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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Rätseln</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Rare Freude: roman unserer kindheit</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 13:46:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kaum einer, der schreibt, kann die Finger bremsen, ein Kindheits-, ein Jugendbuch zu schreiben, &#8220;autobiographisch&#8221;, mindestens &#8220;authentisch&#8221;, Metapherngräber mit falschem Schmerz und echter Sentimentalität. Aber, protestiert Polianders Gefährtin, es gibt doch Wolframs Parzival, den Grünen Heinrich, den Zögling Törless und alles, was Irmtraud Morgner über Geburt und Kindheit schrieb, lange Passagen der Salman-Trilogie! Ja, P. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3539" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/10/roman-unserer-kindheit.jpeg"><img class="size-full wp-image-3539" src="http://www.poliander.de/files/2011/10/roman-unserer-kindheit.jpeg" alt="Gut geschrieben" width="225" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Gut geschrieben</p></div>
<p>Kaum einer, der schreibt, kann die Finger bremsen, ein Kindheits-, ein Jugendbuch zu schreiben, &#8220;autobiographisch&#8221;, mindestens &#8220;authentisch&#8221;, Metapherngräber mit falschem Schmerz und echter Sentimentalität. Aber, protestiert Polianders Gefährtin, es gibt doch <a href="http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digi/lauber/cpg339i.html">Wolframs Parzival</a>, den <a href="http://www.gottfriedkeller.ch/GH/GH_Parallel.htm">Grünen Heinrich</a>, den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verwirrungen_des_Z%C3%B6glings_T%C3%B6rle%C3%9F">Zögling Törless</a> und alles, was Irmtraud Morgner über Geburt und Kindheit schrieb, lange Passagen der <a href="http://www.stadtbibliothek-chemnitz.de/autorenlexikon/pmwiki.php?n=Autor.IrmtraudMorgner">Salman-Trilogie</a>! Ja, P. gibt es zu, und den Roman der <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/17840.html">Drachentochter</a>, den sogar besonders, wenig Larmoyanz, viel Spracherfindung! Soll niemand denken, da käme nichts mehr, denn da kommt das Sprach-Rettungsboot,<span id="more-3469"></span> das die Leserin aus den Wogen des Banalen Meeres rettet: P.s Gefährtin nämlich fand in einer Buchhandlung, die gesteckt voll war mit Büchern, die Sonnenblumen, fotogerecht präparierte Speisen und leichtbekleidete Blonde auf dem Umschlag zeigten, den <a href="http://www.rowohlt.de/magazin_artikel/Georg_Klein_Roman_unserer_Kindheit.2846330.html">roman unserer kindheit</a> von Georg Klein, ein Buch, das im letzten Jahr einen Preis bekam, obwohl es weder leichte Lektüre ist noch in den restaurativen Zeitgeist passt.</p>
<p>Eine Gruppe Kinder, in deren Zentrum Älterer Bruder, Wolfskopf, Schniefer, Ami-Michi und Schicke Sibylle stehen, viel mehr noch rennen, radfahren, hinken und krauchen, schon an den Spitznamen fühlt man die Bundesrepublik jener Zeit, in der Kühlschränke schon Einzug gehalten hatten, Fernseher aber noch selten waren, jene Gruppe Kinder aus der Neuen Siedlung also durchfährt einen Sommer, in dem es an nichts fehlt, was uns zuletzt mit wüster Erfahrung und mystischem Mut ausstattet. Er beginnt mit Blut, das aus einer Fleischwunde tropft, die der Ältere Bruder sich bei furioser Radfahrt mit Wolfskopf zuzog, &#8220;es blutet und blutet&#8221;, weswegen er nach der Verarztung und während der sich dahinziehenden Heilung von der Mutter kurzerhand in einen derzeit ungenutzten Kinderwagen verfrachtet wird, ein tolles Gefährt, das die Autorität des Älteren Bruders unter den Kindern keineswegs untergräbt. Das Unterwegssein der Kinder an den Rändern der Siedlung und auf der Grenzlinie der Erfahrung öffnet den Blick auf die perforierte Zeitachse im Leben der Erwachsenen, ihr Vorher und Nachher, das vom Weltkrieg (und der eigenen Beteiligung daran, darin)  über Liebesverrat, Trunk und Kartenspiel und dunkles Geschäft bis zu erwartbarer Krankheit und  künftigem Tod reicht, alles nebeneinander, wenn auch nicht gleichgewichtig, doch in der zugleich umfassenden wie fragmentarischen Erfahrensweise, die noch nicht vom Sortieren und Analysieren geprägt ist. Das Panoptikum wird gezeigt von einer Erzählerin, die sich selbst nur wiederum fragmentarisch nach und nach zu erkennen gibt. &#8220;Mein Haus hat keine Fenster&#8221;, sagt sie, und doch weiß sie, aus welchem Jenseits nur?, alles, auch die Zukunft, und erzählt dies so nebeneinander wie in einem Comic, der den Blick mal hier-, mal dorthin schweifen lässt, mal die Mutter zeigt, die kalten Nescafé trinkt im Un- und Übermaß, mal ein puppenspielendes Fröhlich-Mädchen, dann wieder Menschen wie den Junghanns-Doktor, den nur vielleicht blinden Fehlharmoniker und Kommandant Silber. Und all die anderen. Und wo findet man den Wellensittich wieder?</p>
<p>Nein, P. erzählt die Geschichte hier nicht nach, nur soviel, dass es am Ende darum geht, Sibylles kleine Schwester zu finden, gruslig genug: zunächst ihre Schuhe an schmutzigen Orten, in einer phantastischen Reise durch reale Keller und überreal scheinende Wurzelbüschel, bleiche Finger eines Baumes, die ihren Weg nach unten durchs Mauerwerk bahnen, Verderben und Entkommen und Voranschreiten der Kindergruppe in einer phantastischen, nicht aufhaltbar vorrrückenden Phalanx.</p>
<p>Und ja: die Sprache, in der kleine Episoden immer auf das Ganze verweisen, die Leserin in den Beschreibungen einfachen Geschehens immer die Welt dieses Romans und immer die Welt erfährt. &#8220;Das ganze Hin und Her, das Völlig-aus-dem-Aug-Verlieren, das bang werdende Suchen, das triumphale Doch-noch-Wiederfinden, das Rennen und das Reglos-Lauern, all das ist eine wunderbare Jagd geworden. Sogar die Kleinen, die einer nach dem anderen aufgeben mussten, weil die Verfolgung des türkisen Vogels sie so weit wie nie vom Hof wegführte, haben gespürt, dass sie an einer großen Sache Anteil hatten. Im Elsternhorst, genau vis-à-vis der Lichtburg, dürfen die Übriggebliebenen Atem holen. Der Sittich hat einen Schwarm junger, am Anfang dieses Sommers geschlüpfter Sperlinge entdeckt, die auf dem Flachdach des Kinos durcheinandertschilpten. Kaum dass er gelandet war, verstummten sie und fingen an, in einem merkwürdigen Eifer auf dem weißgetünchten Beton herumzupicken.&#8221;</p>
<p>Koordinaten: Unbedingt lesen. Georg Klein, roman unserer kindheit, Rowohlt.</p>
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		<title>Zieh dich aus und geh ins Museum</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 19:57:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
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		<description><![CDATA[Liebe Freundin, in Berlin zeigen sie Gesichter. (Ach, wenn sie nur Gesicht zeigten *** nebenbei.) Alle reden davon. Alle stehen Schlange.  Poliander kam mittwoch früh, ging an der Schlange vorbei, Privileg, Zeitfensterkarte, die Polianders Begleiterin geschickt vorab im Internet erworben hatte, so dass nun eigentlich Poliander die Begleitung war. 1., 2., 3., 4. Kontrolle, Sprechfunk: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3333" class="wp-caption alignleft" style="width: 195px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/10/Gentile-Bellini-Bildnis-eines-Mannes-Detail.jpg"><img class="size-medium wp-image-3333" src="http://www.poliander.de/files/2011/10/Gentile-Bellini-Bildnis-eines-Mannes-Detail-185x300.jpg" alt="Subtiler Gebrauch des Zeichenwerkzeugs" width="185" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Subtiler Gebrauch des Werkzeugs</p></div>
<p>Liebe Freundin,</p>
<p>in Berlin zeigen sie <a href="http://www.smb.museum/smb/gesichter/">Gesichter</a>. (Ach, wenn sie nur Gesicht zeigten *** nebenbei.) Alle reden davon. Alle stehen Schlange.  Poliander kam mittwoch früh, ging an der Schlange vorbei, Privileg, Zeitfensterkarte, die Polianders Begleiterin geschickt vorab im Internet erworben hatte, so dass nun eigentlich Poliander die Begleitung war. 1., 2., 3., 4. Kontrolle, Sprechfunk: &#8220;Kann ich zwei durchlassen?&#8221; (Ja.) Ja, wir hatten unsere Sachen abgegeben, denn ja, es ist warm in den dunklen Räumen, in denen sie die italienischen Porträts zeigen, sehr warm, um genau zu sein, wer hätte gedacht, dass die Bilder es lieben, derart warm gehalten zu werden? Dunkel, ja, aber so warm? Liebe Freundin, wenn du das sehen willst, ich sag es dir gleich:  Zieh dich aus und mach dich locker, denn es ist nicht nur warm, sondern auch voll. <span id="more-3327"></span>Und dann tauche in die Dunkelheit. Ein Audioguide ist nicht nötig, es reicht, wenn du sehen kannst. Finde dich damit ab, dass es voll ist. Dränge dich nicht vor die Tafelbilder, denn gleich am Eingang wirst du verstehen, was die eigentliche Attraktion dieser sonst so konventionellen Ausstellung von Hits der Renaissancemalerei ist: die Zeichnungen. Vor den Zeichnungen gehst du in die Knie. Subtile Handhabung des Zeichenwerkzeugs, Nähe zum Porträtierten (ja, es ist oft ein Mann. <a href="http://www.zeno.org/Kunstwerke/B/Ghirlandaio,+Domenico%3A+Kopf+einer+alten+Frau">Doch nicht  immer, schau hier.</a>), wenn es hier irgendwo Porträtähnlichkeit gibt, dann in den Zeichnungen. Du wirst einen Mann sehen, den du gern kennen würdest, nein, wir haben hier kein Bild. Wo die Tafeln repräsentativ sind, sind die Zeichnungen sinnlich. Und wirf auch ein paar Blicke auf die Medaillen, fein und gut mittelalterlich, <a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/af/CdM,_pisanello,_medaglia_di_leonello_d%27este_1444_verso.JPG">wer Leonello heißt, hat einen Löwen</a> im Rücken, opus pisani pictoris, mit lockigem Bauchfell und geflügeltem Knaben dabei. Von Engeln reden wir hier nicht.</p>
<p>Erst am Ende, erschöpft,  triffst du, rechts des Mittel- und Höhepunkts im letzten Zimmer (da Vincis Dame mit Hermelin, was sonst?) <a href="http://www.metmuseum.org/toah/works-of-art/43.86.5">jene junge Frau vor Wacholdergesträuch</a>, eine Witwe vielleicht, sie hat den Ring leer in den Fingern statt auf dem Finger, entrückt rätselhaft. Sie wird noch da sein, wenn die Dame mit dem Hermelin abgereist ist, doch nicht für immer, sie wohnt in New York. Geh also und sieh <a href="http://www.metmuseum.org/toah/works-of-art/43.86.5">sie</a> dir an. Und wenn du schon da bist, gut, wirf auch einen Blick auf die Hermelin-Dame (Es ist keines, kein Hermelin, meine ich, doch das kümmert bitte wen?) Und dann geh wieder.</p>
<p>Was soll ich sagen, es hat mir gefallen und auch wieder nicht.<br />
Sei umarmt, liebe Freundin<br />
P.</p>
<p>Koordinaten: 52° 31&#8242; 14&#8221; N, 13° 23&#8242; 50&#8221; O, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bode-Museum">Bodemuseum</a>, 15. Jahrhundert, noch bis 20. November 2011, &#8220;Dame mit Hermelin&#8221; nur bis 30. Oktober 2011.<br />
Abbildung: Gentile Bellini, Bildnis eines Mannes, Detail (Pressefoto: Staatliche Museen Berlin)</p>
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		<title>Oh Farbe, oh fließendes Wasser</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 18:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, Noviomagus Nemetum, denn die hießen Nemeter, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2941" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden.jpg"><img class="size-medium wp-image-2941" src="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden-300x168.jpg" alt="Die blauen Läden" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Die blauen Läden</p></div>
<p>Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Speyer">Noviomagus Nemetum</a>, denn die hießen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nemeter">Nemeter</a>, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem heiligen Hain, dieses Rätsel überlassen wir der Leserin zur Übung. <span id="more-2731"></span>Also die kleine Stadt mit einem Bahnhof von drei Bahnsteigen und dem Bus davor, der steht mit offener Tür, steig ein, wusschh! Natürlich steigen wir an der falschen Stelle aus, doch was macht das schon? Vor einer Kirche ein Auto, raus steigt eine ältere Frau, die nach tiefer Bodenständigkeit riecht, und die sagt dir dann mit einem Akzent, der noch viel fremder ist als pfälzisch, wo&#8217;s langgeht. Erleichterung, wir sind nicht am Ende der Welt hier, wir sind links vom Rhein, aber nicht hinterm Mond. Dann geht es durchs Altpörtel, ein Torturm wie aus dem Kinderbuch so fein, dann durch die Fußgängerzone. Die Speyerer und Speyerinnen sitzen aber und lassen sich vom Himmel bescheinen, was ist der auch blau heute. Die schöne Göttin hinterließ die feine Farbe auf den Fensterläden der Gasse schräg weg vom Dom.</p>
<p>Noch schöner, <a href="http://www.speyer.de/de/tourist/museen/schpira">das kleine Museum</a>. Und hinuntersteigen, in das stille mittelalterliche Bad, ein heiliger Ort, auch heilig vor lauter Geschichte, steinern und mit sachtem feuchtem Atem. Ach, Säulchen, wie sie den Durchblick teilen. Polianders Blicke ins Grundwasser und auf den Grund. Dort liegt das Geld der Touristen, das die Engel nicht heben. Poliander guckt nah, Ungeschick verlass mich nicht! fällt P.s Reisehut direkt hinein, schwimmt zur Seite, Poliander steht wie taub, schon zieht Polianders Gefährte den Schuh vom Fuß, steigt dem Hut hinterdrein, kommt nass zurück, steigt mit Poliander die Teppe, und während sie noch mit Tempotaschentüchern die Füße des Gefährten trocknen, schwimmt eine neue Schar Touristen die Treppe herunter, schwimmt trocken, versteht sich, doch hinab, strafende Blicke: Was haben die hier gemacht! Poliander und Gefährte fragen sich. Ist der Hut noch der selbe wie zuvor? Ist das Bad noch das selbe wie zuvor? Sie grinsen vor Verlegenheit, ihr Grinsen macht sie mehr verlegen, und sie machen sich eilig davon. Vorm Tor, wieder im Blau, stülpt P. den Hut über die Ohren, es tropft. Doch wer behielte nicht gern im Frühsommer einen kühlen Kopf.</p>
<p>Koordinaten: 49°19&#8217;10&#8221; N, 8°25&#8217;52&#8221; O, <a href="http://www.speyer.de/">Speyer</a></p>
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		<title>Spielen mit Briefelfetzerin</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/02/21/spielen-mit-briefelfetzerin/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 12:52:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
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		<description><![CDATA[Aus dem Liber Vagatorum tritt er heraus, der Briefelfetzer, der Schreiber, der bis zum Gehtnichtmehr seine Mütter und Schwestern verleugnet, wo Schreibwerk doch wahrlich ihr Werk ist, verwandt mit dem Erzählen, Spinnen, Weben und Hinterlassen von Zeichen auf ehedem nackter Wand. Poliander begegnet einer Briefelfetzerin in der reichen und turmreichen Stadt, in der Schreiber und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left">
<div id="attachment_2613" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/02/Liber-Vagatorum.jpg"><img class="size-full wp-image-2613" src="http://www.poliander.de/files/2011/02/Liber-Vagatorum-e1298296122514.jpg" alt="Sie erreichen die Stadt. (Liber Vagatorum)" width="250" height="301" /></a><p class="wp-caption-text">Sie erreichen die Stadt. (Liber Vagatorum)</p></div>
<p>Aus dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liber_Vagatorum">Liber Vagatorum</a> tritt er heraus, der Briefelfetzer, der Schreiber, der bis zum Gehtnichtmehr seine Mütter und Schwestern verleugnet, wo Schreibwerk doch wahrlich ihr Werk ist, verwandt mit dem Erzählen, Spinnen, Weben und Hinterlassen von Zeichen auf ehedem nackter Wand. Poliander begegnet einer Briefelfetzerin in der reichen und turmreichen Stadt, in der Schreiber und Schreiberinnen allezeit reichlich zu Gast gewesen sind.<span id="more-2599"></span></p>
<p>&#8220;Eine Vision, eine Vision!&#8221;, ruft die Briefelfetzerin aus, die Augen ekstatisch nach oben gedreht, &#8220;von der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_von_Alexandrien">Katharina aus Alexandrien</a>!&#8221;  IngenieurInnen, MathematikerInnen, Diagnosefachmänner und  Computerfachfrauen, Filmwissenschaftlerinnen, Maler- und Schreiberinnen  staunen, am allermeisten über die Geistesgegenwart der Schreiberin, die  heilige Worte mit einem analogen Diktiergerät aufzeichnete. Das Dinglein  schnarrt ein bisschen, doch brav gibt es das Rätsel wieder: &#8220;Fünf  Finger und doch keine Hand&#8221;, und das Ding sollen wir finden? Jaja, da  kichert die Briefelfetzerin.  Und das Zeichen Katharinas sollen wir  finden, das zurück führt in ihre grausige Geschichte, eine Waffe, die  letztlich ihren Triumph bedeutet.</p>
<div id="attachment_2607" class="wp-caption alignright" style="width: 199px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/02/katharinas-zeichen-finden.jpg"><img class="size-full wp-image-2607" src="http://www.poliander.de/files/2011/02/katharinas-zeichen-finden.jpg" alt="Katharinas Attribut fehlt ein Stück." width="189" height="268" /></a><p class="wp-caption-text">Katharinas Attribut fehlt ein Stück.</p></div>
<p>Ach Briefelfetzerin, das hat etwas mit  der Stadt zu tun, in die du einzogst, nicht wahr? &#8220;Oh ja. Und mit  Mainz.&#8221; Das muss jetzt aber reichen an Hilfe. Wir schleichen durch die  Stadt, mustern Aushänge, Aufkleber und Graffiti. Briefelfetzerin ist eine famose Erzählerin.  Sie leitet uns geschickt zur Kürschnergasse, gleich hinter Wasser oder davor, nahe an der Furt, nahe an der Straßenbrücke, gleich bei der steinernen Chronik und dem wenigeren der beiden Märkte. Jaja, der heißt so. Eine kluge Kürschnerin, erzählt sie uns, hielt stand, als man ihr Folter androhte und antat. Ganz wie die heilige Katharina, nur dass die heilig wurde und die kluge Kürschnerin kam frei, ohne Hexenverruf wieder Kürschnerin zu sein. Kürschnerin&#8230; das hat doch wieder etwas mit dem Ding zu tun, das wir raten und finden sollen. Es ist ein klarer, kalter Wintertag, und in jedem Laden, in den die Briefelfetzerin uns schickt, fragt Poliander nach der Losung. Liebe Leserin, was soll ich tun? Ich darf sie nicht verraten! Unterm Dom fanden wir sie nicht, die Katharina, und nicht das Ding. Ein paar Fetzen Pergament leiteten uns in die Pergamentergasse. Dort endlich fanden wir ein Kästchen mit jenem Ding, der Dönerbräter gab es heraus, ein Glück, wir wussten das Wort. Zurück ging&#8217;s zum Dom, doch dort war sie nicht, die Katharina. Endlich, in der Nebenkirche fanden wir sie und gaben ihr wieder, was fehlte, gaben es her wir unter den strengen Augen der Aufsichtsperson.</p>
<p>Und zuletzt lenkte die Briefelfetzerin unsere Schritte zu den Hüterinnen der Weisheit vom Dom, gleich neben der vereisten Treppe. Die freundlichen Frauen händigten es Poliander aus: &#8220;Das Katharinenspiel&#8221;, 1340 oder 1350 geschrieben in der Stadt Erfurt.  Ohne Frau Briefelfetzer und Poesiebüro Erfurt hätten wir es nie gefunden! Wirr ist unsere Rede, wir wissen es, doch wir dürfen nicht mehr verraten, fahren Sie hin, probieren Sie es aus!</p>
<p>Koordinaten: 50° 59′ N, 11° 2′ O, <a href="http://www.poesiebuero.de/">Briefelfetzerin</a> weiß mehr und spielt gern.<br />
Poliander schrieb auch über <a href="http://www.poliander.de/2011/02/01/im-schatten-fremder-beine/">Erfurts Beine</a>, <a href="http://www.poliander.de/2009/05/04/brunnenkresse/">Erfurts Grün</a>, <a href="http://www.poliander.de/2010/02/09/netze-auswerfen/">Geschichten aus Thüringen</a></p>
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		<title>Hunkelers Unbotmäßigkeit</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/12/03/hunkelers-unbotmaessigkeit/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Dec 2010 10:58:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Rätseln]]></category>
		<category><![CDATA[Wegelagerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Poliander raucht nicht nur , sondern stopft sich auch gern starken kriminalistischen Tobak ins Pfeifchen. (Ja, genau jenes Pfeifchen, das die Möchtegernkünstlerin, die Polianders Gefährtin mal war, im Schatten hoher Dünen rauchte, wenn der Ostwind drückte.) Poliander hört gern Radio. 2008 hört Poliander das Hörspiel in vier Folgen &#8220;Hunkeler und der Fall Livius&#8221;. P. verpasst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2137" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/11/hunkeler.jpeg"><img class="size-medium wp-image-2137" title="Taschenbuchliebe" src="http://www.poliander.de/files/2010/11/hunkeler-200x300.jpg" alt="Taschenbuchliebe" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Taschenbuchliebe</p></div>
<p>Poliander raucht nicht nur <a href="http://www.poliander.de/2009/08/24/poliander-liest-unbekannter-erdteil/">feministischen Feinschnitt</a>, sondern stopft sich auch gern starken kriminalistischen Tobak ins Pfeifchen. (Ja, genau jenes Pfeifchen, das die Möchtegernkünstlerin, die Polianders Gefährtin mal war, im Schatten hoher Dünen rauchte, wenn der Ostwind drückte.) <span id="more-2131"></span>Poliander hört gern Radio. 2008 hört Poliander das Hörspiel in vier Folgen &#8220;Hunkeler und der Fall Livius&#8221;. P. verpasst die vierte Folge. Den Kriminalroman gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht zu kaufen. Doch der Mord, der in einer Basler Kleingartenkolonie geschah, die schon zum Elsass hin liegt, auf französischem Hoheitsgebiet, lässt nicht nur Kommissar Peter Hunkeler keine Ruhe, sondern auch P. nicht.  P. liest ersatzweise &#8220;Hunkeler macht Sachen&#8221;. Dann endlich: das Buch. P. ist überrascht, P. ist zufrieden, P. hat bekommen, was P. wollte. Dreiländereck, Ermittlungen in die Geschichte hinein, Auflösung aus der Geschichte heraus.</p>
<p>Poliander liebt es, von Ermittlerinnen zu lesen. Hunkeler hingegen ist ein starrsinniger, längst nicht mehr junger Mann, der geht langsam auf sein Ziel zu, allerdings nicht gemächlich. Der weiß mehr, als er wissen kann. Der blufft. Der nimmt sich frei, der ermittelt im Elsass, was er als Schweizer Polizist nun mal nicht darf, der fährt nach Baden-Baden und legt sich in die Sauna und schaut den Leuten beim Schwimmen zu, der nimmt Urlaub und ermittelt trotzdem, der wird suspendiert und ermittelt trotzdem, und bitteschön!, sagt Poliander, ob das realitätsnah ist, wie der sich durchsetzt in der Polizei und wie ihn der Staatsanwalt anbrüllt und ob überhaupt der Staatsanwalt ihm was zu sagen hätte und all das, das lässt P. doch kalt. P. liebt auch Hunkelers Freundin Hedwig, die abreist, wenn Hunkeler nur noch arbeitet, die nach Colmar fährt und sogar Paris, mit ihrer Freundin und ohne ihn, und wenn er nicht bis dann und dann, Sie wissen schon, sagt P.: Dann würde sie sich sogar von ihm trennen. Da geht dann bald die Ermittlung dahin, wo sie hin soll, und ein glückliches Ende ist nicht mit der Ermittlung, aber mit Hedwig und Hunkeler schon. Denn Hedwig verbindet Hunkeler das Ohr, aber hält ihm nicht das Händchen, und wenn Hunkeler fragt, warum es immer noch klappt, so schön, mit ihr, sagt sie: &#8220;Weil wir uns lieben, Dummkopf.&#8221; Das ist was Reelles, denkt die Leserin dann. Realitätsnähe gibt es in allen Romanen mit Hunkeler genug, über diese Gegend, Schweiz, Baden, Elsass, und über die Leute, die da wohnen. Bitteschön, sagt Poliander, lass doch den Staatsanwalt brüllen, das ist nicht wichtig! Wichtig ist, nicht zu schnell zu lesen, damit es immer noch einen Roman mit Hunkeler gibt, den man bald lesen kann.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.basel.ch/">Basel</a> 47° 33&#8242; N 7° 36&#8242; O, <a href="http://www.krimilexikon.de/schneid2.htm">Hansjörg Schneider über Hunkeler</a>, <a href="http://www.hoerspielstation.de/krimi/hunkeler-und-der-fall-livius.html">Hörprobe &#8220;Hunkeler und der Fall Livius&#8221;</a></p>
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		<title>Freitag und Montag am selben Fluss</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 11:58:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Rätseln]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
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		<description><![CDATA[Kleine Stadt mit Burg überm Fluss, wo der Wind leicht ging durch die Gassen und heiß und kalt fauchte oben am Berg. Hier, rief der Ladner, der Weihnachten feilbot im Juni, Hier, rief er: Der Brunnen im Haus ist zwölfmännertief. Wir schauten in die Tiefe, die ein Spot beleuchtete. Ein Tropfen fiel in glasbedeckte Stille. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1503" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/06/oberlauf.jpg"><img class="size-medium wp-image-1503" title="Am Oberlauf des Flusses" src="http://www.poliander.de/files/2010/06/oberlauf-300x234.jpg" alt="Am Oberlauf des Flusses" width="300" height="234" /></a><p class="wp-caption-text">Am Oberlauf des Flusses</p></div>
<p>Kleine Stadt mit Burg überm Fluss, wo der Wind leicht ging durch die Gassen und heiß und kalt fauchte oben am Berg. Hier, rief der Ladner, der Weihnachten feilbot im Juni, Hier, rief er: Der Brunnen im Haus ist zwölfmännertief. Wir schauten in die Tiefe, die ein Spot beleuchtete. Ein Tropfen fiel in glasbedeckte Stille. Höflich sahen wir uns im Laden um, all die Räuchermännel, sagte Poliander, doch daheim haben wir ein Räucherfrauel, das! sollten Sie sehn, mit einer Kloßschüssel, aus der der heilige Rauch steigt! Geduld mit Touristen gewohnt nickte der Mann. Schnell griff Poliander die besten Räucherkegel, die kleinen, Pfennigware, kostbare. <span id="more-1493"></span>Früher, sagte Poliander, wurde Weihnachten nicht an der Elbe verkauft, aber heute gibt es Weihnachten überall, wo Touristen sind.- Sie missgönnen es mir, sagte der Ladner ernst, dabei steckt mein ganzer Kredit drin. Kann schließlich nicht jeder vom Porzellan leben. Poliander lächelte verbindlich, Auch nicht vom Brunnenzeigen, wir wissen es ja. Zur Burg ging&#8217;s hoch, wie sonst, zuletzt Treppen und Treppen, und von oben klangen Glocken, das aus Erde geformt wurde wie jene Vögel, die das Jesuskind formte aus Uferschlamm, zum Ärger seiner Mutter, denn sie flogen alle lebendig davon. Poliander phantasiebegabt sah&#8217;s schon, wie auch die Glocken flogen, rasch, übern Fluss. Aber sie hingen noch und schwangen. Polianders Begleiter stieß sie an: Drüben warn Weinberge.  Die Stadt, das Museum, sie liefen zurück zum goldnen Grund, wo Installateure werkten. Oben in der Kammer saß die Fei am Computer und herrschte über Buchstaben und Bilder und formte multiple Skulturen aus Restholz, Industrieabfall und Uferlehm. Im Vogelfutterhaus hatte die Amsel ihr Nest gebaut, sie beobachtete Poliander genau, ehe sie reinflog und kurz angebunden die Eier begrüßte.</p>
<div id="attachment_1505" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/06/unterlauf.jpg"><img class="size-medium wp-image-1505" title="Am Unterlauf des Flusses" src="http://www.poliander.de/files/2010/06/unterlauf-300x168.jpg" alt="Am Unterlauf des Flusses" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Am Unterlauf des Flusses</p></div>
<p>Nicht leicht zu erreichen von jener Stadt ist die andre, im Norden, wo der Fluss sich in künstlich vertieften Betten zum Meer hin wälzt. Polianders Begleiter drängt jederzeit, den Ort zu besuchen. Aber das andere behalten wir für uns.</p>
<p>Koordinaten:<br />
Stromkilometer 82 sowie 609 bis 641 (deutsche Zählung)<br />
Wer die Lösung nicht weiß, kann fragen:<br />
poliander ((an)) diese domain</p>
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		<title>Wörterwort</title>
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		<pubDate>Mon, 10 May 2010 15:47:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Rätseln]]></category>

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		<description><![CDATA[KÜNSTLERINSCHRIFT Koordinaten: zwei in einem]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>KÜNSTLERINSCHRIFT</p>
<p>Koordinaten: zwei in einem</p>
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