literatur/"><em> Ich erinnere mich an die Enttäuschung, als ich das letzte Buch schloss.</em></a></p>
<p>Koordinaten: Poesie<del>buch</del>blog. <a href="http://blog.poesiebuero.de/">Dem Link folgen.</a></p>
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		<title>Die Strümpfe der Salier</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/07/04/die-struempfe-der-salier/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Jul 2011 03:58:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf dem Rhein schaukelt die &#8220;Karlsruhe&#8221;.  Oben im Park hinterm Dom drehen Feuerrädchen in der Luft. Parkplätze sind überfüllt. Der Gefährte fragt, wie lange die Fahrt übern Rhein geht, von Speyer nach Karlsruhe. Drei Stunden? Er glaubt&#8217;s ja nicht.  Drei Stunden haben wir gerade im Historischen Museum der Pfalz verbracht, nicht gerechnet die Kaffeepause im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3007" class="wp-caption alignleft" style="width: 227px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/07/Salier-Insignienübergabe-Ausschnitt.jpg"><img class="size-medium wp-image-3007" src="http://www.poliander.de/files/2011/07/Salier-Insignienübergabe-Ausschnitt-217x300.jpg" alt="Heinrich IV. übergibt Heinrich V. die Krönungsinsignien" width="217" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Heinrich IV. übergibt Heinrich V. die Krönungsinsignien</p></div>
<p>Auf dem Rhein schaukelt die &#8220;Karlsruhe&#8221;.  Oben im Park hinterm Dom drehen Feuerrädchen in der Luft. Parkplätze sind überfüllt. Der Gefährte fragt, wie lange die Fahrt übern Rhein geht, von Speyer nach Karlsruhe. Drei Stunden? Er glaubt&#8217;s ja nicht.  Drei Stunden haben wir gerade im <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Startseite.htm">Historischen Museum der Pfalz</a> verbracht, nicht gerechnet die Kaffeepause im schönen Innenhof. Und wir wären noch nicht gegangen, wäre nicht so ein schöner Tag, draußen, <a href="http://www.poliander.de/2011/06/21/blau-farbe-fliessendes-wasser/">in Speyer, am Rhein</a>.</p>
<p>Aus drei Gründen hat Speyer ein Salier-Jahr ausgerufen: <span id="more-2999"></span>Vor 950 Jahren wurde der Dom geweiht, dessen Bau der salische König und spätere Kaiser Konrad II. im Jahr 1025 begonnen hatte. Vor 900 Jahren wurde Heinrich V. zum Kaiser gekrönt; im gleichen Jahr verlieh er den Einwohnern der Stadt Speyer bedeutende Privilegien, die sie von Steuern und Abgaben befreiten und Speyer wirtschaftlich stark machten. Das Pfälzer Historische Museum zeigt <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Salier.htm">von den Saliern</a>, was es hat und leihen kann. Was es zeigt, überrascht nicht, ist aber, wenn man so Mittelalter-Ausstellungen kennt, überraschend differenziert.</p>
<p>Wir spielen in einen Touchscreen ein, was wir wissen, bis der   Automat die Botschaft ausspuckt: „Sie wären ein guter  mittelalterlicher Herrscher gewesen“, Dämpfer folgt: „Für  die meisten Menschen, die in Ihrem Mittelalter lebten, wäre es jedoch  eine ziemlich finstere Zeit gewesen.“ Nicht ganz so subtil grüßt ZDF-Anchorman Claus Kleber herüber, der, digitalisiert, vor einem Historiengemälde die Ereignisse des Aprils 1111 schildert, als  wär&#8217;s gestern gewesen, dass Heinrich V. den Papst gefangen nahm, um seine Krönung zum Kaiser zu  erzwingen. Das Unerhörte gleicht dem Staatsstreich von nebenan, gleich  hier: in der Welt. Die Mächtigen, Kaiser und Papst, verbissen sich an der Frage der Investitur der Bischöfe in ihr Amt. Eine Formalität war das nicht, Bischöfe waren mächtige weltliche Herrscher. Was Heinrich V. durch die Festsetzung des Papstes  Paschalis II. erzwang, die Krönung, bezahlte er mit dem Kompromiss. Zunächst verlieh er den Bischöfen noch Ring und Stab, freilich nachträglich, als Bestätigung ihrer Einsetzung. 1119 kehrte sich die Sache ganz: Die Kirche verlieh Ring und Stab, der König durfte die Würdenträger mit den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Regalien">Regalien</a> belehnen.  Hieß, er gab ihnen die Mittel, die Macht, die die Kirche ihnen verlieh, auch durchzusetzen.</p>
<p>Und dann breitet das Museum den ganzen Zauber dessen aus, was wir heute das Mittelalter heißen, Handschriften, Spolien, Haushaltsgerät wie Scheren  und Gefäße, Zeitvertreib wie Spielsteine und Mühlebrett, mönchische Regeln, unter denen leider nicht die  wichtigsten, sondern die kuriosesten ausgewählt wurden. Doch selbst das funktioniert, denn wenn wir erfahren, welche Zeichen die Mönche  untereinander beispielsweise für das Wort Brot benutzten, erfahren wir  zugleich: Sie hatten zu schweigen. Im Museumskeller aber finden wir nicht nur <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Des_Kaisers_letzte_Kleider.htm">des Kaisers letzte Kleider</a>, sondern auch seine <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Des_Kaisers_letzte_Kleider/KUR_Imagefilm_2.htm">besten Strümpfe</a>, seinen feinsten Mantel und die schönste Haube. Poliander verliebt sich gleich in den säuberlich nachgenähten Strumpf aus glänzendem Stoff &#8211; weites Bein und spitzer Fuß. Solche Strümpfe tragen die Museumskönige bis heute. Von den Fußlappen der Armen blieb nichts, von ihren Barfüßen ein Wirbel in der Luft draußen vorm Dom.</p>
<p>Gramanns Ausstellungskritik selber lesen: Tageszeitung ND vom 4. Juli 2011 sowie hier <a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/201218.volk-von-steuerlast-befreit.html">Von Steuerlast befreit</a></p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Salier.htm">10. April bis 30. Oktober 2011</a>.<br />
Vermerk: Die oben links abgebildete Handschrift befindet sich in der Staatsbibliothek zu Berlin.<br />
Pressefoto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz via Historisches Museum der Pfalz Speyer.</p>
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		<title>Paris im November</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/11/08/paris-im-november/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Nov 2010 13:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>
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		<description><![CDATA[Da hin!, sagt Poliander, Dort hin!, ruft Begleiterin 1. Die Sonne steht herbsthalbhoch überm Grab von Sartre und Beauvoir, ich lehne mich an den Rücken der Bank davor, sitzen könnte man nur mit dem Rücken zu ihnen, ich betrachte die frischen Küsse auf dem Stein. Da war doch schon jeder. Poliander nicht, sagt Poliander. Unterhalb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2099" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/11/beauvoir-sartre-küsse.jpg"><img class="size-medium wp-image-2099" title="beauvoir sartre küsse" src="http://www.poliander.de/files/2010/11/beauvoir-sartre-küsse-300x202.jpg" alt="Grab 1 Cimetière Montparnasse" width="300" height="202" /></a><p class="wp-caption-text">Paar am Haupteingang Cimetière Montparnasse</p></div>
<p>Da hin!, sagt Poliander, Dort hin!, ruft Begleiterin 1. Die Sonne steht herbsthalbhoch überm Grab von Sartre und Beauvoir, ich lehne mich an den Rücken der Bank davor, sitzen könnte man nur mit dem Rücken zu ihnen, ich betrachte die frischen Küsse auf dem Stein. <span id="more-2051"></span>Da war doch schon jeder. Poliander nicht, sagt Poliander. Unterhalb vom Friedhof Montparnasse schwimmen wir durch die Welle Jugendliche vorm Lycee. Begleiterin 2 stellt fest: die gleichen Frisuren  wie in Frankfurt. Hier, sagen beide, vertragen wir schon mittags Wein. Poliander knirscht mit den Zähnen, betrunkene Frauen am Nachmittag? Sei doch ruhig, wir fahren mit dir zu all den Orten. Aber dann regnet es, wir gehen mit P. zum Centre Pompidou. P. knirscht wieder, dabei ist der Blick von der obersten transparenten Röhre ganz so gut wie der Blick vom Montmartre.  Das sagt ihr!, sagt Poliander. Ich gebe P. eine Handvoll Blicke über die Stadt,  Zinkdächer schimmern im Regen.  Ich schleppe alle zu <a href="http://www.artnet.de/awc/nancy-spero.html">Nancy Spero</a>, vor einem Jahr starb sie in Manhattan, ein Video zeigt, wie sie noch einmal singen, Happy birthday dear Nancy!, und die magere Frau mit den zerzausten Haaren lacht schütter. Ich entwische nach nebenan, <a href="http://www.pipilottirist.net/">Pipilotti Rists</a> Blutclip dreht, dreht, dreht und dreht, ich strande vor einem zottigen Objekt aus braunschwarzer Wolle, es hängt von der Decke, der Blick geht in die gefährliche schwarze Höhlung, schön hier, sag ich.</p>
<p>Am Abend ziehen wir über den Place de la Republique, P., die Begleiterinnen, die Freundin, die Freundin der Freundin und so weiter, auf uns wartet ein Tisch in einem Restaurant in einer Nebenstraße. Unter der Republique dicht in Dreierreihen stehen Leute im Regen, ohne Schirm, schäbiges Gepäck. Fünf Meter vor ihnen: Tische mit Essenscontainern, das Aluminium glänzt im Scheinwerferlicht, Pappkartons daneben, Obst, Leute sind viele, Orangen wenige. Immerhin in der Stadt, sagt Poliander. (In B. sind die Armen auch sichtbar, du musst nur hinschaun, sage ich.) Die Freundin der Freundin berichtet: Alle Demonstrationen wären nun so, dass man den Anfang nicht sieht und nicht das Ende, und jedes Problem führt auf das eine zurück: die Regierung. Die Wut wächst noch. Wir gehen weiter,  Leckereien entgegen, dreimal füllt man uns die Karaffe neu, Rotwein, Was dachten Sie denn! Auf dem Rückweg: die Armen sind fort, die Republique  zeigt uns den Rücken, Stein wallt. Wer ist das noch mal, dort, die Figur? Die Republique! Ein Kulturzentrum, Jugendliche sitzen auf dem Boden, Leute mit Instrumenten in riesigen Hüllen gehen an uns vorbei, es ist schön hier, kein Zweifel. Anderntags im Marais, nun ist Sonntag, eiskalter Regen, wir rennen von Lokaltür zu Lokaltür, wir staunen die Häuser an, wir landen im Trocknen, wir ziehen im Laden rosarote Stiefel über die Füße, Ah!, wenn das die Daheimgebliebnen wüssten, zum Dejeuner haben wir Rosé getrunken. Wasser strudelt von den Dächer in die Straßen, die Feuerwehr sperrt den Autoverkehr, Arbeiter kehren den Regen in die Tiefen der Kanalisation. Plötzlich Sonne, durch das Licht stäubt feiner Niesel. In der Rue des Rosiers verkünden die Tiger Nature&#8217;s Revenge. Am Hotel Rohan-Soubise nehmen wir ein Flugblatt entgegen: &#8220;Maison de l&#8217;Histoire de France, pas aux Archives&#8221;, im Nationalarchiv kein Haus der Geschichte! Die Männer erklären es geduldig, gestreikt wurde auch schon. Das Archiv soll hier, mitten in der Stadt und gut zugänglich bleiben. &#8220;Unterschreiben Sie unsere <a href="http://cgt.archives.free.fr/spip.php?article126">Petition</a>!&#8221;,  ruft der Mann der Gewerkschaft. Für ein &#8220;ideologisches Projekt&#8221; die kostbaren Akten auslagern, so dass sie weniger zugänglich sind? O nein! Historiker wollen nicht staatstragend &#8220;die Seele Frankreichs stärken&#8221;. (Später im Netz der <a href="http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/arte-journal/3487008.html">Bericht von arte</a>.) Könnten wir bleiben, mehr erfahren. Pflichtbewusste Füße eilen zur Metro.  Schnell zum Bahnhof, schnell zu Relay, ans Regal mit der herrlichen Aufschrift: &#8220;Bande dessinée&#8221;. Nein, nicht in den Rucksack, wir lesen sie gleich! Da fährt schon der Zug. Poliander sagt: Ich möchte bleiben.</p>
<p>Koordinaten: 48° 50&#8242; 25&#8221; N, 2° 19&#8242; 9&#8221; O, deutscher Text der <a href="http://fr-fr.connect.facebook.com/topic.php?uid=109567349104685&amp;topic=20">Petition &#8220;Kein Haus der Geschichte in Frankreichs Nationalarchiv!&#8221;</a></p>
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		<title>Freitag und Montag am selben Fluss</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 11:58:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Rätseln]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>

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		<description><![CDATA[Kleine Stadt mit Burg überm Fluss, wo der Wind leicht ging durch die Gassen und heiß und kalt fauchte oben am Berg. Hier, rief der Ladner, der Weihnachten feilbot im Juni, Hier, rief er: Der Brunnen im Haus ist zwölfmännertief. Wir schauten in die Tiefe, die ein Spot beleuchtete. Ein Tropfen fiel in glasbedeckte Stille. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1503" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/06/oberlauf.jpg"><img class="size-medium wp-image-1503" title="Am Oberlauf des Flusses" src="http://www.poliander.de/files/2010/06/oberlauf-300x234.jpg" alt="Am Oberlauf des Flusses" width="300" height="234" /></a><p class="wp-caption-text">Am Oberlauf des Flusses</p></div>
<p>Kleine Stadt mit Burg überm Fluss, wo der Wind leicht ging durch die Gassen und heiß und kalt fauchte oben am Berg. Hier, rief der Ladner, der Weihnachten feilbot im Juni, Hier, rief er: Der Brunnen im Haus ist zwölfmännertief. Wir schauten in die Tiefe, die ein Spot beleuchtete. Ein Tropfen fiel in glasbedeckte Stille. Höflich sahen wir uns im Laden um, all die Räuchermännel, sagte Poliander, doch daheim haben wir ein Räucherfrauel, das! sollten Sie sehn, mit einer Kloßschüssel, aus der der heilige Rauch steigt! Geduld mit Touristen gewohnt nickte der Mann. Schnell griff Poliander die besten Räucherkegel, die kleinen, Pfennigware, kostbare. <span id="more-1493"></span>Früher, sagte Poliander, wurde Weihnachten nicht an der Elbe verkauft, aber heute gibt es Weihnachten überall, wo Touristen sind.- Sie missgönnen es mir, sagte der Ladner ernst, dabei steckt mein ganzer Kredit drin. Kann schließlich nicht jeder vom Porzellan leben. Poliander lächelte verbindlich, Auch nicht vom Brunnenzeigen, wir wissen es ja. Zur Burg ging&#8217;s hoch, wie sonst, zuletzt Treppen und Treppen, und von oben klangen Glocken, das aus Erde geformt wurde wie jene Vögel, die das Jesuskind formte aus Uferschlamm, zum Ärger seiner Mutter, denn sie flogen alle lebendig davon. Poliander phantasiebegabt sah&#8217;s schon, wie auch die Glocken flogen, rasch, übern Fluss. Aber sie hingen noch und schwangen. Polianders Begleiter stieß sie an: Drüben warn Weinberge.  Die Stadt, das Museum, sie liefen zurück zum goldnen Grund, wo Installateure werkten. Oben in der Kammer saß die Fei am Computer und herrschte über Buchstaben und Bilder und formte multiple Skulturen aus Restholz, Industrieabfall und Uferlehm. Im Vogelfutterhaus hatte die Amsel ihr Nest gebaut, sie beobachtete Poliander genau, ehe sie reinflog und kurz angebunden die Eier begrüßte.</p>
<div id="attachment_1505" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/06/unterlauf.jpg"><img class="size-medium wp-image-1505" title="Am Unterlauf des Flusses" src="http://www.poliander.de/files/2010/06/unterlauf-300x168.jpg" alt="Am Unterlauf des Flusses" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Am Unterlauf des Flusses</p></div>
<p>Nicht leicht zu erreichen von jener Stadt ist die andre, im Norden, wo der Fluss sich in künstlich vertieften Betten zum Meer hin wälzt. Polianders Begleiter drängt jederzeit, den Ort zu besuchen. Aber das andere behalten wir für uns.</p>
<p>Koordinaten:<br />
Stromkilometer 82 sowie 609 bis 641 (deutsche Zählung)<br />
Wer die Lösung nicht weiß, kann fragen:<br />
poliander ((an)) diese domain</p>
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		<title>Gewässerleben</title>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 06:28:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrwasser]]></category>
		<category><![CDATA[Pferdewechsel]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

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		<description><![CDATA[Diesmal sind wir an Herrn Tullas Denkmal vorbeigefahren. Der Fluss, als ich ihn zuerst sah, steckte in einem öden, gemauerten Bett, das mythische Gewässer war eine Enttäuschung. Ich erinnere mich nicht, den Dom von innen gesehen zu haben. Mehr erfuhr ich im Museum, damals, Fotos von Chargesheimer, ich blieb nur kurz in Köln und lernte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1273" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/05/seerhein.JPG"><img class="size-medium wp-image-1273" src="http://www.poliander.de/files/2010/05/seerhein-300x168.jpg" alt="Seerhein: auch im Westen, tiefer im Süden" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Seerhein: auch im Westen, tiefer im Süden</p></div>
<p>Diesmal sind wir an Herrn Tullas Denkmal vorbeigefahren.</p>
<p>Der Fluss, als ich ihn zuerst sah, steckte in einem öden, gemauerten Bett, das mythische Gewässer war eine Enttäuschung. Ich erinnere mich nicht, den Dom von innen gesehen zu haben. Mehr erfuhr ich im Museum, damals, Fotos von <a href="http://www.museenkoeln.de/_medien/mlk/Chargesheimer_02.jpg">Chargesheimer</a>, ich blieb nur kurz<span id="more-1247"></span> in Köln und lernte niemanden kennen von den Leuten am eingemauerten Fluss und trug ein Buch weg, in dem mehr Menschen vorkamen als Gewässer, dann kam ich lange nicht wieder.</p>
<p>Ich wusste nichts von Herrn Tulla.</p>
<p>Die Elbe, die Labe, Albis, der Strom, Albja, Elf und Elfa, <a href="http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&amp;mode=hierarchy&amp;textsize=600&amp;onlist=&amp;word=elbe&amp;lemid=GE03758&amp;query_start=1&amp;totalhits=0&amp;textword=&amp;locpattern=&amp;textpattern=&amp;lemmapattern=&amp;verspattern=#GE03758L0">&#8220;allgemein für fluvius und immer weiblich&#8221;</a>, nie soll man versäumen, aus dem Fenster zu schauen, wenn der Zug über die Elbe fährt, schon gar nicht im Frühling, wenn sie weich die umgebenden Wiesen wässert, und stundenlang sitzen Poliander und ich, wir sammeln Schiffe mit Augen, wenn sie in Hamburg in den Hafen fahren und von dort wieder aufs Meer. Ja, der Dreck, ich weiß, die Ausbaggerung, ich weiß, die Hafencity, ich weiß, die Zustände auf den Schiffen vor allem, ich weiß, und wie könnt ich es vergessen. Aber. Die Elbe.</p>
<p>Nichts von Herrn Tulla.</p>
<p>Wieder kam ich an den Rhein, Rhenus, Hrenus, Rin und Ryn, <a href="http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&amp;mode=hierarchy&amp;textsize=600&amp;onlist=&amp;word=rhein&amp;lemid=GR04933&amp;query_start=1&amp;totalhits=0&amp;textword=&amp;locpattern=&amp;textpattern=&amp;lemmapattern=&amp;verspattern=#GR04933L0">vom Stamme ri, gehen und fließen</a>, der beiläufig ist zur Stadt Karlsruhe, mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinh%C3%A4fen_Karlsruhe">Häfen</a> an ihrem Rand, der ist ein</p>
<div id="attachment_1277" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/05/seerhein2.jpg"><img class="size-medium wp-image-1277" src="http://www.poliander.de/files/2010/05/seerhein2-300x168.jpg" alt="Rhein im See, nicht bei Karlsruhe" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Rhein im See, nicht bei Karlsruhe</p></div>
<p>Grenzfluss, setz über, nimm nicht die Brücke, sondern die <a href="http://rheinfaehre-neuburg.de/">Fähre</a>, du und dein Fahrrad, ihr passt allemal drauf, flussab fährst du in die Pfalz, flussauf nach Frankreich, doch auch auf dieser Seite erstrecken sich die Auen tief ins Land hinein, und dort stehn sie und gehn sie, die Arme, die Gewässer, die münden oder für sich bleiben, ein Gezwitscher im Frühling, Gequak im Sommer ist da, selbst wenn man, flussab der Stadt, den Ölhafen zur Seite hat, der mit der Raffinierie zur Seite weit größer ist als der Stadthafen, über den Poliander gern lächelt. Also die Auen, die Erlen, das Gewese, feucht und warm, was man im letzten Winter beinahe vergessen hätte, als spitzer Wind Eisschleier ins Gesicht trieb, nun, Mai, wieder feucht, sehr feucht, und wild schauen die abgebrochnen Riesen aus dem Gehölz.</p>
<p>Das Gewese wollte Herr Tulla abschaffen.</p>
<p>Herr Tulla drängt sich auf, mault Poliander, wir haben sein Denkmal doch links liegen lassen! Rechts, sage ich, denn wir sind flussab gefahren. Poliander seufzt: Johann Gottfried Tulla, wohlan! Seit wann redet Poliander gestelzt? Seit dem Ingenieur Tulla, wohlan also! Na gut, sage ich, also der Ingenieur Tulla, der kam 1770 in der noch jungen Stadt Karlsruhe zur Welt. Studiert hat er in Freiberg in Sachsen. Der Oberrhein, der Fließende also, floss  wie eh und je durch sein weiches Bett, und wie es ihm gefiel, änderte er seinen Weg in zahllosen  Schlaufen, teilte sich in kleinere Läufe, vereinigte sich wieder, überschwemmte das Land, bildete Arme und Ärmchen, Auen, feuchte Niederungen, führte mal hohes, mal niedriges Wasser, die Sonne schien schon damals wärmer als anderswo im deutschsprachigen Raum, Mücken brüteten, Fische nährten viele Leute in der Oberrheinebene. Dem Fluss gefiel&#8217;s, nicht aber dem Herrn Staat. Denn der Fluss war die Grenze, und was ist das Schlimmste für einen Staat?, fragt Poliander. Richtig, benickt er sich selbst, eine Grenze, die von selbst sich ändert, vor allem: der andren Seite plötzlich mehr Land zuträgt. Und von den Sümpfen, das sah Herr Tulla ganz recht, kam auch das Fieber. Herr Tulla fasste deshalb den Plan, den Rhein zu begradigen, dass sein Bett tiefer würde und härter und das Wasser schneller fließe, gut für die Schiffe. (Auch gut gegen das Fieber der Fischer, sagte Herr Tulla, doch die Fischer wollten lieber das Fieber ertragen, wenn ihnen nur auch der Fischfang blieb, unvernünftiges Volk, das essen will anstatt Ingenieursklugheit zu folgen.)</p>
<p>Wie Herr Tulla gesagt, so getan. Mit 18 großen Durchstichen wurde <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinbegradigung">der Rhein verkürzt</a>, zwischen Basel und Bingen um 81 Kilometer, getragen wurde dies vom bayrischen, vom badischen, vom hessischen Staat, Rheinhessen war grad rechtzeitig 1814/15 an das Großerzogtum Hessen gekommen. Mit Frankreich, später, doch solche Arbeiten dauern lang genug, dass es immer ein Später gibt, wurde ein Staatsvertrag geschlossen. Als 1817 der Durchstich in Knielingen begann und die Wälder geholzt wurden, begehrten die Fischer auf. Aber gegen den Widerstandsgeist der Badener hatte man auch in dem Jahr das Militär. Hochwässer hat der schnell fließende, vertiefte Fluss auch seitdem noch viele gebracht. Viele Häuser längs des Rheins zeigen die Marken, diesseits und jenseits. Nur in den Resten der Rheinschleifen verlaufen sich auch hohe Wasser, drum sind die nun geschützt und hüten das Gewese. Der Altrhein bildete Seen aus und tote Arme, und in denen, Gezwitscher, Gesang, Gekrächze und Gequak, und grad jetzt noch stehen die Gänse in kleinen Scharen am Rand und laufen eine der andern nach ins Wasser, wenn uns der Kies unter den Sohlen knirscht. Aber die großen Schiffe gäb&#8217;s ohne Herrn Tullas Plan nicht, sagt Poliander. Eben noch hast du dich über Tulla lustig gemacht, sag ich, drauf großspurig Poliander: Das sind eben die historischen Widersprüche.</p>
<p>Ob Herr Tulla je in Köln war, weiß ich nicht. Er starb 1828 an der Malaria und liegt auf dem Montmartre in Paris.</p>
<p>Koordinaten:<br />
Denkmal für Tulla in der Maxau <span title="Breite">49° 2′ 12.52″ N</span> <span title="Länge">8° 18′ 11.72″ O, </span><a href="http://www.hvz.baden-wuerttemberg.de/cgi/daten.pl?id=9016">Pegelstände Maxau</a><br />
Altrhein Neuburgweier und Fermasee 48° 58&#8242; 36&#8243; N 8° 16&#8242; 22&#8243; O (Naturschutzgebiet mit Badestelle)<br />
Mehr sehen: Auf die Bilder klicken</p>
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		<title>Die See ist voller Zeichen: Steenodde</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 16:39:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrwasser]]></category>
		<category><![CDATA[Leuchtfeuer]]></category>
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		<description><![CDATA[26 Mitarbeiter hat das Wasser- und Schiffahrtsamt Tönning in seiner Außenstelle Amrum. Aber einen großen Seezeichenhafen. Seezeichen sind, was normale Landeier wie Poliander und ich als &#8220;Bojen&#8221; bezeichnen. Zum Glück halten wir  unsere Zungen im Zaum. Denn &#8220;Boje&#8221;, spricht Herr Stöck, wäre grundfalsch und eine Beleidigung für jedes schwimmende Schiffahrtszeichen. &#8220;Alles, was in der Schiffahrt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1207" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/04/tonnenleger_amrum.jpg"><img class="size-medium wp-image-1207" src="http://www.poliander.de/files/2010/04/tonnenleger_amrum-300x267.jpg" alt="Setzt Zeichen im nebligen Meer" width="300" height="267" /></a><p class="wp-caption-text">Setzt Zeichen im nebligen Meer</p></div>
<p>26 Mitarbeiter hat das Wasser- und Schiffahrtsamt Tönning in seiner Außenstelle Amrum. Aber einen großen Seezeichenhafen. Seezeichen sind, was normale Landeier wie Poliander und ich als &#8220;Bojen&#8221; bezeichnen. Zum Glück halten wir  unsere Zungen im Zaum. Denn &#8220;Boje&#8221;, spricht Herr Stöck, wäre grundfalsch und eine Beleidigung für jedes schwimmende Schiffahrtszeichen. &#8220;Alles, was in der Schiffahrt den Weg weist, ist eine Tonne.&#8221; Bojen hingegen, er winkt ab. Wir schauen später nach, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Boje_(Schifffahrt)">hier</a>.  Herr Wolfgang Stöck herrscht über mehrere tausend Seezeichen, die liegen in den Fahrwassern vom Lister Tief bis nach Hamburg, außerdem über zahlreiche Leuchttürme und Leuchtfeuer.<span id="more-1187"></span> Der Herr Ramsauer von der CSU, sagt Herr Stöck, &#8220;der kennt uns hier gar nicht&#8221;, und der will sie einsparen, oder jedenfalls die Hälfte von ihnen, 14.500 Mitarbeitern beim Wasser- und Schiffahrtsamt. Denn Bayern liegt nun mal nicht am Meer. Und die ungeheure Lust des Meeres, zu toben und in tödlichen Orgasmen Land zu Meeresgrund zu machen, Tanker zu brechen und Schiffahrer zu schlucken, die ist in Bayern großenteils unbekannt. (Das hat jetzt nicht der Herr Stöck gesagt, sondern Poliander. Stimmt trotzdem.) Schon in Berlin wird man ja ausgelacht, wenn man erwähnt, dass die Nordsee ein Randmeer des Atlantiks ist, &#8220;Atlantik, sehr witzig, haha.&#8221;  Jedenfalls im Seezeichenhafen von Steenodde auf Amrum  könnten sie mit der Hälfte von 26 nicht mal die Schiffe besetzen. Und die müssen immer besetzt sein, zum Beispiel der Tonnenleger. Der heißt nach Johann Georg Repsold, der war ein Feinmechaniker und Vermessungstechniker, wir wir später <a href="http://www.math.uni-hamburg.de/spag/ign/hh/biogr/repsold.htm">nachschauen</a>, Mathemath könnte man sagen, jedenfalls ein echter Fachmann. Nicht wie der, Sie wissen schon. Also der <a href="http://www.wsa-toe.wsv.de/schiffe/tonnenleger_repsold/index.html">Tonnenleger</a>, der hat einiges zu legen an Tonnen, vor allem: immer wieder. Denn wenn eine Tonne erst mal liegt, im Wasser nämlich, da kommen zuerst die Seepocken, kleine Tiere, die gerne in Gesellschaft leben, in großer Gesellschaft, und am liebsten auf allem, was so im Wattenmeer steht und liegt, und dort bilden sie eine Kalkpocke neben der anderen, dicht an dicht. &#8220;Wenn wir im Februar eine Tonne auslegen, ist sie im Juli voll.&#8221; Und nein, solche Anstriche, wie ein Tourist von der Ostsee sie empfiehlt, die helfen in der Nordsee nun mal nicht. Das haben sie getestet, sagt Herr Stöck, genüsslich: &#8220;Das waren sozusagen die Lieblingstonnen der Seepocken.&#8221; Tja. Und da haben sie nun den einen Tonnenleger, und der legt die Tonnen vom Lister Tief bis Hamburg, und was man in Bayern nicht weiß: Von Steenodde bis Hamburg dauert die Fahrt bummelich vierzehneinhalb Stunden, &#8220;wenn die Tide günstig ist.&#8221; Und natürlich haben die 26 Leute nicht bloß die pockenbesetzten Tonnen auszutauschen. Sondern zum Beispiel die Ketten, die jede schwimmende Tonne mit einem Stein verbinden, und zwar nicht einfach so, nein, die gehen im Hahnepot zum Schäkel und vom Schäkel zum Stein, und die sind zweieinhalb mal so lang wie das Wasser tief ist, denn &#8220;wenn der Eckeneckepenn mit seiner Frau Rahn Zoff hat, da gehen die Wellen hoch.&#8221;</p>
<p>Nein, Poliander, wir scannen hier nicht die Zeichnung aus unserem Notizbuch!, wir haben uns für das Wort entschieden.</p>
<p>Also <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ekke_Nekkepenn">Eckeneckepenn</a> (ja, ihr Leserinnen von Theodor Storm, in der Nordsee ist der kein Feuergeist) und Rahn, die sind noch ein bisschen wilder als der Fischhändler Verleihnix und seine Frau Yellow Submarine, die lassen die Wellen ordentlich schlagen. Nach anderthalb Jahren ist die Kette durch. Oder der Stein abgetrieben, obwohl der bummelich fünftausend Kilo hat. Und was das für die Schiffahrt bedeutet, können Sie sich ja denken. Wenn nicht, lesen Sie nach (<a href="http://www.amazon.de/Gestrandet-Schiffsungl%C3%BCcke-vor-Nordseek%C3%BCste-Schwabedissen/dp/3782208935">Polianders Empfehlung</a>). Die meisten Schiffsstrandungen überhaupt gab es auf Amrum Bank. Die Amrumer früherer Jahrhunderte hatten sich drauf spezialisiert, nicht, wie böse Zungen behaupten, auf das Stranden und Strandenlassen mit Hilfe falscher Feuer, sondern aufs Fixdasein und Retten, was zu retten war. Die Ladung. Die Besatzung aber auch. Und je mehr gute Seezeichen und Leitfeuer und Leuchtfeuer, desto weniger Strandungen. Deswegen haben die Steenodder auch die Pricken und Stangen unter sich, diese immer etwas schief stehenden Stämmchen, bei deren Anblick sich das Landei  fragt, ob es wirklich nötig war, minderjährige Birkenwäldchen abzuschlagen, um den Schiffen zu zeigen, wo&#8217;s lang geht. Wo man doch was schnurgerades Industrielles dafür &#8211; nein, eben nicht. Denn die krumme Pricke sieht man gut. Jedenfalls besser. Also, es gibt 1.800 Stangen hier, und in einer Niedrigwassertide setzt eine Mannschaft, die gut gefrühstückt hat, ungefähr 35 Stück. Und eben die Tonnen, immer eine rote, eine grüne. Nur oben am Lister Tief, das ist nördlich von Sylt, der abgenutzten Nachbarinsel von Amrum, da legen die Amrumer nur die grünen Tonnen, und die Dänen legen die roten, seit Versailles ist das so. Alle zehn Jahre werden die Tonnen bereist, von den Dänen und den Deutschen, denn dort ist die Grenze, und alles muss seine Ordnung haben. Obwohl das Lister Tief wandert, das die Grenze ist. &#8220;Pantha rhei&#8221;, nickt Poliander voll Verständnis: Das Meer kennt keine nationalen Rücksichten.</p>
<p>An dieser Stelle schwächelte ich. Aber Poliander Unentwegt stand und machte ein Foto nach dem andren. Und Herr Stöck zeigte, wie man sich Steuerbord und Backbord merkt, das tat er auf so unnachahmliche Weise, dass wir hier nicht verraten, wie. Und ganz zu schweigen von der belebten Demonstration von Ansteuerungstonne, grüner Spitztonne (mit ungerader Zahl) und roter Backbordtonne (mit gerader Zahl), ganz wie sie dem Schiffer bei Einfahrt in den Hafen begegnen. Das &#8220;Meer ist das Schönste&#8221;, flüsterte Poliander am Abend. Aber ich deutete nach oben, wo <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_B%C3%A4r">Ursa Maior</a> direkt über uns leuchtete, und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Orion_(Sternbild)">Orion, der Jäger</a>, sich am Frühlingshimmel schon bei Einbruch der Nacht gegen Westen neigte. Gegen Westen, hin zum Meer. &#8220;Das Schönste am Meer&#8221;, sprach Poliander da, &#8220;ist der Hafen.&#8221; Winter adé, winkte ich Orion zu. Das Feuer des Leuchtturms strich über Meer und Insel.</p>
<p>Koordinaten: 54° 39&#8242; 11&#8221; N, 8° 21&#8242; 18&#8221; O <a href="http://www.wsa-toenning.wsv.de/schifffahrt/Schifffahrtszeichen/index.html">Seezeichen</a><br />
Sollten wir etwas falsch wiedergegeben haben, schreiben Sie uns bitte gern, bitte <a href="http://www.poliander.de/ueber/">hier</a>.</p>
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		<title>Wenn du da wärst</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 16:53:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
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		<description><![CDATA[Freitag, Spätberufsverkehr. Vor einem Dreivierteljahr brach eine Radscheibe, entgleiste eine S-Bahn, seitdem fährt die S-Bahn ungefähr halb so oft und oft mit halben Zügen, der Skandal ist Gewohnheit geworden, stoisch ertragen die Berliner die Ungewissheit, wann welche Bahn von wo nach wo geht, mit oder ohne Unterbrechung. Freitag, Spätberufsverkehr. Ring über Gesundbrunnen: Poliander müsste neun [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1143" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/02/Winterbahn.jpg"><img class="size-medium wp-image-1143" src="http://www.poliander.de/files/2010/02/Winterbahn-300x168.jpg" alt="Winterbahn" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Winterbahn</p></div>
<p><span id="more-1125"></span></p>
<p>Freitag, Spätberufsverkehr. Vor einem Dreivierteljahr brach eine  Radscheibe, entgleiste eine S-Bahn, seitdem fährt die S-Bahn ungefähr halb  so oft und oft mit halben Zügen, der Skandal ist Gewohnheit geworden,  stoisch ertragen die Berliner die Ungewissheit, wann welche Bahn von wo  nach wo geht, mit oder ohne Unterbrechung. Freitag, Spätberufsverkehr. Ring über Gesundbrunnen: Poliander müsste neun Minuten warten, Ring über Ostkreuz: kommt sofort, kommt, also steigt Poliander ein. Was man hat, hat man. Gleich kommt ein Kontrolleur, erwischt sofort eine Frau ohne Fahrschein. Sie folgt ihm durch den Wagen. Der Zug hält. Prenzlauer Allee. &#8220;Zurückbleiben!&#8221; Ein zweiter Kontrolleur kommt zwischen die Reihen, &#8220;Fahrausweise bitte mal&#8221;. Murren, &#8220;War grad einer da.&#8221; Einer von zwei Jungs mit Bierflasche hat schon die Karte gezückt.</p>
<p><em>Kontrolleur:</em> Die is nicht gültich.<br />
<em>Mädchen auf der Nebenbank:</em> War doch grade einer da.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Dit is ne Rückfahrt.<br />
<em>Junge mit dem Bier:</em> Ich bin grade kontrolliert worden.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Dit is ne Rückfahrt!<br />
<em>Fahrgast aus dem Hintergrund:</em> Wir sind grade alle kontrolliert worden.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Ja, aber der Fahrschein hier gilt nicht! <em>(zum Kollegen:)</em> Kommste mal!<br />
<em>Junge: (versucht aufzustehen)</em><br />
<em>Kontrolleur:</em> Dit is ne Rückfahrt, gilt nich. Außerdem überstempelt.<br />
<em>Junge:</em> Ich steige jetzt sowieso aus. <em>(steht auf, geht an P. vorbei in Richtung des anderen Kontrolleurs)</em><br />
<em>Kontrolleur: (geht hinterher)</em><br />
<em>Poliander:</em> Na, Sie traun sich was, ich möchte auch mal bei der S-Bahn kontrollieren, ob da noch alles gültig ist.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Halten Sie sich geschlossen!<br />
<em>Poliander:</em> Was?<br />
<em>Kontrolleur:</em> Sie müssen hier nich mitfahren!<br />
<em>Poliander:</em> Gibt ja auch kaum noch Gelegenheit dazu bei der Zugfolge.<br />
<em>Junge: (ist hinterm Rücken des Kontrolleurs zur anderen Tür zurückgegangen)</em><br />
<em>S-Bahn: (hält Greifswalder Straße)</em><br />
<em>Kontrolleur: (versucht den eben ausgestiegenen Jungen zu verfolgen)<br />
Junge: (verschwindet im Gedränge)<br />
Kontrolleur: (steigt wieder ein)</em><br />
<em>Gitarrist: </em>Wusst ich gleich.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Wieso?<br />
<em>Gitarrist:</em> Weil der so hin und her gelaufen ist.<br />
<em>Kontrolleur:</em> &#8212;<br />
<em>Gitarrist:</em> Die Leute sind sauer.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Wir können nix dafür. Wir kriegen alles ab. <em>(steigt aus)</em><br />
<em>Poliander: (denkt)</em><br />
<em>Gitarrist: (spielt &#8220;Wish you were here&#8221;)</em><br />
<em>Alle: (erkennen die Melodie bei den ersten Griffen)<br />
Mädchen auf der Nebenbank: (sucht Geld heraus)</em><br />
<em>Gitarrist:</em> Running over the same old ground/ What have we found.<br />
<em> Poliander: (glücklich)</em></p>
<p>Koordinaten: 52°31&#8217;20&#8243; N 13°17&#8217;51&#8243; O. <a href="http://www.s-bahn-berlin.de/">S-Bahn Berlin</a>. Selber hören: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=IXdNnw99-Ic">Pink Floyd</a>.</p>
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