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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Schlechter Stern</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Sie leiden an Heimatgefühlen?</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 20:51:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohrenschmaus]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
		<category><![CDATA[Durchgang]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie fühlen in dieser Jahreszeit Nostalgie nach Ihrer verflossenen Kindheit oder anderen schweren Lebensumständen? Sie brauchen Urlaub, kennen aber keinen Industriellen, der Ihnen dafür seine Finca zur Verfügung stellt? Sie werden ohne literarische Unterstützung nicht mit der akuten Adventskrise fertig? Sie brauchen poetische Schützenhilfe, um politisch wieder klar zu werden? Poliander empfiehlt: &#8220;Die Froschfotzenlederfabrik&#8221;, Hörspiel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie fühlen in dieser Jahreszeit Nostalgie nach Ihrer verflossenen Kindheit oder anderen schweren Lebensumständen? Sie brauchen Urlaub, kennen aber keinen Industriellen, der Ihnen dafür seine Finca zur Verfügung stellt? Sie werden ohne literarische Unterstützung nicht mit der akuten Adventskrise fertig? Sie brauchen poetische Schützenhilfe, um politisch wieder klar zu werden?</p>
<p>Poliander empfiehlt: <a href="http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/hoerspiel-studio/die-froschfotzenlederfabrik/-/id=660014/nid=660014/did=8838402/1p75qc2/">&#8220;Die Froschfotzenlederfabrik&#8221;</a>, Hörspiel von Oliver Kluck, Regie Leonhard Koppelmann.</p>
<p>Koordinaten: SWR2, <a href="http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/hoerspiel-studio/die-froschfotzenlederfabrik/-/id=660014/nid=660014/did=8838402/1p75qc2/">Inhaltsangabe und online hören hier</a>, und zwar noch bis zum 23. Dezember 2011, 22:30 Uhr.</p>
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		<title>Funktioneller Analphabetismus</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 21:24:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Endstation]]></category>
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		<description><![CDATA[Es gibt Menschen, die planen, das Nützlichste abzuschaffen, was Kinder &#8211; außer dem Lesen natürlich &#8211; in der Schule lernen, das Schreiben.  Man nennt diese Menschen Politiker. Die FAZ berichtet, ein Hamburger Schulsenator plane ernsthaft, das Erlernen der Schreibschrift in der Grundschule abzuschaffen. Ersetzt werden soll die schöne, schwingende, verbundene Schreibschrift durch eine sogenannte &#8220;Grundschrift&#8221;. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Menschen, die planen, das Nützlichste abzuschaffen, was Kinder &#8211; außer dem Lesen natürlich &#8211; in der Schule lernen, das Schreiben.   Man nennt diese Menschen Politiker. Die <a href="http://www.faz.net">FAZ</a> berichtet, ein Hamburger Schulsenator plane ernsthaft, das Erlernen der Schreibschrift in der Grundschule abzuschaffen. Ersetzt werden soll die schöne, schwingende, verbundene Schreibschrift durch eine sogenannte &#8220;Grundschrift&#8221;. Gemeint ist eine Schrift, die die Druckschrift nachahmen soll. Dass oder warum dies besser sein soll, ist <a href="http://www.faz.net/artikel/C30923/druckschrift-statt-schreibschrift-politische-handschriften-30478096.html">nach den dankenswerten Recherchen der FAZ</a> zwar nicht erwiesen, aber was gemeint ist, sagt recht anschaulich das Wort: <em>Grund</em>schrift. <span id="more-3149"></span> Grundschrift wie Grundversorgung, kein Luxus, sondern Basics für die, die es nicht besser wissen, nicht schöner lernen oder sich nichts anderes leisten können. Grundschrift wie Grundversorgung, ganz wie bei der Zahnärztin, wo man zwischen dem krankenkassengezahlten Zement (bröckelmürb), selbst zu zahlenden dauerhaften Edelmetallen und nervenschädigend teurer, aber farblich stimmiger und zugleich harter Keramik wählen kann, wobei jede Variante, die Ärztin und Vernunft empfehlen, richtiges Geld kostet, und zwar immer das eigene. &#8220;Grundschrift&#8221; &#8211; Grundversorgung für alle, deren Mütter und Väter sich nicht die Zeit nehmen, ihr Kind das richtige Schreiben mit der Hand zu lehren, beispielsweise weil sie diese Zeit nicht haben, nicht zu haben glauben, weil es auch ihnen niemand beibrachte, weil sie es, der <a href="http://www.theoi.com/Ouranios/MousaKalliope.html">Kalliope</a> sei&#8217;s geklagt, womöglich nicht wert befinden.</p>
<p>Poliander sagt es nicht gern, aber gern öfter: Schreiben mit der Hand, jene ausgreifende, auf und ab schwingende Bewegung, die sinnvolle Zeilen aufs Papier bringt, bringt uns erst ins Bewusstsein, was Schrift, was Text ist, ja sie bringt diesen Text aus uns hervor, aus den lockeren, regelmäßgen Schwüngen, die uns so gemäß sind. Das verbundene Schreiben mit der Hand formt nicht nur unsere Handschrift, es transferiert unsere Gedanken in Zeichen auf Papier, und schließlich, verselbständigt, hilft es uns, unsere Gedanken zu ordnen, ja, sie überhaupt erst zu finden. Bewegungsmuster und Gedankenspiel, Motorik und Formulierung sind eng verbunden. Wer viel schreibt, viel mit der Hand schreibt, weiß, wie sich, wenn es erst einmal habituell geworden ist, die Gedanken einstellen, sobald die Hand den Stift ergreift &#8211; nichts regt so sehr zum Schreiben an wie das Schreiben. Unausweichlich ist die Verbindung zwischen der lockeren Handbewegung und dem Gedächtnis, die Bewegung des Schreibens verbindet sich mit dem Inhalt des Geschriebenen, oft so sehr, dass die Schreiberin das Notizbuch gar nicht mehr öffnen muss, hat sie das Schöne und Wichtige erst einmal notiert. Doch nur eines fürchten Politiker mehr als unsere Gedanken: unser Gedächtnis.</p>
<p>Koordinaten: 53° 33&#8242; N, 10° 00&#8242; O. <a href="http://www.poliander.de/2010/08/24/schulschrift-schreibschrift-perdu/">Frühere Erregung</a>.</p>
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		<title>Auf tiefen Abhängen mit Vergil</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/07/27/hoellenreise-mit-vergil/</link>
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		<pubDate>Wed, 27 Jul 2011 10:55:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ich kann nicht mehr sagen, wie ich dort hineingelangte; so voll Schlaf war ich zu jener Zeit, dass ich vom wahren Wege abkam.&#8221; In den Wald zu gehen war, buchstäblich wie metaphorisch, kein Spaß vor 700 Jahren. Und erst hineingeraten!, was gleichbedeutend ist mit dem Abkommen vom rechten Weg, metaphorisch wie buchstäblich. Ein gesuchtes Abenteuer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3069" class="wp-caption alignleft" style="width: 246px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/07/dante-alighieri.jpg"><img class="size-medium wp-image-3069" src="http://www.poliander.de/files/2011/07/dante-alighieri-236x300.jpg" alt="Dante Alighieri" width="236" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Dante Alighieri</p></div>
<p><em>&#8220;Ich kann nicht mehr sagen, wie ich dort hineingelangte; so voll Schlaf war ich zu jener Zeit, dass ich vom wahren Wege abkam.&#8221; </em><br />
In den Wald zu gehen war, buchstäblich wie metaphorisch, kein Spaß vor 700 Jahren. Und erst hineingeraten!, was gleichbedeutend ist mit dem Abkommen vom rechten Weg, metaphorisch wie buchstäblich. Ein gesuchtes Abenteuer ist es nicht, dass <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/115">Dante, der Dichter</a>, sich dorthin begibt,  auch kein Zufall. Wilde Tiere locken sein Auge, dann verstellen sie, Pardeltier,  Löwe und Wölfin, ihm den Weg, &#8220;es war die Zeit beim Anbruch des Morgens, und die Sonne stieg auf in den Sternen, die mit ihr waren&#8221;, und so gerät er noch tiefer hinein, dorthin, &#8220;wo die Sonne schweigt&#8221;.  Den, der ihm begegnet, erkennt er als den Dichter <a href="http://www.lingualatina.de/biographiae/vergil.htm">Vergil</a>. Und obwohl der ausruft: &#8220;Warum willst du zurück zu solcher Qual? Warum steigst du nicht den angenehmen Berg hinauf, der doch Anfang und Grund aller Freude ist?&#8221;, leitet Vergil, Reise- wie Seelenführer, ihn nicht etwa aus dem Wald hinaus, sondern an den Ort, von dem kaum wer zurückkehrt. Kaum wer, nicht niemand. Wanderschaft ist kein Zeitvertreib, und wer in den Krater der Hölle steigt, tut dies nie ohne guten, tiefen Grund. <span id="more-3057"></span></p>
<p>Dantes Reise ist Schilderung einer (gut mittelalterlichen) Visio, politischer Lagebericht, historischer Kurs und Extrembergsteigen in einem. Was er beobachtet, zeichnet er getreu auf, jedes Gespräch mit Vergil, jede Konversation mit einem der einst Lasterhaften, die im Inferno ganz leibhaftig büßen, aber auch die eigene Schwäche und Müdigkeit, die ihn angesichts der Schrecken befällt, die Furcht, wenn es zuweilen selbst festes Handanlegen der Teufel braucht, damit Vergil und er im unwegsamen Gelände vorankommen. Denn die Höllenbewohner nehmen Kontakt auf. Dass Vergil einen Lebenden durchs Inferno leitet, begreifen sie schnell und wüten darüber: &#8220;Komm du allein, und der soll abhauen, der so frech hier eingedrungen ist. Der ist doch wohl verrückt! Alleine soll er zurücklaufen! Soll er doch sehen, wie er&#8217;s schafft! Und du bleibst hier, was hast du den auch herumzuführen durch die finstere Gegend!&#8221; Von Schaulustigen halten sie nichts.</p>
<p>Und doch vollbringt Dante mit Hilfe Vergils seine Reise durch den Wald der Verdammten, die ihm in vielerlei Gestalt, so auch in der von Gestrüpp und Gesträuch begegnen. Als er einen Zweig abbricht, beginnt der Strauch zu ihm zu reden: &#8220;Wir waren doch Menschen, und jetzt sind wir Gestrüpp! Selbst wenn wir Natternseelen wären, hätte deinen Hand noch rücksichtsvoller sein müssen.&#8221; Und das ist erst der Anfang. Dantes Weg durch die Gräben und über die Schotterhänge der Hölle, sein Gespräch mit jenen, die in Feuer verwandelt sind und brennen, sein Geleit, das Kentauren und selbst zankende Teufel ihm gewähren, weil Vergil sie davon überzeugt oder sie zwingt, also diesen Weg des Dichters zu verfolgen, ist so schrecklich wie spannend und, in manchen Gesängen, stehen der Leserin, dem Leser die Bilder klar und krude wie in einem Comic vor Augen. Denn in der Hölle gelten die Gesetze des <em>contrapasso</em> oder Kontrapassum, so dass die Lasterhaften je auf eine Art gestraft sind, die ihr Laster spiegelt. Eine fürchterliche Gerechtigkeit ist das, und doch fühlen wir, ganz wie die beiden Wanderer teils Zorn, teils Mitleid.  Von Fall zu Fall und Aufstieg zu Aufstieg, und wenn am Ende Vergil und Dante Luzifer selbst durch den Pelz kriechen und Dante, sich umwendend, Teufel wie Hölle plötzlich in Verkehrung sieht, bleibt auch uns der Atem aus.</p>
<p>Und das liegt an der schönen, nie zu hoch tönenden Prosaübersetzung von Hartmut Köhler. Poliander ist berückt. P. und P.s Gefährtin empfehlen allen, dieser guten Geschichte auf ihren abschüssigen Wegen zu folgen.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.reclam.de/detail/978-3-15-010750-8/Dante_Alighieri/La_Commedia___Die_Goettliche_Komoedie">Dante Alighieri, Inferno/Hölle.</a> Italienisch/deutsch. Übersetzt und kommentiert von Hartmut Köhler. Stuttgart: Reclam 2010.</p>
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		<title>Sensibel für Geschichte</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/07/21/sensibel-fuer-geschichte/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Jul 2011 21:24:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>

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		<description><![CDATA[Kommunikationssituation 1 ICE, zwischen Wolfsburg und Berlin, Durchsage: Während der Bauarbeiten im Ost-West-Korridor entschädigen wir Sie mit zusätzlichem Service. An den Plätzen der ersten Klasse bieten wir besondere Lektüre am Platz an. Poliander: Vielleicht ein Geschichtsbuch? Kommunikationssituation 2 Poliander: Wissen Sie, wie die Bahn die Strecke zwischen Wolfsburg und Berlin nennt? Kollege: Nein? Poliander: &#8220;Ost-West-Korridor&#8221;. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong></strong><strong>Kommunikationssituation 1</strong><em><br />
ICE, zwischen Wolfsburg und Berlin, Durchsage: </em>Während der Bauarbeiten im Ost-West-Korridor entschädigen wir Sie mit zusätzlichem Service. An den Plätzen der ersten Klasse bieten wir  besondere Lektüre am Platz an.<br />
<em>Poliander: </em>Vielleicht ein Geschichtsbuch?<span id="more-3091"></span></p>
<p><strong>Kommunikationssituation 2<br />
</strong><em>Poliander:</em> Wissen Sie, wie die Bahn die Strecke zwischen Wolfsburg und Berlin nennt?<em><br />
Kollege:</em> Nein?<em><br />
Poliander:</em> &#8220;Ost-West-Korridor&#8221;.<em><br />
Kollege: </em>Wieso &#8211; denken die, es ist ein Transit?<em><br />
</em><em></em></p>
<p>Koordinaten:<strong> </strong>&#8220;Man pflegt das Schiller-Distichon von der &#8216;gebildeten Sprache, die für  dich dichtet und denkt&#8217;, rein ästhetisch und sozusagen harmlos  aufzufassen.&#8221; (Victor Klemperer)</p>
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		<title>Jagdglück</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/06/08/jagdgluck/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Jun 2011 10:08:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>
		<category><![CDATA[Wegelagerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Aa-ach-kreck! Erschreckt wendet sie den Blick zum offenen Fenster, vierter Stock, sieht die Vögel vorbeistürzen, die Elster eigentlich nur, nicht das kleinere, von ihr erwischte Tier, von dem nun ganze Federbüschel hochfliegen, am Fenster vorbei, grau und gewölbt, sie passten ins Innere der Kinderhand, die sie fängt. Ein Kind ist nicht da, und schon ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aa-ach-kreck!</p>
<p>Erschreckt wendet sie den Blick zum offenen Fenster, vierter Stock, sieht die Vögel vorbeistürzen, die Elster eigentlich nur, nicht das kleinere, von ihr erwischte Tier, von dem nun ganze Federbüschel hochfliegen, am Fenster vorbei, grau und gewölbt, sie passten ins Innere der Kinderhand, die sie fängt. Ein Kind ist nicht da, und schon ist es zu spät, sich aus dem Fenster zu lehnen, auch nur eine zu haschen, über Augenhöhe ein Federschwarm,  über Traufhöhe nun, eine einzelne Feder schwebt hinterher, hinauf, zögert vorm Fenster und wird erwischt vom weitmaschig fallenden Regen. Der Blick findet sie nicht, die Vögel, nicht die Jägerin, nicht das Gejagte. Oder ist das der Entkommene dort, auf einem der obersten Äste der Birke? Er scheint schwer zu atmen, oder bildet sie sich das ein?</p>
<p>Minutenlang zetert noch die beutelose Elster.</p>
<p>Koordinaten: zehn Meter haushoch, Nachgewitterlandregen.</p>
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		<title>Rührende Geschichte von der Macht</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/09/14/ruhrende-geschichte-von-der-macht/</link>
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		<pubDate>Tue, 14 Sep 2010 22:53:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Endstation]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>

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		<description><![CDATA[Das ist ein König. Mélar war der Sohn eines Königs, Méliaus Sohn. Méliau war König jener Gegend, in der heute das Pays de Leon und Pays de Treguier liegen. Méliau wurde ermordet und dann heilig. Der unheilige Mörder: sein Bruder Rivod, Graf von Cornouailles. Mélars, des Königskinds, Heiligkeit entwickelte sich unter den Angriffen seines Onkels, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1825" class="wp-caption alignleft" style="width: 187px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/09/lanmeur-krypta-hl-melar.jpg"><img class="size-medium wp-image-1825" title="Tapferer Mélar hält seine Hand." src="http://www.poliander.de/files/2010/09/lanmeur-krypta-hl-melar-177x300.jpg" alt="Tapferer Mélar hält seine Hand." width="177" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Tapferer Mélar hält seine Hand.</p></div>
<p>Das ist ein König.</p>
<p>Mélar war der Sohn eines Königs, Méliaus Sohn. Méliau war König jener Gegend, in der heute das Pays de Leon und Pays de Treguier liegen. Méliau wurde ermordet und dann heilig. Der unheilige Mörder: sein Bruder Rivod, Graf von Cornouailles. Mélars, des Königskinds, Heiligkeit entwickelte sich unter den Angriffen seines Onkels, jenes ruchlosen Neiders und Landhungrigen, der schon seinen Vater mordete.  Bestechung, Anschläge, Mord.</p>
<p>Als dem Kind vergiftete Speisen gereicht wurden, von bestochenen Erziehern, schlug er darüber das Kreuz, wodurch die Giftigkeit der Speisen erkennbar wurde. Rivod schickte Mörder aus. Doch diese, darin ähnlich dem Jäger, der Schneewittchen töten und ihr Herz der Königin bringen sollte, erbarmten sich. Gedungene Mörder, baten sie für das Opfer. <span id="more-1817"></span>Ihr Auftraggeber änderte seinen Anschlag. Er ließ dem Kind die Rechte, die Schwerthand, abhacken und den linken Fuß, denjenigen also, den in den Steigbügel setzen muss, wer sich aufs Pferd schwingt. Menschen mit Macht und Reichtum, wohl dissident, gaben Mélar eine Hand aus Silber und einen Fuß aus Erz. Bald wusste er sie gewandt zu gebrauchen. Die höhern Mächte taten ihr Teil: Die beiden Körperteile wuchsen mit und bezeugten das Wunder, das dem Kind innewohnte. Der Junge, der ein König war, Erbe seines Vaters, lebte nun, wieder in der Obhut von Starken, nicht wie ein König. Sein heiligmäßig einfaches Leben überzeugte einfach alle. Beinah. Rivod derweil leugnete, um sich das Sorgerecht für den Knaben zu verschaffen, auch dies ein Weg zu Macht und Herrschaft. Doch die Adligen, die wohl nicht den mächtigen Mörder zu ihrem Herrn haben wollten, bestellten den Bischof von Cornouailles und einen Grafen, Kéryoltan, zu Vormündern des Knaben. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Herrscherliste_Bretagne">Wer herrschte?</a> Verwicklungen des Schicksals, Versuchungen, denen einer der Vormünder erlag (der Graf natürlich, nicht der Bischof). Dessen mitleidige Ehefrau, die Mélar zur Flucht half. Unerwarteter Besuch im Leben des mönchs- und engelsgleichen Knaben, vom Landesherrn Kéryoltan nämlich, dessen bestochen böse Absicht Mélar nicht ahnte, dann der gemeinsame Ausflug nach Lanmeur, wo man in einer Herberge übernachten musste, die Mordtat. Überliefert ist, dass einer der Täter nach der Tat beim eiligen Sprung aus dem Fenster zu Tode stürzte. Weitere Wunder beim Transport des Leichnams. Die Pferde zogen den Wagen nicht, der Wagen brach. Eine unterirdische Kapelle wurde gebaut, Mönche, entsandt vom heiligen Samson, gründeten ein Kloster. Die Kirche über der Krypta ist außer Mélar auch Samson geweiht.</p>
<p>Der junge tapfere Mélar steht in der Krypta der Kirche von <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Lanmeur">Lanmeur</a>, die meiste Zeit steht er dort und hält seine Hand in der Hand, und es ist sehr dunkel. Ab und zu kommen Touristen. Wer 20 Centimes einwirft, kann ihn sehen, denn das Licht geht an, für sechs Minuten. Den Kopf muss beugen, wer eintritt, vielleicht weil Mélar da steht, sicher, weil die Bögen der Krypta an ihren niedrigsten Stellen nur 135 Zentimeter hoch sind. Feucht sind die Bodensteine vor dem rätselhaften Brunnen. &#8220;Wenn das Signal ertönt, haben Sie noch fünf Minuten Zeit.&#8221; Zeit ist Licht.</p>
<p>Koordinaten: 48° 38&#8242; 53&#8243; N, 3° 42&#8242; 51&#8243; W im Département <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Finist%C3%A8re">Finistère</a>. Die <a href="http://www.europe-sightseeing.com/region-bretagne/Lanmeur.html">Krypta</a> soll aus dem 6. Jahrhundert stammen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Schreibschrift perdu? Poliander erschreckend nostalgisch.</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/08/24/schulschrift-schreibschrift-perdu/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Aug 2010 12:51:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Endstation]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>
		<category><![CDATA[Umsteigen]]></category>

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		<description><![CDATA[Polianders Sonntagsvergnügen und meines: die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die aus Papier natürlich, in unserer tiefbürgerlichen Straße oft zeitig ausverkauft, weswegen der Zeitungsmann schon gegen 9 in Räuberzivil oder sogar Schlafanzug (kaschiert durch jahreszeitlich passende Überwürfe) aufgesucht wird, um beim Kaffee genüsslich einander die Herzblattgeschichten vorlesen zu können oder das Neueste aus Natur und Wissenschaft. Doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Polianders Sonntagsvergnügen und meines: die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die aus Papier natürlich, in unserer tiefbürgerlichen Straße oft zeitig ausverkauft, weswegen der Zeitungsmann schon gegen 9 in Räuberzivil oder sogar Schlafanzug (kaschiert durch jahreszeitlich passende Überwürfe) aufgesucht wird, um beim Kaffee genüsslich einander die Herzblattgeschichten vorlesen zu können oder das Neueste aus Natur und Wissenschaft. Doch letzten Sonntag wurde die Milch im Kaffee sauer:  &#8220;<a href="http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/Doc~E616F1C24F4D6434E87B6FEFEC8F7BA5F~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Schreibschrift adé</a>&#8221; drohte die Überschrift, im Text wurde das baldige Ende des Schreibens in Schreibschrift  prophezeit. <span id="more-1743"></span>Kinder sollen nicht mehr &#8220;schönschreiben&#8221; lernen, das heißt: keine verbundene, leicht geneigte Schrift, die später die Grundlage einer individuellen charaktervollen Handschrift wird. Es bereite Kindern &#8220;Frust&#8221; und &#8220;koste Zeit&#8221;, eine solche Schrift zu erlernen, meint der in unserem Sonntagslieblingsblatt zitierte Grundschulverband. Angemessener und ausreichender Ersatz sei die &#8220;Grundschrift&#8221;, eine handgeschriebene Schrift, die an gerade stehende Druckbuchstaben angelehnt ist und manchmal ein kleines Häkchen rechts unten haben darf, ein ideologisches Schwänzchen für unverbesserliche Grundschüler, denen der lockere Schwung nicht auszutreiben ist. Und darüber hinaus seien ergonomische Tastaturen gefragt.</p>
<p>Für alle, die noch schönes Schreiben lieben, hier ein paar Links:</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schulausgangsschrift">Schulausgangsschrift</a>, geschaffen von Renate Tost, Elisabeth Kaestner und dem berühmten Kalligraphen Albert Kapr<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ausgangsschrift"><br />
Lateinische Ausgangsschrift<br />
</a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinfachte_Ausgangsschrift">Vereinfachte Ausgangsschrift</a></p>
<p>Und leider ohne Link: Schulschrift kursiv, eine Schrift, die alle, die in den 1960er Jahren in der DDR zur Schule gingen, im Zeichenunterricht erlernten, zu schreiben mit einer Atofeder. Es machte Lehrerinnen und Kindern Arbeit, kostete Zeit, und der Umgang mit der raffiniert angeschrägten Feder war frustrierend, so lange man ihn  nicht beherrschte.</p>
<p>Die erste Übung beim Schreibenlernen waren übrigens &#8220;Dachziegel&#8221;, ganze Hefte voll Dachziegelumrisse (Rundschnitt-Doppeldeckung) wurden geschrieben.  Und dann jeder einzelne Buchstabe mit seinen &#8220;Häkchen&#8221;, &#8220;Anfassern&#8221; und freien oder gemessenen Schwüngen. Wegen all dieser Mühe, bei der wir uns auf nichts als nur das Lesen und Schreiben von Buchstaben konzentrierten, die Buchstaben unser Sinnen und Trachten waren und eine Welt aus Buchstaben entstand, beherrschten alle Kinder nach einem halben Jahr Unterricht alle Buchstaben des Alphabets, auch die, die vorher keinen einzigen gekannt hatten. Der Weg war frei, Zettelchen zu schreiben und wahlweise unter der Bank durchzureichen oder zu einem Flieger zu falten und bei gutem Glück unbemerkt von der Schönschreiblehrerin über Reihen hinweg der besten Freundin zuzusenden. Ob demnächst die Drucker rattern, um ein gekritzeltes &#8220;Willst du mit mir gehen? Ja Nein Vielleicht&#8221; auszuwerfen?</p>
<p>Das ist nicht euer Ernst, Grundschullehrerinnen! Schaut in eure Küchen und Handwerkerinnenkästen! Habt Ihr beim Erwerb einer Brotschneidemaschine das handliche Messer entsorgt? Und habt Ihr den Fuchsschwanz weggeschmissen, seit die Kettensäge erfunden ist?</p>
<p>Koordinaten: FAS vom 22. August 2010. Polytechnische Oberschule Bad Klosterlausnitz im Jahr 1967</p>
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		<title>Reh</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 09:43:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohrenschmaus]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>

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		<description><![CDATA[Mann mit spitzem Bart: (ins Klapphandy) Stell dir vor, du kriechst mit einma son Kind offs Auche gedrückt. &#8220;Da, halt ma, deine Nichte.&#8221; Du willst det gar nich, und denn stehste da wie, also wie soll ick, also wie son Reh aufer Schnellstraße, und dir kommt n Lastwachen entgechen mit Aufblendlicht. Und denn saß ick [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Mann mit spitzem Bart:</em><em> (ins Klapphandy)</em> Stell dir vor, du kriechst mit einma son Kind offs Auche gedrückt. &#8220;Da, halt ma, deine Nichte.&#8221; Du willst det gar nich, und denn stehste da wie, also wie soll ick, also wie son Reh aufer Schnellstraße, und dir kommt n Lastwachen entgechen mit Aufblendlicht. Und denn saß ick da auf der Couch und hat die so festgehalten, also das wollt ick ja gar nich! Und sacht nischt, kann se ja nich, un ick sach ooch nischt, und denn hat se sich mir entwunden und is offn Teppich gefalln. Und denn isse erst ma so untern Tisch und kommt hoch und denn an die Ecke dran mittn Kopf. Und denn hat se erst ma gar nischt gesacht, konntse ja nich. Und denn sah man so an den Oochen, wie ihr langsam die Erkenntnis dämmerte, also der Zusammenhang zwischen den Runterfallen und den Tisch und den Schmerz, sah man regelrecht. Und dann hat se erst geschrien. Un ihre große Schwester kommt ausn Nachbarzimmer und nimmt se hoch und duddelt se, und denn kommt ihre Mutter und duddelt se och, un blökt aber dabei immer mich an. Wat ick forn schlechter Mensch bin un so weiter. Und ich sach nur: „Awer du hast mir doch det Kind offs Auche gedrückt.“<br />
<em>Poliander: (steigt aus)</em></p>
<p>Koordinaten: S 41 Wedding, Gesundbrunnen, Schönhauser Allee<br />
<a href="http://www.poliander.de/2010/02/23/wish-you-were-here/">Mehr von Poliander in der S-Bahn</a></p>
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		<title>Ohne Foto</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Mar 2010 07:35:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>
		<category><![CDATA[Umsteigen]]></category>

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		<description><![CDATA[Poliander liest:  Erinnerung an eine Internatszeit in Südthüringen. Endlich, denkt Poliander, graben sie da, wo alle was vergraben haben, sie, die Journalistin, in den siebziger, achtziger Jahren, sie, Poliander, in den sechziger, siebziger Jahren, als es noch die alte Lehrerin gab: Wenn die Pausenaufsicht hatte, mussten wir Grundschulkinder die Pause im Kreis gehen, eine lange [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Poliander liest:  <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/167332.die-reifepruefung.html">Erinnerung an eine Internatszeit</a> in Südthüringen.</p>
<p>Endlich, denkt Poliander, graben sie da, wo alle was vergraben haben, sie, die Journalistin, in den siebziger, achtziger Jahren, sie, Poliander, in den sechziger, siebziger Jahren, als es noch die alte Lehrerin gab: Wenn die Pausenaufsicht hatte, mussten wir Grundschulkinder die Pause im Kreis gehen, eine lange Weile war das, bis es klingelte. Als die alte Lehrerin sich einmal wegdrehte, explodierte<span id="more-1163"></span> der Kreis dort, wo auch Poliander steckte, in einen raufenden Haufen, Poliander kratzte und biss. Ich bewunderte P. und kriegte es ab. Mit dem Schlitten flog ich wie P. über einen festgefrorenen Erdhaufen am Rodelberg, an den die Jungen sich nicht trauten, es krackte im Rücken, Poliander wäre das nie passiert. Ich finde die Stelle mit der Hand. Poliander war eine Anstifterin, ich war es selbst. Auf der Oberschule himmelte ich die Mathematiklehrerin an, die den Bauch vor sich her schob und nicht verriet, wer der Vater war, Poliander und ich hätten zu gern gefragt, warum sie nicht wegging aus der Kleinstadt am Bahndamm, die Züge fuhren doch. Wir hielten den Mund. Sie sollte nicht weggehn. Böse Jugendliche, die den blonden Sportlehrer unter der Hand &#8220;hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie ein Windhund&#8221; nannten. Wo hatten die das bloß her? &#8220;Unter der großen Klappe leidet man immer selbst am meisten&#8221;, sagte eine Autorität im Umfeld. &#8220;Quark&#8221;, schrie Poliander, &#8220;große Klappe reitet!&#8221; Sie meinte &#8220;rettet&#8221;. Mir gefiel der Versprecher. Im Kino Babylon, später, in Berlin, sah ich <a href="http://www.filmportal.de/df/18/Uebersicht,,,,,,,,8DBC794BA2AD48F5BC7A8AC56BEFA3FD,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.html">&#8220;Jadup und Boehl&#8221;</a>, nur zweimal gezeigt, dann von den Autoritäten versenkt. Im alten Osten verbreitete sich die Nachricht schnell, die über die Bebilderung der maroden Moral im real exist. Soz. meine ich, das Kino war voll. Am Ende steigt ein Mädchen auf den Turm und sieht übers Land. Man muss nicht immer dran denken, man muss nicht immer wegdenken.</p>
<p>Koordinaten: 50° 53&#8242; N, 11° 52&#8242; O und 330 m über dem Meer.</p>
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		<title>Poliander en colère: Bei Mainz gingen die Vandalen über den Rhein</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/11/08/poliander-encolere-landesmuseum-karlsruh/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Nov 2009 22:30:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

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		<description><![CDATA[Kleine Städte, schöne Schlösser, schöne Schlösser, feine Museen. Poliander besucht das Königreich der Vandalen in Karlsruhe, mit schnellem Fuß, es ist Sonntagmittag, eilt P.  am Springbrunnen vorbei, trocknen Auges glotzen die Beleuchtungskörper aus dem leeren Becken. Herbstmitte vorbei. Am Eingang der Ausstellung: Polianders Hand um Eintrittskarte, Börse, Notizbuch. Aufsichtsführender (schaut flüchtig die Eintrittskarte an, intensiver [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kleine Städte, schöne Schlösser, schöne Schlösser, feine Museen. Poliander besucht das Königreich der Vandalen in Karlsruhe, mit schnellem Fuß, es ist Sonntagmittag, eilt P.  am Springbrunnen vorbei, trocknen Auges glotzen die Beleuchtungskörper aus dem leeren Becken. Herbstmitte vorbei. <span id="more-857"></span></p>
<p>Am Eingang der Ausstellung: Polianders Hand um Eintrittskarte, Börse, Notizbuch.<br />
<em>Aufsichtsführender (schaut flüchtig die Eintrittskarte an, intensiver Polianders Notizbuch):</em> Machen Sie Notizen?<br />
<em>Poliander: </em>Ja.<br />
<em>Aufsichtsführender: (atmet hörbar)</em><br />
<em>Poliander (latent aggressiv):</em> Ist das verboten?<br />
<em>Aufsichtsführender:</em> Haben Sie einen Kugelschreiber?<br />
<em>Poliander (hasst Kugelschreiber):</em> Nein.<br />
<em>Aufsichtsführender: </em>Einen Tintenstift! Hier sind nur Bleistifte erlaubt. Warten Sie hier!<br />
<em>Poliander: (steht dumm herum. Leute in Mänteln und mit großen Taschen  gehen vorbei.)</em><br />
<em>Innere Stimme:</em> Geh weg!<br />
<em>Poliander:</em> Nö.<br />
<em>Aufsichtsführer: (händigt P. einen spitzen, harten Bleistift aus)</em><br />
<em>Poliander:</em> Warum?<br />
<em>Aufsichtsführender: </em> Ausstellungsstücke wurden beschädigt!<br />
<em>Poliander:</em> Von alleinreisenden Frauen um die 50? Mit Notizbuch und Stift?<br />
<em>Aufsichtsführender:</em> Gilt für alle!<br />
<em>Poliander:</em> Sie verdächtigen alle? Das ist unglaublich.<br />
<em>Aufsichtsführender (Dialekt):</em> Das ist mir egal, was Sie unglaublich finden!</p>
<p>Poliander verstört in den Saal. In der Hosentasche brennt der Bleistift. Der Saal ist voll. Herz zittert. Poliander schleicht zur Toilette, zieht drinnen das Telefon aus der Tasche.</p>
<p><em>Poliander:</em> Mir ist passiert.<em> (Bericht)</em><br />
<em>Kollegin:</em> Bleistift? Wer will denn damit schreiben?<br />
<em>Poliander (Herz bebt):</em> Alle sind verdächtig, die schreiben.<br />
<em>Kollegin:</em> Hast du deinen Presseausweis gezeigt?<em><br />
Poliander:</em> Wo kommen wir hin, wenn man einen Ausweis zeigen muss, um zu schreiben?<br />
<em>Kollegin:</em> Privilegien.<br />
<em>Poliander:</em> Außerdem bin ich privat hier.<br />
<em>Kollegin:</em> Alle verdächtig außer Analphabeten!<em><br />
Poliander:</em> Haben Analphabeten keine Stifte?<br />
<em>Kollegin:</em> Nicht wenn Völker wandern gehen.<br />
<em>Poliander (Herz glüht):</em> Sind von den Vandalen keine Grafitti überliefert?<br />
<em>Kollegin:</em> Dafür hatten sie lateinische Schreiber.<br />
<em>Poliander:</em> Ach so.<em> (Herz hebt sich, wird wild)</em></p>
<p>Poliander verlässt den Saal, Eilschritt, rote Ohren, wehendes Haar, Blicke zucken aus den Augenwinkeln, Blitze aus den Fingerspitzen: Münzen verlieren den goldnen Schein, Silber wird stumpf, die Dekomposition von Mosaiken setzt ein, Videos schalten auf den Abwehrkampf des KSC,  Vitrinenglas reißt, Statuen steigen von den Sockeln. Besucher  erbleichen: &#8220;Ins Baptisterium!&#8221; Poliander lacht: Das Baptisterium ist ein Nachbau! Mauern schwanken und stehn wieder still. Erstarrt starrt das Publikum. Die Vandalen waren nie in Karlsruhe. Bei Mainz gingen sie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rhein%C3%BCbergang_von_406">über den Rhein</a>.</p>
<p>Verlassen liegt ein Bleistift auf dem Brunnen. Spitz weist er zum Platz der Leselust, wo Pflastersteine erglühn.<br />
Polianders Mobiltelefon schnurrt: &#8220;Willst du mir die Sandalen pfänden / dann musste schon Vandalen senden.&#8221;</p>
<p>Koordinaten: 49° 0&#8242; 50.4&#8243; N, 8° 24&#8242; 15.48&#8243; O</p>
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