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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Kreuzweg</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Polianders Märchengeschenk</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 23:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>

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		<description><![CDATA[Brüder Grimm: Der Dreschflegel vom Himmel Es zog einmal ein Bauer mit einem Paar Ochsen zum Pflügen aus. Als er auf den Acker kam, da fingen den beiden Tieren die Hörner an zu wachsen, wuchsen fort, und als er nach Haus wollte, waren sie so groß, daß er nicht mit zum Tor hinein konnte. Zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3749" class="wp-caption alignleft" style="width: 178px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/12/morlaix-haus-von-anne-de-bretagne.jpg"><img class="size-medium wp-image-3749" src="http://www.poliander.de/files/2011/12/morlaix-haus-von-anne-de-bretagne-168x300.jpg" alt="Wir erzählen dir was" width="168" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Wir erzähln Ihnen was</p></div>
<p><strong>Brüder Grimm: Der Dreschflegel vom Himmel</strong></p>
<p>Es zog einmal ein Bauer mit einem Paar Ochsen zum Pflügen aus. Als er auf den Acker kam, da fingen den beiden Tieren die Hörner an zu wachsen, wuchsen fort, und als er nach Haus wollte, waren sie so groß, daß er nicht mit zum Tor hinein konnte. Zu gutem Glück kam gerade ein Metzger daher, dem überließ er sie, und schlossen sie den Handel dergestalt, daß er sollte dem Metzger ein Maß Rübsamen bringen, der wollt ihm dann für jedes Korn einen Brabanter Taler aufzählen. Das heiß ich gut verkauft! <span id="more-3745"></span>Der Bauer ging nun heim, und trug das Maß Rübsamen auf dem Rücken herbei; unterwegs verlor er aber aus dem Sack ein Körnchen. Der Metzger bezahlte ihn, wie gehandelt war, richtig aus; hätte der Bauer das Korn nicht verloren, so hätte er einen Brabanter Taler mehr gehabt. Indessen, wie er wieder des Wegs zurückkam, war aus dem Korn ein Baum gewachsen, der reichte bis an den Himmel. Da dachte der Bauer &#8220;weil die Gelegenheit da ist, mußt du doch sehen, was die Engel da droben machen, und ihnen einmal unter die Augen gucken.&#8221; Also stieg er hinauf und sah, daß die Engel oben Hafer droschen, und schaute das mit an, wie er so schaute, merkte er, daß der Baum, worauf er stand, anfing zu wackeln, guckte hinunter und sah, daß ihn eben einer umhauen wollte. &#8220;Wenn du da herabstürztest, das wär ein böses Ding&#8221; dachte er, und in der Not wußt er sich nicht besser zu helfen, als daß er die Spreu vom Hafer nahm, die haufenweis da lag, und daraus einen Strick drehte; auch griff er nach einer Hacke und einem Dreschflegel, die da herum im Himmel lagen, und ließ sich an dem Seil herunter. Er kam aber unten auf der Erde gerade in ein tiefes tiefes Loch, und da war es ein rechtes Glück, daß er die Hacke hatte, denn er hackte sich damit eine Treppe, stieg in die Höhe und brachte den Dreschflegel zum Wahrzeichen mit, so daß niemand an seiner Erzählung mehr zweifeln konnte.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/220">Brüder Grimm</a>, <a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/754/1">Märchen im Projekt Gutenberg</a>, <a href="http://woerterbuchnetz.de/DWB/">Grimmsches Wörterbuch online</a></p>
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		<title>Precious Liquids, Reminiszenz</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 19:10:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Gegend]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Du darfst nicht über die Brücke gehn!&#8221; Du darfst nicht über die Brücke gehen. Der schmale Fluss, mehr als ein Bach, im Park, jenseits der baufälligen Brücke (sie ist baufällig) ein verschlossenes Tor. Woher ich das weiß, ich weiß es nicht, die Leute sagen es. Ich nehme die Kamera. Eine Frau mit Kinderwagen kommt, zögert, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3401" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/10/flüssiges-laufen.jpg"><img class="size-medium wp-image-3401" src="http://www.poliander.de/files/2011/10/flüssiges-laufen-300x224.jpg" alt="Auch die Luft verflüssigt." width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Auch die Luft verflüssigt.</p></div>
<p>&#8220;Du darfst nicht über die Brücke gehn!&#8221; Du darfst nicht über die Brücke gehen. Der schmale Fluss, mehr als ein Bach, im Park, jenseits der baufälligen Brücke (sie ist baufällig) ein verschlossenes Tor. Woher ich das weiß, ich weiß es nicht, die Leute sagen es. Ich nehme die Kamera. Eine Frau mit Kinderwagen kommt, zögert, ich senke die Kamera, ich habe Zeit heute genug gearbeitet, ich mache ein Foto, als sie vorbei ist, ich fotografiere schlecht, nur zur Erinnerung. Ich gehe tiefer in den Park, da sind Stimmen über dem Wasser und dem selbst unterm bewölkten Himmel goldflüssigen Laub, Goldfluss wie Blutfluss. <span id="more-3391"></span>Die Stimmen sind, kein Zweifel, künstlich, das hat eine Frau gemacht, denke ich (zwei, um genau zu sein), ich gehe weiter, es ist so feucht, die Stimmen werden lauter. Gänse landen, die Vögel schwimmen in Richtung der Stimmen, gehen nicht ans Ufer. Ein Mann mit albernem Riesenroller und ernstem Riesenhund kommt vorbei, er bleibt am Übertragungswagen stehen. Da, das muss das Fischhaus sein, rechts vom Ü-Wagen, Kabel im schlammigen Weg, und links eine Brücke, wieder, deren Tragebalken mit ein paar schräg liegenden Brettern bedeckt sind, &#8220;Brücke baufällig! Nicht betreten!&#8221;, als ob man das nicht sähe, dass kein Fuß aus Fleisch und Blut hier drüber geht, drunter das Wasser, grünlich, freigesetzt: precious liquids (Louise Bourgeois you remember), Fischhaus-Rückseite, große Planke mit kleinem Öffnungsquadrat, Lautsprecher, gegen die Nässe mit Müllsäcken bedeckt, jetzt halb entblößt, der Ursprung der flüssigen Stimmen. Vielleicht. Eine Frau joggt heran, die Seelen verstummen. Es war nur zur Probe. Ich gehe zur nächsten Brücke, sie führt ans Gatter, der Weg am Gatter führt zur Stadt, kleine Häuser, die Straße hoch, links liegt das Schloss, ich gehe hoch, das Schloss duckt unten, was duckt es sich, es ist ein Schloss. Ich schau runter, ich sehe: Der Fuhrpark ist zu repräsentativ, um vom Vordach verdeckt zu werden. Louise Bourgeois konnte Fließendes auch mit den Mitteln der Eingrenzung zeigen.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.poliander.de/2009/04/24/im-feuchten/">Feuchte Gärten Privatbesitz</a>, Liquid Souls: Komposition im Auftrag des SWR bei den <a href="http://www.swr.de/donaueschingen">Donaueschinger Musiktagen 2011</a>, Urheberinnen: Claudia Brieske, Franziska Baumann. <a href="http://www.centrepompidou.fr/education/ressources//ENS-bourgeois-EN//popup08.html">Precious Liquids</a>.</p>
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		<title>Loibls Buchstabenkunst 2</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/12/13/loibls-buchstabenkunst-part-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 13 Dec 2010 07:44:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerk]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Innsbrucker Platz in Berlin ist ein leerer Ort, eine Kreuzung, nach der zwei Bahnhöfe und mehrere Haltestellen benannt sind. Wer nachts über den Innsbrucker Platz kommt, fühlt stärker die Leere des Weltraums als die Fülle des Sternenhimmels. Als man bei der Erzdiözese Freiburg 2009 zeitgenössische Krippendarstellungen suchte, reichte Ruth Loibl eine graphische Arbeit mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2253" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-innsbrucker-platz-II-detail1.jpg"><img class="size-medium wp-image-2253" title="loibl innsbrucker platz II detail1" src="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-innsbrucker-platz-II-detail1-300x219.jpg" alt="Innsbrucker Platz II Detail" width="300" height="219" /></a><p class="wp-caption-text">Ruth Loibl, Innsbrucker Platz II (Detail)</p></div>
<p>Der Innsbrucker Platz in Berlin ist ein leerer Ort, eine Kreuzung, nach der zwei Bahnhöfe und mehrere Haltestellen benannt sind. Wer nachts über den Innsbrucker Platz kommt, fühlt stärker die Leere des Weltraums als die Fülle des Sternenhimmels. <span id="more-2247"></span></p>
<p>Als man bei der Erzdiözese Freiburg 2009 zeitgenössische Krippendarstellungen suchte, reichte Ruth Loibl eine graphische Arbeit mit dem Titel &#8220;Innsbrucker Platz&#8221; ein: sechs Spalten Gedrucktes, die Zeichnung zeigt eine Zimmerecke, die sich nach zwei Seiten öffnet, kariertes Bettzeug, unter dem man einen Fuß ahnt, altmodisch gemustertes Linoleum, das Dahinter verstellt von Wänden. Die Zeichnung kann ohne den Text nicht sein, in dem Leute reden, über den Laden, der so lange leer stand, der eine Geschichte hat, der jetzt hell erleuchtet ist, in dem eine Frau lebt mit einem Kind, die lacht und telefoniert. Es könnte auch anders sein, sagt das Reden. Das Reden wiederholt auch, was in Medien berichtet wurde: &#8220;Andere wie sie, die sperren sich in der Toilette ein und plötzlich ist ein Kind da. Keiner will etwas gemerkt haben, niemand, ein Kind aus dem Nichts. Nein, aus ihrem Bauch. Gott weiß, wie es hinein gekommen ist.&#8221; Ein nahezu leerer Raum, Gerede über Frauen, die ihre Kinder töten: Kann das eine Weihnachtskrippe sein? Einen Preis hat Loibl mit ihrer leisen, sturen Provokation nicht gewonnen. Jede kann sich selbst fragen, ob sie das wundert.</p>
<p>Im Frühling 2010 zeigt Loibl im Kloster Hegne am Bodensee die Ausstellung &#8220;vom lachen und vom vergessen&#8221;. Es stürmt am 28. Februar, dem Tag der Eröffnung, die Wellen tragen Kämme. Das Kloster wirkt, dem starken Wind ausgesetzt, exponiert. Später am Tag bricht in Teilen Baden-Württembergs der Bahnverkehr zusammen. Zwei katholische Schwestern kommen aus Richtung des Klosters auf mich zu, und ihre Silhouette im Gegenlicht gleicht dem Umriss von zwei älteren türkischen Frauen, die sich in ihren langen Mänteln und großen Kopftüchern zueinander beugen und unterhalten. Dies weckt ein vertrautes Gefühl, als ginge ich über die Hauptstraße in Berlin-Schöneberg. Vor dem Kloster überquere ich eine ziemlich befahrene Straße; von der aufgeweichten Grasnarbe diesseits rette ich mich hinüber zum Klosterfriedhof. Das Tor des Gottesackers ist verschlossen. Ich umgehe ihn und finde das eigentliche, moderne Klostergebäude und Tagungshaus oberhalb zugiger Parkplätze. Als ich auf dem Vorplatz ankomme, bricht für einen Augenblick die Sonne durch. Kontakt zum Mobilfunknetz gibt es nicht. Am Empfang sagt eine blonde Frau, die Ausstellung sei doch &#8220;hier, überall&#8221;. Und hier ist auch der &#8220;Innsbrucker Platz&#8221;, gezeichnet, gedruckt. Die Schwestern im Kloster scheinen, als sie später die Bilder ansehen, mehr getroffen als provoziert.</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p>Koordinaten: 52° 33&#8242; N, 13° 22&#8242; O und 47° 43&#8242; N, 9° 4&#8242; O</p>
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		<title>Wilde Hochzeit</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 14:15:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>
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		<description><![CDATA[Die erste Lieferung ist ausverkauft! Die neue Lieferung kann bestellt werden. &#8220;Was die Dörfler nicht hören: wie sie sich einmischt, Venus, die verflixte Göttin, wie sie Bertschi ins Ohr bläst: &#8216;Möchtest du entflammen, möchtest du verzehrt werden von Liebe zu mir und von Sehnsucht.&#8217; Das flüstert sie in Bertschis linkes, das heidnische Ohr.&#8221; (aus: Meetchens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1683" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/08/metzli_rück.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1683" src="http://www.poliander.de/files/2010/08/metzli_rück-150x150.jpg" alt="Buchrückseite mit Stempel" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Von Hand und einzeln gedruckt: die Musiker (Bildrechte: C. Schwiegk)</p></div>
<p style="text-align: left"><strong>Die erste Lieferung ist ausverkauft!<br />
Die neue Lieferung kann bestellt werden.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: left">&#8220;Was die Dörfler nicht hören: wie sie sich einmischt, Venus, die verflixte Göttin, wie sie Bertschi ins Ohr bläst: &#8216;Möchtest du entflammen, möchtest du verzehrt werden von Liebe zu mir und von Sehnsucht.&#8217; Das flüstert sie in Bertschis linkes, das heidnische Ohr.&#8221;<em> (aus: Meetchens Hochzeit von Ulrike Gramann)</em></p>
<p><strong><span id="more-1679"></span>Die wilde, unanständige, gewalttätige und am Ende auch lehrreiche<br />
Geschichte von Meetchens Hochzeit</strong></p>
<p>nach Motiven aus Wittenwilers Ring neu erzählt von Ulrike Gramann</p>
<p>Ausgabe mit handgeschöpftem Umschlag und anderen feinen Details<br />
Bestellung gern <a href="http://www.poliander.de/ueber/">direkt bei mir</a> oder genauso gern bei der <a href="http://www.buchbinderei-schwiegk.com/shop/article_12/Die-wilde%2C-gewaltt%C3%A4tige-und-am-Ende-auch-lehrreiche-Geschichte-von-Meetchens-Hochzeit.html?shop_param=cid%3D5%26aid%3D12%26">Edition LILINI</a></p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.poliander.de/2010/06/18/meetchens-hochzeit-ist-da/">anderer kleiner Auszug</a></p>
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		<title>Geheimnisvoller Besuch &#8211; Vodou in Berlin</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Jul 2010 13:55:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist einer dieser schwülen Tage, an denen man schwitzt, obwohl man friert, an denen auf Gewitterwolkendunkelheit spitzes, weißes Licht folgt, wechselnd und wieder von vorn. Kein Jogger rennt durch die Sonntagsmittagsöde der Archivstraße im bürgerlichen Süden, gleich hinter jener Kreuzung mit Gartenlokal, wo sich Schnauzbebartete und Damen im Blumenkleid zum Dixieland-Frühschoppen treffen. Also die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1647" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/07/Bizango-des-Kreuzwegs.jpg"><img class="size-medium wp-image-1647" title="Bizango des Kreuzwegs (Bild: Staatliche Museen Berlin)" src="http://www.poliander.de/files/2010/07/Bizango-des-Kreuzwegs-199x300.jpg" alt="Bizango des Kreuzwegs (Bild: Staatliche Museen Berlin)" width="199" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Bizango des Kreuzwegs (Staatliche Museen Berlin, Pressefoto)</p></div>
<p>Es ist einer dieser schwülen Tage, an denen man schwitzt, obwohl man friert, an denen auf Gewitterwolkendunkelheit spitzes, weißes Licht folgt, wechselnd und wieder von vorn. Kein Jogger rennt durch die Sonntagsmittagsöde der Archivstraße im bürgerlichen Süden, gleich hinter jener Kreuzung mit Gartenlokal, wo sich Schnauzbebartete und Damen im Blumenkleid zum Dixieland-Frühschoppen treffen. Also die Archivstraße, vorbei am Preußischen Geheimen Staatsarchiv, an dem jedoch ein Blick hinauf zum preußischen Adler nicht schaden kann, der hier wie ein aufgescheuchtes Huhn die Beine hebt, dem gleich der Hals abgeschlagen wird. Zauberei!, oder wozu braucht man Hühnerblut? Da hat er Glück, der Adler, Relief und Stein.  Poliander und ich gehen nach Dahlem Dorf, bürgerlich und akademisch, nur Dorf, das grade nicht, und noch ein paar Schritte weiter, endlich, finden P. und ich das Ethnologische Museum. Es ist warm, zu warm, jedes Stockwerk wird es wärmer, wenn auch nicht so warm, wie es sein sollte, dass wir uns fühlen wie auf Haiti. Der Eingang nach Haiti befindet sich hinter dieser Tür, hinter Vorhängen aus dunklem, flauschigem Zeug. Durch die muss man sich erst einmal winden. Und dann steht man in der feuchten Kälte einer Klimaanlage, konservatorische Gründe? Haitianische Objekte sind Hitze und Kummer gewohnt. P. zieht mich zu den Bildern, P.  kommt ja auch nicht aus dieser Welt, zuerst, will P., sollen wir auf dieses Video schauen, auf die weißgekleideten Leute, die tanzen, Röcke schwingen, trommeln, ernsthaft, routiniert, in Trance, in ihrem Rücken, in ihrer Mitte der geschmückte Baum oder Pfahl: ein Mittelpunkt einer Welt,  der Pfahl ist der Weg, der zu den Geistern führt, sie und wen noch?, uns verbindet. Abseits der Stier, dem gleich die Kehle durchschnitten wird. <span id="more-1639"></span>Die <a href="http://www.museumsportal-berlin.de/startseiteninhalte/ausstellungen/die-kunst-des-vodou.html">Ausstellung</a> handelt von heiligen Gegenständen, Gegenständen mit Zweck, der geheim ist, handelt von Leuten, die in einem Wasserfall stehen, sitzen, sich die Sachen vom Körper ziehen, die das zu einem ferneren Ende tun, nicht grad der körperlichen Reinigung wegen, untrennbar von anderen Zwecken: auch ihr zuliebe.</p>
<p>Wir gehen und sehen die Dinge, die auch Personen sind oder Wesen, mit ihnen zu kommunizieren wäre wie ein Telefonat in die andere Welt. Sie sind hier doch auch fremd! Eine ordnende Hand hat sie zueinandergestellt, dass ihnen nicht so kalt ist, bei dieser Klimaanlage, bei uns Fremden, die wir nur schauen. Wenigstens hat keiner sie geputzt und niemand von ihren Füßen den Staub des Gehens von Welt zu Welt und die getrockneten Spuren der Opfergaben, der Bitten, der Benutzung entfernt. So bleiben sie warm in sich. Die Kunst: Liebe und Mühe haben die Perlenschnüre auf die Flaggen genäht, die man für Rituale und Feste benötigt, die geschwenkt werden, in Bewegungen, die genau richtig sind, nicht sparsam, nicht pathetisch. Die Sorgfalt hat dicke Futterformen unter die Perlen genäht, die Flaggen sind bunte, comicartige Reliefs. Die Leute setzen ein, was sie haben, Textilien, Beton, Knochen, Schädel. Und so weiter, es ist alles eins, es ist alles zusammen, und die Figuren der Geister sind die Geister und trotzdem das von Menschenhand Genähte, Bestickte, mit Spiegelchen Versehene. Es ist arme Kunst, für die genommen wird, was eben da ist, es ist reiche Kunst, für die gefunden wird, was sich eignen, sich anverwandeln kann.</p>
<p>Das Gemischte: Erzulie Dantor ist Göttin, Geist und die schwarze Madonna von Czestochowa, sie liebt Kinder über alles, sie ist eine Freundin. Das sind Geschichten, die über sie umlaufen. Eine von ihnen ist in Dahlem, jetzt. Erzulie Freda, die hilft den unglücklich Liebenden, sie ist eine Babypuppe, und sie ist selbst unglücklich verliebt. Kraze Bize, ein Iwa, ein Geist des Todes, der ein Gesicht hat, zur Hälfte ein Schädel, der eine Sonnenbrille trägt, mit nur einem Glas, das andere Auge ist leer: weil er in diese und in jene Welt schauen kann. Das Gemischte: das Geistige und das Praktische. Große Flaschen und Pakete mit Sättigung aus der, von der anderen Welt, für diese und die andere. Flaschen, die gehörnt sind, Flaschen mit Elixieren, die an ihrem oberen Ende Messer und Gabel haben, damit die Geister sich ihrer bedienen beim Essen. Das Gemischte: barocke Spiegel, die überformt sind mit Dingen des Vodou. Das Gemischte: die Liebe und die Macht, die Revolution, die von den Geheimnisgesellschaften gemacht wurde, der Machtmissbrauch, der sich dieser Formen bediente, die der Ermächtigung der Ohnmächtigen dienten. Poliander stößt mich an: ein halbdunkler Raum, in dem die Spiegelchen von den roten Kleidern der Bizango-Armee leuchten. Es ist nicht wie im Kino, es ist wie im Traum. Aber wir vergessen nicht ganz, dass wir in Dahlem sind, Berlin, Westberlin, genau zu sein. Wir vergessen nur die Zeit, den Rückspazierweg, das Eisessen. Das hat Zeit. Wir gehen lieber noch einmal zurück, noch einmal durch die Zimmer, wir schauen noch einmal in die Gucklöcher, hinter denen eine jenseitige Welt liegt oder das Nachbarzimmer, der Nebenschauplatz, das Zentrum der Welt, wo alles anders ist, handgemacht, gebraucht, wo die Gehörnten sind und die Zauberspiegel und die drei Babies aus Stoff, die ungelenk auf ihrem Stuhl klemmen und wahrscheinlich machtvolle Geister sind. Wahr schein lich. Gehen Sie hin, der Oktober kommt schneller, als man meint.</p>
<p>Koordinaten: Haiti in Dahlem, 52° 27&#8242; 29&#8221; N, 13° 17&#8242; 32&#8221; O, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologisches_Museum">Ethnologisches Museum</a>, 18. Mai bis 24. Oktober 2010<br />
Anderswo lesen: <a href="http://www.lettre.de/archiv/88-Gold.html">Herbert Gold über Haiti in Lettre International Nr. 88</a></p>
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		<title>Meetchens Hochzeit ist da</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/06/18/meetchens-hochzeit-ist-da/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 09:31:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Lockung]]></category>
		<category><![CDATA[Raumflug]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Die Mädchen an der Quelle beichten nicht, was sie hier tun. Eine heißt Meetchen, die Leute reden über sie. Meetchen hat schwarze Zähne, sagen die Leute, die sollten weiß sein. Rissige Hände mit erdfarbnen Fingern, die sollten glatt sein und zart, einen Zopf wie ein Mauseschwanz, einen Kropf, einen krummen Rücken, der ist ein Geburtsfehler, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1673" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/06/metzli-vorn.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1673" src="http://www.poliander.de/files/2010/06/metzli-vorn-150x150.jpg" alt="Meetchens Hochzeit" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Meetchens Hochzeit (Bildrechte: C. Schwiegk)</p></div>
<p>&#8220;Die Mädchen an der Quelle beichten nicht, was sie hier tun. Eine heißt Meetchen, die Leute reden über sie. Meetchen hat schwarze Zähne, sagen die Leute, die sollten weiß sein. Rissige Hände mit erdfarbnen Fingern, die sollten glatt sein und zart, einen Zopf wie ein Mauseschwanz, einen Kropf, einen krummen Rücken, der ist ein Geburtsfehler, und sie hat einen breiten und einen schmalen Fuß, so dass sie hinkt. Das sagen die Leute. Zerrauft ist sie, aber fleißig. Die Leute sagen auch, dass sie eine Häxe ist, mit Schmetterlingen im Bund, Augen wie Nebel über dem See, Atem, der nach Schwefel riecht. Die Leute fragen, was hat die unterm Kleid, und warum hinkt sie?&#8221;</p>
<p style="text-align: right"><em>(aus: Meetchens Hochzeit von Ulrike Gramann)</em><span id="more-1475"></span></p>
<p><strong>Die wilde, unanständige, gewalttätige und am Ende auch lehrreiche<br />
Geschichte von Meetchens Hochzeit</strong><br />
nach Motiven aus Wittenwilers Ring neu erzählt von Ulrike Gramann</p>
<p>Soeben am 11. Juni 2010 erschienen in der <a href="http://www.buchbinderei-carla-schwiegk.de/seite1.html">Edition LILINI (Carla Schwiegk)</a><br />
Besonders schöne Ausgabe mit handgeschöpftem Umschlag<br />
Direkt erhältlich bei der <a href="http://www.buchbinderei-carla-schwiegk.de/Kontakt.html">Editorin</a>. Bestellungen können aber auch <a href="http://www.poliander.de/ueber/">an mich</a> gerichtet werden.</p>
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		<title>Netze auswerfen, was von früher drin finden</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 19:26:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>

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		<description><![CDATA[Alle suchen im Netz: Kindheitsfreunde, Bewerberinnen, neue Geliebte, alte Feinde. Finden, was hilft. Polianders Freundin ist keine irre Sucherin. Menschen findest du, sagt sie, doch überall. Poliander will wissen, ob sie auch überall findet, was vormals über die Zeit half, über den Kummer, der im Kinderzimmer saß, eingeklemmt zwischen Bett und Schrank, Arm in Arm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle suchen im Netz: Kindheitsfreunde, Bewerberinnen, neue Geliebte, alte Feinde. Finden, was hilft. Polianders Freundin ist keine irre Sucherin. Menschen findest du, sagt sie, doch überall. Poliander will wissen, ob sie auch überall findet, was vormals über die Zeit half, über den Kummer, der im Kinderzimmer saß, eingeklemmt zwischen Bett und Schrank, Arm in Arm mit der langen Weile. Nein, sagt Polianders Freundin, hier, greift ins Regal, zwischen die Bibel und das Buch von den frommen Bürgern zu Erfurt, greift ein handliches Büchlein, früher hatte es eine glänzende Hülle mit einem gemalten Blumenkranz. Die ist weg. Der grau-fleischfarbene Leineneinband der Holzlandsagen blieb zurück, verfärbt, fleckig, auf dem verstockt braunen Vorsatzpapier steht, schwungvoll geschrieben, noch der Preis: 6,30, viel für so ein schmales Bändchen im Jahr 1968. Das Papier ist was besser als das der alten Hefte Reclamleipzig. Es ist dick, mürbe und hält. Die Fadenheftung zeigt Fadenschein. Auslieferung Max Kessler Jena, für den Kulturbund Gera. <span id="more-1101"></span></p>
<p>Polianders Freundin war sieben, als das Buch erschien, in fünfter Auflage, in den Haushalt muss es später gekommen sein, als sie die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm schon in- und auswendig kannte. Die Geschichten waren glaubhaft, denn zum Beispiel kannte Polianders Freundin den Eichbaum an der Straße nach Eisenberg. &#8220;Tiefste Waldesstille ringsum!&#8221; Ab und zu kam der Bus. Das konnte der Erzähler naturgemäß nicht wissen, der die Sage in den 1860er Jahren aufschrieb. &#8220;Das ist die uralte Jakobseiche.&#8221; Polianders Freundin schätzte den Baum auf 60 Jahre. Das war einfach logisch, denn die Jakobseiche, stand in den Holzlandsagen, wurde am 19. März 1910 gefällt und bald danach durch eine junge ersetzt. Und die Wege des Waldes bildeten hier, denn Polianders Freundin wusste genau, wo es war, einen Kreuzweg mit der Straße. &#8220;Den nächtlichen Wanderer äfft in der Nähe der Jakobseiche oft trügerischer Spuk.&#8221; In den Zweigen des Baumes flattert nämlich die Wäsche, die die Geister des Waldes zum Trocknen aufgehängt haben. Wehe dem, der eines der Stücke an sich nimmt! Nicht nur, dass der Karren immer schwerer wird, auf dem der Sack mit der Wäsche liegt, am Ende springt ein Männlein heraus und auf die Ofenbank, sitzt fest, nicht einmal der Pfarrer vermag es mit heiligen Sprüchen zu vertreiben. Erst der Scharfrichter aus Zeitz weiß die rechte Formel, und bis der kommt, hat das Männlein dort viele Tage gesessen und geschwiegen. (In Zeitz war Polianders Freundin bis heute nicht.)</p>
<p>Was in den Holzlandsagen stand, stimmte. Deshalb legte Polianders Freundin immer ein anderes Buch oben auf den Stapel, ihn zu beschweren. Dass die Geister eines Buchs aus ihm heraus gelesen werden können, stand haarklein in den Holzlandsagen beschrieben. So geschah es in Tautenhain, wo das sechste und siebente Buch Mose in einem Keller an Ketten lag. Diese Bücher enthielten &#8220;alle Lehren des Teufels für seine Anhänger, um reich und glücklich zu werden, alle Schätze der Erde zu erwerben und den Stein der Weisen zu finden, den die Menschen lange vergeblich gesucht haben.&#8221;  Und wenn nun auf eigene Gefahr ein vorwitziger Mensch hinabstieg und las, so kamen immer mehr schwarze Vögel und Käuzchen aus den Seiten geflattert, Feuerfunken und Irrlichter wie im Moor &#8211; Polianders Freundin kannte Moor! &#8211; und glühende Augen, und all das flatterte durch den Keller und setzte sich auf die Schultern des Lesenden und kreischte, knatterte und brauste, dass ihm Hören und Sehen verging. Und als das geschehen und ihm Hören und Sehen vergangen war, buchstabierte er in höchster Not das Buch von hinten nach vorn wieder zurück, um so all die Viecher und feurigen Augen wieder hineinzulesen, tatsächlich, es gelang, und als er noch immer arm, aber heiter aus dem Keller aufstieg, waren zwölf Stunden vergangen, obwohl es ihm kaum eine schien, und die ältesten Leute unter denen, die ihn an der Treppe erwarteten, meinten, er sei dem Zauberwort nahe gewesen! Um keinen Schatz der Welt wollte er noch einmal hinab. Polianders Freundin war ein bisschen naiv. Was Gelehrte längst &#8220;Entzauberung der Welt&#8221; genannt hatten, kam in dem Ort, wo man Flurnamen wie &#8220;An der Hand&#8221; kannte, nicht an. Und sie hatte nicht, was Kritiker &#8220;blühende Phantasie&#8221; nennen. Polianders Freundin suchte ihr Heil im Buchstäblichen, nur dass sie unerschrocken immer vorwärtsbuchstabierte. Es gab mehr zu finden als den Stein von Weisen. Liebe Leserin, lieber Leser, die Geschichte zu einem Ort, der &#8220;An der Hand&#8221; heißt, denken Sie sich selbst!</p>
<p>Wer in den Forst ging, konnte jederzeit auf ein seit dem dreißigjährigen Krieg wüstes Dorf stoßen, wo sie noch immer die Hochzeit feierten, die sie gefeiert hatten, als die Landsknechte kamen. Nur ein mutiges Mädchen, das zu Gast blieb und den Wein der Geister trank, konnte die Gesellschaft erlösen.  Im Forst arbeiteten die Köhler, Holzkohlenmeiler waren ja das verbreitetste Gewerbe. Eines Nachts kam ein Hirsch mit vierzehn Geweihspitzen und stellte sich mitten in die Glut des Meilers, der beherzte Köhler dachte: &#8220;Du wirst dir die Schuhe verbrennen.&#8221; Doch das Tier verbrannte sich nicht und kam immer wieder, und als der Köhler einem Jäger Bescheid sagte, ging dessen Gewehr nicht los, und dem Jäger graute es so, dass er nie wieder an diesen Fleck im Walde ging. Die Köhler übten unverdrossen ihren Beruf, ganz wie die letzten Nonnen des nach der Reformation aufgehobenen Klosters Lausnitz, Farnesia und Anoetnezza, die der Blitz schlug, als sie auf dem Weg zu Kranken im Dorf waren. Und dann noch Waldsachs, der Musikant und das weiße Fräulein vom Schauenforst, und der Klosterhase, die Osterhexe, der Auszug der Zwerge, ganz besonders aber Frau Holle, die bei St. Gangloff mit ihrem Schlitten vorüberkam, direkt neben der Kornmutter, die Getreidediebe vertrieb und mit ihrer heiligen Hand die von den Frevlern umgeworfenen Puppen wieder hinstellte.</p>
<p><em>Poliander:</em> Und das hat dich so beeindruckt?<br />
<em>Polianders Freundin:</em> Weil die Sprache schlicht, genau, altbacken war, der Text durchsetzt mit historischen und geographischen Erläuterungen.<br />
<em>Poliander:</em> Verklärst du die Kindheit?<br />
<em>Polianders Freundin:</em> Neverever, au contraire! Ich beschreibe das Wort, das aus allem hilft.<br />
Poliander: Sprachen wir nicht vom Suchen im Netz?<br />
<em>Polianders Freundin:</em> Du. Ich bin keine irre Sucherin. <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do;jsessionid=8e44dd858b1f520308fa15254283?anyWords=holzlandsagen&amp;author=&amp;title=&amp;lastXDays=-1&amp;itemsPerPage=10">Aber wie du willst, klicke hier.</a></p>
<p>Koordinaten: 50° 55&#8242; 0&#8221; N, 11° 52&#8242; 0&#8221; O und 320 Meter über dem Meer</p>
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		<title>Zwischen Zeiten</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 16:37:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>
		<category><![CDATA[Raumflug]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Heilige zwölf Nächte&#8221;, rief Poliander, &#8220;eilt, das Jahr zu verträumen! Und stürzt nicht in den Spalt, der sich zwischen 9 und 10 auftut!&#8221; Polianders Gefährtin gähnte. &#8220;Auf auf&#8221;, rief Poliander, &#8220;wer in den Zwölfen geborn ist, darf träumen, aber nicht ruhn!&#8221; Polianders Gefährtin wälzte sich faul. &#8220;Rauf dein Haar&#8221;, sprach Poliander, &#8220;Werg oder Blei! Wirf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1077" class="wp-caption alignleft" style="width: 208px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/01/Ludmillas-Lust-im-Garten.JPG"><img class="size-medium wp-image-1077" src="http://www.poliander.de/files/2010/01/Ludmillas-Lust-im-Garten-198x300.jpg" alt="Im Garten von Ludmillas Lust" width="198" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Im Garten von Ludmillas Lust</p></div>
<p>&#8220;Heilige zwölf Nächte&#8221;, rief Poliander, &#8220;eilt, das Jahr zu verträumen! Und stürzt nicht in den Spalt, der sich zwischen 9 und 10 auftut!&#8221;<br />
Polianders Gefährtin gähnte.<br />
&#8220;Auf auf&#8221;, rief Poliander, &#8220;wer in den Zwölfen geborn ist, darf träumen, aber nicht ruhn!&#8221;<br />
Polianders Gefährtin wälzte sich faul.<br />
&#8220;Rauf dein Haar&#8221;, sprach Poliander, &#8220;Werg oder Blei! Wirf um, wer sich dir in den Weg stellt.&#8221;<br />
Polianders Gefährtin rührte träge in dem, was aus der Hennapackung rieselte.<br />
&#8220;Eile doch, streu Beifuß in die Suppe!&#8221;<br />
Gefährtin schmierte das grüne Zeug ins Haar und band den Fetzen Plastik drüber und das zerschlissne Handtuch mit dem Großmuttermonogramm. Überm Schnapsglas schillerte Absinthfeuer, Zucker für die grüne Fee, es gab süßes Dörrobst für die Percht und Mandeln, die Flugreisenden zu füttern.<br />
&#8220;Werg oder Blei?&#8221; schrie Poliander, die Gefährtin griff ihm in den Kragen, &#8220;Sag&#8217;s noch einmal!&#8221;, &#8220;Werg&#8221; sprach Poliander folgsam, &#8220;verlass sie, die Geduld.&#8221; Gefährtin lächelte. &#8220;S dauert, solangs dauert.&#8221; Mond schien, als sie den Freunden unhöflich Fragen stellte, beim Spiel betrog, Öl ins Feuer goss.<br />
Poliander flüsterte: &#8220;Gut, dass wir aufs Land gefahrn sind&#8221;, Schnee floss vom Himmel, vielhändiges Trommeln aus der Lautsprecheranlage, Wüste war Wüste, Schnee oder Sand. &#8220;Werg oder Blei?&#8221;, fragte die Gefährtin und schüttelte den Haarfilz, &#8220;Blei&#8221;, antworteten die Unkundigen und lagen gleich am Boden. Das Wort ruft die Tobsucht. Ums Haus schmolz der Schnee, &#8220;Werg&#8221;, keuchte die Gefährtin, &#8220;Werg heißt die Antwort.&#8221; Sie kämpften. Welt stand Kopf, ein Rauschen, die andern flogen vorbei, die außer der Zeit Gebornen. Gefährtin winkte, Gefährtin tanzte im Schnee, Poliander fing sie, grün spritzte der Schlamm aus den Haarn. Polianders Freunde fassten sich in Yoga, Poliander aber sprach: &#8220;Sie kann nicht anders.&#8221;<br />
Später in der Nacht kämmte die Gefährtin ihr Zerzaustes, das Haar, gingen sie zum Brennesselfeld und zündeten Raketen. Grün splitterte Gestern in den Himmel. Flug, bis Epiphanias das Kind erschien: das neue Jahr.</p>
<p>Koordinaten: Motiv bei Carlo Ginzburg: Hexensabbat. Berlin 1990.  Freier Umgang.<br />
Sehen und hören: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=pHZjabFv4p0">Canzonetta spagnuola</a> (Mienenspiel besiegt Wiedergabequalität)</p>
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