<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Destination</title>
	<atom:link href="http://www.poliander.de/tag/destination/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.poliander.de</link>
	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Jan 2012 19:50:18 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2.1</generator>
		<item>
		<title>Es führt eine Brücke übern Kanal</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/12/31/admiralbruecke-berlin/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2011/12/31/admiralbruecke-berlin/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 16:34:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Hafenhotel]]></category>
		<category><![CDATA[Sternbild]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=3781</guid>
		<description><![CDATA[Durch die Straßen schleicht eine Alte mit steingrauem Haar, im Perlonbeutel klappern Bierflaschen. Der einjährige, zottige Hund zerrt an der Leine. Sie ist dem Tier nicht mehr gewachsen. An der Admiralbrücke bleibt sie stehn, schlingt die Hundeleine um das Geländer, zieht den Knoten fest an. Sie lehnt sich ans Geländer, greift eine Flasche heraus. &#8220;Habter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3789" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/12/admiralbr%C3%BCcke-2011.jpg"><img class="size-medium wp-image-3789" src="http://www.poliander.de/files/2011/12/admiralbr%C3%BCcke-2011-300x243.jpg" alt="Prosit 2012" width="300" height="243" /></a><p class="wp-caption-text">Prosit 2012</p></div>
<p>Durch die Straßen schleicht eine Alte mit steingrauem Haar, im Perlonbeutel klappern Bierflaschen. Der einjährige, zottige Hund zerrt an der Leine. Sie ist dem Tier nicht mehr gewachsen. An der Admiralbrücke bleibt sie stehn, schlingt die Hundeleine um das Geländer, zieht den Knoten fest an. Sie lehnt sich ans Geländer, greift eine Flasche heraus. &#8220;Habter mal n Siebzehner?&#8221;, ruft sie den Punks zu, die am andern Ende der Brücke lungern. <span id="more-3781"></span>&#8220;Hasten Euro?&#8221;, fragt der irokesenschnittige Junge, der ihr die Flasche aus der Hand nimmt und sie geschickt mit den Zähnen öffnet, &#8220;türlich nich, was?&#8221; Die Frau schüttelt den Kopf, nimmt einen süchtigen Zug aus der Flasche und reicht dem Jungen ihren Beutel mit den restlichen Bierflaschen: &#8220;Brauch ich nich mehr.&#8221; Der lässt sich seine Überraschung nicht merken, fragt aber höflich: &#8220;Un ne Penne, willste mitkomm?&#8221; Die Alte schüttelt den Kopf. Die Bengel trollen sich, den Bierbeutel schwenkend. Sie trinkt ihr Bier in kleinen Schlucken, beugt sich runter und lässt auch den Hund aus der Flasche saufen. Wien Baby, denkt sie und lächelt plötzlich in Erinnerung an eine Jugendliebe, sie lässt sich neben den Hund aufs Brückenpflaster sinken und schaut zum Himmel hoch. Vom Himmel hoch, da komm ich her, murmelt sie. Orion lockert seine Schultern, schüttelt Beteigeuze und Bellatrix. Alte Liebe rostet nicht, murmelt die Alte. Nicht weit weg knallen ein paar Böller, dann wieder Stille. &#8220;Insel Poel&#8221; heißt das Schiff, über und über bedeckt mit Graffiti, auf dem die Geister des abgelebten Jahres Pogo tanzen. Im neuen Jahr wird der Bezirk es abschleppen lassen, stand im Berliner Nachtspiegel. Gepflegte Biere sind was andres, die alte Frau lacht und beugt sich übern Kanal. Sie spuckt Zahn um Zahn ins Wasser, dass ölige Tropfen aufspritzen, die sie, plötzlich flink, mit ihrem Feuerzeug zündet. Ihr Mantelgürtel beginnt zu blinken, etwas heult auf, für einen Augenblick ist die Brücke gleißend erleuchtet. &#8220;Leute&#8221;, ruft die Zahnlose, &#8220;die paar Stunden macht ihr ohne mich!&#8221; Kichernd fährt sie ab, voll ins Dunkel, dreht sich noch einmal und wirft die Bierflasche, die knallt und in tausend spiegelnde Splitter zerstiebt. Wer jetzt einen aufhöbe, könnte das eigne Gesicht in den Stufen des Alters erblicken. Niemand kommt vorbei, nur der Hund schaut sich noch einmal als Welpe.</p>
<p>Stunden später, das Feuerwerk  ist in vollem Gang, kläfft er, noch immer festgeleint. Die Brücke ist voller Leute jetzt, Sektflaschen kullern, Raketen schießen ab und away!, Orion fängt sie mit den Händen und lässt ihre Sterne erblühn. Es kracht hier und da und schnell hinternander, jemand fängt eine Radiosendung: &#8220;Die Frage ist doch&#8221;, spricht ein Mann von der Polizeigewerkschaft ins Mikrofon, &#8220;ob die Berliner wirklich die Gebrauchsanweisung der neuartigen Feuerwerkskörper beachten und die vier Batterien sorgfältig voneinander getrennt zünden!&#8221;, Besorgnis wabert im Studio, niemand hört zu. Ein paar Sterne stürzen in den Landwehrkanal. Der Hund schiebt Panik. Gläser klingen kurz und klirren lang, &#8220;Zu mir oder zu dir?&#8221;, fragt eine einen, der Morgen ist fern und nah, das Erwachen in fremden Betten, das verstohlene Tasten nach der Armbanduhr und das vorsichtige Wischen am verschmierten Lippenstift, damit der Gefährte der Nacht nicht überm Clownsmund erschreckt. Als obs darauf ankäm. Doch noch sind wir nicht soweit. Während die Brücke sich langsam leert, der Hund erschöpft, resigniert, kommt von hinten ich weiß nicht von wo kommt ein Junge, der längst im Bett sein sollte, aber eben nicht ist, und der weiß, was er will, geht auf den Hund zu, lässt ihn am Handrücken riechen, seine Hand riecht gut, irgendwie nahrhaft, der Junge sagt nichts, aber der Hund ist entschlossen, zu winseln, sollte er die Leine nicht vom Geländer lösen, der Hund weiß, er muss nicht winseln, der Junge knüpft ihn vom Geländer, &#8220;gleich&#8221;, sagt er und sieht dabei schon fast erwachsen aus und grinst verlegen und nimmt das Tier doch sicher an seine Seite und geht mit zielstrebigen Schritten über die Brücke und jenseits und verschwindet irgendwo, vorn in der Körte und hält die Nase in den plötzlich eiskalten Wind und beugt sich zum Hund: &#8220;Butterbrot mit Zucker, in Milchkaffee gestippt, na?&#8221; Das neue Jahr knurrt leise und hebt die Nase.</p>
<p>Koordinaten:<br />
<strong>Poliander wünscht allen Leserinnen und Lesern Glück, Liebe, Gesundheit und Erfolg, Brot und Wein! </strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2011/12/31/admiralbruecke-berlin/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Keiner, der anderen die Stiefel putzt</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/12/13/keiner-der-anderen-die-stiefel-putzt/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2011/12/13/keiner-der-anderen-die-stiefel-putzt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 10:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=3671</guid>
		<description><![CDATA[Im November reiste Poliander nach Bremen und sprach mit Ludwig Baumann. Baumann, Jahrgang 1921, wollte nicht auf Menschen schießen. Er desertierte. Mehrere Hunderttausend Männer sind aus der Wehrmacht desertiert. Mehrere Zehntausend wurden verurteilt. Über Zwanzigtausend wurden hingerichtet. Desertion, wie deserere, vernachlässigen, verlassen, also Fahnenflucht, das Fernbleiben eines Soldaten von militärischen Verpflichtungen, die Vernachlässigung, das Verlassen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im November reiste Poliander nach Bremen und sprach mit Ludwig Baumann. Baumann, Jahrgang 1921, wollte nicht auf Menschen schießen. Er desertierte. Mehrere Hunderttausend Männer sind aus der Wehrmacht desertiert. Mehrere Zehntausend wurden verurteilt. Über Zwanzigtausend wurden hingerichtet. Desertion, wie deserere, vernachlässigen, verlassen, also Fahnenflucht, das Fernbleiben eines Soldaten von militärischen Verpflichtungen, die Vernachlässigung, das Verlassen solch einer Pflicht, der Fahne nicht dienen, sie verlassen. Wer nicht hingerichtet wurde, erlebte Zuchthaus und Strafbataillon. Wenige überlebten, auch Ludwig Baumann. Andere, die überlebt hatten, schwiegen. Baumann redet. Er  ist ein Zeuge, er sagt: &#8220;Ich kenn keinen mehr. In Bayern, zum Beispiel, auf dem Lande, da kann sich keiner melden, da sind die Kriegerdenkmäler auf dem Friedhof, wer sich da als Deserteur meldet, wird es schwer haben.&#8221; Baumann ist ein zierlicher, zäher Mensch, grade und freundlich, mit einem bewegten Leben, von dem er offen berichtet. Baumann sagt: &#8220;Der Kampf um Gerechtigkeit, das ist für mich das Wichtigste, weißt du?&#8221; Heute wird er 90 Jahre alt.</p>
<p>Mehr lesen: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/213215.der-raedelsfuehrer.html">Der Rädelsführer</a>, in der Tageszeitung ND vom 13. Dezember 2011</p>
<p>Koordinaten:<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bremen"> 53° 5&#8242; N, 8° 48&#8242; O</a>, 90. Geburtstag</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2011/12/13/keiner-der-anderen-die-stiefel-putzt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Graue und blaue Stadt</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/05/28/graue-stadt-husum/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2011/05/28/graue-stadt-husum/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 May 2011 18:11:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Hafenhotel]]></category>
		<category><![CDATA[Leuchtfeuer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=2883</guid>
		<description><![CDATA[Die Stadt, vom Hafen aus gesehen. Der Hafen von der Stadt her, bei Niedrigwasser, ein Schlammfeld. Mit der großen Flut kam die Küste  übers Meer nach Husum. Da wollte der Grund nicht  glauben, dass er nun Meeresgrund geworden. Nicht nass genug, der Hafen, sagen Hafenleute. Einmal soll das anders werden. Aber da streiten noch welche, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2895" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/05/husum_hafen.jpg"><img class="size-medium wp-image-2895" src="http://www.poliander.de/files/2011/05/husum_hafen-300x225.jpg" alt="Verschlickter Hafen in Husum" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Verschlickter Hafen in Husum</p></div>
<p>Die Stadt, vom Hafen aus gesehen. Der Hafen von der Stadt her, bei Niedrigwasser, ein Schlammfeld. Mit der großen Flut <a href="http://www.husum-tourismus.de/geschichte-husum.html">kam die Küste  übers Meer nach Husum</a>. Da wollte der Grund nicht  glauben, dass er nun Meeresgrund geworden. Nicht nass genug, der Hafen, sagen Hafenleute. Einmal soll das <a href="http://www.shz.de/nachrichten/lokales/nordfriesland-tageblatt/artikeldetails/article/111/husums-hafen-haengt-bald-nicht-mehr-am-tropf.html">anders werden</a>. Aber da streiten noch welche, dass <a href="http://www.shz.de/nachrichten/lokales/husumer-nachrichten/artikeldetails/article/111/gegen-den-sanierungsstau.html">ein Wunder gemacht wird</a> und das Meer im Hafen bleibt.</p>
<p>Theodor Storm ist in Husum geboren. <span id="more-2883"></span>Endlose Stunden Erkältungskrankheiten, immer wieder von vorn: die in goldgrünes Leinen gebundenen Bändchen, Volksausgabe nannte man das,  das hieß &#8220;nicht wissenschaftlich&#8221; und hieß auch, so weil jeder Band nur 5 Mark kostete und ganz sicher der Worterklärungen wegen, die man dem Volk gern dazu gibt. Polianders Gefährtin, damals, war ein Lesevolk, fiebrig im Bett hielt sie ein Buch in der Hand oder eher unter der Nase, denn zum Halten war die Hand zu schwach, konkret auch zu klein, &#8220;handlich&#8221; sind die Bändchen für erwachsene Hände. Draußen schien die Sonne, im Buch schob sie sich in die Wolken und drüber und drunter: <em>&#8220;Die meisten mögen wohl nach Westen blicken, um sich an dem lichten Grün der Marschen und darüberhin an der Silberflut des Meeres zu ergötzen, auf welcher das Schattenspiel der langgestreckten Insel schwimmt; meine Augen wenden unwillkürlich sich nach Norden, wo, kaum eine Meile fern, der graue spitze Kirchturm aus dem höher belegenen, aber öden Küstenlande aufsteigt; denn dort liegt eine von den Stätten meiner Jugend.&#8221;</em> Silberflut, Schatten, nie gesehene Küste, so schuf der Erzähler der stets in sich verschachtelten und verrahmten Geschichten den Direktanschluss an Grimms Märchen, Polianders Freundin liebster Lektüre bis auf den heutigen Tag. Ein Fremder kam, Wetters oder sonstiger  Umstände wegen, an einen Ort, der vorerst nicht zu verlassen war, ein Aufenthalt tat not, Kaffee wurde gereicht, und dann überm Lesen vergessen, denn vor oder nach dem Kaffee oder dem Roten aus Lübeck tauchte ein Manuskript auf in des Fremden Erzählung, gerade recht, dem Aufenthalt einen Zweck und der Zeit Endlosigkeit zu geben. Polianders erkältete Freundin identifizierte sich gleich mit jedem lesenden Fremden, um sich anschließend und beizeiten auf die Seite des Helden zu schlagen, der aus der Tiefe von Schachteln gekommen war, in denen man die Manuskripte aufbewahrte. Der Held konnte  ein Mädchen sein, die <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/M%C3%A4rchen+und+Spukgeschichten/Die+Regentrude">tapfere Maren</a>, die die Regentrude weckte. Maren konnte das. (Der Weg zur Trude ging durch den Stamm eines hohlen Baums, hinab, dort unten lag auch eine Landschaft, jetzt trocken, später von einem schönen Fluß durchschwemmt, so dass Maren, nachdem sie den Feuermann gelöscht, Kahn fahren konnte.) Polianders Freundin hatte keine Ahnung vom Meer.  Von trocknen Wiesen aber und hohlen Bäumen. Das Meer würde sie schon noch kennenlernen. Gingen die Geschichten auch gut aus, erzählten sie sich doch in einem Ton, der Kummer kennt. Sie gingen sowieso meistens schlimm aus, war wer im Meer versunken am Ende, in einem Tümpel zumindest, wie das Unglück es fügte, oder im Alleinsein, weil einer leichtsinnig versprochen hatte, nicht die Hexe zu heiraten, und dumm genug war, sich an das Versprechen zu halten. Die Leserin schlief ein, ließ aber das Buch nicht fallen. Storm musste man halten, der hatte ja den Wind schon im Namen, so wer konnte auch im Teppichboden untergehn, wenn man nicht achtgab.</p>
<p>Nähert man sich Husum mit der Bahn, sieht man den Hafen gleich, und gleich sieht man auch, ob Hoch- oder Niedrigwasser ist. Viel Schiffe sind da nicht, aber dunkelblaue und weiße Wolken, sie eilen, die Regenhusche kommt und geht, dicke, saftige Tropfen, und die Stadt ist grau und ziegelrot und trotz dem verschlickten Hafen ganz sauber.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.husum.org/">54° 29&#8242; N, 9° 3&#8242; O</a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2011/05/28/graue-stadt-husum/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>3. Welle, 4. Welle, Brandung</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/04/12/missys-feministische-brandung/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2011/04/12/missys-feministische-brandung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 05:41:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrwasser]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=2719</guid>
		<description><![CDATA[Poliander: Wie wichtig ist Rebellion? Stefanie Lohaus, Missy-Redakteurin: Wir beziehen uns stark auf den Dritte-Welle-Feminismus, der Anfang der 90er Jahre in den USA entstand, und auf die Riot-Grrrls-Bewegung von jungen feministischen Frauen aus der Punkrockszene. Aber Rebellion in Deutschland, das ist schwierig. Wir versuchen eine Art Unterhaltung, die Utopie enthält: Mit welchen Themen würden wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2747" class="wp-caption alignleft" style="width: 150px"><em><a href="http://www.poliander.de/files/2011/04/missy-cover-heft-10.jpg"><img class="size-full wp-image-2747" src="http://www.poliander.de/files/2011/04/missy-cover-heft-10.jpg" alt="Missy Magazine 10" width="140" height="181" /></a></em><p class="wp-caption-text">Missy Magazine 10</p></div>
<p><em> </em></p>
<p><em>Poliander: </em>Wie wichtig ist Rebellion?<br />
<em>Stefanie Lohaus, Missy-Redakteurin: </em>Wir beziehen uns stark auf den Dritte-Welle-Feminismus, der Anfang der 90er Jahre in den USA entstand, und auf die Riot-Grrrls-Bewegung von jungen feministischen Frauen aus der Punkrockszene. Aber Rebellion in Deutschland, das ist schwierig. Wir versuchen eine Art Unterhaltung, die Utopie enthält: Mit welchen Themen würden wir uns beschäftigen, wenn wir bereits in einer anderen Gesellschaft lebten?<span id="more-2719"></span></p>
<p><em>Poliander:</em> Welche Rolle spielen dabei Rubriken wie Style Neid?<br />
<em>Lohaus:</em> Bei Style Neid geht es vor allem darum, Individualität zu geben, zu zeigen „Du musst nicht den Regeln folgen.“  Dabei ist es bezeichnend, dass die Frauen sehr viel Second-Hand-Kleidung tragen. Wir fragen ausdrücklich nach ökologischem Konsum. Manche sagen ja, manche können es sich nicht leisten, manche bevorzugen Second Hand.</p>
<p><em>Poliander: </em>Es gibt aber auch wieder viele junge Frauen, die sich zurechtmachen wie Barbiepuppen. Die meinen das sicher nicht alle ironisch.<br />
<em>Lohaus:</em> Viele werden merken, dass es nicht reicht, sich anzuziehen wie Barbie. Und deswegen gibt es uns ja auch.</p>
<p><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/195349.unterhaltung-mit-utopie.html?sstr=lohaus">Mehr lesen</a>.<br />
<a href="http://missy-magazine.de/">Missy lesen</a>.</p>
<p>Koordinaten: Poliander beobachtet den Feminismus. <a href="http://www.poliander.de/2009/08/24/poliander-liest-unbekannter-erdteil/">Tiefer blicken</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2011/04/12/missys-feministische-brandung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Istanbul im Gartensaal</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/10/18/istanbul-im-gartensaal/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/10/18/istanbul-im-gartensaal/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 Oct 2010 15:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Leuchtfeuer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=1933</guid>
		<description><![CDATA[Poliander schaut zu. Einer ist im Spiegel, einer im Gartenzimmer. Alle sind nun im Gartenzimmer, dessen Vorhänge geschlossen sind, die Lider des Schlosses gesenkt. Poliander fotografiert nach innen, er, der uns begleitet, macht ein Bild, für Poliander und mich, ohne Blitz. Er dort, der hereinkam, der tanzen wird, steht unbeweglich, er hört, er legt den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1941" class="wp-caption alignleft" style="width: 212px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/10/derwisch-kommt-herein.jpg"><img class="size-medium wp-image-1941" title="derwisch kommt herein" src="http://www.poliander.de/files/2010/10/derwisch-kommt-herein-202x300.jpg" alt="In den Raum eintreten" width="202" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">In den Raum eintreten</p></div>
<p>Poliander schaut zu. Einer ist im Spiegel, einer im Gartenzimmer. Alle sind nun im Gartenzimmer, dessen Vorhänge geschlossen sind, die Lider des Schlosses gesenkt. Poliander fotografiert nach innen, er, der uns begleitet, macht ein Bild, für Poliander und mich, ohne Blitz. Er dort, der hereinkam, der tanzen wird, steht unbeweglich, er hört, er legt den Mantel ab, er faltet ihn auf die rote Reisetasche. Die Luft ist ganz weich, und der Säugling auf dem Arm des Mannes vor uns weint nicht und rührt sich nicht. Die Frau im Fleecepullover fällt jetzt auch aus der Zeit. Es ist eine Vorführung, ein Trick ist es nicht. Man kann es zweimal zeigen. Es ist keine Augentäuschung, es täuscht keinen anderen Sinn. Polianders Begleiter erkennt die Namen von Propheten. Poliander will das schon gesehen haben, auch gehört.<span id="more-1933"></span></p>
<div id="attachment_1943" class="wp-caption alignleft" style="width: 234px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/10/tanz-und-musik.jpg"><img class="size-medium wp-image-1943" title="tanz und musik" src="http://www.poliander.de/files/2010/10/tanz-und-musik-224x300.jpg" alt="Der Raum erfüllen" width="224" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Vom Raum erfüllt sein</p></div>
<p>Wer tanzt, kann sich schneller drehn. Vom Kopf geht der Weg durch die Füße und von den Füßen aus kommt der Kopf in eine andere Welt. Für einen, der tanzt, ist es die eine. Es ist doch nur eine Vorführung, sage ich. Aber Poliander sagt: Wer dort sehen kann, sieht auch, wenn du zusiehst, und auch, wenn einer ein Foto macht. Den Ort nicht verlieren, auf dem die Füße drehn. Der schöne Mann in seinem Rücken singt. Die Füße drehn lautlos. Ein Mann mit feuchtem Haar hat die Kamera aufs Stativ geschraubt. Das Bild flimmert jenseitig blau, für uns nur ein Streif im dunklen Horizont. Es stört uns nicht, dass eine Kamera da ist. Wer tanzt, sieht seinen Gott. Wir sagen auch nicht alles.</p>
<p>Koordinaten:  49° 0&#8242; 34&#8243; N, 8° 24&#8242; 15&#8243; O, <a href="http://www.orientalischemusikakademie.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=129&amp;Itemid=181">Talip Elmasulu</a>, Mehmet Ungan und die Sufi-Musik-Gruppe der <a href="http://www.orientalischemusikakademie.de/">Orientalischen Musikakademie Mannheim</a>. Selber <a href="http://il.youtube.com/watch?v=uXVIGGZpAnY">die Musik hören und selber wen tanzen sehen</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/10/18/istanbul-im-gartensaal/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Louise Bourgeois, ihr nachschauen</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/06/01/louise-bourgeois-ist-nicht-tot/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/06/01/louise-bourgeois-ist-nicht-tot/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 07:15:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=1449</guid>
		<description><![CDATA[&#8220;Zuerst mache ich eine Zeichnung, dann übertrage ich den Entwurf auf Pappe und dann auf Wellpappe. Hier &#8211; ich zeige es Ihnen. Ich bin dann vom Thema ganz besessen und mache Entwürfe und Zeichnungen. Die Besessenheit dauert Monate. Dann verschwindet sie, um erst nach Jahren wieder aufzutauchen. Ich bewege mich wie in einer Spirale, einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Zuerst mache ich eine Zeichnung, dann übertrage ich den Entwurf auf Pappe und dann auf Wellpappe. Hier &#8211; ich zeige es Ihnen. Ich bin dann vom Thema ganz besessen und mache Entwürfe und Zeichnungen. Die Besessenheit dauert Monate. Dann verschwindet sie, um erst nach Jahren wieder aufzutauchen. Ich bewege mich wie in einer Spirale, einer Spiralbewegung der Motivation. Das Material selbst, Stein oder Holz, interessiert mich nicht als solches. Es ist ein Mittel; es ist nicht das Ziel. Man ist nicht Bildhauer, weil man Holz liebt. Das wäre absurd. Man ist Bildhauer, weil einem Holz erlaubt, etwas auszudrücken, was in einem anderen Material nicht möglich wäre.&#8221;<br />
<em>Louise Bourgeois, Destruction of the Father &#8211; Reconstruction of the Father. Schriften und Interviews 1923 &#8211; 2000. Zürich: Amman 2001, S. 175 f.</em></p>
<p>Koordinaten: 25. Dezember 1911 bis 1. Juni 2010. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=JMdWNwOWnng">The subject of the artist is emotions and ideas both.</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/06/01/louise-bourgeois-ist-nicht-tot/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zwischen Zeiten</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/01/12/heilige-zwolf-nachte/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/01/12/heilige-zwolf-nachte/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 16:37:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>
		<category><![CDATA[Raumflug]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=1035</guid>
		<description><![CDATA[&#8220;Heilige zwölf Nächte&#8221;, rief Poliander, &#8220;eilt, das Jahr zu verträumen! Und stürzt nicht in den Spalt, der sich zwischen 9 und 10 auftut!&#8221; Polianders Gefährtin gähnte. &#8220;Auf auf&#8221;, rief Poliander, &#8220;wer in den Zwölfen geborn ist, darf träumen, aber nicht ruhn!&#8221; Polianders Gefährtin wälzte sich faul. &#8220;Rauf dein Haar&#8221;, sprach Poliander, &#8220;Werg oder Blei! Wirf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1077" class="wp-caption alignleft" style="width: 208px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/01/Ludmillas-Lust-im-Garten.JPG"><img class="size-medium wp-image-1077" src="http://www.poliander.de/files/2010/01/Ludmillas-Lust-im-Garten-198x300.jpg" alt="Im Garten von Ludmillas Lust" width="198" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Im Garten von Ludmillas Lust</p></div>
<p>&#8220;Heilige zwölf Nächte&#8221;, rief Poliander, &#8220;eilt, das Jahr zu verträumen! Und stürzt nicht in den Spalt, der sich zwischen 9 und 10 auftut!&#8221;<br />
Polianders Gefährtin gähnte.<br />
&#8220;Auf auf&#8221;, rief Poliander, &#8220;wer in den Zwölfen geborn ist, darf träumen, aber nicht ruhn!&#8221;<br />
Polianders Gefährtin wälzte sich faul.<br />
&#8220;Rauf dein Haar&#8221;, sprach Poliander, &#8220;Werg oder Blei! Wirf um, wer sich dir in den Weg stellt.&#8221;<br />
Polianders Gefährtin rührte träge in dem, was aus der Hennapackung rieselte.<br />
&#8220;Eile doch, streu Beifuß in die Suppe!&#8221;<br />
Gefährtin schmierte das grüne Zeug ins Haar und band den Fetzen Plastik drüber und das zerschlissne Handtuch mit dem Großmuttermonogramm. Überm Schnapsglas schillerte Absinthfeuer, Zucker für die grüne Fee, es gab süßes Dörrobst für die Percht und Mandeln, die Flugreisenden zu füttern.<br />
&#8220;Werg oder Blei?&#8221; schrie Poliander, die Gefährtin griff ihm in den Kragen, &#8220;Sag&#8217;s noch einmal!&#8221;, &#8220;Werg&#8221; sprach Poliander folgsam, &#8220;verlass sie, die Geduld.&#8221; Gefährtin lächelte. &#8220;S dauert, solangs dauert.&#8221; Mond schien, als sie den Freunden unhöflich Fragen stellte, beim Spiel betrog, Öl ins Feuer goss.<br />
Poliander flüsterte: &#8220;Gut, dass wir aufs Land gefahrn sind&#8221;, Schnee floss vom Himmel, vielhändiges Trommeln aus der Lautsprecheranlage, Wüste war Wüste, Schnee oder Sand. &#8220;Werg oder Blei?&#8221;, fragte die Gefährtin und schüttelte den Haarfilz, &#8220;Blei&#8221;, antworteten die Unkundigen und lagen gleich am Boden. Das Wort ruft die Tobsucht. Ums Haus schmolz der Schnee, &#8220;Werg&#8221;, keuchte die Gefährtin, &#8220;Werg heißt die Antwort.&#8221; Sie kämpften. Welt stand Kopf, ein Rauschen, die andern flogen vorbei, die außer der Zeit Gebornen. Gefährtin winkte, Gefährtin tanzte im Schnee, Poliander fing sie, grün spritzte der Schlamm aus den Haarn. Polianders Freunde fassten sich in Yoga, Poliander aber sprach: &#8220;Sie kann nicht anders.&#8221;<br />
Später in der Nacht kämmte die Gefährtin ihr Zerzaustes, das Haar, gingen sie zum Brennesselfeld und zündeten Raketen. Grün splitterte Gestern in den Himmel. Flug, bis Epiphanias das Kind erschien: das neue Jahr.</p>
<p>Koordinaten: Motiv bei Carlo Ginzburg: Hexensabbat. Berlin 1990.  Freier Umgang.<br />
Sehen und hören: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=pHZjabFv4p0">Canzonetta spagnuola</a> (Mienenspiel besiegt Wiedergabequalität)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/01/12/heilige-zwolf-nachte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>P. liest: unbekannter Erdteil</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/08/24/poliander-liest-unbekannter-erdteil/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2009/08/24/poliander-liest-unbekannter-erdteil/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 17:20:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Leuchtfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=709</guid>
		<description><![CDATA[Stunden hatten wir verbracht im Kloster, im Mosteiro dos Jerónimos in jenem Vorort Lissabons, wir hatten die Kirche durchstreift und gläubige Frauen beobachtet, die durch Einwurf von Münzen elektrische Kerzen einschalteten, so ein Opfer praktizierend, das der Vormoderne und dem Technologiezeitalter zugleich angehörte. Wir hatten Kreuzgang und Klosterhof durchmustert, schließlich hatte ich, meinen Begleiter hinter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_713" class="wp-caption alignleft" style="width: 154px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/08/Buch_Sanyal_Vulva.jpg"><img class="size-full wp-image-713" src="http://www.poliander.de/files/2009/08/Buch_Sanyal_Vulva.jpg" alt="Buchtitel" width="144" height="230" /></a><p class="wp-caption-text">Buchtitel</p></div>
<p>Stunden hatten wir verbracht im Kloster, im Mosteiro dos Jerónimos in jenem Vorort Lissabons, wir hatten die Kirche durchstreift und gläubige Frauen beobachtet, die durch Einwurf von Münzen elektrische Kerzen einschalteten, so ein Opfer praktizierend, das der Vormoderne und dem Technologiezeitalter zugleich angehörte. Wir hatten Kreuzgang und Klosterhof durchmustert, schließlich hatte ich, meinen Begleiter hinter mir herziehend in immer noch eine Nische, vor immer noch eine heilige Figur, die dem Hauptaltar gegenüberliegende Empore erstiegen, die nach der Dunkelheit der Kirche und der strahlenden Helle des Klosterhofs in zugleich flirrendem und von Staub gedämpftem Licht erschien; da sah ich sie: auf einer von vielen Händen berührten Säule. Sie, eine Frau, hatte zwischen ihren Beinen hindurch die Seiten ihres Geschlechts ergriffen und auseinandergezogen. Wir lächelten einander an. Mein Begleiter kam her, müde und verunsichert traute er seinen Augen nicht, als sie, die Göttin, auch ihm zulachte; auch er stand im diffusen Licht ihres Segens.</p>
<p><span id="more-709"></span>„Kulturelles Flimmern“ nennt die Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal ein Phänomen wie dieses: Dass einerseits die Vulva in unserer Kultur so abwesend ist, das selbst ein feministisches Theaterstück wie die „Vagina-Monologe“ dem Körperteil, dem sie sich ausschließlich widmen, einen irreführenden Namen geben, der das komplexe Organ auf einen seiner Bestandteile reduziert. Und dass andererseits dieser Vulva solche Macht zugeschrieben wird, dass jahrhundertelang allein schon ihr Anblick als heilig und heilend galt und sie bis heute von denen, die immer Arges denken, als zähnebewehrt kastrierend gefürchtet wird. Sanyal, um die kulturelle Geschichte dieses Körperteils zu erzählen, reist durch die Zeitalter, wobei sie sich am meisten unter mediterran-antiken Göttinnen, im christlichen Europa und in der hinduistischen GöttInnenwelt aufhält. Nach allem, was wir wissen, wehren die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sheela_na_Gig">Sheela Na Gigs</a>, die „Genitalbleckerinnen“, an angelsächsischen, französischen und iberischen Kirchen Unheil ab. Aufzeichnungen darüber gibt es nicht. In ihrem Bild ist ein Motiv enthalten, das in der Antike und gewiss früher wurzelt: Man erzählte man sich von der um ihre Tochter Persephone trauernden Demeter, dass sie mit wirrem Haar durchs Land irrte, nicht mehr aß und trank, bis die Pflanzen und Tiere, die unter ihrem Schutz stehen, verdorrten und verschmachteten. Ihr Lachen kam ihr erst zurück, als Iambe (Baubo) vor ihr tanzte und dabei ihre Vulva zeigte. Manche Motive, die Sanyal ausgräbt und herzählt, sind ähnlich bekannt wie dieses. Um noch eines zu nennen: die schreckenabwehrende Geste, die man als „mano in fica“ bezeichnet und bei der Daumen zwischen dem zweiten und dritten Finger der Hand durchgesteckt wird. Andere sind so entstellt, das Sanyal uns auf ihre Spur bringen muss, wie das Symbol des schmerzensreichen Herzens Marias, das von einem Bündel von Schwertern durchbohrt wird. Denn die Herzform geht auf die Feige zurück, diejenige Frucht, die namengebend mit der Vulva identifiziert wird. Sanyal erzählt aber auch, was die alten Geschichten mit Frauen in der Populärkultur &#8211; mit Stripperinnen, Teaserinnen und Riot Grrrls – und mit Künstlerinnen wie Hannah Wilke, Carolee Schneemann und Valie Export zu tun haben. Reiselektüre für lange Zugfahrten und schlaflose Nächte. Dann wird: alles gut.</p>
<p>Koordinaten: Mithu M. Sanyal, Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts. Berlin: Wagenbach 2009<br />
Hören und Sehen: <a href="http://www.dailymotion.com/video/xmk5r_pj-harvey-sheela-na-gig_music">P.J. Harvey, Sheela Na Gig</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2009/08/24/poliander-liest-unbekannter-erdteil/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Freie Bücher, in den Zimmern</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/05/10/freies-buch/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2009/05/10/freies-buch/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 10 May 2009 12:44:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Gegend]]></category>
		<category><![CDATA[Leuchtfeuer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=403</guid>
		<description><![CDATA[Alle hatten ihren Tag, die Lehrer, die Metallarbeiter, die Meteorologen. Die Frauen, Lehrerinnen, Metallarbeiterinnen, Meteorologinnen inbegriffen. Das Buch hatte seinen Tag. &#8220;Das Buch&#8221;, nicht die Bücher, das &#8220;freie Buch&#8221;, nicht freie Bücher. Poliander und ich werden nicht einig, ob der Tag eine ironische Erfindung war oder nicht. Wir tun, als hätten wir den Tag ernst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_457" class="wp-caption alignleft" style="width: 244px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/05/bucher1.jpg"><img class="size-medium wp-image-457" src="http://www.poliander.de/files/2009/05/bucher1-234x300.jpg" alt="Erinnern im Regal" width="234" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Erinnern im Regal</p></div>
<p>Alle hatten ihren Tag, die Lehrer, die Metallarbeiter, die Meteorologen. Die Frauen, Lehrerinnen, Metallarbeiterinnen, Meteorologinnen inbegriffen. Das Buch hatte seinen Tag. &#8220;Das Buch&#8221;, nicht die Bücher, das &#8220;freie Buch&#8221;, nicht freie Bücher. Poliander und ich werden nicht einig, ob der Tag eine ironische Erfindung war oder nicht. Wir tun, als hätten wir den Tag ernst genommen, in den Zimmern, in denen Anfang Mai schon Pflanzen zu den Fenstern hin wucherten und aus den Fenstern hinaus, ins Hofgeschrei hinunter. Was heißt &#8220;wir tun&#8221;? So tun? Wir haben ihn ernst genommen. Der <a href="http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/buecher/">Tag der Bücherverbrennung</a> war ein Tag antifaschistischer Gedächtnispflege, jedes Jahr leiser gepflegt. Bereut, mag sein, von seinen Erfindern. Wir, Jahrgänge 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, hatten ein ausgezeichnetes Gedächtnis, das uns die Bilder der Geschichte nicht vorenthielt. Bücherverbrennung durch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverbrennung">Bücherverbrennung</a>, Bücherverbrennung durch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Index_Librorum_Prohibitorum">Index</a>, Bücherverbrennung durch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Zensur">Zensur</a>. Wir kannten die Unterschiede. Wir kannten diese Sache, deutsche Geschichte. Wir trafen uns oft, wir trafen uns auch am 10. Mai. Wir schlossen das Fenster nicht, machten uns nichts draus, lasen uns eins.</p>
<p><span id="more-403"></span>&#8220;Ich lese von einem&#8221;, sagte die Schöne, &#8220;den keiner kennt.&#8221; Dann las sie vom <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/Wolfgang-Hilbig;art138,2542242">Meer in Sachsen</a>. Wir hatten schon Bücher von Hilbig in Händen gehabt, eins, das &#8220;drüben&#8221; erschienen war und von dem mir das Bild auf dem Umschlag im Gedächtnis blieb: ein Gesicht auf dem Gang eines Reichsbahnabteils, gezeichnet von Ruß und Schweiß, gezeichnet überhaupt, ein anderes, das in minimaler Auflage erschienen war, auf schlechtestem, geradezu Packpapier, &#8220;bei uns&#8221;, ich hatte es jemandem abgekauft für den Gegenwert einer Flasche Wein, ein richtiges, mit Druckgenehmigung versehenes Buch.</p>
<p>Wir in den Zimmern nahmen Bücher ernst. Wir liehen sie über Nacht, stahlen sie auf Messen, kauften sie in ungarischen Antiquariaten, schrieben sie ab mit der Hand, kannten wen, der eine Presse besaß, kannten wen, der druckte, der eine Zeitschrift machte, und das war Kunst. Kunst war so gut wie legal. Wir scheiterten auch: weil ein Buch an uns vorbeiging, jemand uns misstraute, jemand bei uns stahl. Weil wir nicht so viele Abschriften machen konnten. &#8220;Das Buch&#8221; war frei, aber nicht die Bücher. Wir hielten an der Freiheit der Bücher fest in den Zimmern. Und dann war es, dass die Bücher sich nicht in den Zimmern halten ließen. Und jetzt ist es, dass Poliander mich anschaut und fragt, was nun ist. Was ist nun? Was ist nun, fragt er, mit der Zensur? Ich sage, dass es doch dieses <a href="http://www.berlin-judentum.de/denkmal/buecherverbrennung.htm">Denkmal</a> gibt. Denkmäler, sagt Poliander, lacht er mich aus?, Was, sagt Poliander, ist mit Zensur? Ich ziehe Nafisis Buch aus dem Regal.</p>
<p>Koordinaten: Einfache Erinnerung<br />
Lesen: <a href="http://www.amazon.de/Reading-Lolita-Tehran-Memoir-Books/dp/081297106X">Azar Nafisi, Reading Lolita in Tehran</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2009/05/10/freies-buch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Im Feuchten</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/04/24/im-feuchten/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2009/04/24/im-feuchten/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 24 Apr 2009 09:37:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Augenweide]]></category>
		<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Endstation]]></category>
		<category><![CDATA[Gegend]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=237</guid>
		<description><![CDATA[Es muss nur alt sein, da wollen wir hin. Es muss nur eine Frau sagen (die wohnt da), sagen muss sie nur, dass der Park den Namen nicht verdient. Der Fürst &#8211; denn es ist ein Fürst, der das gewesene Wasserschloss bewohnt &#8211; vernachlässige den Schlossgarten bis zur Sträflichkeit. Nichts tut der, sagt die Frau, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_337" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-337" src="http://www.poliander.de/files/2009/04/schloss_furstenau_1-225x300.jpg" alt="Schloss Fuerstenau" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Schloss Fuerstenau</p></div>
<p>Es muss nur alt sein, da wollen wir hin. Es muss nur eine Frau sagen (die wohnt da), sagen muss sie nur, dass der Park den Namen nicht verdient. Der Fürst &#8211; denn es ist ein Fürst, der das gewesene Wasserschloss bewohnt &#8211; vernachlässige den Schlossgarten bis zur Sträflichkeit. Nichts tut der, sagt die Frau, als Naturschutzschilder aufzustellen.</p>
<p><span id="more-237"></span></p>
<p>Da wollen wir hin. Weil Sonntag ist und der Durchgang vom Hof geschlossen, muss, wer zu Fuß geht, erst einmal den Parkplatz finden. Sonntags geht es über den Parkplatz zum Park. Der Parkplatz ist voll, der Park ist leer, gelbgraue Weite, hohes Gras vom letzten Jahr. Und direkt daneben der tiefe Schatten, unter den Schuhen quatscht das Feuchte von gestern nacht. Noch zwei Schritte, da stehen wir, wo&#8217;s grün ist und dämmert, Lamellen aus Schatten, Lamellen aus Licht, da flüstert der Mümling, ein Wasser, Fluss nicht, Bach nicht. Und hinter uns das Schloss, windschief, riesig, bewohnt und feucht. So lange scheint keine Sonne, dass sie diesen Geruch austrocknete, den Geruch nach Lebendigem, den Geschmack nach Totem, Phantasien, schwankende, rasende Eifersucht, Melancholie des Täters, die in Musik mündet, gräßliche Taten, himmlische Madrigale&#8230; Gesualdo. Fang dich ein, krieg dich ein, das ist Hessen, wo der Mümling murmelt, der Fürst den Park zu seiner Wunderkammer macht. Grobnähtig Geschweißtes verrostet im Wald, übers Wasser schwankt ein Wesen heran, halb Mensch, halb Paddelboot,  über steinige Stellen mit kleinem Risiko. Wir winken nicht, wir schreiben nicht mal die Schuhe ab, wir gehen weiter bis zum Altenheim und bis zum Ort, kein abgrundtiefen Madrigale gellen durchs Herz, Sonntagsstille, Sonntagsgeruch, bedenkenlos verschwendete Stunden. Kein Abgrund gähnt so, keine Moral ist so doppelt und dreifach wie die in jenem Dorf, aus dem du selbst gekommen bist. Meide die Straße, geh im Feuchten zurück, finde den Schlosshof, den unbestellten Garten höchstwahrscheinlich harmloser Leute, übersieh nicht die Schale mit dem busenförmigen Wasserspeier in der Mitte, die Durchblicke zum Park wie in eine ferne Menagerie.</p>
<p>Und dann lehnen sie unter dem himmelhohen Bogen:  sie, die Sandsteinschöne mit dem offen stehenden Mund, er, der Bewaffnete, dem einer die Nase aus dem Gesicht schlug, eine Neige Grausamkeit, ein Bröckchen Melancholie. Und über ihnen, am Rand der ersten Himmelsschale, bläst ein dickschenkliger Engel die Bombarde oder was. Ach, der Park, der verdient den Namen.</p>
<p>Koordinaten: Michelstadt, Ortsteil Steinbach, fehlende Zeitachse</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2009/04/24/im-feuchten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

