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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Souvenir</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Bleibende Werte: Poliander hört Radio</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 12:52:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohrenschmaus]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Radio läuft, das brachte Polianders Begleiter schon manchmal auf die Palme. Morgens, abends, zwischendurch, bei der ersten oder dritten Tasse Tee. Aktuelles aus Politik und Wirtschaft, da kommen die Einfamilienhausbesitzer in ihrer Einfamilienhaushölle ins Schwitzen, dazu ist eine Hölle ja auch da, nicht wahr? Und dann die Wetterberichte:  Sturm und Gewitterdonner im Januar. Poliander [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Radio läuft, das brachte Polianders Begleiter schon manchmal auf die Palme. Morgens, abends, zwischendurch, bei der ersten oder dritten Tasse Tee. Aktuelles aus Politik und Wirtschaft, da kommen die Einfamilienhausbesitzer in ihrer Einfamilienhaushölle ins Schwitzen, dazu ist eine Hölle ja auch da, nicht wahr? Und dann die Wetterberichte:  Sturm und Gewitterdonner im Januar. Poliander hört die Nachrichten, wartet ab und trinkt Tee. Das ist jetzt aber keine aktuelle Anspielung, weder politisch noch sexuell!</p>
<p><span id="more-3801"></span>Poliander musste einfach nur mal 119 Jahre warten und Tee trinken, schon berichtet das Radio über die skandalöse und wundervolle Gründung des ersten deutschen Mädchengymnasiums durch die <a href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/hedwig-kettler/">Frauenrechtlerin Hedwig Kettler</a>, 1893 in Karlsruhe. Aus dem Gymnasium ging später jene Schule hervor, die, seit 1973 in Koedukation, heute den Namen Lessings trägt. Nichts gegen Lessing, doch schade ist es schon,  dass das Lehrerkollegium 1993 eine Umbenennung in Hedwig-Kettler-Gymnasium ablehnte. Aber jetzt der Deutschlandfunk: 2012 erinnert er an die Frau, und das ist, da ihr Name nicht grade an allen Ecken ertönt, ein bleibender Wert. Denn Einfamilienhaus vergeht, höhere Bildung besteht!</p>
<p>Koordinaten: Schöne Sendung <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/">Kalenderblatt</a>. <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/1640028/">Hedwig Kettler im DLF-Kalenderblatt vom 5. Januar 2012</a> (Manuskript).<br />
Hinweis: Bleibende Werte sind nicht immer mit bleibenden Links verbunden, deshalb: Gleich lesen!</p>
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		<title>In der Höhle der heiligen Tiere</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Nov 2011 09:21:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Umsteigen]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Kino: Poliander hat Schwierigkeiten mit der Brille. Doch die Reise, von der die Rede ist, kann nur tun, wer sich mit einer gelben, schlechtsitzenden Brille ausrüstet. Das hat der Reiseleiter verfügt. Die Brille soll helfen, den Raum zu schauen und die Zeit, vor allem die Zeit, denn es geht 37.000 Jahre in die Vergangenheit. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3525" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/11/pferde-in-chauvet.jpg"><img class="size-medium wp-image-3525" src="http://www.poliander.de/files/2011/11/pferde-in-chauvet-300x225.jpg" alt="Tiergesichter. Bild: Wikimedia" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Tiergesichter in der Höhle. Bild: Wikimedia</p></div>
<p>Im Kino: Poliander hat Schwierigkeiten mit der Brille. Doch die Reise, von der die Rede ist, kann nur tun, wer sich mit einer gelben, schlechtsitzenden Brille ausrüstet. Das hat der Reiseleiter verfügt. Die Brille soll helfen, den Raum zu schauen und die Zeit, vor allem die Zeit, denn es geht 37.000 Jahre in die Vergangenheit. <span id="more-3505"></span>Weil die Spur dieser Vergangenheit fragil ist und zart, dürfen wir ihr im Kino folgen.</p>
<p>Sechs Tage lang, an jedem Tag vier Stunden durfte <a href="http://www.imdb.com/name/nm0001348/">Werner Herzog</a> in der <a href="http://www.culture.gouv.fr/culture/arcnat/chauvet/fr/">Grotte Chauvet-Pont-d&#8217;Arc</a> in Südfrankreich filmen. Sonst bleibt sie verschlossen, und auch WissenschaftlerInnen dürfen nur selten und für kurze Zeit in ihr Aufenthalt nehmen. An den Wänden dieser Höhle, deren Boden bedeckt ist von Gebeinen wilder Tiere, die hier lebten, finden sich die ältesten bekannten Malereien der Menschheit, 1994 entdeckt.  Im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aurignacien">Aurignacien</a> lebten hier Menschen, die sich von jenen Tieren ernährten und wohl auch ihre Beute wurden, denn neben Mammuten, Nashörnern, Gazellen, Hirschkühen und Hirschen gab es hier auch Löwen und Höhlenbären, die in großen Gruppen durch das Tal mit dem Brückenbogen wanderten. Die eiszeitlichen JägerInnen kannten schon die großen Zyklen, denen die Tiere folgten, wenn sie in den Wintern von Norden her kommend bis an die Pyrenäen wanderten. Die Tiere und ihr Zug bestimmten ihr Leben, und sie selbst erkannten sich als Tiere, auch in ihrem Leben stand der Zyklus der Geburten im Mittelpunkt. Und sie begannen, den tierisch-menschlichen Zügen eine Form zu geben. Die Höhle, in die wir mit Herzog reisen, birgt Malerei. In andere Höhlen, unbekannt, ob die KünstlerInnen von der Ardèche eine direkte Verbindung dorthin hatten,  überwinterten Frauen- und Tierfiguren, auch Löwenmenschen und Musikinstrumente, die ältesten Instrumente der Welt, gefunden im Geißenklösterle und der Hohlefelshöhle auf der schwäbischen Alb. Ein Wissenschaftler in Herzogs Film beschreibt die Fluidität des Lebens jener Menschen, die mit Tieren und Geistern nahe verbunden gewesen sein können, im ständigen Übergang. Ein Archäologe erzählt, dass er nach jedem Besuch der Höhle so stark von den Löwen träumte, ohne Angst, aber doch so intensiv, dass er seitdem nur von ferne und an den Messdaten und digitalen Bildern forschen kann. Der dritte macht Musik auf einer Flöte, die der von der schwäbischen Alb nachgebaut ist, in vertraut pentatonischer Stimmung.</p>
<p>Die Bilder der Höhle, sagt Poliander, muss eine gesehen haben. Und wenn eine danach träumt, sieht sie vielleicht die Hand jenes 1,80 m großen Menschen, einer sehr großen Frau (sagt jedenfalls P. und bis zum Beweis des Gegenteils), mit dem gebogenen kleinen Finger, die Hand, deren Abdrücke die Höhle durchziehen. Und wenn du aufwachst, schau auf deine eigene Hand, wie P., und wenn der kleine Finger gebogen ist, bist du eine Nachfahrin jenes Menschen, kann sein. Und wenn auch der Reiseleiter manchmal besser geschwiegen hätte: Er hat uns hingeführt.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chauvet-H%C3%B6hle">44° 21&#8242; 0&#8221; N, 4° 29&#8242; 24&#8221; O</a>, <a href="http://www.trailerseite.de/film/11/die-hoehle-der-vergessenen-traeume-kino-trailer-21123.html">Trailer</a> (von Werbung nicht abschrecken lassen), <a href="http://www.wernerherzog.com/index.php?id=64">Steinzeit in mass media</a> (Herzog in einer Fernsehshow)<br />
Polianders Lektüreempfehlung: Hans Peter Duerr, Sedna oder die Liebe zum Leben, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984.</p>
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		<title>Homo viator, Märchensträhnen und goldener Grund</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/08/19/homo-viator-maerchen-goldgrund/</link>
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		<pubDate>Fri, 19 Aug 2011 10:07:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer in der Zeit unterwegs ist, hört auch viel von den Reisen anderer. Wo die schönen Bücher wohnen und wo die Triebisch in die Elbe mündet, begegnete Poliander Frau Gold und Herrn Silesius, nicht dem Angelus, aber auch aus dem Osten. Sie nahmen P. mit auf ihre Zeitreise durch Europa, die Kunst, das Leben. Süß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3235" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/08/erdbeeren.jpg"><img class="size-medium wp-image-3235" src="http://www.poliander.de/files/2011/08/erdbeeren-300x195.jpg" alt="Erdbeeren, Wegerich, Brennessel" width="300" height="195" /></a><p class="wp-caption-text">Erdbeeren, Wegerich, Brennessel</p></div>
<p>Wer in der Zeit unterwegs ist, hört auch viel von den Reisen anderer. <a href="http://www.minipresse.de/">Wo die schönen Bücher wohnen</a> und <a href="http://www.stadt-meissen.de/">wo die Triebisch in die Elbe mündet</a>, begegnete Poliander Frau Gold und Herrn Silesius, nicht dem <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/10">Angelus</a>, aber auch aus dem Osten. Sie nahmen P. mit auf ihre Zeitreise durch Europa, die Kunst, das Leben. Süß dufteten die Wilderdbeeren.<span id="more-3229"></span></p>
<p><em>Sie: </em><br />
In ihrem Küchenbuffet hat sie Märchen stehen wie andre Leute Eierbecher. Und auf den glatten Zylindern, die die Sockel ihrer Märchen vorstellen, könnten genauso gut Eier sitzen. Ob die zum Frühstücksei taugten oder darin ein silbernes Schlänglein sitzt &#8211; wer weiß. Grad jetzt sitzen kugelrunde Froschkönige darauf, auf gegenüberliegenden Punkten mit der goldenen Kugel besetzt, die in den Brunnen fiel, und dem Krönchen, das die Prinzessin trug. Dreht man das Objekt, kommen, je nach Ansicht, Dienst und Herrschaft zum Vorschein. Sie schneidet schon einmal eine Strähne aus dem eignen Zopf, wenn einem Märchen grad goldene Haare fehlen, und wenn sie Musik braucht, bringt sie Amöben zum Singen. Sie hütet die Erinnerung und macht aus Scherben ihre Stärke.</p>
<p><em>Er:</em><br />
Er weiß, wie man Kühe hütet. Er verließ sein Mutterhaus mit zehn und fragte bei polnischen Bauern nach Arbeit. Auch die waren arm, kreuzunglücklich dazu, umgesiedelt aus jenem Galizien, das zu vielen vergangenen Reichen gehörte, auch einmal zur Sowjetunion.Er hütete die zwölf Kühe der Familie, arbeitete, was anfiel. Allein und unterwegs machte er Erfahrungen, die bis heute wirken, das Licht über einem Hohlweg, der Fleck, auf dem Grasnelken standen. Als er viel später noch einmal zur Schule ging, im fernen Münsterland, sagte der Lehrer: &#8220;Geh raus, zeichne die Kirche!&#8221; Er meinte es gut. Die anderen im Dorf riefen ihn &#8220;Barbar&#8221;. Sie hatten noch nie einen Protestanten gesehen. Er ging fort und fort und druckte und malte und schrieb und band ein. Das kann er selbst.</p>
<p>Poliander besuchte Herbst und Gold und schrieb alles auf. Ihre Geschichte, erzählt von Ulrike Gramann, erscheint am 20. August in der Wochenendbeilage der Tageszeitung ND. Hier online lesen: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/204847.der-nomade-und-die-meisterin-der-scherbenstaerke.html">Der Nomade und die Meisterin der Scherbenstärke</a></p>
<p>Koordinaten: 50° 0&#8242; N, 8° 16&#8242; O und 51° 10′ N, 13° 29′ O. Die Gespräche mit <a href="http://www.elsegold.de/">Gold</a> und <a href="http://www.weherbst.de/">Herbst</a> führte Poliander Himmelfahrt 2011 in Mainz und Pfingsten 2011 in Meißen.</p>
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		<title>Die Strümpfe der Salier</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/07/04/die-struempfe-der-salier/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Jul 2011 03:58:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem Rhein schaukelt die &#8220;Karlsruhe&#8221;.  Oben im Park hinterm Dom drehen Feuerrädchen in der Luft. Parkplätze sind überfüllt. Der Gefährte fragt, wie lange die Fahrt übern Rhein geht, von Speyer nach Karlsruhe. Drei Stunden? Er glaubt&#8217;s ja nicht.  Drei Stunden haben wir gerade im Historischen Museum der Pfalz verbracht, nicht gerechnet die Kaffeepause im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3007" class="wp-caption alignleft" style="width: 227px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/07/Salier-Insignienübergabe-Ausschnitt.jpg"><img class="size-medium wp-image-3007" src="http://www.poliander.de/files/2011/07/Salier-Insignienübergabe-Ausschnitt-217x300.jpg" alt="Heinrich IV. übergibt Heinrich V. die Krönungsinsignien" width="217" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Heinrich IV. übergibt Heinrich V. die Krönungsinsignien</p></div>
<p>Auf dem Rhein schaukelt die &#8220;Karlsruhe&#8221;.  Oben im Park hinterm Dom drehen Feuerrädchen in der Luft. Parkplätze sind überfüllt. Der Gefährte fragt, wie lange die Fahrt übern Rhein geht, von Speyer nach Karlsruhe. Drei Stunden? Er glaubt&#8217;s ja nicht.  Drei Stunden haben wir gerade im <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Startseite.htm">Historischen Museum der Pfalz</a> verbracht, nicht gerechnet die Kaffeepause im schönen Innenhof. Und wir wären noch nicht gegangen, wäre nicht so ein schöner Tag, draußen, <a href="http://www.poliander.de/2011/06/21/blau-farbe-fliessendes-wasser/">in Speyer, am Rhein</a>.</p>
<p>Aus drei Gründen hat Speyer ein Salier-Jahr ausgerufen: <span id="more-2999"></span>Vor 950 Jahren wurde der Dom geweiht, dessen Bau der salische König und spätere Kaiser Konrad II. im Jahr 1025 begonnen hatte. Vor 900 Jahren wurde Heinrich V. zum Kaiser gekrönt; im gleichen Jahr verlieh er den Einwohnern der Stadt Speyer bedeutende Privilegien, die sie von Steuern und Abgaben befreiten und Speyer wirtschaftlich stark machten. Das Pfälzer Historische Museum zeigt <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Salier.htm">von den Saliern</a>, was es hat und leihen kann. Was es zeigt, überrascht nicht, ist aber, wenn man so Mittelalter-Ausstellungen kennt, überraschend differenziert.</p>
<p>Wir spielen in einen Touchscreen ein, was wir wissen, bis der   Automat die Botschaft ausspuckt: „Sie wären ein guter  mittelalterlicher Herrscher gewesen“, Dämpfer folgt: „Für  die meisten Menschen, die in Ihrem Mittelalter lebten, wäre es jedoch  eine ziemlich finstere Zeit gewesen.“ Nicht ganz so subtil grüßt ZDF-Anchorman Claus Kleber herüber, der, digitalisiert, vor einem Historiengemälde die Ereignisse des Aprils 1111 schildert, als  wär&#8217;s gestern gewesen, dass Heinrich V. den Papst gefangen nahm, um seine Krönung zum Kaiser zu  erzwingen. Das Unerhörte gleicht dem Staatsstreich von nebenan, gleich  hier: in der Welt. Die Mächtigen, Kaiser und Papst, verbissen sich an der Frage der Investitur der Bischöfe in ihr Amt. Eine Formalität war das nicht, Bischöfe waren mächtige weltliche Herrscher. Was Heinrich V. durch die Festsetzung des Papstes  Paschalis II. erzwang, die Krönung, bezahlte er mit dem Kompromiss. Zunächst verlieh er den Bischöfen noch Ring und Stab, freilich nachträglich, als Bestätigung ihrer Einsetzung. 1119 kehrte sich die Sache ganz: Die Kirche verlieh Ring und Stab, der König durfte die Würdenträger mit den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Regalien">Regalien</a> belehnen.  Hieß, er gab ihnen die Mittel, die Macht, die die Kirche ihnen verlieh, auch durchzusetzen.</p>
<p>Und dann breitet das Museum den ganzen Zauber dessen aus, was wir heute das Mittelalter heißen, Handschriften, Spolien, Haushaltsgerät wie Scheren  und Gefäße, Zeitvertreib wie Spielsteine und Mühlebrett, mönchische Regeln, unter denen leider nicht die  wichtigsten, sondern die kuriosesten ausgewählt wurden. Doch selbst das funktioniert, denn wenn wir erfahren, welche Zeichen die Mönche  untereinander beispielsweise für das Wort Brot benutzten, erfahren wir  zugleich: Sie hatten zu schweigen. Im Museumskeller aber finden wir nicht nur <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Des_Kaisers_letzte_Kleider.htm">des Kaisers letzte Kleider</a>, sondern auch seine <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Des_Kaisers_letzte_Kleider/KUR_Imagefilm_2.htm">besten Strümpfe</a>, seinen feinsten Mantel und die schönste Haube. Poliander verliebt sich gleich in den säuberlich nachgenähten Strumpf aus glänzendem Stoff &#8211; weites Bein und spitzer Fuß. Solche Strümpfe tragen die Museumskönige bis heute. Von den Fußlappen der Armen blieb nichts, von ihren Barfüßen ein Wirbel in der Luft draußen vorm Dom.</p>
<p>Gramanns Ausstellungskritik selber lesen: Tageszeitung ND vom 4. Juli 2011 sowie hier <a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/201218.volk-von-steuerlast-befreit.html">Von Steuerlast befreit</a></p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Salier.htm">10. April bis 30. Oktober 2011</a>.<br />
Vermerk: Die oben links abgebildete Handschrift befindet sich in der Staatsbibliothek zu Berlin.<br />
Pressefoto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz via Historisches Museum der Pfalz Speyer.</p>
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		<title>Schreiben macht das Leben süß</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 08:09:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Worte und Sprüche]]></category>

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		<description><![CDATA[Koordinaten:  48° 52&#8242; N, 2° 20&#8242; O]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2631" class="wp-caption alignleft" style="width: 672px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/03/bonbons.jpg"><img class="size-full wp-image-2631" src="http://www.poliander.de/files/2011/03/bonbons.jpg" alt="Schöne Stadt" width="662" height="326" /></a><p class="wp-caption-text">Schöne Stadt</p></div>
<p>Koordinaten:  48° 52&#8242; N, 2° 20&#8242; O</p>
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		<title>Polianders historischer Hedonismus: Staufer in Mannheim</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/01/25/polianders-staufer-in-mannheim/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 23:41:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Augenweide]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Mantel liegt unter Glas, ein perfekter Halbkreis: Viermal zeigt das Muster den Adler mit der Träne, der auf Schlangen tritt. Sie umklammern seine Klauen. Die elegant stilisierten Tiere und die Halbmonde im Mustergrund zeigen Geschmack, Gesinnung und Geschick der arabisch-normannischen Handwerkskünstler des frühen 13. Jahrhunderts auf Sizilien. Eine später hinzugefügte Borte mit Kreuzigungsmotiv stört [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2517" class="wp-caption alignleft" style="width: 215px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/01/stauferausstellung-barbarossakopf.jpg"><img class="size-medium wp-image-2517" title="Foto: Frank Boxle (Bildrechte: Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim)" src="http://www.poliander.de/files/2011/01/stauferausstellung-barbarossakopf-205x300.jpg" alt="Foto: Frank Boxle (Bildrechte: Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim)" width="205" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Frank Boxle (Bildrechte: Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim)</p></div>
<p>Der Mantel liegt unter Glas, ein perfekter Halbkreis: Viermal zeigt das Muster den Adler mit der Träne, der auf Schlangen tritt. Sie umklammern seine Klauen. Die elegant stilisierten Tiere und die Halbmonde im Mustergrund zeigen Geschmack, Gesinnung und Geschick der arabisch-normannischen Handwerkskünstler des frühen 13. Jahrhunderts auf Sizilien. Eine später hinzugefügte Borte mit Kreuzigungsmotiv stört kaum. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_II._%28HRR%29">Friedrich II.</a> soll den Mantel bei seiner Krönung getragen haben, Barbarossas Enkel, geboren auf Sizilien, genannt &#8220;stupor mundi&#8221;, Staunen der Welt. <span id="more-2515"></span></p>
<p>&#8220;Die Staufer und Italien&#8221; lautet der Titel der <a href="http://www.staufer2010.de/">Ausstellung</a> der Länder Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz im <a href="http://www.rem-mannheim.de/">Mannheimer REM, dem Reiss-Engelhorn-Museum</a>, 33 Jahre nach der legendären Stuttgarter Staufer-Ausstellung von 1977. Darin wendet sich das REM weniger der staufischen Herrschaft zu als ihrer Verortung in Raum und Zeit.  Das Staufergeschlecht und sein schwärmerisch überformtes Abbild erfreut sich ungebrochener Popularität im Gedächtnis der Deutschen. <a href="http://www.badische-seiten.de/wissen/kaiser-friedrich-1.php">Friedrich I. Barbarossa</a>, der auf dem dritten Kreuzzug ertrank und der Sage nach im Kyffhäuser schläft, Symbol der &#8220;Reichseinheit&#8221;, von dessen Körper ein Teil beinah zur Reliquie geworden wäre: Trunken, so will die Legende, stolperte er auf der Treppe einer italienischen Schenke und schlug sich einen Zahn aus, welcher, von unbekannter Hand geborgen und geschickt verpackt, sich über die Jahrhunderte erhalten haben soll. In Mannheim ist der Inhalt der Verpackung zu sehen: ein Holzspan, ein bizarres kleines Objekt, das irgendwann den Zahn, wenn je einer in der Verpackung lag, ablöste. Heilig wurde das Dingelchen nicht, wie auch Friedrich es nicht zum Heiligen, sondern zur Sagengestalt brachte, als nationales Symbol nur immer missverstanden. Aber das vergoldete, zum Kaiserkopf idealisierte Abbild Friedrichs I. birgt buchstäbliche Heiligkeit: winzige Päckchen, allerliebst umhüllt mit textilem Material, die Fragmente heiligen menschlichen Gebeins enthalten. Dem Kopf, der ein Reliquiar ist, entnommen, liegen sie hingebreitet vor der Besucherin, wundertätiges Kunstgewerbe, in dem steckt, was modernen Geistern makaber scheint.</p>
<p>Die Mannheimer Ausstellung, mag eine von ihr halten, was sie will, und Poliander sieht sie <a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/189238.wo-er-ist-ist-das-reich.html">ordentlich kritisch</a>, zeigt in großer Fülle, was das Mediävistinnenherz zu sehen begehrt: Skulpturen, Siegel, Handschriften, Spolien, Merkwürdigkeiten. Polianders Lieblingsstück: ein bronzegegossner Pelikan, dessen Rücken eine Buchstütze hergibt, dessen Brust aber eine Traube von Blutstropfen entquillt, die schwer und satt die Natur des Metallvogels enthüllen:  Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Physiologus">Physiologus</a> sagt von ihm, dass er sich die Brust aufreißt, die eigenen Jungen mit seinem stets quellenden Blut zu nähren, &#8220;schön spricht der Physiologus vom Pelikan.&#8221; Die Ausstellung zeigt auch gleich zwei Handschriften von Friedrichs II. Falkenbuch: die älteste und eine besonders schön illuminierte. Sie zeigt, Wunder über Wunder, Grabsteine aus dem polyglotten Sizilien des 12. Jahrhunderts, in dem man arabisch sprach, griechisch, hebräisch.</p>
<p>Wer über derlei staunen will, sollte eilen:  Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Februar 2011 geöffnet.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.staufer2010.de/">Die Staufer und Italien</a>. <a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/189238.wo-er-ist-ist-das-reich.html">Polianders Kritik, erschienen am 25. Januar 2011</a>.<br />
Die Abbildung oben links zeigt den &#8220;<a href="http://www.histosem.uni-kiel.de/legitimation/quellenbild/cappenberger.html">Cappenberger Barbarossakopf</a>&#8220;, Westdeutschland, um 1160, Bronze; H: 31,4 cm / Gewicht: 4605 g, Selm, St. Johannes Ev., Schloss Cappenberg.</p>
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		<title>Loibls Buchstabenkunst 4</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Dec 2010 23:11:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer eine Krippe zeichnet. Wenn eine diese Krippe zeichnet, auch wenn die Krippe dann  eine Ladenwohnung ist, in der die Frau lebt und das Kind, wenn eine diese Krippe zeichnet, wie fern von Stall, Stern, Halleluja auch immer, setzt sie sich in Beziehung zu diesem Gottkind und seinem christlichen Vater. Der Ort ist Berlin, Innsbrucker [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2293" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-materialwirkung-unter-glas2.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-2293" title="loibl materialwirkung unter glas2" src="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-materialwirkung-unter-glas2-150x150.jpg" alt="Ruth Loibl, Buchbinderleinen, Detail" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Ruth Loibl, Buchbinderleinen, Detail</p></div>
<p>Wer eine Krippe zeichnet. Wenn eine diese Krippe zeichnet, auch wenn die Krippe dann  eine Ladenwohnung ist, in der die Frau lebt und das Kind, wenn eine diese Krippe zeichnet, wie fern von Stall, Stern, Halleluja auch immer, setzt sie sich in Beziehung zu diesem Gottkind und seinem christlichen Vater. Der Ort ist Berlin, Innsbrucker Platz, und hinter Laden, Telefon, Zimmerecken erstreckt sich (sichtbar für das innere Auge der Betrachterin) der ganze Zinnober von Esel und Engel, schmalen Fingern, die eine Krone halten, einer Ankündigung, einer Lilie, aus der der Stempel entfernt wurde. Warum Gott?<span id="more-2281"></span>In ihrer grafischen Serie &#8220;raum gottes&#8221; zerlegt Loibl dann Gottes Raum in drei Schichten: das Wort in Gestalt von Textauszügen aus Alexander von Humboldts &#8220;Kosmos&#8221;, das Bild in Form von Federstrichen und die Unterbrechung, nämlich durch Schnitte im Papier. Aus diesen Schnitten entstehen neue Worte, auf jedem Bild des Zyklus eines. &#8220;Merkwürdigerweise zeichnet sich das Wort &#8216;staub&#8217; wenig ab, es löst sich auf.&#8221; Das Material bewirkt, dass die Buchstaben sich in den Schnitten mehr oder minder gut abzeichnen. Loibl akzeptiert das: &#8220;Es ist gut, wenn noch jemand mitarbeitet.&#8221; Wer ist das, &#8220;jemand&#8221;? Der Zufall? Gott? Loibls Federstriche suggerieren wie in &#8220;Innsbrucker Platz&#8221; Räume. Immer sind es Innenräume, nie sind Menschen zu sehen. Sie sagt: &#8220;Der Raum Gottes ist für mich ein Innenraum, weil der Glaube von Menschen gemacht ist.&#8221; Und der Weltenraum? &#8220;Der kommt durch den Kosmos-Text.&#8221; Zwischen Mittel- und Hintergrund entstehen Raumecken. Das erinnert weniger an konkrete Zimmer als an Ecken von Räumen, die weitere Räume verdecken und sich in eine unsichtbare Tiefe hinein fortsetzen. &#8220;Vielleicht ist dahinter jemand, vielleicht reden da zwei.&#8221; Je mehr sie sich zurücknähme, desto mehr Platz entstehe um sie herum. Sie spricht davon, dass Leben &#8220;wirkt, das wir nicht bestimmen.&#8221; Ruth Loibl wuchs in einem Handwerksbetrieb auf, in einer Großfamilie. Wer auf der Treppe des Hauses ging, war am Schritt zu erkennen. Das war eine körperliche Erfahrung, etwas zu hören, zu fühlen, das man nicht sah. So fühlte sie damals auch den Zopf, den sie hinter dem eigenen Kopf flocht und der jetzt in einer ihrer Zeichnungen wiederkehrt. Aus der Zopfstruktur ergeben sich Linien. Der Text, der unter diesen Linien liegt, ist der Lebenslauf. Heute trägt sie das Haar kurz. Der Zopf und sein Muster sind in ihren Fingern geblieben. &#8220;Wir haben viele solche Muster in unserem Körper&#8221;, sagt sie. Das ist ein strenger Gedanke. Der Briefauszug Jacob Grimms, den Loibl druckte, enthält die Passage: &#8220;Wir kommen hier auf die Treue. Eine mathematische ist vollends unmöglich und selbst in der wahrsten, strengsten Geschichte nicht vorhanden; allein das thut nichts, denn daß Treue etwas wahres ist, kein Schein, das fühlen wir und darum steht ihr auch eine Untreue wirklich entgegen.&#8221; Wege und Umwege führen in jedem Raum, hinter dem ein anderer Raum ist.</p>
<p><em>(Schluss)</em></p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.ruthloibl.de">Ruth Loibl</a>.<br />
Persönlicher Bezug: <a href="http://www.poliander.de/2010/11/29/mit-loibl-im-weltraum/">Weltraum</a>.<br />
Sehen: Poliander sah 2010 <a href="http://www.koelner-dom.de/19150.html">Gerhard Richters Fenster</a> im Kölner Dom, <a href="http://glasblog.blogspot.com/2007/08/gerhard-richter-klner-dom.html">dazu gefunden in einem Glasblog</a>.<br />
Hören: Poliander möchte 2011 John Cage in Halberstadt hören, <a href="http://www.john-cage.halberstadt.de/">2/ASLSP (as slow as possible)</a>.</p>
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		<title>Blattrot</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Nov 2010 10:42:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Augenweide]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrwasser]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>

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		<description><![CDATA[Koordinaten: 52° 33´ N,   13° 22´ O Mehr sehen: auf das Bild klicken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2019" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/11/fall-in-berlin_foto-warschau.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-2019" title="fall in berlin_foto warschau" src="http://www.poliander.de/files/2010/11/fall-in-berlin_foto-warschau-150x150.jpg" alt="Blattrot, kein Wasserfall" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Kein Wasserfall, keine Leute Foto: Kirstin Warschau</p></div>
<p>Koordinaten: 52° 33´ N,   13° 22´ O<br />
Mehr sehen: auf das Bild klicken.</p>
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		<title>Freitag und Montag am selben Fluss</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 11:58:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Rätseln]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>

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		<description><![CDATA[Kleine Stadt mit Burg überm Fluss, wo der Wind leicht ging durch die Gassen und heiß und kalt fauchte oben am Berg. Hier, rief der Ladner, der Weihnachten feilbot im Juni, Hier, rief er: Der Brunnen im Haus ist zwölfmännertief. Wir schauten in die Tiefe, die ein Spot beleuchtete. Ein Tropfen fiel in glasbedeckte Stille. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1503" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/06/oberlauf.jpg"><img class="size-medium wp-image-1503" title="Am Oberlauf des Flusses" src="http://www.poliander.de/files/2010/06/oberlauf-300x234.jpg" alt="Am Oberlauf des Flusses" width="300" height="234" /></a><p class="wp-caption-text">Am Oberlauf des Flusses</p></div>
<p>Kleine Stadt mit Burg überm Fluss, wo der Wind leicht ging durch die Gassen und heiß und kalt fauchte oben am Berg. Hier, rief der Ladner, der Weihnachten feilbot im Juni, Hier, rief er: Der Brunnen im Haus ist zwölfmännertief. Wir schauten in die Tiefe, die ein Spot beleuchtete. Ein Tropfen fiel in glasbedeckte Stille. Höflich sahen wir uns im Laden um, all die Räuchermännel, sagte Poliander, doch daheim haben wir ein Räucherfrauel, das! sollten Sie sehn, mit einer Kloßschüssel, aus der der heilige Rauch steigt! Geduld mit Touristen gewohnt nickte der Mann. Schnell griff Poliander die besten Räucherkegel, die kleinen, Pfennigware, kostbare. <span id="more-1493"></span>Früher, sagte Poliander, wurde Weihnachten nicht an der Elbe verkauft, aber heute gibt es Weihnachten überall, wo Touristen sind.- Sie missgönnen es mir, sagte der Ladner ernst, dabei steckt mein ganzer Kredit drin. Kann schließlich nicht jeder vom Porzellan leben. Poliander lächelte verbindlich, Auch nicht vom Brunnenzeigen, wir wissen es ja. Zur Burg ging&#8217;s hoch, wie sonst, zuletzt Treppen und Treppen, und von oben klangen Glocken, das aus Erde geformt wurde wie jene Vögel, die das Jesuskind formte aus Uferschlamm, zum Ärger seiner Mutter, denn sie flogen alle lebendig davon. Poliander phantasiebegabt sah&#8217;s schon, wie auch die Glocken flogen, rasch, übern Fluss. Aber sie hingen noch und schwangen. Polianders Begleiter stieß sie an: Drüben warn Weinberge.  Die Stadt, das Museum, sie liefen zurück zum goldnen Grund, wo Installateure werkten. Oben in der Kammer saß die Fei am Computer und herrschte über Buchstaben und Bilder und formte multiple Skulturen aus Restholz, Industrieabfall und Uferlehm. Im Vogelfutterhaus hatte die Amsel ihr Nest gebaut, sie beobachtete Poliander genau, ehe sie reinflog und kurz angebunden die Eier begrüßte.</p>
<div id="attachment_1505" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/06/unterlauf.jpg"><img class="size-medium wp-image-1505" title="Am Unterlauf des Flusses" src="http://www.poliander.de/files/2010/06/unterlauf-300x168.jpg" alt="Am Unterlauf des Flusses" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Am Unterlauf des Flusses</p></div>
<p>Nicht leicht zu erreichen von jener Stadt ist die andre, im Norden, wo der Fluss sich in künstlich vertieften Betten zum Meer hin wälzt. Polianders Begleiter drängt jederzeit, den Ort zu besuchen. Aber das andere behalten wir für uns.</p>
<p>Koordinaten:<br />
Stromkilometer 82 sowie 609 bis 641 (deutsche Zählung)<br />
Wer die Lösung nicht weiß, kann fragen:<br />
poliander ((an)) diese domain</p>
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		<title>Poliander rückwärts</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/12/23/fur-immer-westberlin/</link>
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		<pubDate>Wed, 23 Dec 2009 10:19:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohrenschmaus]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

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		<description><![CDATA[Fragt mich das alte Westberlin: &#8220;Gehn wir mal in die Badensche?&#8221;, ja, gehn wir hin. Die Badensche Straße liegt dunkel, die Fenster haben die Jalousie übers Gesicht gezogen, die hängt noch so vom Sommer, oder hängt die immer so, ja die hängt immer so. &#8220;Ihr seht aus, als wär draußen Winter&#8221;, ruft der Wirt.Es ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1001" class="wp-caption alignleft" style="width: 233px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/12/westhafen.JPG"><img class="size-medium wp-image-1001" src="http://www.poliander.de/files/2009/12/westhafen-223x300.jpg" alt="Alter Westhafen" width="223" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Alter Westhafen</p></div>
<p>Fragt mich das alte Westberlin: &#8220;Gehn wir mal in die Badensche?&#8221;, ja, gehn wir hin. Die Badensche Straße liegt dunkel, die Fenster haben die Jalousie übers Gesicht gezogen, die hängt noch so vom Sommer, oder hängt die immer so, ja die hängt immer so. &#8220;Ihr seht aus, als wär draußen Winter&#8221;, ruft der Wirt.<span id="more-983"></span>Es ist warm, innen, es ist Freitag, als wir das letzte Mal hier waren, war es voll, nicht, dass wer denkt, das wär in den Achtzigern gewesen, oder doch, sicher bin ich nicht, es wäre, zum Beispiel, der 15. Juli 89, dagegen spricht das Wetter und dass es dunkel ist draußen, und nicht, dass ich wüsste, wer am 15. Juli 89 hier gespielt hat oder welcher Wochentag das war, es ist ein Beispiel. Es könnte auch der 27. November 1988 sein. Dafür spricht der mit dem mickrigen Zopf, der jetzt hinter die Bühne rennt, wieder vorkommt, wieder hinter rennt. Später wird er mit anfassen, wenn die Pianistin das Klavier entkleidet. Nicht dass er hier angestellt wäre, er sitzt an der Bar, oder doch, man weiß nie. &#8220;Da saß er auch letztes Mal, als diese Sängerin&#8221;, sagt Westberlin zu mir, &#8220;bitte erinnere dich doch mal, genau, du hattest dieses Hemd an, zu aufgeknöpft, wenn du mich fragst&#8221;, das kann nicht sein, sage ich, aber ich erinnere mich genau. Da mussten wir schon rausgehen zum Rauchen.  Undenkbar in den echten Achtzigern, ich gebe es zu. Ich habe den ersten Wein getrunken, im alten Westberlin trank man Bier und Wein und niemals Schorle. Ich also, ja, Wein, ja, getrunken, als sie kommt. Sie ist wie damals, das Kleid, von dem sie die Jacke abzieht, rückenfrei und schwarz, an den Nähten schon etwas grau, genau zu sein. Sagte ich, dass wir sitzen, in dem Raum, wo das Podium steht? Wirst du alt? &#8220;Nee&#8221;, sagt er, ganz altes Westberlin, &#8220;du bist das doch, die immer ganz  genau sehen will.&#8221; Das stimmt. Aber ich würde trotzdem lieber bei der Bar stehn, den Typen mit dem Mickerzopf im Rücken und zwei drei andre im Blickfeld, uneindeutige Botschaften tauschen, nur so, sag ich mal, keine Sorge. Jetzt kommt auch sie, braune Haare, braunes Kleid, ist jetzt aber ein Stilbruch, so ein Koller mit roten Blumen drauf, sind wir denn in den Sechzigern? Dafür ist sie auch zu jung, spielt Saxophon, ist eine Überraschung. Die Pianistin nicht. Sie spielt wie immer, sogar wie im Haus der Jungen Talente, das war im alten Ostberlin, das nicht alt wurde, aber sein Gesicht trotzdem verlor. Sie, die Klavier spielt, hat ihr Gesicht noch, greller jetzt, das kommt von Westberlin, einer trüben Droge, wenn man mich fragt, ich bin auch drauf. Sie spielt genau wie immer, ich weiß jetzt schon, was kommt, es ist kalt und heiß wie immer, gefällt nicht allen, Ornette Colemann, das steckt dahinter, manchmal huscht ein Melodiestreif durch wie ein Erkennen, nur ich erkenne vor allem sie, die sich verliert, &#8220;perdido&#8221;, das haben sie damals bei Amiga verkauft, das nur am Rande, sage ich zum alten Westberlin, Luftballons flogen über die Plattenhülle, es war der Montagstermin, aber früher 87 oder sogar 86, wer weiß, sie war größer damals, der Rücken frei, sie war kalt und glitzerte, wenn sie lachte, sie wohnte in Westberlin. Jetzt nimmt sie Aluminiumfolie aus einer Tüte und klemmt sie zwischen die Saiten. Ein Begeisterter beim Piano ist halb so alt, klatscht doppelt so heftig, muss hier eingeflogen sein, man ist nicht mehr kühl und melancholisch, nur ich. Rechts sitzt ein Mann und schreibt und schreibt, er schreibt nicht von der Musik ab, sondern aus seinem Kopf, was der wohl hört. Und ich trinke und trinke mit Westberlin und sehe den Rücken der Pianistin, dann ist das Saxophon still (ja, es ist schön, das Saxophon), die Pianistin greift mit einer Hand über die andere, hört sich zu, weiß, was sie tut, haut mit dem Ellenbogen auf die Tasten, so war, ist es, wird es sein. Später dann und dazwischen, die Überraschung, die Klarinette. Von jetzt, wenn Sie wissen, was jetzt ist.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.badenscher-hof.de/">Jazzklub</a>. Sehr alt. <a href="http://www.akitakase.com/">Aki Takase</a> (p),  Silke Eberhart (sax).</p>
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