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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Lockung</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Poliander behielt recht, wurde traurig, ist froh. Besuchen Sie Leipzig!</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 10:46:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
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		<description><![CDATA[2009 reiste ich nach Leipzig und traf dort Frau Scharff, die über ein Reich aus feinen Sächelchen herrscht, und mir zeigte, wie sie damit anderen Menschen den Alltag versüßt. Frau Scharffs Geschäft in der Reichsstraße, nicht weit vom Bahnhof, nah am Bildermuseum gefiel mir sehr. Ihr Weg in den &#8211; damals &#8211; dritten Beruf beeindruckte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3693" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/12/laden-frau-scharff.jpg"><img class="size-medium wp-image-3693" src="http://www.poliander.de/files/2011/12/laden-frau-scharff-225x300.jpg" alt="Regale waren voll" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Regale waren voll. Foto: Frau Scharff</p></div>
<p>2009 reiste ich nach Leipzig und traf dort Frau Scharff, die über ein Reich aus feinen Sächelchen herrscht, und mir zeigte, wie sie damit anderen Menschen den Alltag versüßt. Frau Scharffs Geschäft in der Reichsstraße, nicht weit vom Bahnhof, nah am Bildermuseum gefiel mir sehr. <span id="more-3679"></span>Ihr Weg in den &#8211; damals &#8211; dritten Beruf beeindruckte mich. Ihr erstes Großprojekt, die <a href="http://www.monaliesa.de/">Frauenbibliothek MonaLiesA</a>, existiert weiter, auch ohne sie, denn sie verstand es, sich zuerst unentbehrlich und dann auch wieder entbehrlich zu machen. <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/156006.frau-scharffs-drittes-leben.html">Ich schrieb darüber</a>. Ihre Katzen erwähnte ich in der Zeitung nicht, nur <a href="http://www.poliander.de/2009/08/16/das-katzengluck/">hier</a>. Etwas muss ja privat sein, sogar im Netz. Und ich schrieb: &#8220;Was machen Sie als nächstes, Frau Scharff?&#8221;, denn wir wussten schon: Das jetztige muss nicht das letzte Leben sein. Katzen haben sieben, bekanntlich. Wie viele Berufe wir im Leben ausüben werden, ist uns noch unbekannt. Frau Scharff springt grade in den nächsten. Ihr Satz von damals: &#8220;Vielleicht bin ich so ein Mensch, der in Abständen was andres machen muss, auch wenn ich eine Höllenangst davor habe. Ich vertraue darauf, dass dann wieder was Schönes kommt. Es ist im Grunde immer schöner geworden.&#8221;</p>
<p>Frau Scharffs Laden mit all den Schmuckstücken, dem Thüringer Waldglas, weißem Porzellan, feinen Weißwaren, Büchern und Schnäpsen schließt. Auch die Regale und die Buchstaben der Leuchtreklame sind zu haben. Frau Scharffs Arbeit geht weiter. Wie, das fragen Sie sie am besten selbst. Besuchen Sie Leipzig! Sonst bleiben womöglich  Sächelchen übrig, die dann per Post verschickt werden müssen. Soll sie doch neue Sachen finden, die sie per Post verschicken kann!</p>
<p>Koordinaten: 51° 20&#8242; N, 12° 25&#8242; O, <a href="http://www.frauscharff.de/">Frau Scharff</a>. Geöffnet noch bis zum 29. Dezember 2011.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Homo viator, Märchensträhnen und goldener Grund</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/08/19/homo-viator-maerchen-goldgrund/</link>
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		<pubDate>Fri, 19 Aug 2011 10:07:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer in der Zeit unterwegs ist, hört auch viel von den Reisen anderer. Wo die schönen Bücher wohnen und wo die Triebisch in die Elbe mündet, begegnete Poliander Frau Gold und Herrn Silesius, nicht dem Angelus, aber auch aus dem Osten. Sie nahmen P. mit auf ihre Zeitreise durch Europa, die Kunst, das Leben. Süß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3235" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/08/erdbeeren.jpg"><img class="size-medium wp-image-3235" src="http://www.poliander.de/files/2011/08/erdbeeren-300x195.jpg" alt="Erdbeeren, Wegerich, Brennessel" width="300" height="195" /></a><p class="wp-caption-text">Erdbeeren, Wegerich, Brennessel</p></div>
<p>Wer in der Zeit unterwegs ist, hört auch viel von den Reisen anderer. <a href="http://www.minipresse.de/">Wo die schönen Bücher wohnen</a> und <a href="http://www.stadt-meissen.de/">wo die Triebisch in die Elbe mündet</a>, begegnete Poliander Frau Gold und Herrn Silesius, nicht dem <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/10">Angelus</a>, aber auch aus dem Osten. Sie nahmen P. mit auf ihre Zeitreise durch Europa, die Kunst, das Leben. Süß dufteten die Wilderdbeeren.<span id="more-3229"></span></p>
<p><em>Sie: </em><br />
In ihrem Küchenbuffet hat sie Märchen stehen wie andre Leute Eierbecher. Und auf den glatten Zylindern, die die Sockel ihrer Märchen vorstellen, könnten genauso gut Eier sitzen. Ob die zum Frühstücksei taugten oder darin ein silbernes Schlänglein sitzt &#8211; wer weiß. Grad jetzt sitzen kugelrunde Froschkönige darauf, auf gegenüberliegenden Punkten mit der goldenen Kugel besetzt, die in den Brunnen fiel, und dem Krönchen, das die Prinzessin trug. Dreht man das Objekt, kommen, je nach Ansicht, Dienst und Herrschaft zum Vorschein. Sie schneidet schon einmal eine Strähne aus dem eignen Zopf, wenn einem Märchen grad goldene Haare fehlen, und wenn sie Musik braucht, bringt sie Amöben zum Singen. Sie hütet die Erinnerung und macht aus Scherben ihre Stärke.</p>
<p><em>Er:</em><br />
Er weiß, wie man Kühe hütet. Er verließ sein Mutterhaus mit zehn und fragte bei polnischen Bauern nach Arbeit. Auch die waren arm, kreuzunglücklich dazu, umgesiedelt aus jenem Galizien, das zu vielen vergangenen Reichen gehörte, auch einmal zur Sowjetunion.Er hütete die zwölf Kühe der Familie, arbeitete, was anfiel. Allein und unterwegs machte er Erfahrungen, die bis heute wirken, das Licht über einem Hohlweg, der Fleck, auf dem Grasnelken standen. Als er viel später noch einmal zur Schule ging, im fernen Münsterland, sagte der Lehrer: &#8220;Geh raus, zeichne die Kirche!&#8221; Er meinte es gut. Die anderen im Dorf riefen ihn &#8220;Barbar&#8221;. Sie hatten noch nie einen Protestanten gesehen. Er ging fort und fort und druckte und malte und schrieb und band ein. Das kann er selbst.</p>
<p>Poliander besuchte Herbst und Gold und schrieb alles auf. Ihre Geschichte, erzählt von Ulrike Gramann, erscheint am 20. August in der Wochenendbeilage der Tageszeitung ND. Hier online lesen: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/204847.der-nomade-und-die-meisterin-der-scherbenstaerke.html">Der Nomade und die Meisterin der Scherbenstärke</a></p>
<p>Koordinaten: 50° 0&#8242; N, 8° 16&#8242; O und 51° 10′ N, 13° 29′ O. Die Gespräche mit <a href="http://www.elsegold.de/">Gold</a> und <a href="http://www.weherbst.de/">Herbst</a> führte Poliander Himmelfahrt 2011 in Mainz und Pfingsten 2011 in Meißen.</p>
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		</item>
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		<title>3. Welle, 4. Welle, Brandung</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/04/12/missys-feministische-brandung/</link>
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		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 05:41:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrwasser]]></category>
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		<description><![CDATA[Poliander: Wie wichtig ist Rebellion? Stefanie Lohaus, Missy-Redakteurin: Wir beziehen uns stark auf den Dritte-Welle-Feminismus, der Anfang der 90er Jahre in den USA entstand, und auf die Riot-Grrrls-Bewegung von jungen feministischen Frauen aus der Punkrockszene. Aber Rebellion in Deutschland, das ist schwierig. Wir versuchen eine Art Unterhaltung, die Utopie enthält: Mit welchen Themen würden wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2747" class="wp-caption alignleft" style="width: 150px"><em><a href="http://www.poliander.de/files/2011/04/missy-cover-heft-10.jpg"><img class="size-full wp-image-2747" src="http://www.poliander.de/files/2011/04/missy-cover-heft-10.jpg" alt="Missy Magazine 10" width="140" height="181" /></a></em><p class="wp-caption-text">Missy Magazine 10</p></div>
<p><em> </em></p>
<p><em>Poliander: </em>Wie wichtig ist Rebellion?<br />
<em>Stefanie Lohaus, Missy-Redakteurin: </em>Wir beziehen uns stark auf den Dritte-Welle-Feminismus, der Anfang der 90er Jahre in den USA entstand, und auf die Riot-Grrrls-Bewegung von jungen feministischen Frauen aus der Punkrockszene. Aber Rebellion in Deutschland, das ist schwierig. Wir versuchen eine Art Unterhaltung, die Utopie enthält: Mit welchen Themen würden wir uns beschäftigen, wenn wir bereits in einer anderen Gesellschaft lebten?<span id="more-2719"></span></p>
<p><em>Poliander:</em> Welche Rolle spielen dabei Rubriken wie Style Neid?<br />
<em>Lohaus:</em> Bei Style Neid geht es vor allem darum, Individualität zu geben, zu zeigen „Du musst nicht den Regeln folgen.“  Dabei ist es bezeichnend, dass die Frauen sehr viel Second-Hand-Kleidung tragen. Wir fragen ausdrücklich nach ökologischem Konsum. Manche sagen ja, manche können es sich nicht leisten, manche bevorzugen Second Hand.</p>
<p><em>Poliander: </em>Es gibt aber auch wieder viele junge Frauen, die sich zurechtmachen wie Barbiepuppen. Die meinen das sicher nicht alle ironisch.<br />
<em>Lohaus:</em> Viele werden merken, dass es nicht reicht, sich anzuziehen wie Barbie. Und deswegen gibt es uns ja auch.</p>
<p><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/195349.unterhaltung-mit-utopie.html?sstr=lohaus">Mehr lesen</a>.<br />
<a href="http://missy-magazine.de/">Missy lesen</a>.</p>
<p>Koordinaten: Poliander beobachtet den Feminismus. <a href="http://www.poliander.de/2009/08/24/poliander-liest-unbekannter-erdteil/">Tiefer blicken</a>.</p>
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		<title>Ingenieurswerk über der Hafenstadt</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/10/05/ingenieurswerk-morlaix/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Oct 2010 13:28:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Hafenhotel]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>
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		<description><![CDATA[Dass es 58 Meter hoch ist, wollen Sie vielleicht wissen. Dass es  285 Meter lang ist, wollen Sie vielleicht wissen.  Seit 1864 fahren hier die Züge auf der Strecke Paris &#8211; Brest. Brest im Westen ist gemeint. Das wollten Sie doch wissen? Ja, Sie können hier aussteigen. Nach Morlaix kommen, vom Meer, müde, vom Laufen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1887" class="wp-caption alignleft" style="width: 234px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/10/morlaix-viaduc-nacht.jpg"><img class="size-medium wp-image-1887" title="morlaix viaduc nacht" src="http://www.poliander.de/files/2010/10/morlaix-viaduc-nacht-224x300.jpg" alt="Le viaduc" width="224" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Le viaduc</p></div>
<p>Dass es 58 Meter hoch ist, wollen Sie vielleicht wissen. Dass es  285 Meter lang ist, wollen Sie vielleicht wissen.  Seit 1864 fahren hier die Züge auf der Strecke Paris &#8211; Brest. Brest im Westen ist gemeint. Das wollten Sie doch wissen? Ja, Sie können hier aussteigen.</p>
<p>Nach Morlaix kommen, vom Meer, müde, vom Laufen, vom Schwimmen, vom Autofahren. Wenn Sie ein Auto dabeihaben, parken Sie es am Hafen. Gehn Sie, das Handtuch über der Schulter, rüber zum Hotel du Port.  Am Zebrastreifen ruft eine aus dem Auto, ob das hier die Route nach Carantec ist. <em>Mais oui!</em>, sagen Sie, als wären Sie daheim. <em>Aber der Strand</em>, wolln Sie noch rufen, <em>ist schöner in Plougasnou, in St. Samson, und bitte, versäumen Sie nicht, zum Pointe de Primel zu wandern, dort</em>- Der PKW mit der Dame darin ist längst verschwunden. <span id="more-1889"></span>Im <a href="http://www.lhotelduport.com/">Hotel du Port</a> ist ein Zimmer frei. Es wird Ihr Lieblingszimmer auf dieser Reise, obwohl es klein ist und ohne besonderes Einrichtungsraffinement. Es ist nur, dass nichts fehlt und nichts zuviel ist. Ein Bett für zwei, eine Decke, eine Dusche, ein orangeroter Vorhang am Fenster. Die Frau am Empfang trägt ein feuerrotes Kleid und erklärt die Stadt mit Pfeffer. Und Sie gehen gegen Abend zum Viadukt, nicht zu spät, denn nachts ist das Tor geschlossen. Und vom Zwischengeschoss, wo man geht, schaun Sie dann mit Schwindel hinunter, doch mit noch viel mehr Schwindel nach oben, in die erleuchteten Bögen. Keine Sorge, versehentlich fällt man hier nicht runter. Aber es ist seltsam, auf Höhe des flamboyanten Turms von St. Melaine zu sein und den Leuten aufs Dach zu schaun und in die Regenrinne. Es regnet nicht oder nur kurz, eine Husche, schon ist sie vorbei, und Sie wischen die Tropfen vom Brillenglas.</p>
<div id="attachment_1921" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/10/pointe-de-primel.jpg"><img class="size-medium wp-image-1921" title="pointe de primel" src="http://www.poliander.de/files/2010/10/pointe-de-primel-300x225.jpg" alt="Im Dunst" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Im Dunst</p></div>
<p>Ja, das Licht. Und ein Glas trinken und dem Wirt zuschauen, der aussieht wie ein linker Kabarettist von daheim, nur netter, viel netter, und zwei Mädchen kommen rein, Enkelinnen wahrscheinlich, kriegen ein Eis und kichern und stehen vor Ihnen und schauen Ihnen zu, und dann fühlen doch Sie sich wie ein Eindringling und lächeln verlegen vor diesen Mädchen und trinken schnell aus. Kinder fotografiert man nicht, als Touristin. Und dann am Hafen langgehn bis zur Schleuse. Es ist still, auf einem Boot sitzt sie innen und schaut auf ein Display, und er sitzt draußen, das Buch in der Hand und das Rotweinglas vor sich, und wenn Sie zurückkommen, ist er eingenickt, und sie sitzt immer noch im hellen Salon vor ihrem Laptop. Auf der andern Seite des Hafens sehen Sie ein hell leuchtendes Lokal. Ein Jugendlicher, barfuß, läuft da rüber. Der Mond kommt hoch. Leiser Nebel. Zurück im Hotel. Und jetzt ist schon Nacht, vergessen Sie nicht, den Pointe de Primel zu träumen. Morgen nehmen Sie den Zug.</p>
<p>Koordinaten: 48° 35&#8242; N, 3° 50&#8242; W, höchster Punkt der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Morlaix">Stadt</a>: 104 Meter über NN, im Norden des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Finist%C3%A8re">Finistère</a></p>
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		<title>Wilde Hochzeit</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 14:15:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die erste Lieferung ist ausverkauft! Die neue Lieferung kann bestellt werden. &#8220;Was die Dörfler nicht hören: wie sie sich einmischt, Venus, die verflixte Göttin, wie sie Bertschi ins Ohr bläst: &#8216;Möchtest du entflammen, möchtest du verzehrt werden von Liebe zu mir und von Sehnsucht.&#8217; Das flüstert sie in Bertschis linkes, das heidnische Ohr.&#8221; (aus: Meetchens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1683" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/08/metzli_rück.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1683" src="http://www.poliander.de/files/2010/08/metzli_rück-150x150.jpg" alt="Buchrückseite mit Stempel" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Von Hand und einzeln gedruckt: die Musiker (Bildrechte: C. Schwiegk)</p></div>
<p style="text-align: left"><strong>Die erste Lieferung ist ausverkauft!<br />
Die neue Lieferung kann bestellt werden.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: left">&#8220;Was die Dörfler nicht hören: wie sie sich einmischt, Venus, die verflixte Göttin, wie sie Bertschi ins Ohr bläst: &#8216;Möchtest du entflammen, möchtest du verzehrt werden von Liebe zu mir und von Sehnsucht.&#8217; Das flüstert sie in Bertschis linkes, das heidnische Ohr.&#8221;<em> (aus: Meetchens Hochzeit von Ulrike Gramann)</em></p>
<p><strong><span id="more-1679"></span>Die wilde, unanständige, gewalttätige und am Ende auch lehrreiche<br />
Geschichte von Meetchens Hochzeit</strong></p>
<p>nach Motiven aus Wittenwilers Ring neu erzählt von Ulrike Gramann</p>
<p>Ausgabe mit handgeschöpftem Umschlag und anderen feinen Details<br />
Bestellung gern <a href="http://www.poliander.de/ueber/">direkt bei mir</a> oder genauso gern bei der <a href="http://www.buchbinderei-schwiegk.com/shop/article_12/Die-wilde%2C-gewaltt%C3%A4tige-und-am-Ende-auch-lehrreiche-Geschichte-von-Meetchens-Hochzeit.html?shop_param=cid%3D5%26aid%3D12%26">Edition LILINI</a></p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.poliander.de/2010/06/18/meetchens-hochzeit-ist-da/">anderer kleiner Auszug</a></p>
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		<title>Meetchens Hochzeit ist da</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 09:31:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Die Mädchen an der Quelle beichten nicht, was sie hier tun. Eine heißt Meetchen, die Leute reden über sie. Meetchen hat schwarze Zähne, sagen die Leute, die sollten weiß sein. Rissige Hände mit erdfarbnen Fingern, die sollten glatt sein und zart, einen Zopf wie ein Mauseschwanz, einen Kropf, einen krummen Rücken, der ist ein Geburtsfehler, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1673" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/06/metzli-vorn.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1673" src="http://www.poliander.de/files/2010/06/metzli-vorn-150x150.jpg" alt="Meetchens Hochzeit" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Meetchens Hochzeit (Bildrechte: C. Schwiegk)</p></div>
<p>&#8220;Die Mädchen an der Quelle beichten nicht, was sie hier tun. Eine heißt Meetchen, die Leute reden über sie. Meetchen hat schwarze Zähne, sagen die Leute, die sollten weiß sein. Rissige Hände mit erdfarbnen Fingern, die sollten glatt sein und zart, einen Zopf wie ein Mauseschwanz, einen Kropf, einen krummen Rücken, der ist ein Geburtsfehler, und sie hat einen breiten und einen schmalen Fuß, so dass sie hinkt. Das sagen die Leute. Zerrauft ist sie, aber fleißig. Die Leute sagen auch, dass sie eine Häxe ist, mit Schmetterlingen im Bund, Augen wie Nebel über dem See, Atem, der nach Schwefel riecht. Die Leute fragen, was hat die unterm Kleid, und warum hinkt sie?&#8221;</p>
<p style="text-align: right"><em>(aus: Meetchens Hochzeit von Ulrike Gramann)</em><span id="more-1475"></span></p>
<p><strong>Die wilde, unanständige, gewalttätige und am Ende auch lehrreiche<br />
Geschichte von Meetchens Hochzeit</strong><br />
nach Motiven aus Wittenwilers Ring neu erzählt von Ulrike Gramann</p>
<p>Soeben am 11. Juni 2010 erschienen in der <a href="http://www.buchbinderei-carla-schwiegk.de/seite1.html">Edition LILINI (Carla Schwiegk)</a><br />
Besonders schöne Ausgabe mit handgeschöpftem Umschlag<br />
Direkt erhältlich bei der <a href="http://www.buchbinderei-carla-schwiegk.de/Kontakt.html">Editorin</a>. Bestellungen können aber auch <a href="http://www.poliander.de/ueber/">an mich</a> gerichtet werden.</p>
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		<title>Vorbotin</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/05/20/vorbotin/</link>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 18:48:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Und wie er noch lauscht, geht der Laden auf, und M. sieht heraus. Zwei Männer, sieht sie, stehn im Hof. Warum hat der Hund nicht gebellt? M. dreht sich ins Zimmer zurück, ihr Rücken im Mondlicht so weiß. So weiß, denkt B., und er ruft Venus an, die Schöne, die so berühmt ist, dass jeder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1417" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/05/hundchen.JPG"><img class="size-thumbnail wp-image-1417" src="http://www.poliander.de/files/2010/05/hundchen-150x150.jpg" alt="Hund: Quimper" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Hund: Quimper</p></div>
<p><em> </em>Und wie er noch lauscht, geht der Laden auf, und M. sieht heraus. Zwei Männer, sieht sie, stehn im Hof. Warum hat der Hund nicht gebellt? M. dreht sich ins Zimmer zurück, ihr Rücken im Mondlicht so weiß. So weiß, denkt B., und er ruft Venus an, die Schöne, die so berühmt ist, dass jeder Bauer sie kennt: „Ah, Göttin! Schau doch, Spielmann, das herrliche Antlitz! Die weißen Backen, ah! Reich sie her, Liebchen!&#8221;</p>
<a href="http://www.poliander.de/hoeren/">Mehr am 11. Juni </a>
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		<title>In Auray</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Oct 2009 11:35:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
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		<description><![CDATA[Als Poliander in Auray strandete, strandete sie mit einem Auto, meinem Begleiter und mir. Wir hatten uns an Kreisverkehre gewöhnt, die in Abständen von 200 Metern aufeinander folgten, Auray aber besaß sogar einen viereckigen Kreisverkehr. Poliander hatte mir im Nacken gesessen, während ich im Office du Tourisme im Gastgeberverzeichnis blätterte. Bei der Adresse von M.  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_843" class="wp-caption alignleft" style="width: 242px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/09/auray_austernfischer_klein.JPG"><img class="size-medium wp-image-843" src="http://www.poliander.de/files/2009/09/auray_austernfischer_klein-232x300.jpg" alt="Nicht alle Austernfischer sind Vögel " width="232" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Nicht alle Austernfischer sind Vögel </p></div>
<p>Als Poliander in Auray strandete, strandete sie mit einem Auto, meinem Begleiter und mir. Wir hatten uns an Kreisverkehre gewöhnt, die in Abständen von 200 Metern aufeinander folgten, Auray aber besaß sogar einen viereckigen Kreisverkehr. Poliander hatte mir im Nacken gesessen, während ich im Office du Tourisme im Gastgeberverzeichnis blätterte. Bei der Adresse von M.  et Mme. Le Serrec wurde sie unruhig, schon gut, sie hatte eine Nase für Ziele. <span id="more-803"></span></p>
<p>Während wir allerdings diesen quadratischen Kreisverkehr umrundeten und uns fragten, ob er als Kreisverkehr bezeichnet werden und ob man ihn umrunden durfte, also mitten in diesem quadratischen Kreisverkehr, begann mein Begleiter zu murren. Es war die richtige Straße, und sie sah aus wie eine Hauptstraße. Sicherheitshalber drehten wir noch ein Quadrat, aber es <em>war</em> die richtige Straße. Als wir dann auf dem Hof des Hauses standen, triumphierte Poliander. Das Quartier war ein Extrahaus, das <a href="http://tymamgoze.e-monsite.com/accueil.html">Haus der Großmutter</a>, hinter dem neuen Haus, und wenn uns in der Nacht etwas beunruhigen würde, dann allenfalls die Stille, denn die Straße hörte beim ersten Dämmerlicht auf, Hauptstraße zu sein. Mit den Großmüttern hatten sie&#8217;s hier, das hatte ich schon begriffen. Poliander interessierten die Großmütter nicht. Sie war fasziniert von M. Le Serrec, der groß und lang in seinen Pantoffeln stand und weit ausholte, um den Verkauf bretonischer Möbel nach China zu beschreiben, via Rotterdam. Ständig flüsterte Poliander mir ins Ohr, was ich noch fragen sollte. Erst als sie die geschnitzte Figur sah, die M. Le Serrec ins Zimmer gestellt hatte, war sie still. &#8220;Das hat er selbst gemacht&#8221;, sagte sie dann und bewunderte sich.</p>
<p>Am Sonnabend schickte uns M. Le Serrec zum Hafen, wo sie die Austern feierten. Das ist wieder so ein Touristending, sagte ich, ging aber mit. Vor der großen Kirche hielt eine Dame uns an: ob wir englisch sprächen. &#8220;Oui.&#8221; Wo ging es zu den Markthallen? &#8220;Regardez&#8230;&#8221;, wir zeigten es auf dem Plan. Ich setzte dreimal an, ehe mein Gehirn begriff, englisch? K. lachte über mich. &#8220;Les halles&#8230; sont&#8230; is closed now&#8221;, Sonnabend Nachmittag, um zwei. &#8220;Sure?&#8221; Sure. Ich staunte den Begleiter der Dame  an, nicht jung, aber in durchsichtigem weißen Hemd. Fror er nicht? Der Wind ging vom Meer, der Wind ging wie nur was. Was da in die Bucht rauschte, hieß Loch, wir gingen im Zickzack bergrunter und drauf zu. Eilig entleerte der Fluss die Gezeitenfracht in den Golf, aber so weit sahn wir nicht.  Der Hafen war alt, aber die Austernfischer neu, mindestens neu gestrichen, ungelenke Gestelle, die sich wer weiß wie über Wasser hielten. Zack! öffnete der Austernfischer die Auster, das Wunderding, vor ihm häuften sich die Schalen.  Hier gab es keine englischsprachigen Touristen oder wir sahn sie nicht. Die Austernfischer, die wir von der Nordsee kannten, eilige Vögel, hatten keine Saison in Auray. Die Leute aus Auray saßen in langen Reihen, aßen drei Sachen: Austern, Muscheln, Frites, und tranken Muscadet. Ein Mann legte die Muschelschalen säuberlich ineinander, wie Löffelchen. Eine Flasche Muscadet war gar nicht  so viel. Leute fingen an zu singen, plötzlich waren Bombarden da. Wir waren gern, wo die Musik spielt. Draußen fielen ein paar Regentropfen, der Kaffee ging aus, die Musik spielte, Zurufe der Leute. Ein Mann schob uns den Teller hin: probieren. Wir probierten, ohne zu erkennen, was, salzige Paste. Die Musik spielte wilder. Ich brauchte Bewegung. Wir bedankten uns, gingen die Bucht hinunter, Ebbe war, der Loch ein rasches Rinnsal zwischen fetten Schlickpolstern. Als wir zurückkehrten, öffneten Frauen Austern um die Wette, Marie-Claire, Pascale, Vivienne und Danielle. Eifer, zwei Dutzend Austern auf schnellstem Weg tödlich zu verwunden. Der  Zauber war hin. Danielle verletzte sich, und ihr Blut floss in die Auster. Sie wurde disqualifiziert, es begann zu regnen, ich ging in der Menge verloren. Poliander, rief ich, und K.! Fand sie nicht, eilte die Treppe hinauf nach Saint-Goustan, fand sie nicht, auch nicht in Saint-Sauveur. Zeit verging zwischen Mauern, aus denen Grünzeug quoll. Unten, auf der Brücke beugten Leute sich über den Loch. Die Gezeiten hatten gewechselt, Meer trieb mit Gewalt den flussauf, Strömung saugte sich durchs Flussbett und strudelte um die Brückenpfeiler. Sechs Jugendliche waren mit Kanus den Fluss herabgekommen und hielten sich an der Hafenmauer. Sie mussten raus, rechts unterhalb der Brücke, doch der Strom war gegen sie. Aufregung und Neugier, die Leute schauten, die Kanuten beobachteten die Strömung und rannten mit ihren Booten dagegen. Hier, hier, dicht am Pfeiler, nicht ganz so dicht!, dreimal anrennen, geschickter einfahren, wilder paddeln, einmal, dreimal, schließlich durch. Ein  Junge ließ sich mutwilig zurücktreiben, er machte es nochmal und nochmal. Genug geguckt?, sagt K. hinter mir, und Poliander legte mir die Hand auf den Arm. Nie, sagte ich, lass uns schauen, wo die Musik spielt. Das Meer flutete den Fluss wie Lust die Adern.</p>
<p>Koordinaten: Auray, September 2009.</p>
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		<title>Heilige Anna Mädchenmutter</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 12:19:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>
		<category><![CDATA[Pferdewechsel]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Meer schlägt langsam, es schlägt schwer, es schlägt sanft am 31. August, doch der Wind ist fest und entschlossen. Wenn wir die Mützen nicht festhalten, müssen wir sie abnehmen, sonst sind sie hin. Das ist der letzte Tag im Jahr, an dem wir auf den Leuchtturm steigen können, der heißt Phare St. Mathieu, es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_793" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/09/Pointe-St-Mathieu.JPG"><img class="size-thumbnail wp-image-793" src="http://www.poliander.de/files/2009/09/Pointe-St-Mathieu-150x150.jpg" alt="Pointe St. Mathieu" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Pointe St. Mathieu</p></div>
<p>Das Meer schlägt langsam, es schlägt schwer, es schlägt sanft am 31. August, doch der Wind ist fest und entschlossen. Wenn wir die Mützen nicht festhalten, müssen wir sie abnehmen, sonst sind sie hin. Das ist der letzte Tag im Jahr, an dem wir auf den Leuchtturm steigen können, der heißt Phare St. Mathieu, es ist ein so blauer Tag, so strahlend, mein Begleiter fotografiert die Inseln, die Felsen im Meer, die Klippen, an denen aus Seeleuten Fische werden, und das ist ist kein Spaß, sondern tödlich. <span id="more-759"></span>Wer dem Wind nicht traut, der plötzlich ausbricht, dass die Haare flattern wie Fahnen, lehnt sich an die Turmwand und lässt die anderen Touristen vorbeischleichen, handnah, denn der begehbare Ring um den Turmgipfel ist schmal. Ein Junge steht bereit, das Meer zu erklären, er erklärt, er lächelt, er wartet, dass wir gehen und er im Windschatten die Zigarette entzünden kann. Mais fumez! Morgen sind seine Ferien zu Ende, morgen ist der Turm geschlossen, und im nächsten Sommer die Schule vorbei, er geht studieren, Bonne chance!, rufen wir im starken Wind, Bonne voyage! Schon sind wir mit unserem Französisch am Ende. Unten am Turm die Klosterruine, unten am Turm die Kirche, der Brunnen, das Militärgelände, Défense d&#8217;entrer, das Radar, und auch das Radar hat seinen Turm.</p>
<p>An der Kirche, die steht noch, finden wir die Geschichte der Heiligen Tanguy und Haude. Haude und Tanguy waren Geschwister. Tanguy glaubte der Stiefmutter, die Haude verleumdete, worin wohl verleumdet eine Stiefmutter in der Legende ein Mädchen? Nein, es wird nicht erzählt. Tanguy enthauptete die Schwester. Als er seinen Fehler und ihre Tugendhaftigkeit bemerkte, tat er Buße, wurde Mönch, erbaute auf Geheiß des großen Heiligen St. Pol Aurelian ein Kloster, St. Mathieu. Hier ist es, Ruine, durch deren Dachöffnung ohne Dach der gleichgültige Himmel scheint, zwischen den Mauern ist der Radarturm sichtbar, sie überragend.</p>
<div id="attachment_763" class="wp-caption alignleft" style="width: 187px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/09/Bretonische-Anna.JPG"><img class="size-medium wp-image-763" src="http://www.poliander.de/files/2009/09/Bretonische-Anna-177x300.jpg" alt="Anne et Marie, en Bretagne" width="177" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Anne et Marie, en Bretagne</p></div>
<p>Tanguy, wurde vom Ehrenmörder nun auch zum großen Heiligen, Türme heißen nach ihm. Über die Heilige Haude erfahre ich hier nichts weiter, erst später, ohne kirchliche Hilfe finde ich ihren Namen als den einer <a href="http://www.landunvez.fr/rubrique.aspx?idrub=16&amp;id=28">Quelle</a>. Hier ist Tanguys Kirche, darin Introun Varia ar Chras, Notre Dame de Grace, die am ersten September Pardon gewährt. Die Kirche ist klein, bröckelnd, schlecht gelüftet, es riecht nach Schimmel, Algen, Frömmelei, und ihre erste Attraktion ist ein Automat, an dem man nicht Süßigkeiten, sondern religiöse Traktate zieht, der katholische Westen, ich kann was lernen. Ich drehe mich weg, soll das doch fotografieren, wer will. Da trifft mich ihr Blick. Ich  erkenne sie nicht gleich, weil ich das Kind nicht erkenne, das Mädchen, das ein sternenbesetztes Buch in Händen halt. Ich muss auch was lernen. &#8220;Santez Anne&#8221;: Das gelehrte Mädchen ist Maria, nicht Haude; die Frau, die ihre Hände faltet über die kluge Nachkommenschaft, ist <a href="http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_464.html">Anna, biblische Spätgebärerin</a>. Bisher kannte ich sie <a href="http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_467.html">selbdritt</a> mit Maria auf dem Schoß, die ihrerseits Annas Enkel, Jesus, hält, oder mit Joachim, ihrem Mann, an der Goldnen Pforte, wo sie einander ihr geheimes Wissen sagten, um ein spätes Kind, Maria eben. Ich werde Sainte Anne noch oft treffen, in der Bretagne, wo sie sich vermischt mit der großen Königin, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anne_de_Bretagne">Anne de Bretagne, Anna Breizh</a>, immer wieder mit Maria, Maria als Halbwüchsiger, Maria in der Pubertät, oft Maria mit hochgereckten Armen, die Hände verbunden mit denen Annas, der heiligen Mädchenmutter, die ihr Mädchen nicht hindert, forsch auszuschreiten, die Lieblingsheilige des Finisterre, das auf bretonisch nicht das Ende der Welt bedeutet, sondern Pen-ar Bed: ihren Anfang.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Pointe_Saint-Mathieu">Pointe St. Mathieu</a>. Als das Christentum in die Bretagne kam. Als ich die Heilige Mädchenmutter sah.  <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Pointe_Saint-Mathieu"><br />
</a></p>
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		<title>Das Katzenglück</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/08/16/das-katzengluck/</link>
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		<pubDate>Sun, 16 Aug 2009 14:27:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>

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		<description><![CDATA[Es fing mit dem Winter an. Es war Winter, es war Wetter, bald nach Neujahr, ich fuhr nach Leipzig. Poliander saß mir im Nacken, arbeiten, sagte P., weniger zaudern. Ich kränkelte, P. ließ es nicht gelten. Vom Bahnhof ging ich zu Fuß, sie, die ich sprechen wollte, hatte gesagt, ich könnte zu Fuß gehen. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_703" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/08/Zwei-Katzen-bei-Frau-Scharff.JPG"><img class="size-medium wp-image-703" src="http://www.poliander.de/files/2009/08/Zwei-Katzen-bei-Frau-Scharff-300x176.jpg" alt="Foto: Frau Scharff" width="300" height="176" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Frau Scharff</p></div>
<p>Es fing mit dem Winter an. Es war Winter, es war Wetter, bald nach Neujahr, ich fuhr nach Leipzig. Poliander saß mir im Nacken, arbeiten, sagte P., weniger zaudern. Ich kränkelte, P. ließ es nicht gelten.<br />
Vom Bahnhof ging ich zu Fuß, sie, die ich sprechen wollte, <span id="more-689"></span>hatte gesagt, ich könnte zu Fuß gehen. Ich ging mit der Kirche ums Dorf. Typisch, sagte Poliander, mein Schatten, der an mir hing: Das machst du extra, Eindruck schinden, zerrauft ankommen, wie wäre es mit Löchern in den Schuhn?<br />
Ich hatte eine Flasche Wein von der Art, die wir in den zwölf Nächten getrunken hatten. Typisch, sagte P., für den roten Spanier bist du nie zu krank. Das war jetzt aber richtig gelogen, denn ich war gar nicht richtig krank, ich verbot P. den Mund und klingelte an der hohen Tür. Da stand sie, die ich befragen wollte, und vier Katzen rannten in ein Zimmer. Die Frau rief sie mit ägyptischen Namen, Namen von Göttern. Zwei waren schwarz, zwei gestreift, eine von denen eine Glückskatze. So sagte sie. Glückskatzen sind Katzen mit drei Farben.<br />
Sie, die ich sprechen wollte, war so aufmerksam, womöglich würde sie sogar P. ein Glas hinstellen. Die Katzen strichen um den Tisch, eine sprang drauf, Müsst ihr mich blamieren?, sagte nachsichtig ihre Herrin. Alles war mild hier, fein und von Hand gemacht, wir verglichen unsere Leben. Poliander hielt endlich den Mund, P. ist eine Beschatterin, aber wenn sie die Geschichten anderer Leute zu hören bekommt, wendet sie ihre Aufmerksamkeit von mir ab. Sie lebt von Geschichten, könnte man sagen. Ärgerlich, dass P. selbst nicht schreibt, nichts notiert, meine ich. Wie viel genauer könnte ich fragen, wenn P. mir das Notieren abnähme, aber sie ist stolz, keine Sekretärin, sagt sie.<br />
Die Katzen mit ihrem sachten, starken Atem brachten einen Schmuck in Bewegung, der an der Wand hing, sie gingen wild auf langen Beinen und mit tiefen Schritten, aber behutsam, nichts fiel. Die Frau der Katzen handelt mit Schmuck und andrem magischen Ding, doch sie ist auch eine Frau der Worte, die in Büchern geronnen sind. Später schwang die Tür auf zur Kammer, in der ich schlafen durfte, die Katzen wies sie von der Schwelle. Draußen ging der Leipziger Himmel vorbei, P. nickte im Flechtstuhl, die Katzen im Flur hatten einen Baum mit Fächern, in denen sie liegen konnten, eine immer über der andren. Aber auch sie schliefen nicht, das ist ihr Wesen, am Morgen saßen sie vor den Türen, zwei vor dem Zimmer ihrer Frau, aufrecht wie Bastet, zwei vor der Kammer. Als wir das Interview machten, legten sie sich breit auf mein Manuskript. Sie liegen gern auf Papieren, hörte ich ihre Herrin sagen. Sie klappte ihre Geschichten für mich auf, es war ein Glückstag.</p>
<p>Zurück in B.: Mir träumte von kleinen Katzen, erst sah ich zwei in meiner linken Hand, dann vier in der rechten. Sie reckten ihre Beine und dehnten sich vergnügt. Noch nie hatte ich so schön von Katzen geträumt. Poliander strich sich zufrieden die Unterlippe.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.frauscharff.de">Frau Scharff</a>, Leipzig 2009<br />
Lesen: Ulrike Gramanns Porträt von Frau Scharff, die <a href="http://www.monaliesa.de/">MonaLIESa</a> gründete, <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/156006.frau-scharffs-drittes-leben.html">die Magie der schönen Dinge kennt</a> und mit Katzen spricht, erscheint am 19. September im &#8220;Neuen Deutschland&#8221; und ist hier <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/156006.frau-scharffs-drittes-leben.html">nachzulesen</a>.</p>
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