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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Gegend</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Precious Liquids, Reminiszenz</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 19:10:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Du darfst nicht über die Brücke gehn!&#8221; Du darfst nicht über die Brücke gehen. Der schmale Fluss, mehr als ein Bach, im Park, jenseits der baufälligen Brücke (sie ist baufällig) ein verschlossenes Tor. Woher ich das weiß, ich weiß es nicht, die Leute sagen es. Ich nehme die Kamera. Eine Frau mit Kinderwagen kommt, zögert, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3401" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/10/flüssiges-laufen.jpg"><img class="size-medium wp-image-3401" src="http://www.poliander.de/files/2011/10/flüssiges-laufen-300x224.jpg" alt="Auch die Luft verflüssigt." width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Auch die Luft verflüssigt.</p></div>
<p>&#8220;Du darfst nicht über die Brücke gehn!&#8221; Du darfst nicht über die Brücke gehen. Der schmale Fluss, mehr als ein Bach, im Park, jenseits der baufälligen Brücke (sie ist baufällig) ein verschlossenes Tor. Woher ich das weiß, ich weiß es nicht, die Leute sagen es. Ich nehme die Kamera. Eine Frau mit Kinderwagen kommt, zögert, ich senke die Kamera, ich habe Zeit heute genug gearbeitet, ich mache ein Foto, als sie vorbei ist, ich fotografiere schlecht, nur zur Erinnerung. Ich gehe tiefer in den Park, da sind Stimmen über dem Wasser und dem selbst unterm bewölkten Himmel goldflüssigen Laub, Goldfluss wie Blutfluss. <span id="more-3391"></span>Die Stimmen sind, kein Zweifel, künstlich, das hat eine Frau gemacht, denke ich (zwei, um genau zu sein), ich gehe weiter, es ist so feucht, die Stimmen werden lauter. Gänse landen, die Vögel schwimmen in Richtung der Stimmen, gehen nicht ans Ufer. Ein Mann mit albernem Riesenroller und ernstem Riesenhund kommt vorbei, er bleibt am Übertragungswagen stehen. Da, das muss das Fischhaus sein, rechts vom Ü-Wagen, Kabel im schlammigen Weg, und links eine Brücke, wieder, deren Tragebalken mit ein paar schräg liegenden Brettern bedeckt sind, &#8220;Brücke baufällig! Nicht betreten!&#8221;, als ob man das nicht sähe, dass kein Fuß aus Fleisch und Blut hier drüber geht, drunter das Wasser, grünlich, freigesetzt: precious liquids (Louise Bourgeois you remember), Fischhaus-Rückseite, große Planke mit kleinem Öffnungsquadrat, Lautsprecher, gegen die Nässe mit Müllsäcken bedeckt, jetzt halb entblößt, der Ursprung der flüssigen Stimmen. Vielleicht. Eine Frau joggt heran, die Seelen verstummen. Es war nur zur Probe. Ich gehe zur nächsten Brücke, sie führt ans Gatter, der Weg am Gatter führt zur Stadt, kleine Häuser, die Straße hoch, links liegt das Schloss, ich gehe hoch, das Schloss duckt unten, was duckt es sich, es ist ein Schloss. Ich schau runter, ich sehe: Der Fuhrpark ist zu repräsentativ, um vom Vordach verdeckt zu werden. Louise Bourgeois konnte Fließendes auch mit den Mitteln der Eingrenzung zeigen.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.poliander.de/2009/04/24/im-feuchten/">Feuchte Gärten Privatbesitz</a>, Liquid Souls: Komposition im Auftrag des SWR bei den <a href="http://www.swr.de/donaueschingen">Donaueschinger Musiktagen 2011</a>, Urheberinnen: Claudia Brieske, Franziska Baumann. <a href="http://www.centrepompidou.fr/education/ressources//ENS-bourgeois-EN//popup08.html">Precious Liquids</a>.</p>
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		<title>Hinterm Baugerüst eine ganze Welt des Verbrechens</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 20:23:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Stadt ist eine Baustelle. Poliander und Polianders Freundin lachen heute noch jedesmal, erinnern sie sich an jene Düsseldorfer Reisegruppe, die auf der Wilmersdorfer die Altstadt suchte. Diese Stadt hat keine Altstadt. Diese Stadt ist auch nicht alt. Das Mittelalter fand anderswo statt. Und seitdem ist diese Stadt, dieses Konglomerat aus Dörfern, Kiezen, Kleinstädten, eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2971" class="wp-caption alignleft" style="width: 225px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/06/Miss-Marple.jpg"><img class="size-medium wp-image-2971" src="http://www.poliander.de/files/2011/06/Miss-Marple-215x300.jpg" alt="Blick beißt Baustelle" width="215" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Blick beißt Baustelle</p></div>
<p>Die Stadt ist eine Baustelle. Poliander und Polianders Freundin lachen heute noch jedesmal, erinnern sie sich an jene Düsseldorfer Reisegruppe, die auf der Wilmersdorfer die Altstadt suchte. Diese Stadt hat keine Altstadt. Diese Stadt ist auch nicht alt. Das Mittelalter fand anderswo statt. Und seitdem ist diese Stadt, dieses Konglomerat aus Dörfern, Kiezen, Kleinstädten, eine Baustelle. Die Preußen lebten gern <a href="http://www.potsdam.de/">anderswo</a>. Hier leben wir Zugereisten. Aber nicht in <a href="http://www.berlin.de/tourismus/unterkunft/hotels/">Hotels mit schalldichten Fenstern</a>. Wir leben immer da, wo der Krach ist. Zeig eine Straße, in der kein Haus Gerüst trägt, Poliander gibt dir einen aus.  <span id="more-2967"></span>Wenn die Laune es erlaubt. Dabei hat P.s Haus kein Gerüst. In P.s Haus wird nicht einmal gebaut. Nein, P. darf am Bau fremder Gebäude teilhaben, akustisch zum Beispiel und durch Vibration. Morgens um sieben wackelt die Wand, alles flieht. Irgendwo verbringt man den Tag mit Arbeit. Abends, ehe alle zurückkehren in das erschütterte Haus, hinter dem selbst die Mülltonnen dreckiger aussehen, als Mülltonnen es normalerweise tun, vor dem die Bäume müd die Blätter regen, um den Staub loszuwerden, abends sucht P. einen Trost, den man in die Tasche stecken, im Haus dann rausholen kann. Kriminalromane trösten so gut wie Rotwein und Schönheitsampullen. Gleich guckt man sich Baustellen schön, werden sie literarische Orte, in denen Liebe und Wirtschaft stattfinden. Krimikauf ist Vertrauenssache, Fachfrau ist <a href="http://www.krimi-marple.de/">Miss Marple, Weimarer Straße</a>. P. kommt von hinten, von der Pestalozzi. Und beinahe findet P. den Laden nicht. (Baugerüst.) &#8220;Ich brauche Beratung&#8221;, sagt P., &#8220;ich brauche ein Buch für eine Frau, die ist müde und hat zu viel Lärm in den Ohren gehabt diese Tage, ein Buch, in dem die guten ins Kröpfchen und die bösen ins Töpfchen, genau so bitte&#8221;, sagt P., dass es nicht zu platt ist und doch leicht genug nach so einem Tag, wo sie die Flucht von einer Baustelle zur nächsten auf den Schultern und untern Fußsohlen hat. Miss Marple lächelt verstehend. &#8220;Ja&#8221;, sagt sie, so eins hätte sie auch gern. Sie greift ins Regal. &#8220;<a href="http://www.saraparetsky.com/">Vic Warshawski</a>&#8220;, sagt sie, &#8220;Nein!&#8221;, ruft eine Dame, die am Regal steht, &#8220;ist die nicht  langweilig?&#8221; P. schüttelt den Kopf, die ersten fünf waren&#8217;s wohl nicht, dann kam zwar ne Durststrecke, aber die, wie Miss Marple sagt, ist jetzt rum. &#8220;Genau&#8221;, jetzt strahlt sie, Miss Marple, das empfiehlt sie jetzt wieder. &#8220;Paretzky, das war meine erste. Ohne die gäb&#8217;s den Laden nicht.&#8221; Die Türglocke klingt, P. rafft das Buch. &#8220;Meins.&#8221; Hier, denkt P. beim Bezahlen und lässt den Blick über die Regale wandern, in denen die Bücher brav sortiert nach Ländern stehn, hier hinterm Baugerüst stehn die Verbrechen, jedes für sich, in lesbar tröstenden Dossiers, und Baugerüste sind wirklich nicht das schlimmste auf der Welt.</p>
<p>Koordinaten: 52° 30&#8242; 17&#8221; N, 13° 18&#8242; 12&#8221; O, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin-Charlottenburg">so fahrn wir hin</a>, dann zu Fuß die Kant runter Richtung Savignyplatz, auf der linken Seite scharf rein in die Weimarer. Lohnt sich auch, wenn das Gerüst weg ist, auch wenn man längst neue Leiden entdeckt hat statt die Baustellen Berlins.</p>
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		<title>Flughafen Tempelhof befreit</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 12:10:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Blau]]></category>
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		<description><![CDATA[Leute gehen zu Fuß, rollern, skaten, fahren mit Rollschuhen, fahren mit Rädern, lassen Drachen fliegen, lassen sich von Drachen ziehen, sitzen im Gras, reden, schauen, schließen die Augen, halten das Gesicht in den Himmel. Freies Flugfeld, randständige Bäume, himmelbeschienene Fläche. Wir atmen die Unbebautheit. Koordinaten: 52° 28&#8242; 25&#8221; N, 13° 24&#8242; 6&#8221; O.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2691" class="wp-caption alignleft" style="width: 740px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/03/tempelhof-panoramic.jpg"><img class="size-full wp-image-2691" src="http://www.poliander.de/files/2011/03/tempelhof-panoramic.jpg" alt="Flugfeld Berlin Tempelhof im Frühling 2011" width="730" height="279" /></a><p class="wp-caption-text">Flugfeld Berlin Tempelhof im Frühling 2011</p></div>
<p>Leute gehen zu Fuß, rollern, skaten, fahren mit Rollschuhen, fahren mit Rädern, lassen Drachen fliegen, lassen sich von Drachen ziehen, sitzen im Gras, reden, schauen, schließen die Augen, halten das Gesicht in den Himmel. Freies Flugfeld, randständige Bäume, himmelbeschienene Fläche. Wir atmen die Unbebautheit.</p>
<p>Koordinaten: 52° 28&#8242; 25&#8221; N, 13° 24&#8242; 6&#8221; O.</p>
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		<title>Blattgold</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Nov 2010 12:04:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Koordinaten: 52° 33´ N,  13° 22´ O Im Herbst lesen: Kirstin Warschau]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2035" class="wp-caption alignleft" style="width: 309px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/11/ende-oktober_-foto-warschau.jpg"><img class="size-medium wp-image-2035" title="ende oktober_ foto warschau" src="http://www.poliander.de/files/2010/11/ende-oktober_-foto-warschau-299x251.jpg" alt="Menschen und Hängebuche" width="299" height="251" /></a><p class="wp-caption-text">Hängebuche und Menschen. Foto: Kirstin Warschau</p></div>
<p>Koordinaten: 52° 33´ N,  13° 22´ O<br />
Im Herbst lesen: <a href="http://www.krimi-couch.de/krimis/kirstin-warschau.html">Kirstin Warschau</a></p>
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		<title>Haut. Zitat</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 15:02:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gegend]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Deine Verbindung zu ihm blieb locker und hielt acht Jahre, in denen er heiratete, drei Kinder in die Welt setzte und mehrere Affären hatte. Dir fehlte das Zeug zur Liebe wie zur Freundschaft, du versprachst nichts, hättest nichts gehalten, in seiner Abwesenheit dachtest du immer nur an die ganz glatte Haut, die die Fläche zwischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Deine Verbindung zu ihm blieb locker und hielt acht Jahre, in denen er heiratete, drei Kinder in die Welt setzte und mehrere Affären hatte. Dir fehlte das Zeug zur Liebe wie zur Freundschaft, du versprachst nichts, hättest nichts gehalten, in seiner Abwesenheit dachtest du immer nur an die ganz glatte Haut, die die Fläche zwischen Hüftbein und Geschlecht bedeckte. (&#8230;) Wenn dir nachher was fehlte, dann nur diese glatte, konkave Fläche unterm Hüftbein, passend zur Größe deiner Hand.&#8221;</p>
<p>Koordinaten: Fiktion.<br />
&#8220;Haut&#8221; ganz lesen in: Mein heimliches Auge XXIV, Tübingen: <a href="http://www.konkursbuch.com/">Konkursbuch</a> 2009. Erhältlich im Buchhandel.</p>
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		<title>Auf der Insel</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/05/20/auf-der-insel/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2009 12:55:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Jetzt wachten die Seevögel alle auf, im großen Dünental hörte man ihr gedämpftes Rufen, ein paar lautere Schreie kreisten über uns. Der Wind zerfetzte den Nebel, die Sonne würde bald kommen, und hier hatte es einen Dorfweg freigeweht, braun und kieselsteinig, ein Platz, umgeben von Fundamenten, den einstigen Wohnungen der Kimbern, der Teutonen, der Ambronen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Jetzt wachten die Seevögel alle auf, im großen Dünental hörte man ihr gedämpftes Rufen, ein paar lautere Schreie kreisten über uns. Der Wind zerfetzte den Nebel, die Sonne würde bald kommen, und hier hatte es einen Dorfweg freigeweht, braun und kieselsteinig, ein Platz, umgeben von Fundamenten, den einstigen Wohnungen der Kimbern, der Teutonen, der Ambronen, germanische Langhäuser waren das gewesen, sagtest du. Sie hatten Häuser gehabt und waren fortgezogen, als Sturmfluten die Marsch versalzten, und eine Hungerküste entstand. Tausend Jahre danach lag das Dorf unter Wan­derdünen, da kamen andere und lebten vom Strandraub. Die Küste wurde Insel. Bald wird sie Sandbank werden, in fünfzig Jahren, in hun­dert Jahren Untiefe und dann ein tieferes, schwärzeres Meer. Die Euro­päer, als die Kimbern, Teutonen und Ambronen bei ihnen anlangten, glaubten, im Norden an ihrem Ausgangspunkt befände sich der Eingang zur unteren Welt.</p>
<p><span id="more-483"></span>Und hier hatten Feuer gebrannt, Ruß und Rauch waren nur weggewaschen von der Salzwasserluft, die Steine geschliffen vom gläsernen Sand. Du, mein Schriftstellervater, sagtest, die Feuer­stellen wären sichtbar, weil die Leute vom Archäologischen Landesamt Steine verschoben hatten bis zur Erkennbarkeit, wo doch nie Eindeutig­keit gewesen war, nicht hier die Feuerstelle, hier der Mistgang, hier ein Zimmer, hier der Stall. Das war die Ordnung, die Archäologen herstell­ten. O Zivilisation, o Menschen und Tiere! Ich nämlich spürte im Nacken den Atem der kimbrischen Rinder, und im Gesicht die blauen Blicke der Dorfleute. Ich war der Fremde auf dieser Dorfstraße, die Einheimischen waren die Toten. Es gab keine Geister, nur meine dumme Frage und meine blühende Phantasie. Dafür war ich zu alt. Deine Worte. Doch meine Hand griff durch die Wand aus unsichtbarem Lehm, unabsichtlich geriet mein Arm in den Sog der Dorfbewohner. Und jetzt hatte ich ihre Augen im Rücken.&#8221;</p>
<p>Koordinaten: aus &#8220;3:59&#8243;, Fiktion.<br />
Mehr lesen: Zündblättchen Nr. 29, erhältlich bei <a href="http://www.elsegold.de/">Else Gold</a> und auf der <a href="http://www.minipresse.de/">Minipresse</a> Mainz (21. bis 24. Mai 2009)</p>
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		<title>Freie Bücher, in den Zimmern</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/05/10/freies-buch/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 May 2009 12:44:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
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		<description><![CDATA[Alle hatten ihren Tag, die Lehrer, die Metallarbeiter, die Meteorologen. Die Frauen, Lehrerinnen, Metallarbeiterinnen, Meteorologinnen inbegriffen. Das Buch hatte seinen Tag. &#8220;Das Buch&#8221;, nicht die Bücher, das &#8220;freie Buch&#8221;, nicht freie Bücher. Poliander und ich werden nicht einig, ob der Tag eine ironische Erfindung war oder nicht. Wir tun, als hätten wir den Tag ernst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_457" class="wp-caption alignleft" style="width: 244px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/05/bucher1.jpg"><img class="size-medium wp-image-457" src="http://www.poliander.de/files/2009/05/bucher1-234x300.jpg" alt="Erinnern im Regal" width="234" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Erinnern im Regal</p></div>
<p>Alle hatten ihren Tag, die Lehrer, die Metallarbeiter, die Meteorologen. Die Frauen, Lehrerinnen, Metallarbeiterinnen, Meteorologinnen inbegriffen. Das Buch hatte seinen Tag. &#8220;Das Buch&#8221;, nicht die Bücher, das &#8220;freie Buch&#8221;, nicht freie Bücher. Poliander und ich werden nicht einig, ob der Tag eine ironische Erfindung war oder nicht. Wir tun, als hätten wir den Tag ernst genommen, in den Zimmern, in denen Anfang Mai schon Pflanzen zu den Fenstern hin wucherten und aus den Fenstern hinaus, ins Hofgeschrei hinunter. Was heißt &#8220;wir tun&#8221;? So tun? Wir haben ihn ernst genommen. Der <a href="http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/buecher/">Tag der Bücherverbrennung</a> war ein Tag antifaschistischer Gedächtnispflege, jedes Jahr leiser gepflegt. Bereut, mag sein, von seinen Erfindern. Wir, Jahrgänge 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, hatten ein ausgezeichnetes Gedächtnis, das uns die Bilder der Geschichte nicht vorenthielt. Bücherverbrennung durch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverbrennung">Bücherverbrennung</a>, Bücherverbrennung durch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Index_Librorum_Prohibitorum">Index</a>, Bücherverbrennung durch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Zensur">Zensur</a>. Wir kannten die Unterschiede. Wir kannten diese Sache, deutsche Geschichte. Wir trafen uns oft, wir trafen uns auch am 10. Mai. Wir schlossen das Fenster nicht, machten uns nichts draus, lasen uns eins.</p>
<p><span id="more-403"></span>&#8220;Ich lese von einem&#8221;, sagte die Schöne, &#8220;den keiner kennt.&#8221; Dann las sie vom <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/Wolfgang-Hilbig;art138,2542242">Meer in Sachsen</a>. Wir hatten schon Bücher von Hilbig in Händen gehabt, eins, das &#8220;drüben&#8221; erschienen war und von dem mir das Bild auf dem Umschlag im Gedächtnis blieb: ein Gesicht auf dem Gang eines Reichsbahnabteils, gezeichnet von Ruß und Schweiß, gezeichnet überhaupt, ein anderes, das in minimaler Auflage erschienen war, auf schlechtestem, geradezu Packpapier, &#8220;bei uns&#8221;, ich hatte es jemandem abgekauft für den Gegenwert einer Flasche Wein, ein richtiges, mit Druckgenehmigung versehenes Buch.</p>
<p>Wir in den Zimmern nahmen Bücher ernst. Wir liehen sie über Nacht, stahlen sie auf Messen, kauften sie in ungarischen Antiquariaten, schrieben sie ab mit der Hand, kannten wen, der eine Presse besaß, kannten wen, der druckte, der eine Zeitschrift machte, und das war Kunst. Kunst war so gut wie legal. Wir scheiterten auch: weil ein Buch an uns vorbeiging, jemand uns misstraute, jemand bei uns stahl. Weil wir nicht so viele Abschriften machen konnten. &#8220;Das Buch&#8221; war frei, aber nicht die Bücher. Wir hielten an der Freiheit der Bücher fest in den Zimmern. Und dann war es, dass die Bücher sich nicht in den Zimmern halten ließen. Und jetzt ist es, dass Poliander mich anschaut und fragt, was nun ist. Was ist nun? Was ist nun, fragt er, mit der Zensur? Ich sage, dass es doch dieses <a href="http://www.berlin-judentum.de/denkmal/buecherverbrennung.htm">Denkmal</a> gibt. Denkmäler, sagt Poliander, lacht er mich aus?, Was, sagt Poliander, ist mit Zensur? Ich ziehe Nafisis Buch aus dem Regal.</p>
<p>Koordinaten: Einfache Erinnerung<br />
Lesen: <a href="http://www.amazon.de/Reading-Lolita-Tehran-Memoir-Books/dp/081297106X">Azar Nafisi, Reading Lolita in Tehran</a></p>
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		<title>Im Feuchten</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/04/24/im-feuchten/</link>
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		<pubDate>Fri, 24 Apr 2009 09:37:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Endstation]]></category>
		<category><![CDATA[Gegend]]></category>

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		<description><![CDATA[Es muss nur alt sein, da wollen wir hin. Es muss nur eine Frau sagen (die wohnt da), sagen muss sie nur, dass der Park den Namen nicht verdient. Der Fürst &#8211; denn es ist ein Fürst, der das gewesene Wasserschloss bewohnt &#8211; vernachlässige den Schlossgarten bis zur Sträflichkeit. Nichts tut der, sagt die Frau, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_337" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-337" src="http://www.poliander.de/files/2009/04/schloss_furstenau_1-225x300.jpg" alt="Schloss Fuerstenau" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Schloss Fuerstenau</p></div>
<p>Es muss nur alt sein, da wollen wir hin. Es muss nur eine Frau sagen (die wohnt da), sagen muss sie nur, dass der Park den Namen nicht verdient. Der Fürst &#8211; denn es ist ein Fürst, der das gewesene Wasserschloss bewohnt &#8211; vernachlässige den Schlossgarten bis zur Sträflichkeit. Nichts tut der, sagt die Frau, als Naturschutzschilder aufzustellen.</p>
<p><span id="more-237"></span></p>
<p>Da wollen wir hin. Weil Sonntag ist und der Durchgang vom Hof geschlossen, muss, wer zu Fuß geht, erst einmal den Parkplatz finden. Sonntags geht es über den Parkplatz zum Park. Der Parkplatz ist voll, der Park ist leer, gelbgraue Weite, hohes Gras vom letzten Jahr. Und direkt daneben der tiefe Schatten, unter den Schuhen quatscht das Feuchte von gestern nacht. Noch zwei Schritte, da stehen wir, wo&#8217;s grün ist und dämmert, Lamellen aus Schatten, Lamellen aus Licht, da flüstert der Mümling, ein Wasser, Fluss nicht, Bach nicht. Und hinter uns das Schloss, windschief, riesig, bewohnt und feucht. So lange scheint keine Sonne, dass sie diesen Geruch austrocknete, den Geruch nach Lebendigem, den Geschmack nach Totem, Phantasien, schwankende, rasende Eifersucht, Melancholie des Täters, die in Musik mündet, gräßliche Taten, himmlische Madrigale&#8230; Gesualdo. Fang dich ein, krieg dich ein, das ist Hessen, wo der Mümling murmelt, der Fürst den Park zu seiner Wunderkammer macht. Grobnähtig Geschweißtes verrostet im Wald, übers Wasser schwankt ein Wesen heran, halb Mensch, halb Paddelboot,  über steinige Stellen mit kleinem Risiko. Wir winken nicht, wir schreiben nicht mal die Schuhe ab, wir gehen weiter bis zum Altenheim und bis zum Ort, kein abgrundtiefen Madrigale gellen durchs Herz, Sonntagsstille, Sonntagsgeruch, bedenkenlos verschwendete Stunden. Kein Abgrund gähnt so, keine Moral ist so doppelt und dreifach wie die in jenem Dorf, aus dem du selbst gekommen bist. Meide die Straße, geh im Feuchten zurück, finde den Schlosshof, den unbestellten Garten höchstwahrscheinlich harmloser Leute, übersieh nicht die Schale mit dem busenförmigen Wasserspeier in der Mitte, die Durchblicke zum Park wie in eine ferne Menagerie.</p>
<p>Und dann lehnen sie unter dem himmelhohen Bogen:  sie, die Sandsteinschöne mit dem offen stehenden Mund, er, der Bewaffnete, dem einer die Nase aus dem Gesicht schlug, eine Neige Grausamkeit, ein Bröckchen Melancholie. Und über ihnen, am Rand der ersten Himmelsschale, bläst ein dickschenkliger Engel die Bombarde oder was. Ach, der Park, der verdient den Namen.</p>
<p>Koordinaten: Michelstadt, Ortsteil Steinbach, fehlende Zeitachse</p>
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