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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Magie</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Hindurch zwischen Porträts und Parallelitäten</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 11:11:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Augenweide]]></category>
		<category><![CDATA[Durchgang]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>

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		<description><![CDATA[Stein aus Stahl, Stein aus Stein Baum aus Stahl, Baum aus Holz und Blattwerk Einer hat den Stein vermessen, hat den Baum vermessen. Einer hat den Stein und den Baum nachgebaut aus Stahl. &#160; &#160; &#160; Was hält länger, Stein aus Stahl oder Stein aus Stein? Kommt ein Vogel, wetzt seinen Schnabel am Stein, wetzt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3591" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/11/baum-und-stein-detail.jpg"><img class="size-medium wp-image-3591" src="http://www.poliander.de/files/2011/11/baum-und-stein-detail-300x184.jpg" alt="Detail, mehr nach &quot;Mehr&quot;" width="300" height="184" /></a><p class="wp-caption-text">Detail</p></div>
<p>Stein aus Stahl, Stein aus Stein<br />
Baum aus Stahl, Baum aus Holz und Blattwerk</p>
<p>Einer hat den Stein vermessen, hat den Baum vermessen. Einer hat den Stein und den Baum nachgebaut aus Stahl.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span id="more-3577"></span></p>
<div id="attachment_3585" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/11/baum-und-stein-portraits.jpg"><img class="size-medium wp-image-3585" src="http://www.poliander.de/files/2011/11/baum-und-stein-portraits-300x194.jpg" alt="Grenze und Beschilderung" width="300" height="194" /></a><p class="wp-caption-text">Grenze und Beschilderung (klicken für Vergrößerung)</p></div>
<p>Was hält länger, Stein aus Stahl oder Stein aus Stein?<br />
Kommt ein Vogel, wetzt seinen Schnabel am Stein, wetzt seinen Schnabel am Stahl. Nach wieviel hundert Jahren ist der Stein weggewetzt, der Stahl weggewetzt?<br />
Der Stahlbaum, denkt man, hält länger. Der Baumbaum, weiß man, wächst schneller als der Steinstein vergeht.</p>
<p>Der Weg zwischen Baum und Baum und Stein und Stein führt in den Park.<br />
Wiewohl es evident ist, ist es noch kein Gedicht.</p>
<p>Ich war hier und drüben.<br />
Wenn ich wiederkomme, möcht sein, dass Steine und Bäume noch da sind<br />
Ich gehe dann in den Park und tauche die Füße in den Fluss.</p>
<p>Das Porträt des Flusses ist nur im Text.<br />
Der Fluss ist schmal, rasch. Im Bild ist nur seine Feuchte.</p>
<p>Koordinaten: 47° 57′ 11” N, 8° 30′ 12” O, Künstler: <a href="http://www.museum-biedermann.de/cms/upload/presse/pressemitteilungen/Museum_Biedermann_Interview_Kang.pdf">Jinmo Kang</a>, <a href="http://www.museum-biedermann.de/">Ort der Porträts</a></p>
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		<title>Oh Farbe, oh fließendes Wasser</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/06/21/blau-farbe-fliessendes-wasser/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 18:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>
		<category><![CDATA[Rätseln]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, Noviomagus Nemetum, denn die hießen Nemeter, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2941" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden.jpg"><img class="size-medium wp-image-2941" src="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden-300x168.jpg" alt="Die blauen Läden" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Die blauen Läden</p></div>
<p>Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Speyer">Noviomagus Nemetum</a>, denn die hießen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nemeter">Nemeter</a>, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem heiligen Hain, dieses Rätsel überlassen wir der Leserin zur Übung. <span id="more-2731"></span>Also die kleine Stadt mit einem Bahnhof von drei Bahnsteigen und dem Bus davor, der steht mit offener Tür, steig ein, wusschh! Natürlich steigen wir an der falschen Stelle aus, doch was macht das schon? Vor einer Kirche ein Auto, raus steigt eine ältere Frau, die nach tiefer Bodenständigkeit riecht, und die sagt dir dann mit einem Akzent, der noch viel fremder ist als pfälzisch, wo&#8217;s langgeht. Erleichterung, wir sind nicht am Ende der Welt hier, wir sind links vom Rhein, aber nicht hinterm Mond. Dann geht es durchs Altpörtel, ein Torturm wie aus dem Kinderbuch so fein, dann durch die Fußgängerzone. Die Speyerer und Speyerinnen sitzen aber und lassen sich vom Himmel bescheinen, was ist der auch blau heute. Die schöne Göttin hinterließ die feine Farbe auf den Fensterläden der Gasse schräg weg vom Dom.</p>
<p>Noch schöner, <a href="http://www.speyer.de/de/tourist/museen/schpira">das kleine Museum</a>. Und hinuntersteigen, in das stille mittelalterliche Bad, ein heiliger Ort, auch heilig vor lauter Geschichte, steinern und mit sachtem feuchtem Atem. Ach, Säulchen, wie sie den Durchblick teilen. Polianders Blicke ins Grundwasser und auf den Grund. Dort liegt das Geld der Touristen, das die Engel nicht heben. Poliander guckt nah, Ungeschick verlass mich nicht! fällt P.s Reisehut direkt hinein, schwimmt zur Seite, Poliander steht wie taub, schon zieht Polianders Gefährte den Schuh vom Fuß, steigt dem Hut hinterdrein, kommt nass zurück, steigt mit Poliander die Teppe, und während sie noch mit Tempotaschentüchern die Füße des Gefährten trocknen, schwimmt eine neue Schar Touristen die Treppe herunter, schwimmt trocken, versteht sich, doch hinab, strafende Blicke: Was haben die hier gemacht! Poliander und Gefährte fragen sich. Ist der Hut noch der selbe wie zuvor? Ist das Bad noch das selbe wie zuvor? Sie grinsen vor Verlegenheit, ihr Grinsen macht sie mehr verlegen, und sie machen sich eilig davon. Vorm Tor, wieder im Blau, stülpt P. den Hut über die Ohren, es tropft. Doch wer behielte nicht gern im Frühsommer einen kühlen Kopf.</p>
<p>Koordinaten: 49°19&#8217;10&#8221; N, 8°25&#8217;52&#8221; O, <a href="http://www.speyer.de/">Speyer</a></p>
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		<title>Paris im November</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/11/08/paris-im-november/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Nov 2010 13:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>
		<category><![CDATA[Sternbild]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>

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		<description><![CDATA[Da hin!, sagt Poliander, Dort hin!, ruft Begleiterin 1. Die Sonne steht herbsthalbhoch überm Grab von Sartre und Beauvoir, ich lehne mich an den Rücken der Bank davor, sitzen könnte man nur mit dem Rücken zu ihnen, ich betrachte die frischen Küsse auf dem Stein. Da war doch schon jeder. Poliander nicht, sagt Poliander. Unterhalb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2099" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/11/beauvoir-sartre-küsse.jpg"><img class="size-medium wp-image-2099" title="beauvoir sartre küsse" src="http://www.poliander.de/files/2010/11/beauvoir-sartre-küsse-300x202.jpg" alt="Grab 1 Cimetière Montparnasse" width="300" height="202" /></a><p class="wp-caption-text">Paar am Haupteingang Cimetière Montparnasse</p></div>
<p>Da hin!, sagt Poliander, Dort hin!, ruft Begleiterin 1. Die Sonne steht herbsthalbhoch überm Grab von Sartre und Beauvoir, ich lehne mich an den Rücken der Bank davor, sitzen könnte man nur mit dem Rücken zu ihnen, ich betrachte die frischen Küsse auf dem Stein. <span id="more-2051"></span>Da war doch schon jeder. Poliander nicht, sagt Poliander. Unterhalb vom Friedhof Montparnasse schwimmen wir durch die Welle Jugendliche vorm Lycee. Begleiterin 2 stellt fest: die gleichen Frisuren  wie in Frankfurt. Hier, sagen beide, vertragen wir schon mittags Wein. Poliander knirscht mit den Zähnen, betrunkene Frauen am Nachmittag? Sei doch ruhig, wir fahren mit dir zu all den Orten. Aber dann regnet es, wir gehen mit P. zum Centre Pompidou. P. knirscht wieder, dabei ist der Blick von der obersten transparenten Röhre ganz so gut wie der Blick vom Montmartre.  Das sagt ihr!, sagt Poliander. Ich gebe P. eine Handvoll Blicke über die Stadt,  Zinkdächer schimmern im Regen.  Ich schleppe alle zu <a href="http://www.artnet.de/awc/nancy-spero.html">Nancy Spero</a>, vor einem Jahr starb sie in Manhattan, ein Video zeigt, wie sie noch einmal singen, Happy birthday dear Nancy!, und die magere Frau mit den zerzausten Haaren lacht schütter. Ich entwische nach nebenan, <a href="http://www.pipilottirist.net/">Pipilotti Rists</a> Blutclip dreht, dreht, dreht und dreht, ich strande vor einem zottigen Objekt aus braunschwarzer Wolle, es hängt von der Decke, der Blick geht in die gefährliche schwarze Höhlung, schön hier, sag ich.</p>
<p>Am Abend ziehen wir über den Place de la Republique, P., die Begleiterinnen, die Freundin, die Freundin der Freundin und so weiter, auf uns wartet ein Tisch in einem Restaurant in einer Nebenstraße. Unter der Republique dicht in Dreierreihen stehen Leute im Regen, ohne Schirm, schäbiges Gepäck. Fünf Meter vor ihnen: Tische mit Essenscontainern, das Aluminium glänzt im Scheinwerferlicht, Pappkartons daneben, Obst, Leute sind viele, Orangen wenige. Immerhin in der Stadt, sagt Poliander. (In B. sind die Armen auch sichtbar, du musst nur hinschaun, sage ich.) Die Freundin der Freundin berichtet: Alle Demonstrationen wären nun so, dass man den Anfang nicht sieht und nicht das Ende, und jedes Problem führt auf das eine zurück: die Regierung. Die Wut wächst noch. Wir gehen weiter,  Leckereien entgegen, dreimal füllt man uns die Karaffe neu, Rotwein, Was dachten Sie denn! Auf dem Rückweg: die Armen sind fort, die Republique  zeigt uns den Rücken, Stein wallt. Wer ist das noch mal, dort, die Figur? Die Republique! Ein Kulturzentrum, Jugendliche sitzen auf dem Boden, Leute mit Instrumenten in riesigen Hüllen gehen an uns vorbei, es ist schön hier, kein Zweifel. Anderntags im Marais, nun ist Sonntag, eiskalter Regen, wir rennen von Lokaltür zu Lokaltür, wir staunen die Häuser an, wir landen im Trocknen, wir ziehen im Laden rosarote Stiefel über die Füße, Ah!, wenn das die Daheimgebliebnen wüssten, zum Dejeuner haben wir Rosé getrunken. Wasser strudelt von den Dächer in die Straßen, die Feuerwehr sperrt den Autoverkehr, Arbeiter kehren den Regen in die Tiefen der Kanalisation. Plötzlich Sonne, durch das Licht stäubt feiner Niesel. In der Rue des Rosiers verkünden die Tiger Nature&#8217;s Revenge. Am Hotel Rohan-Soubise nehmen wir ein Flugblatt entgegen: &#8220;Maison de l&#8217;Histoire de France, pas aux Archives&#8221;, im Nationalarchiv kein Haus der Geschichte! Die Männer erklären es geduldig, gestreikt wurde auch schon. Das Archiv soll hier, mitten in der Stadt und gut zugänglich bleiben. &#8220;Unterschreiben Sie unsere <a href="http://cgt.archives.free.fr/spip.php?article126">Petition</a>!&#8221;,  ruft der Mann der Gewerkschaft. Für ein &#8220;ideologisches Projekt&#8221; die kostbaren Akten auslagern, so dass sie weniger zugänglich sind? O nein! Historiker wollen nicht staatstragend &#8220;die Seele Frankreichs stärken&#8221;. (Später im Netz der <a href="http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/arte-journal/3487008.html">Bericht von arte</a>.) Könnten wir bleiben, mehr erfahren. Pflichtbewusste Füße eilen zur Metro.  Schnell zum Bahnhof, schnell zu Relay, ans Regal mit der herrlichen Aufschrift: &#8220;Bande dessinée&#8221;. Nein, nicht in den Rucksack, wir lesen sie gleich! Da fährt schon der Zug. Poliander sagt: Ich möchte bleiben.</p>
<p>Koordinaten: 48° 50&#8242; 25&#8221; N, 2° 19&#8242; 9&#8221; O, deutscher Text der <a href="http://fr-fr.connect.facebook.com/topic.php?uid=109567349104685&amp;topic=20">Petition &#8220;Kein Haus der Geschichte in Frankreichs Nationalarchiv!&#8221;</a></p>
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		<title>Bombarde blasen</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/10/24/bombarde-blasen/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 Oct 2010 23:17:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohrenschmaus]]></category>
		<category><![CDATA[Endstation]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>

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		<description><![CDATA[Es soll aber das Spiel der Bombarden des Teufels und in den Kirchen verboten gewesen sein.  Zack! wurde zu Holz im Geschnitz des Chorgestühls, wer das Verbot übertrat, der spielt für immer. Koordinaten:  48° 41&#8242; N, 3° 59&#8242; W, St. Pol de Leon Sehen: schönes Exemplar in der Encyclopaedia Britannica Hören: Bombarde et biniou Mehr:  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1987" class="wp-caption alignleft" style="width: 227px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/10/chorgestühl_st_pol_de_leon.jpg"><img class="size-medium wp-image-1987" title="Chorgestühl in St. Pol de Leon" src="http://www.poliander.de/files/2010/10/chorgestühl_st_pol_de_leon-217x300.jpg" alt="Für immer Spiel" width="217" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Spielwerk</p></div>
<p>Es soll aber das Spiel der Bombarden des Teufels und in den Kirchen verboten gewesen sein.  Zack! wurde zu Holz im Geschnitz des Chorgestühls, wer das Verbot übertrat, der spielt für immer.</p>
<p>Koordinaten:  48° 41&#8242; N, 3° 59&#8242; W, St. Pol de Leon<br />
Sehen: schönes <a href="http://www.britannica.com/EBchecked/topic/72508/bombarde">Exemplar in der Encyclopaedia Britannica</a><br />
Hören: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=rDwfBx2MzYc&amp;NR=1">Bombarde et biniou</a><br />
Mehr:  <a href="http://www.youtube.com/watch?v=-f3nsTqfcwg&amp;feature=related">C&#8217;est magnifique!</a></p>
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		<title>Geheimnisvoller Besuch &#8211; Vodou in Berlin</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/07/30/geheimnisvoller-besuch/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Jul 2010 13:55:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist einer dieser schwülen Tage, an denen man schwitzt, obwohl man friert, an denen auf Gewitterwolkendunkelheit spitzes, weißes Licht folgt, wechselnd und wieder von vorn. Kein Jogger rennt durch die Sonntagsmittagsöde der Archivstraße im bürgerlichen Süden, gleich hinter jener Kreuzung mit Gartenlokal, wo sich Schnauzbebartete und Damen im Blumenkleid zum Dixieland-Frühschoppen treffen. Also die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1647" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/07/Bizango-des-Kreuzwegs.jpg"><img class="size-medium wp-image-1647" title="Bizango des Kreuzwegs (Bild: Staatliche Museen Berlin)" src="http://www.poliander.de/files/2010/07/Bizango-des-Kreuzwegs-199x300.jpg" alt="Bizango des Kreuzwegs (Bild: Staatliche Museen Berlin)" width="199" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Bizango des Kreuzwegs (Staatliche Museen Berlin, Pressefoto)</p></div>
<p>Es ist einer dieser schwülen Tage, an denen man schwitzt, obwohl man friert, an denen auf Gewitterwolkendunkelheit spitzes, weißes Licht folgt, wechselnd und wieder von vorn. Kein Jogger rennt durch die Sonntagsmittagsöde der Archivstraße im bürgerlichen Süden, gleich hinter jener Kreuzung mit Gartenlokal, wo sich Schnauzbebartete und Damen im Blumenkleid zum Dixieland-Frühschoppen treffen. Also die Archivstraße, vorbei am Preußischen Geheimen Staatsarchiv, an dem jedoch ein Blick hinauf zum preußischen Adler nicht schaden kann, der hier wie ein aufgescheuchtes Huhn die Beine hebt, dem gleich der Hals abgeschlagen wird. Zauberei!, oder wozu braucht man Hühnerblut? Da hat er Glück, der Adler, Relief und Stein.  Poliander und ich gehen nach Dahlem Dorf, bürgerlich und akademisch, nur Dorf, das grade nicht, und noch ein paar Schritte weiter, endlich, finden P. und ich das Ethnologische Museum. Es ist warm, zu warm, jedes Stockwerk wird es wärmer, wenn auch nicht so warm, wie es sein sollte, dass wir uns fühlen wie auf Haiti. Der Eingang nach Haiti befindet sich hinter dieser Tür, hinter Vorhängen aus dunklem, flauschigem Zeug. Durch die muss man sich erst einmal winden. Und dann steht man in der feuchten Kälte einer Klimaanlage, konservatorische Gründe? Haitianische Objekte sind Hitze und Kummer gewohnt. P. zieht mich zu den Bildern, P.  kommt ja auch nicht aus dieser Welt, zuerst, will P., sollen wir auf dieses Video schauen, auf die weißgekleideten Leute, die tanzen, Röcke schwingen, trommeln, ernsthaft, routiniert, in Trance, in ihrem Rücken, in ihrer Mitte der geschmückte Baum oder Pfahl: ein Mittelpunkt einer Welt,  der Pfahl ist der Weg, der zu den Geistern führt, sie und wen noch?, uns verbindet. Abseits der Stier, dem gleich die Kehle durchschnitten wird. <span id="more-1639"></span>Die <a href="http://www.museumsportal-berlin.de/startseiteninhalte/ausstellungen/die-kunst-des-vodou.html">Ausstellung</a> handelt von heiligen Gegenständen, Gegenständen mit Zweck, der geheim ist, handelt von Leuten, die in einem Wasserfall stehen, sitzen, sich die Sachen vom Körper ziehen, die das zu einem ferneren Ende tun, nicht grad der körperlichen Reinigung wegen, untrennbar von anderen Zwecken: auch ihr zuliebe.</p>
<p>Wir gehen und sehen die Dinge, die auch Personen sind oder Wesen, mit ihnen zu kommunizieren wäre wie ein Telefonat in die andere Welt. Sie sind hier doch auch fremd! Eine ordnende Hand hat sie zueinandergestellt, dass ihnen nicht so kalt ist, bei dieser Klimaanlage, bei uns Fremden, die wir nur schauen. Wenigstens hat keiner sie geputzt und niemand von ihren Füßen den Staub des Gehens von Welt zu Welt und die getrockneten Spuren der Opfergaben, der Bitten, der Benutzung entfernt. So bleiben sie warm in sich. Die Kunst: Liebe und Mühe haben die Perlenschnüre auf die Flaggen genäht, die man für Rituale und Feste benötigt, die geschwenkt werden, in Bewegungen, die genau richtig sind, nicht sparsam, nicht pathetisch. Die Sorgfalt hat dicke Futterformen unter die Perlen genäht, die Flaggen sind bunte, comicartige Reliefs. Die Leute setzen ein, was sie haben, Textilien, Beton, Knochen, Schädel. Und so weiter, es ist alles eins, es ist alles zusammen, und die Figuren der Geister sind die Geister und trotzdem das von Menschenhand Genähte, Bestickte, mit Spiegelchen Versehene. Es ist arme Kunst, für die genommen wird, was eben da ist, es ist reiche Kunst, für die gefunden wird, was sich eignen, sich anverwandeln kann.</p>
<p>Das Gemischte: Erzulie Dantor ist Göttin, Geist und die schwarze Madonna von Czestochowa, sie liebt Kinder über alles, sie ist eine Freundin. Das sind Geschichten, die über sie umlaufen. Eine von ihnen ist in Dahlem, jetzt. Erzulie Freda, die hilft den unglücklich Liebenden, sie ist eine Babypuppe, und sie ist selbst unglücklich verliebt. Kraze Bize, ein Iwa, ein Geist des Todes, der ein Gesicht hat, zur Hälfte ein Schädel, der eine Sonnenbrille trägt, mit nur einem Glas, das andere Auge ist leer: weil er in diese und in jene Welt schauen kann. Das Gemischte: das Geistige und das Praktische. Große Flaschen und Pakete mit Sättigung aus der, von der anderen Welt, für diese und die andere. Flaschen, die gehörnt sind, Flaschen mit Elixieren, die an ihrem oberen Ende Messer und Gabel haben, damit die Geister sich ihrer bedienen beim Essen. Das Gemischte: barocke Spiegel, die überformt sind mit Dingen des Vodou. Das Gemischte: die Liebe und die Macht, die Revolution, die von den Geheimnisgesellschaften gemacht wurde, der Machtmissbrauch, der sich dieser Formen bediente, die der Ermächtigung der Ohnmächtigen dienten. Poliander stößt mich an: ein halbdunkler Raum, in dem die Spiegelchen von den roten Kleidern der Bizango-Armee leuchten. Es ist nicht wie im Kino, es ist wie im Traum. Aber wir vergessen nicht ganz, dass wir in Dahlem sind, Berlin, Westberlin, genau zu sein. Wir vergessen nur die Zeit, den Rückspazierweg, das Eisessen. Das hat Zeit. Wir gehen lieber noch einmal zurück, noch einmal durch die Zimmer, wir schauen noch einmal in die Gucklöcher, hinter denen eine jenseitige Welt liegt oder das Nachbarzimmer, der Nebenschauplatz, das Zentrum der Welt, wo alles anders ist, handgemacht, gebraucht, wo die Gehörnten sind und die Zauberspiegel und die drei Babies aus Stoff, die ungelenk auf ihrem Stuhl klemmen und wahrscheinlich machtvolle Geister sind. Wahr schein lich. Gehen Sie hin, der Oktober kommt schneller, als man meint.</p>
<p>Koordinaten: Haiti in Dahlem, 52° 27&#8242; 29&#8221; N, 13° 17&#8242; 32&#8221; O, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologisches_Museum">Ethnologisches Museum</a>, 18. Mai bis 24. Oktober 2010<br />
Anderswo lesen: <a href="http://www.lettre.de/archiv/88-Gold.html">Herbert Gold über Haiti in Lettre International Nr. 88</a></p>
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		<title>Poliander rückwärts</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/12/23/fur-immer-westberlin/</link>
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		<pubDate>Wed, 23 Dec 2009 10:19:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Magie]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

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		<description><![CDATA[Fragt mich das alte Westberlin: &#8220;Gehn wir mal in die Badensche?&#8221;, ja, gehn wir hin. Die Badensche Straße liegt dunkel, die Fenster haben die Jalousie übers Gesicht gezogen, die hängt noch so vom Sommer, oder hängt die immer so, ja die hängt immer so. &#8220;Ihr seht aus, als wär draußen Winter&#8221;, ruft der Wirt.Es ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1001" class="wp-caption alignleft" style="width: 233px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/12/westhafen.JPG"><img class="size-medium wp-image-1001" src="http://www.poliander.de/files/2009/12/westhafen-223x300.jpg" alt="Alter Westhafen" width="223" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Alter Westhafen</p></div>
<p>Fragt mich das alte Westberlin: &#8220;Gehn wir mal in die Badensche?&#8221;, ja, gehn wir hin. Die Badensche Straße liegt dunkel, die Fenster haben die Jalousie übers Gesicht gezogen, die hängt noch so vom Sommer, oder hängt die immer so, ja die hängt immer so. &#8220;Ihr seht aus, als wär draußen Winter&#8221;, ruft der Wirt.<span id="more-983"></span>Es ist warm, innen, es ist Freitag, als wir das letzte Mal hier waren, war es voll, nicht, dass wer denkt, das wär in den Achtzigern gewesen, oder doch, sicher bin ich nicht, es wäre, zum Beispiel, der 15. Juli 89, dagegen spricht das Wetter und dass es dunkel ist draußen, und nicht, dass ich wüsste, wer am 15. Juli 89 hier gespielt hat oder welcher Wochentag das war, es ist ein Beispiel. Es könnte auch der 27. November 1988 sein. Dafür spricht der mit dem mickrigen Zopf, der jetzt hinter die Bühne rennt, wieder vorkommt, wieder hinter rennt. Später wird er mit anfassen, wenn die Pianistin das Klavier entkleidet. Nicht dass er hier angestellt wäre, er sitzt an der Bar, oder doch, man weiß nie. &#8220;Da saß er auch letztes Mal, als diese Sängerin&#8221;, sagt Westberlin zu mir, &#8220;bitte erinnere dich doch mal, genau, du hattest dieses Hemd an, zu aufgeknöpft, wenn du mich fragst&#8221;, das kann nicht sein, sage ich, aber ich erinnere mich genau. Da mussten wir schon rausgehen zum Rauchen.  Undenkbar in den echten Achtzigern, ich gebe es zu. Ich habe den ersten Wein getrunken, im alten Westberlin trank man Bier und Wein und niemals Schorle. Ich also, ja, Wein, ja, getrunken, als sie kommt. Sie ist wie damals, das Kleid, von dem sie die Jacke abzieht, rückenfrei und schwarz, an den Nähten schon etwas grau, genau zu sein. Sagte ich, dass wir sitzen, in dem Raum, wo das Podium steht? Wirst du alt? &#8220;Nee&#8221;, sagt er, ganz altes Westberlin, &#8220;du bist das doch, die immer ganz  genau sehen will.&#8221; Das stimmt. Aber ich würde trotzdem lieber bei der Bar stehn, den Typen mit dem Mickerzopf im Rücken und zwei drei andre im Blickfeld, uneindeutige Botschaften tauschen, nur so, sag ich mal, keine Sorge. Jetzt kommt auch sie, braune Haare, braunes Kleid, ist jetzt aber ein Stilbruch, so ein Koller mit roten Blumen drauf, sind wir denn in den Sechzigern? Dafür ist sie auch zu jung, spielt Saxophon, ist eine Überraschung. Die Pianistin nicht. Sie spielt wie immer, sogar wie im Haus der Jungen Talente, das war im alten Ostberlin, das nicht alt wurde, aber sein Gesicht trotzdem verlor. Sie, die Klavier spielt, hat ihr Gesicht noch, greller jetzt, das kommt von Westberlin, einer trüben Droge, wenn man mich fragt, ich bin auch drauf. Sie spielt genau wie immer, ich weiß jetzt schon, was kommt, es ist kalt und heiß wie immer, gefällt nicht allen, Ornette Colemann, das steckt dahinter, manchmal huscht ein Melodiestreif durch wie ein Erkennen, nur ich erkenne vor allem sie, die sich verliert, &#8220;perdido&#8221;, das haben sie damals bei Amiga verkauft, das nur am Rande, sage ich zum alten Westberlin, Luftballons flogen über die Plattenhülle, es war der Montagstermin, aber früher 87 oder sogar 86, wer weiß, sie war größer damals, der Rücken frei, sie war kalt und glitzerte, wenn sie lachte, sie wohnte in Westberlin. Jetzt nimmt sie Aluminiumfolie aus einer Tüte und klemmt sie zwischen die Saiten. Ein Begeisterter beim Piano ist halb so alt, klatscht doppelt so heftig, muss hier eingeflogen sein, man ist nicht mehr kühl und melancholisch, nur ich. Rechts sitzt ein Mann und schreibt und schreibt, er schreibt nicht von der Musik ab, sondern aus seinem Kopf, was der wohl hört. Und ich trinke und trinke mit Westberlin und sehe den Rücken der Pianistin, dann ist das Saxophon still (ja, es ist schön, das Saxophon), die Pianistin greift mit einer Hand über die andere, hört sich zu, weiß, was sie tut, haut mit dem Ellenbogen auf die Tasten, so war, ist es, wird es sein. Später dann und dazwischen, die Überraschung, die Klarinette. Von jetzt, wenn Sie wissen, was jetzt ist.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.badenscher-hof.de/">Jazzklub</a>. Sehr alt. <a href="http://www.akitakase.com/">Aki Takase</a> (p),  Silke Eberhart (sax).</p>
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		<title>Wasser, ein Werk</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 18:14:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
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		<description><![CDATA[Das war im Herbstanfang, (von Abend, hätte Stifter geschrieben), auf gradem Weg von Brest nach Berlin, ins Urstromtal. Über sechs Prozent Berlins sind von Wasser bedeckt, das macht mehr Wasserfläche aus als die Venedigs, Amsterdams und Stockholms zusammengenommen. Aber Berlin liegt nicht am Meer, und die Spree ist ein Fluss, der keiner ist, der an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_953" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/11/Wasser-und-Kraft.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-953" src="http://www.poliander.de/files/2009/11/Wasser-und-Kraft-150x150.jpg" alt="Wasser und Kraft" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Wasser und Kraft</p></div>
<p>Das war im Herbstanfang, <a href="http://www.poliander.de/2009/10/22/in-auray/">ich kam vom Meer, vom Wasser, aus dem Westen</a> (von Abend, hätte Stifter geschrieben), auf gradem Weg von Brest nach Berlin, ins Urstromtal. Über sechs Prozent Berlins sind von Wasser bedeckt, das macht mehr Wasserfläche aus als die Venedigs, Amsterdams und Stockholms zusammengenommen. Aber Berlin liegt nicht am Meer, und die Spree ist ein Fluss, der keiner ist, der an warmen Tagen stehnbleibt, an heißen rückwärts zu fließen droht, zurück in den Wald, aus dem sie kam. Ehe sie die rettenden Gehölze erreichte, verschwände sie in Braunkohlegruben und träumte dort, sie wäre ein Meer. Ich ging ins <a href="http://www.bwb.de/content/language1/html/941.php">Wasserwerk</a>. <span id="more-893"></span>Im Wasserwerk Tegel stand Frau Hildebrand, trug blauen Schmuck, schaute mit blauen Augen und hatte blonde Puschel aus Haar. Hätte Frau Hildebrand gewusst, wie nett wir sind, sie hätte Kaffee gemacht. Der Dichter, der Ingenieur, die Ingenieurin, das Baby, die zwei, deren Beruf ich nicht weiß, und die Schriftstellerinnen&#8230; Frau Hildebrand war Schulklassen gewöhnt, sie seufzte, aber lachte dabei. Die meerblaue Frau Hildebrand wusste alles vom Wasser. Wer auch alles wissen will, soll <a href="http://www.bwb.de/content/language1/html/554.php">Frau Hildebrand</a> fragen. Im Wasserwerk Friedrichshagen, demnächst.</p>
<p>Das Wasser zum Trinken kommt aus den Ufern. Berlin hat viele Ufer, viel Grundwasser, viel Sumpf, sogar unter den Häusern. Gewitter füttern den Sumpf, so kommt er zu uns in die Keller. Weil der Sumpf so dicht unter den Füßen liegt, sollen wir mehr Wasser trinken. Wir trinken, duschen, waschen, so viel wir können, an einem Durchschnittstag mit 580.000 Kubikmetern Wasser. Im Vortragsraum des Wasserwerks Tegel gab es kein Wasser. Aber da blieben wir auch nicht, sondern folgten Frau Hildebrand in die Schaltwarte. Die Männer, die dort über 20 Monitore wachten, waren ein Schichtleiter, ein Mitarbeiter, ein Portier. Unsichtbar blieben die Moderlieschen. Sie prüfen die Qualität des Trinkwassers am eigenen Leib und werden dabei von einem Fischbeauftragten beschützt. Aber ich wollte endlich das Wasser sehen.</p>
<p>Das Wasser in Berlin hat viel Kalzium, Eisen und viel Mangan. Deshalb ist es braun. Man kann es schon trinken, wenn es noch braun ist. Aber wie sieht das denn aus? Deshalb werden die Mineralien ausgefällt, mit Luftsauerstoff. Hinter einer Tür rauscht das Wasser, schäumt, steigt und fällt, man sieht es durch das Türfenster. Metallene Bäume aus Rohrleitungen wachsen senkrecht hinauf, statt der Zweige haben sie Öffnungen, aus denen Rohwasser spritzt. Eisen und Mangan bleiben noch im Strom, waren aber nicht mehr fest mit dem Wasser verbunden. Eine Etage tiefer sahen wir Becken, von Wänden geteilt, aus denen sprudelt das Wasser, wird durch Sand geleitet, der färbt sich braun mit der Zeit. Eisen und Mangan bleiben im Sand. Kreisläufe und Kreisläufe. Manchmal wird der Sand gespült, aber was dann mit dem herausgespülten Eisen und Mangan geschieht, muss jeder selbst fragen. Ich habe es vergessen. Nicht vergessen habe ich, wie das Wasser schmeckt. Denn wir gingen noch tiefer ins Werk, bis ins unterste Labyrinth der Rohre, und dort gab es zwei Hähne, einer für das Rohwasser, einer für das Trinkwasser. Wer das Rohwasser probiert, kann Eisen und Mangan herausschmecken.</p>
<p>Und jetzt aber schnell ins Freie! Denn mit wasserblauem Glas fangen die Leute vom Wasserwerk auch das Sonnenfeuer, dem filtern sie den Strom heraus. Ob das Zufall ist, wie sie sagen, weil sie doch grade so viel Platz hatten für all die Kollektoren, wer weiß.</p>
<p>Koordinaten: 52° 31&#8242; 20&#8243; N, 13° 17&#8242; 51&#8243; O und 34 Meter über dem Meer</p>
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		<title>P. liest: unbekannter Erdteil</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 17:20:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
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		<description><![CDATA[Stunden hatten wir verbracht im Kloster, im Mosteiro dos Jerónimos in jenem Vorort Lissabons, wir hatten die Kirche durchstreift und gläubige Frauen beobachtet, die durch Einwurf von Münzen elektrische Kerzen einschalteten, so ein Opfer praktizierend, das der Vormoderne und dem Technologiezeitalter zugleich angehörte. Wir hatten Kreuzgang und Klosterhof durchmustert, schließlich hatte ich, meinen Begleiter hinter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_713" class="wp-caption alignleft" style="width: 154px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/08/Buch_Sanyal_Vulva.jpg"><img class="size-full wp-image-713" src="http://www.poliander.de/files/2009/08/Buch_Sanyal_Vulva.jpg" alt="Buchtitel" width="144" height="230" /></a><p class="wp-caption-text">Buchtitel</p></div>
<p>Stunden hatten wir verbracht im Kloster, im Mosteiro dos Jerónimos in jenem Vorort Lissabons, wir hatten die Kirche durchstreift und gläubige Frauen beobachtet, die durch Einwurf von Münzen elektrische Kerzen einschalteten, so ein Opfer praktizierend, das der Vormoderne und dem Technologiezeitalter zugleich angehörte. Wir hatten Kreuzgang und Klosterhof durchmustert, schließlich hatte ich, meinen Begleiter hinter mir herziehend in immer noch eine Nische, vor immer noch eine heilige Figur, die dem Hauptaltar gegenüberliegende Empore erstiegen, die nach der Dunkelheit der Kirche und der strahlenden Helle des Klosterhofs in zugleich flirrendem und von Staub gedämpftem Licht erschien; da sah ich sie: auf einer von vielen Händen berührten Säule. Sie, eine Frau, hatte zwischen ihren Beinen hindurch die Seiten ihres Geschlechts ergriffen und auseinandergezogen. Wir lächelten einander an. Mein Begleiter kam her, müde und verunsichert traute er seinen Augen nicht, als sie, die Göttin, auch ihm zulachte; auch er stand im diffusen Licht ihres Segens.</p>
<p><span id="more-709"></span>„Kulturelles Flimmern“ nennt die Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal ein Phänomen wie dieses: Dass einerseits die Vulva in unserer Kultur so abwesend ist, das selbst ein feministisches Theaterstück wie die „Vagina-Monologe“ dem Körperteil, dem sie sich ausschließlich widmen, einen irreführenden Namen geben, der das komplexe Organ auf einen seiner Bestandteile reduziert. Und dass andererseits dieser Vulva solche Macht zugeschrieben wird, dass jahrhundertelang allein schon ihr Anblick als heilig und heilend galt und sie bis heute von denen, die immer Arges denken, als zähnebewehrt kastrierend gefürchtet wird. Sanyal, um die kulturelle Geschichte dieses Körperteils zu erzählen, reist durch die Zeitalter, wobei sie sich am meisten unter mediterran-antiken Göttinnen, im christlichen Europa und in der hinduistischen GöttInnenwelt aufhält. Nach allem, was wir wissen, wehren die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sheela_na_Gig">Sheela Na Gigs</a>, die „Genitalbleckerinnen“, an angelsächsischen, französischen und iberischen Kirchen Unheil ab. Aufzeichnungen darüber gibt es nicht. In ihrem Bild ist ein Motiv enthalten, das in der Antike und gewiss früher wurzelt: Man erzählte man sich von der um ihre Tochter Persephone trauernden Demeter, dass sie mit wirrem Haar durchs Land irrte, nicht mehr aß und trank, bis die Pflanzen und Tiere, die unter ihrem Schutz stehen, verdorrten und verschmachteten. Ihr Lachen kam ihr erst zurück, als Iambe (Baubo) vor ihr tanzte und dabei ihre Vulva zeigte. Manche Motive, die Sanyal ausgräbt und herzählt, sind ähnlich bekannt wie dieses. Um noch eines zu nennen: die schreckenabwehrende Geste, die man als „mano in fica“ bezeichnet und bei der Daumen zwischen dem zweiten und dritten Finger der Hand durchgesteckt wird. Andere sind so entstellt, das Sanyal uns auf ihre Spur bringen muss, wie das Symbol des schmerzensreichen Herzens Marias, das von einem Bündel von Schwertern durchbohrt wird. Denn die Herzform geht auf die Feige zurück, diejenige Frucht, die namengebend mit der Vulva identifiziert wird. Sanyal erzählt aber auch, was die alten Geschichten mit Frauen in der Populärkultur &#8211; mit Stripperinnen, Teaserinnen und Riot Grrrls – und mit Künstlerinnen wie Hannah Wilke, Carolee Schneemann und Valie Export zu tun haben. Reiselektüre für lange Zugfahrten und schlaflose Nächte. Dann wird: alles gut.</p>
<p>Koordinaten: Mithu M. Sanyal, Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts. Berlin: Wagenbach 2009<br />
Hören und Sehen: <a href="http://www.dailymotion.com/video/xmk5r_pj-harvey-sheela-na-gig_music">P.J. Harvey, Sheela Na Gig</a></p>
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		<title>Das Katzenglück</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Aug 2009 14:27:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
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		<description><![CDATA[Es fing mit dem Winter an. Es war Winter, es war Wetter, bald nach Neujahr, ich fuhr nach Leipzig. Poliander saß mir im Nacken, arbeiten, sagte P., weniger zaudern. Ich kränkelte, P. ließ es nicht gelten. Vom Bahnhof ging ich zu Fuß, sie, die ich sprechen wollte, hatte gesagt, ich könnte zu Fuß gehen. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_703" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/08/Zwei-Katzen-bei-Frau-Scharff.JPG"><img class="size-medium wp-image-703" src="http://www.poliander.de/files/2009/08/Zwei-Katzen-bei-Frau-Scharff-300x176.jpg" alt="Foto: Frau Scharff" width="300" height="176" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Frau Scharff</p></div>
<p>Es fing mit dem Winter an. Es war Winter, es war Wetter, bald nach Neujahr, ich fuhr nach Leipzig. Poliander saß mir im Nacken, arbeiten, sagte P., weniger zaudern. Ich kränkelte, P. ließ es nicht gelten.<br />
Vom Bahnhof ging ich zu Fuß, sie, die ich sprechen wollte, <span id="more-689"></span>hatte gesagt, ich könnte zu Fuß gehen. Ich ging mit der Kirche ums Dorf. Typisch, sagte Poliander, mein Schatten, der an mir hing: Das machst du extra, Eindruck schinden, zerrauft ankommen, wie wäre es mit Löchern in den Schuhn?<br />
Ich hatte eine Flasche Wein von der Art, die wir in den zwölf Nächten getrunken hatten. Typisch, sagte P., für den roten Spanier bist du nie zu krank. Das war jetzt aber richtig gelogen, denn ich war gar nicht richtig krank, ich verbot P. den Mund und klingelte an der hohen Tür. Da stand sie, die ich befragen wollte, und vier Katzen rannten in ein Zimmer. Die Frau rief sie mit ägyptischen Namen, Namen von Göttern. Zwei waren schwarz, zwei gestreift, eine von denen eine Glückskatze. So sagte sie. Glückskatzen sind Katzen mit drei Farben.<br />
Sie, die ich sprechen wollte, war so aufmerksam, womöglich würde sie sogar P. ein Glas hinstellen. Die Katzen strichen um den Tisch, eine sprang drauf, Müsst ihr mich blamieren?, sagte nachsichtig ihre Herrin. Alles war mild hier, fein und von Hand gemacht, wir verglichen unsere Leben. Poliander hielt endlich den Mund, P. ist eine Beschatterin, aber wenn sie die Geschichten anderer Leute zu hören bekommt, wendet sie ihre Aufmerksamkeit von mir ab. Sie lebt von Geschichten, könnte man sagen. Ärgerlich, dass P. selbst nicht schreibt, nichts notiert, meine ich. Wie viel genauer könnte ich fragen, wenn P. mir das Notieren abnähme, aber sie ist stolz, keine Sekretärin, sagt sie.<br />
Die Katzen mit ihrem sachten, starken Atem brachten einen Schmuck in Bewegung, der an der Wand hing, sie gingen wild auf langen Beinen und mit tiefen Schritten, aber behutsam, nichts fiel. Die Frau der Katzen handelt mit Schmuck und andrem magischen Ding, doch sie ist auch eine Frau der Worte, die in Büchern geronnen sind. Später schwang die Tür auf zur Kammer, in der ich schlafen durfte, die Katzen wies sie von der Schwelle. Draußen ging der Leipziger Himmel vorbei, P. nickte im Flechtstuhl, die Katzen im Flur hatten einen Baum mit Fächern, in denen sie liegen konnten, eine immer über der andren. Aber auch sie schliefen nicht, das ist ihr Wesen, am Morgen saßen sie vor den Türen, zwei vor dem Zimmer ihrer Frau, aufrecht wie Bastet, zwei vor der Kammer. Als wir das Interview machten, legten sie sich breit auf mein Manuskript. Sie liegen gern auf Papieren, hörte ich ihre Herrin sagen. Sie klappte ihre Geschichten für mich auf, es war ein Glückstag.</p>
<p>Zurück in B.: Mir träumte von kleinen Katzen, erst sah ich zwei in meiner linken Hand, dann vier in der rechten. Sie reckten ihre Beine und dehnten sich vergnügt. Noch nie hatte ich so schön von Katzen geträumt. Poliander strich sich zufrieden die Unterlippe.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.frauscharff.de">Frau Scharff</a>, Leipzig 2009<br />
Lesen: Ulrike Gramanns Porträt von Frau Scharff, die <a href="http://www.monaliesa.de/">MonaLIESa</a> gründete, <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/156006.frau-scharffs-drittes-leben.html">die Magie der schönen Dinge kennt</a> und mit Katzen spricht, erscheint am 19. September im &#8220;Neuen Deutschland&#8221; und ist hier <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/156006.frau-scharffs-drittes-leben.html">nachzulesen</a>.</p>
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