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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Bahnstation</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>90 Jahre Musik im Pelz</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 15:23:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohrenschmaus]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8230; Kulturamtsleiter Riedmann sagt: »Die Donaueschinger betrachten die Musiktage mit Neugierde &#8211; und mit Skepsis.« Sind denn nicht oft Donaueschinger selbst beteiligt? Innenmarketing wäre es nicht, aber wenn es ins künstlerische Konzept passe, 300 Blasmusiker finde man durchaus. 2006 waren es sogar 350, die der amerikanische Komponist Alvin Curran für seine Performance »Oh Brass on [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3413" class="wp-caption alignleft" style="width: 197px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/10/FF-Sammlungen-bei-Nacht.jpg"><img class="size-medium wp-image-3413" src="http://www.poliander.de/files/2011/10/FF-Sammlungen-bei-Nacht-187x300.jpg" alt="Nachtmusik in Donaueschingen" width="187" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Nachtmusik in Donaueschingen</p></div>
<p>&#8230; Kulturamtsleiter Riedmann sagt: »Die Donaueschinger betrachten die Musiktage mit Neugierde &#8211; und mit Skepsis.« Sind denn nicht oft Donaueschinger selbst beteiligt? Innenmarketing wäre es nicht, aber wenn es ins künstlerische Konzept passe, 300 Blasmusiker finde man durchaus. 2006 waren es sogar 350, die der amerikanische Komponist Alvin Curran für seine Performance »Oh Brass on the Grass Alas« in den Blaskapellen von Donaueschingen und der unmittelbaren Umgebung fand. Auch Poliander und ich drängten uns mit anderen Stehplatzinhabern<span id="more-3411"></span>  auf der Empore der Erich-Kästner-Sporthalle und beobachteten, wie weit jenseits der großen Fensterwand Jugendliche und Erwachsene aus dem Wald und, immer blasend, über das Feld kamen. Einweiser stellten sie zu geometrischen Formationen zusammen. Am Ende zogen sie ums Haus und bliesen Bach »Es ist genug«. Wer nicht ergriffen war, hatte kein Herz&#8230;</p>
<p>Donaueschingen: ein 21.000-Seelen-Städtchen, Zuhause der Donaueschinger Musiktage. Kleine Stadt am Schwarzwaldrand und Musik-Avantgarde &#8211; wie verträgt sich das?</p>
<p>Poliander  besuchte Donaueschingen vor den Musiktagen im 90. Jahr:<br />
Reportage von Ulrike Gramann am 15. Oktober 2011 in der Tageszeitung ND, direkt zum ganzen Text <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208989.90-jahre-laus-im-ohr.html">hier</a>.</p>
<p>Koordinaten: 47° 57&#8242; 11&#8221; N, 8° 30&#8242; 12&#8221; O, <a href="http://www.swr.de/swr2/musik/-/id=661124/did=8747254/pv=mplayer/vv=popup/nid=661124/r6szw4/index.html">Hörermeinungen beim SWR</a>.</p>
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		<title>Im Untergrund bewegt sich das Salz</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Sep 2011 15:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Hafenhotel]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt zwei Bahnhöfe in Lüneburg. Auf dem einen hält der ICE, von dem andern fahrn die Bähnchen ins Wendland, ja, da, dahin, die Strecke ist gemeint, über die auch die Brüder des Pollux rollen, der nämlich, Pollux meine ich, nicht bloß einen hat, und alle, alle heißen sie gleich. Lüneburg ist noch nicht Wendland, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3271" class="wp-caption alignleft" style="width: 173px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/09/turm-bus-lueneburg.jpg"><img class="size-medium wp-image-3271" src="http://www.poliander.de/files/2011/09/turm-bus-lueneburg-163x300.jpg" alt="Alles schief, hält trotzdem." width="163" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Alles schief, hält trotzdem.</p></div>
<p>Es gibt zwei Bahnhöfe in Lüneburg. Auf dem einen hält der ICE, von dem andern fahrn die Bähnchen ins Wendland, ja, da, dahin, die Strecke ist gemeint, über die auch die Brüder des Pollux rollen, der nämlich, Pollux meine ich, nicht bloß einen hat, und alle, alle heißen sie gleich. Lüneburg ist noch nicht Wendland, Lüneburg liegt am Rand der Heide, nicht mittendrin, nein, und der Fluss heißt die Ilmenau. Lüneburg sieht ganz aus wie eine Stadt für Touristen. Aber schön.<span id="more-3261"></span></p>
<p>Lüneburg ist alt und hatte einen kostbaren Hafen, um das Salz zu verschiffen, das unter Lüneburg in einem Salzstock liegt, und die Schiffe waren gar nicht groß, mit denen das geschah. So kostbar war das Salz, dass es sich lohnte, es mit kleinen Schiffen in die Welt zu bringen. Manche sagten, der Name der Stadt käme von <em>Luna</em>, und ließen sich halbe Monde in die Wappen und Hauszeichen fügen. Die Wissenschaft schritt fort, die Monde wurden abgeschlagen, als man zu meinen begann, der Name käme doch von <em>hliuni</em>, Zuflucht, von einer Burg der Billunger, die 951 eine Burg auf dem kalküberwölbten Salzstock bauten. Da gab es die Saline schon, und erst 1980 wurde sie geschlossen. Weil das Salz sich bewegte. Und es bewegt sich so, dass ganze Stadtteile sich senken, Kirchen in Schiefstand geraten. Lamberti wurde abgerissen, St. Johannis steht schief, aber steht. Ja, links schauen, aufs Bild! St. Nikolai steht auch, und um so fester. Das Schönste darin sind zwei moderne Fenster, durch die grau und zart das Licht fällt, und rot wie Blut ist Glas über diese neuen Fenster geflossen. Schön, ja. Das Allerschönste ist ein Altar, der zeigt die ganze Geschichte, den heiligen Comic und auch Polianders Lieblingsgeschichte, Karsamstag: Christus steigt von seinem Grab tiefer, in die Vorhölle hinab, von dort die Gerechten zu befrein, was nicht ohne <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Redentiner_Osterspiel">Streit mit den Teufeln</a> abging.</p>
<div id="attachment_3279" class="wp-caption alignleft" style="width: 161px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/09/christus-in-der-vorhoelle-lueneburg.jpg"><img class="size-medium wp-image-3279" src="http://www.poliander.de/files/2011/09/christus-in-der-vorhoelle-lueneburg-151x300.jpg" alt="Holt sie hier raus." width="151" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Holt sie hier raus.</p></div>
<p>Es ist, wie jeder bibelfeste Christ weiß, eine inoffizielle Geschichte, die nichtsdestotrotz im Mittelalter große Berühmtheit erlangte. Poliander malt sich aus, wie der Erlöser im Untergrund tätig wurde, den Streit und wie wohl die Gerechten überrascht waren. Die Flammen züngeln zwar, berühren aber die Gerechten nicht. Und die Teufel blicken stumm. Und in der Kirche ist es finster, wie das Bild zeigt. Poliander blitzt nicht in fremden Kirchen rum. Wer aufs Bild klickt, kann dennoch die Fratzen der Teufel erkennen. Draußen vor St. Nikolai wechseln Licht und Regenhuschen. Poliander fragt sich, was der viele Regen mit dem Salzstock macht, unter der Stadt. Sie bewegt sich noch immer. (Und das ist nicht der einzige Grund, warum P. und die anderen die Brüder des Pollux nicht wollen.) Und dann fahren sie raus, ins Wendische, wo der Mond weich und voll über den Feldern hängt, zu den Leuten, die den reichen Lüneburgern einst suspekt waren und jedem, der aufrichtig fragt, warum die Kreuze dort schräg stehen, so freundlich Bescheid sagen.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCneburg">53° 15&#8242; N, 10° 25&#8242; O</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Strümpfe der Salier</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/07/04/die-struempfe-der-salier/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Jul 2011 03:58:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem Rhein schaukelt die &#8220;Karlsruhe&#8221;.  Oben im Park hinterm Dom drehen Feuerrädchen in der Luft. Parkplätze sind überfüllt. Der Gefährte fragt, wie lange die Fahrt übern Rhein geht, von Speyer nach Karlsruhe. Drei Stunden? Er glaubt&#8217;s ja nicht.  Drei Stunden haben wir gerade im Historischen Museum der Pfalz verbracht, nicht gerechnet die Kaffeepause im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3007" class="wp-caption alignleft" style="width: 227px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/07/Salier-Insignienübergabe-Ausschnitt.jpg"><img class="size-medium wp-image-3007" src="http://www.poliander.de/files/2011/07/Salier-Insignienübergabe-Ausschnitt-217x300.jpg" alt="Heinrich IV. übergibt Heinrich V. die Krönungsinsignien" width="217" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Heinrich IV. übergibt Heinrich V. die Krönungsinsignien</p></div>
<p>Auf dem Rhein schaukelt die &#8220;Karlsruhe&#8221;.  Oben im Park hinterm Dom drehen Feuerrädchen in der Luft. Parkplätze sind überfüllt. Der Gefährte fragt, wie lange die Fahrt übern Rhein geht, von Speyer nach Karlsruhe. Drei Stunden? Er glaubt&#8217;s ja nicht.  Drei Stunden haben wir gerade im <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Startseite.htm">Historischen Museum der Pfalz</a> verbracht, nicht gerechnet die Kaffeepause im schönen Innenhof. Und wir wären noch nicht gegangen, wäre nicht so ein schöner Tag, draußen, <a href="http://www.poliander.de/2011/06/21/blau-farbe-fliessendes-wasser/">in Speyer, am Rhein</a>.</p>
<p>Aus drei Gründen hat Speyer ein Salier-Jahr ausgerufen: <span id="more-2999"></span>Vor 950 Jahren wurde der Dom geweiht, dessen Bau der salische König und spätere Kaiser Konrad II. im Jahr 1025 begonnen hatte. Vor 900 Jahren wurde Heinrich V. zum Kaiser gekrönt; im gleichen Jahr verlieh er den Einwohnern der Stadt Speyer bedeutende Privilegien, die sie von Steuern und Abgaben befreiten und Speyer wirtschaftlich stark machten. Das Pfälzer Historische Museum zeigt <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Salier.htm">von den Saliern</a>, was es hat und leihen kann. Was es zeigt, überrascht nicht, ist aber, wenn man so Mittelalter-Ausstellungen kennt, überraschend differenziert.</p>
<p>Wir spielen in einen Touchscreen ein, was wir wissen, bis der   Automat die Botschaft ausspuckt: „Sie wären ein guter  mittelalterlicher Herrscher gewesen“, Dämpfer folgt: „Für  die meisten Menschen, die in Ihrem Mittelalter lebten, wäre es jedoch  eine ziemlich finstere Zeit gewesen.“ Nicht ganz so subtil grüßt ZDF-Anchorman Claus Kleber herüber, der, digitalisiert, vor einem Historiengemälde die Ereignisse des Aprils 1111 schildert, als  wär&#8217;s gestern gewesen, dass Heinrich V. den Papst gefangen nahm, um seine Krönung zum Kaiser zu  erzwingen. Das Unerhörte gleicht dem Staatsstreich von nebenan, gleich  hier: in der Welt. Die Mächtigen, Kaiser und Papst, verbissen sich an der Frage der Investitur der Bischöfe in ihr Amt. Eine Formalität war das nicht, Bischöfe waren mächtige weltliche Herrscher. Was Heinrich V. durch die Festsetzung des Papstes  Paschalis II. erzwang, die Krönung, bezahlte er mit dem Kompromiss. Zunächst verlieh er den Bischöfen noch Ring und Stab, freilich nachträglich, als Bestätigung ihrer Einsetzung. 1119 kehrte sich die Sache ganz: Die Kirche verlieh Ring und Stab, der König durfte die Würdenträger mit den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Regalien">Regalien</a> belehnen.  Hieß, er gab ihnen die Mittel, die Macht, die die Kirche ihnen verlieh, auch durchzusetzen.</p>
<p>Und dann breitet das Museum den ganzen Zauber dessen aus, was wir heute das Mittelalter heißen, Handschriften, Spolien, Haushaltsgerät wie Scheren  und Gefäße, Zeitvertreib wie Spielsteine und Mühlebrett, mönchische Regeln, unter denen leider nicht die  wichtigsten, sondern die kuriosesten ausgewählt wurden. Doch selbst das funktioniert, denn wenn wir erfahren, welche Zeichen die Mönche  untereinander beispielsweise für das Wort Brot benutzten, erfahren wir  zugleich: Sie hatten zu schweigen. Im Museumskeller aber finden wir nicht nur <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Des_Kaisers_letzte_Kleider.htm">des Kaisers letzte Kleider</a>, sondern auch seine <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Des_Kaisers_letzte_Kleider/KUR_Imagefilm_2.htm">besten Strümpfe</a>, seinen feinsten Mantel und die schönste Haube. Poliander verliebt sich gleich in den säuberlich nachgenähten Strumpf aus glänzendem Stoff &#8211; weites Bein und spitzer Fuß. Solche Strümpfe tragen die Museumskönige bis heute. Von den Fußlappen der Armen blieb nichts, von ihren Barfüßen ein Wirbel in der Luft draußen vorm Dom.</p>
<p>Gramanns Ausstellungskritik selber lesen: Tageszeitung ND vom 4. Juli 2011 sowie hier <a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/201218.volk-von-steuerlast-befreit.html">Von Steuerlast befreit</a></p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Salier.htm">10. April bis 30. Oktober 2011</a>.<br />
Vermerk: Die oben links abgebildete Handschrift befindet sich in der Staatsbibliothek zu Berlin.<br />
Pressefoto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz via Historisches Museum der Pfalz Speyer.</p>
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		<title>Oh Farbe, oh fließendes Wasser</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 18:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Blau]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, Noviomagus Nemetum, denn die hießen Nemeter, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2941" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden.jpg"><img class="size-medium wp-image-2941" src="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden-300x168.jpg" alt="Die blauen Läden" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Die blauen Läden</p></div>
<p>Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Speyer">Noviomagus Nemetum</a>, denn die hießen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nemeter">Nemeter</a>, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem heiligen Hain, dieses Rätsel überlassen wir der Leserin zur Übung. <span id="more-2731"></span>Also die kleine Stadt mit einem Bahnhof von drei Bahnsteigen und dem Bus davor, der steht mit offener Tür, steig ein, wusschh! Natürlich steigen wir an der falschen Stelle aus, doch was macht das schon? Vor einer Kirche ein Auto, raus steigt eine ältere Frau, die nach tiefer Bodenständigkeit riecht, und die sagt dir dann mit einem Akzent, der noch viel fremder ist als pfälzisch, wo&#8217;s langgeht. Erleichterung, wir sind nicht am Ende der Welt hier, wir sind links vom Rhein, aber nicht hinterm Mond. Dann geht es durchs Altpörtel, ein Torturm wie aus dem Kinderbuch so fein, dann durch die Fußgängerzone. Die Speyerer und Speyerinnen sitzen aber und lassen sich vom Himmel bescheinen, was ist der auch blau heute. Die schöne Göttin hinterließ die feine Farbe auf den Fensterläden der Gasse schräg weg vom Dom.</p>
<p>Noch schöner, <a href="http://www.speyer.de/de/tourist/museen/schpira">das kleine Museum</a>. Und hinuntersteigen, in das stille mittelalterliche Bad, ein heiliger Ort, auch heilig vor lauter Geschichte, steinern und mit sachtem feuchtem Atem. Ach, Säulchen, wie sie den Durchblick teilen. Polianders Blicke ins Grundwasser und auf den Grund. Dort liegt das Geld der Touristen, das die Engel nicht heben. Poliander guckt nah, Ungeschick verlass mich nicht! fällt P.s Reisehut direkt hinein, schwimmt zur Seite, Poliander steht wie taub, schon zieht Polianders Gefährte den Schuh vom Fuß, steigt dem Hut hinterdrein, kommt nass zurück, steigt mit Poliander die Teppe, und während sie noch mit Tempotaschentüchern die Füße des Gefährten trocknen, schwimmt eine neue Schar Touristen die Treppe herunter, schwimmt trocken, versteht sich, doch hinab, strafende Blicke: Was haben die hier gemacht! Poliander und Gefährte fragen sich. Ist der Hut noch der selbe wie zuvor? Ist das Bad noch das selbe wie zuvor? Sie grinsen vor Verlegenheit, ihr Grinsen macht sie mehr verlegen, und sie machen sich eilig davon. Vorm Tor, wieder im Blau, stülpt P. den Hut über die Ohren, es tropft. Doch wer behielte nicht gern im Frühsommer einen kühlen Kopf.</p>
<p>Koordinaten: 49°19&#8217;10&#8221; N, 8°25&#8217;52&#8221; O, <a href="http://www.speyer.de/">Speyer</a></p>
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		<title>Poliander lauscht fremden Dialekten</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/03/23/poliander-fremde-dialekte/</link>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 22:18:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Wegelagerei]]></category>
		<category><![CDATA[Worte und Sprüche]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Der wo koi Recht hed, hed immerhin Unrecht.&#8221; Christine Prayon Koordinaten:  48° 47&#8242; N, 9° 11&#8242; O. Selber mehr hören und sehen: Christine Prayon am Bahnhof in Stuttgart.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Der wo koi Recht hed, hed immerhin Unrecht.&#8221;<br />
<a href="http://www.christineprayon.de/vita.html">Christine Prayon</a></p>
<p>Koordinaten:  48° 47&#8242; N, 9° 11&#8242; O.<br />
Selber mehr hören und sehen: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=06c02tza_2E&amp;feature=related">Christine Prayon am Bahnhof in Stuttgart</a>.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>1001 Piraten und ein Hund</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 04:45:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Raumflug]]></category>

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		<description><![CDATA[Poliander als Kater gestiefelt: eilt nach Bingen an den Rhein, mit der Bahn. Fragen Sie nicht! P. erzählt es auch so. Ab Mainz, wo vom Bahnsteig die Mittelrheinbahn geht, schwirrt das Züglein von fremder Sprache und Englisch mit jederlei Akzent. Zwei Jugendliche sprechen italienisch, in einer Reisegruppe aus Sachsen werden früh halb zehn schon Schnappsfläschchen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Poliander als Kater gestiefelt: eilt nach Bingen an den Rhein, mit der Bahn. Fragen Sie nicht! P. erzählt es auch so. Ab Mainz, wo vom Bahnsteig die Mittelrheinbahn geht, schwirrt das Züglein von fremder Sprache und Englisch mit jederlei Akzent. Zwei Jugendliche sprechen italienisch, in einer Reisegruppe aus Sachsen werden früh halb zehn schon Schnappsfläschchen geleert, und ein chinesisches Liebespaar mit Schnellhefter deutet flüsternd in seiner Zettelwirtschaft herum, die Orte, Speisen, deutsche Floskeln verzeichnet und Zeichen zeigt, die Poliander nicht lesen kann, P. versteht nicht mal die dicken gezeichneten Milchkühe. <span id="more-1305"></span>Ein Mittzwanziger erklärt seiner Harry-Potter-affinen Begleiterin, warum er eine der großen Herrschaftsparteien nicht mehr wählt: Ministerin zu jung, zu kinder- und zu ahnungslos. Poliander fremdelt, will der hin, wo Poliander hin will?, Bingen Stadt springt er ab, Poliander aber steigt Bingen Hauptbahnhof aus, zwei Bahnhöfe haben eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bingen_am_Rhein#Schienenverkehr">Geschichte für sich</a>. P. geht zum letzten Ende des Bahnsteigs, treppt in den Himmel und wieder hinab, Wiesen am Fluss, saubere Wege, wenig Gebüsch, und jenseits der <a href="http://www.rheingau.de/sehenswertes/ehrenfels">Fels</a> und diesseits der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binger_M%C3%A4useturm">Turm</a>, von dem das verträumte Volk <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binger_M%C3%A4useturm#Legende">eine grausig gerechte Geschichte</a> weiß. &#8220;Eingang für Presse, bitte hier, bitte hinten, bitte links herum.&#8221; Kathedralen des Fortschritts?, dreh ne Nummer runter, Poliander!, also: Hallen der Netzwirklichkeit, wo der Strom noch aus Steckdosen kommt, zwischen hundert Bänken ringeln tausend Kabel, und Poliander steht unter tausendundeinem Gestiefelten und Geschuhten: Männer mit apfelsinenfarbigen Hemden, Piratentücher um die Köpfe, helle Augen, spiegelnde Monitore, jeder hat einen, manche zwei, ist das dort nicht Marc Vandoosler? Eine Dame mit glatt grauem Haar blinkt Poliander an: &#8220;Bist du Marlena?&#8221;, raunt was Schönes von Gleichheit, Gerechtigkeit, Freiheit, P. wird ganz schwummerig vor Interesse, &#8220;Ich habe Lust&#8221;, spricht She-Pirate, &#8220;in einer Gruppe zu sein, die keine diskriminiert&#8221;, Lust in ner Partei, denkt P., fast zu schön, um wahr zu sein.</p>
<p>Doch wer von euch, vielliebe Leserinnen und Leser, das nun genau wissen will, muss selber hinschwimmen und -rudern <a href="http://www.piratenpartei.de/">unters geblähte Segel</a>. Bei der Meinungsbildung kann Poliander Gucktnur nicht helfen.</p>
<p>&#8220;Also&#8221;, ruft einer, &#8220;Piratenkapitän, rede, die Kamera zeigt auf dich und wirft dein Bild zurück!&#8221; Sie gehen absichtlich ins Netz, aber wolln sich nicht drin verfangen, blasen, um nicht zu ersticken, Muschelhorn und Lautsprecher gegen die obere Etage, die alle und all unsere Daten und Taten sammeln, konzentrieren, verwerten will. Dagegen die Ordnung der Piraten geht so: Jeder redet 30 Sekunden. Nur manchmal brechen Sätze sich Bahn in die Zeit, und die Versammlungsleiter haun mit der Faust durch die Luft. P. wirft Fragen in die Wellen und kriegt viel Antwort.  Wo sind die Schätze der Piraten? Sie liegen offen, selbst vorm Bundeswahlleiter, das hat der Piratenschatzmeister getan, stolz und im Trench geht er durch die Reihen, grade und mit dem gefleckten Hund am Band, der diszipliniert auf der Bühne die Wahl abwartet, zerrt nicht an der Leine, ist würdig, sein Name: Cpt. Jack Sparrow. Beifall bitte! Und der Tag ist lang, wer zusammengefasst  Substantielles lesen will, kann ja Ulrike G. fragen, sie hat auch was geschrieben, <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/171102.onliner-wollen-die-parlamente-entern.html">hier</a>. Poliander geht abwesend durch die Reihn, Piratinnen können Piraten oder Piratinnen sein, verwirrt sich, geht mal raus, da fahren die langsamen Schiffe, von den Enterhaken des Fremdenverkehrs betroffen, am Rhein ist es ja so schön, zurück also zu den Realisten, die, sagt der Pressepirat, sich &#8220;sehr stark selber verwalten, das ist die Kultur, aus der sie kommen&#8221;, und er schwärmt von der Intelligenz der Schwärme. Ach, denkt Poliander, wie das wohl wäre? Schwärmen, auf der Bühne schwärmen sie vom guten Geist des <a href="http://liquidfeedback.org/">liquid feedback</a>, P. hört&#8217;s und hat&#8217;s nun trotzdem eilig, Schwärmen, ein Reizwort. Nur weiter! Unterm Mäuseturm winkt einer, Marc Vandoosler? Die charmanten Onliner im Rücken, gehn am Ufer des Rheins schräge Vögel mit ihren Jungen. Und hätte Poliander am Bahnhof nicht jene kluge Bioinformatikerin getroffen, könnte hier niemand lesen, dass dies die Nilgänse sind, die ihre großgepunkteten Kinder statt in den warmen Nil nun auch ins laue Rheinwasser führen.</p>
<p>Koordinaten: 49° 58&#8242; N, 7° 54&#8242; O, Neumond, 1001 Piraten wurden am 15. Mai 2010 um 17:59 Uhr in der alten Wagenhalle Bingen gezählt, <a href="http://www.bingen.de/">ja, Bingen, schön</a>,  <a href="http://www.gartenspaziergang.de/wasservogel/t_nilgans.html">Nilgänse</a></p>
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		<title>Wenn du da wärst</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 16:53:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Ströme]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

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		<description><![CDATA[Freitag, Spätberufsverkehr. Vor einem Dreivierteljahr brach eine Radscheibe, entgleiste eine S-Bahn, seitdem fährt die S-Bahn ungefähr halb so oft und oft mit halben Zügen, der Skandal ist Gewohnheit geworden, stoisch ertragen die Berliner die Ungewissheit, wann welche Bahn von wo nach wo geht, mit oder ohne Unterbrechung. Freitag, Spätberufsverkehr. Ring über Gesundbrunnen: Poliander müsste neun [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1143" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/02/Winterbahn.jpg"><img class="size-medium wp-image-1143" src="http://www.poliander.de/files/2010/02/Winterbahn-300x168.jpg" alt="Winterbahn" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Winterbahn</p></div>
<p><span id="more-1125"></span></p>
<p>Freitag, Spätberufsverkehr. Vor einem Dreivierteljahr brach eine  Radscheibe, entgleiste eine S-Bahn, seitdem fährt die S-Bahn ungefähr halb  so oft und oft mit halben Zügen, der Skandal ist Gewohnheit geworden,  stoisch ertragen die Berliner die Ungewissheit, wann welche Bahn von wo  nach wo geht, mit oder ohne Unterbrechung. Freitag, Spätberufsverkehr. Ring über Gesundbrunnen: Poliander müsste neun Minuten warten, Ring über Ostkreuz: kommt sofort, kommt, also steigt Poliander ein. Was man hat, hat man. Gleich kommt ein Kontrolleur, erwischt sofort eine Frau ohne Fahrschein. Sie folgt ihm durch den Wagen. Der Zug hält. Prenzlauer Allee. &#8220;Zurückbleiben!&#8221; Ein zweiter Kontrolleur kommt zwischen die Reihen, &#8220;Fahrausweise bitte mal&#8221;. Murren, &#8220;War grad einer da.&#8221; Einer von zwei Jungs mit Bierflasche hat schon die Karte gezückt.</p>
<p><em>Kontrolleur:</em> Die is nicht gültich.<br />
<em>Mädchen auf der Nebenbank:</em> War doch grade einer da.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Dit is ne Rückfahrt.<br />
<em>Junge mit dem Bier:</em> Ich bin grade kontrolliert worden.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Dit is ne Rückfahrt!<br />
<em>Fahrgast aus dem Hintergrund:</em> Wir sind grade alle kontrolliert worden.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Ja, aber der Fahrschein hier gilt nicht! <em>(zum Kollegen:)</em> Kommste mal!<br />
<em>Junge: (versucht aufzustehen)</em><br />
<em>Kontrolleur:</em> Dit is ne Rückfahrt, gilt nich. Außerdem überstempelt.<br />
<em>Junge:</em> Ich steige jetzt sowieso aus. <em>(steht auf, geht an P. vorbei in Richtung des anderen Kontrolleurs)</em><br />
<em>Kontrolleur: (geht hinterher)</em><br />
<em>Poliander:</em> Na, Sie traun sich was, ich möchte auch mal bei der S-Bahn kontrollieren, ob da noch alles gültig ist.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Halten Sie sich geschlossen!<br />
<em>Poliander:</em> Was?<br />
<em>Kontrolleur:</em> Sie müssen hier nich mitfahren!<br />
<em>Poliander:</em> Gibt ja auch kaum noch Gelegenheit dazu bei der Zugfolge.<br />
<em>Junge: (ist hinterm Rücken des Kontrolleurs zur anderen Tür zurückgegangen)</em><br />
<em>S-Bahn: (hält Greifswalder Straße)</em><br />
<em>Kontrolleur: (versucht den eben ausgestiegenen Jungen zu verfolgen)<br />
Junge: (verschwindet im Gedränge)<br />
Kontrolleur: (steigt wieder ein)</em><br />
<em>Gitarrist: </em>Wusst ich gleich.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Wieso?<br />
<em>Gitarrist:</em> Weil der so hin und her gelaufen ist.<br />
<em>Kontrolleur:</em> &#8212;<br />
<em>Gitarrist:</em> Die Leute sind sauer.<br />
<em>Kontrolleur:</em> Wir können nix dafür. Wir kriegen alles ab. <em>(steigt aus)</em><br />
<em>Poliander: (denkt)</em><br />
<em>Gitarrist: (spielt &#8220;Wish you were here&#8221;)</em><br />
<em>Alle: (erkennen die Melodie bei den ersten Griffen)<br />
Mädchen auf der Nebenbank: (sucht Geld heraus)</em><br />
<em>Gitarrist:</em> Running over the same old ground/ What have we found.<br />
<em> Poliander: (glücklich)</em></p>
<p>Koordinaten: 52°31&#8217;20&#8243; N 13°17&#8217;51&#8243; O. <a href="http://www.s-bahn-berlin.de/">S-Bahn Berlin</a>. Selber hören: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=IXdNnw99-Ic">Pink Floyd</a>.</p>
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		<title>Das Katzenglück</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Aug 2009 14:27:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>
		<category><![CDATA[Magie]]></category>

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		<description><![CDATA[Es fing mit dem Winter an. Es war Winter, es war Wetter, bald nach Neujahr, ich fuhr nach Leipzig. Poliander saß mir im Nacken, arbeiten, sagte P., weniger zaudern. Ich kränkelte, P. ließ es nicht gelten. Vom Bahnhof ging ich zu Fuß, sie, die ich sprechen wollte, hatte gesagt, ich könnte zu Fuß gehen. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_703" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/08/Zwei-Katzen-bei-Frau-Scharff.JPG"><img class="size-medium wp-image-703" src="http://www.poliander.de/files/2009/08/Zwei-Katzen-bei-Frau-Scharff-300x176.jpg" alt="Foto: Frau Scharff" width="300" height="176" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Frau Scharff</p></div>
<p>Es fing mit dem Winter an. Es war Winter, es war Wetter, bald nach Neujahr, ich fuhr nach Leipzig. Poliander saß mir im Nacken, arbeiten, sagte P., weniger zaudern. Ich kränkelte, P. ließ es nicht gelten.<br />
Vom Bahnhof ging ich zu Fuß, sie, die ich sprechen wollte, <span id="more-689"></span>hatte gesagt, ich könnte zu Fuß gehen. Ich ging mit der Kirche ums Dorf. Typisch, sagte Poliander, mein Schatten, der an mir hing: Das machst du extra, Eindruck schinden, zerrauft ankommen, wie wäre es mit Löchern in den Schuhn?<br />
Ich hatte eine Flasche Wein von der Art, die wir in den zwölf Nächten getrunken hatten. Typisch, sagte P., für den roten Spanier bist du nie zu krank. Das war jetzt aber richtig gelogen, denn ich war gar nicht richtig krank, ich verbot P. den Mund und klingelte an der hohen Tür. Da stand sie, die ich befragen wollte, und vier Katzen rannten in ein Zimmer. Die Frau rief sie mit ägyptischen Namen, Namen von Göttern. Zwei waren schwarz, zwei gestreift, eine von denen eine Glückskatze. So sagte sie. Glückskatzen sind Katzen mit drei Farben.<br />
Sie, die ich sprechen wollte, war so aufmerksam, womöglich würde sie sogar P. ein Glas hinstellen. Die Katzen strichen um den Tisch, eine sprang drauf, Müsst ihr mich blamieren?, sagte nachsichtig ihre Herrin. Alles war mild hier, fein und von Hand gemacht, wir verglichen unsere Leben. Poliander hielt endlich den Mund, P. ist eine Beschatterin, aber wenn sie die Geschichten anderer Leute zu hören bekommt, wendet sie ihre Aufmerksamkeit von mir ab. Sie lebt von Geschichten, könnte man sagen. Ärgerlich, dass P. selbst nicht schreibt, nichts notiert, meine ich. Wie viel genauer könnte ich fragen, wenn P. mir das Notieren abnähme, aber sie ist stolz, keine Sekretärin, sagt sie.<br />
Die Katzen mit ihrem sachten, starken Atem brachten einen Schmuck in Bewegung, der an der Wand hing, sie gingen wild auf langen Beinen und mit tiefen Schritten, aber behutsam, nichts fiel. Die Frau der Katzen handelt mit Schmuck und andrem magischen Ding, doch sie ist auch eine Frau der Worte, die in Büchern geronnen sind. Später schwang die Tür auf zur Kammer, in der ich schlafen durfte, die Katzen wies sie von der Schwelle. Draußen ging der Leipziger Himmel vorbei, P. nickte im Flechtstuhl, die Katzen im Flur hatten einen Baum mit Fächern, in denen sie liegen konnten, eine immer über der andren. Aber auch sie schliefen nicht, das ist ihr Wesen, am Morgen saßen sie vor den Türen, zwei vor dem Zimmer ihrer Frau, aufrecht wie Bastet, zwei vor der Kammer. Als wir das Interview machten, legten sie sich breit auf mein Manuskript. Sie liegen gern auf Papieren, hörte ich ihre Herrin sagen. Sie klappte ihre Geschichten für mich auf, es war ein Glückstag.</p>
<p>Zurück in B.: Mir träumte von kleinen Katzen, erst sah ich zwei in meiner linken Hand, dann vier in der rechten. Sie reckten ihre Beine und dehnten sich vergnügt. Noch nie hatte ich so schön von Katzen geträumt. Poliander strich sich zufrieden die Unterlippe.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.frauscharff.de">Frau Scharff</a>, Leipzig 2009<br />
Lesen: Ulrike Gramanns Porträt von Frau Scharff, die <a href="http://www.monaliesa.de/">MonaLIESa</a> gründete, <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/156006.frau-scharffs-drittes-leben.html">die Magie der schönen Dinge kennt</a> und mit Katzen spricht, erscheint am 19. September im &#8220;Neuen Deutschland&#8221; und ist hier <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/156006.frau-scharffs-drittes-leben.html">nachzulesen</a>.</p>
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		<title>Nasturtium officinale</title>
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		<pubDate>Mon, 04 May 2009 10:58:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
		<category><![CDATA[Wegelagerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Als der Zug zwischen Oßmannstedt und Weimar durchfuhr, sah ich: Das Gras ist grüner. Es liegt an dem Dunst, der sich zwischen den Hügeln hält, an dem Regen, dem Wind, der nur langsam geht zwischen den Feldern. In Erfurt goss es aus Eimern, ich war zum Arbeiten hier, Vorlesen, das ist schöne Arbeit, Arbeit für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_443" class="wp-caption alignleft" style="width: 308px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/05/dom_und_severi2.jpg"><img class="size-medium wp-image-443" src="http://www.poliander.de/files/2009/05/dom_und_severi2-298x300.jpg" alt="Dom und St. Severi im Leitungsverhau" width="298" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Dom und St. Severi im Leitungsverhau</p></div>
<p>Als der Zug zwischen Oßmannstedt und Weimar durchfuhr, sah ich: Das Gras ist grüner. Es liegt an dem Dunst, der sich zwischen den Hügeln hält, an dem Regen, dem Wind, der nur langsam geht zwischen den Feldern.</p>
<p><span id="more-363"></span>In Erfurt goss es aus Eimern, ich war zum Arbeiten hier, Vorlesen, das ist schöne Arbeit, Arbeit für Geld dabei. Erfurt war die erste Stadt, die ich selbst wählte, vor dreißig Jahren. Am Tag nach dem Lesen, vorm Mittag, gingen A. und ich auf den Markt, ein Drang von früher trieb mich zum Beutemachen. Früher ging ich mit dem Korb, morgens halb sieben, die Glocken läuteten, sie läuteten seit fünf Uhr morgens unentwegt in Erfurt-Mitte, eine Kirche rief immer zum Dienst in <a href="http://www.erfurt.de/ef/de/leben/gemeinden/"><em>Erfordia turrita</em></a>, ich war vom Dorf, ich kannte keinen Markt, nur das Weiterreichen und Verkaufen von Garten zu Garten. Es war so städtisch, auf einen Markt zu kommen und bei einer Bäuerin zu kaufen.  An diesem Erfurter Donnerstag dreißig Jahre später trieben Schwaden von den Bratrosten her, Touristen stiegen die Domstufen hoch, wir musterten die Stände, Zitronenthymian war nicht die Beute, nicht Ananassalbei, und auch die Akeleien, die auf ihren Stengeln schwankten, konnten keine Beute sein. Eine Frau, kleiner, als ich sie in Erinnerung hatte, glitt vor mir ins Bild, ich erkannte sie an ihrem Griff an die feine Strähne vor dem Ohr, die sie zu glätten versuchte, obwohl sie glatt war, Dr. J., Literaturwissenschaftlerin.</p>
<p>Dr. J., ihre Haare sind blond, ich schaue zu A., A. begrüßt eine Bekannte, man trifft immer Bekannte in Erfurt, wenn nicht am Domplatz, dann am Anger, wenn nicht am Anger, dann am Wenigemarkt. Dr. J. ist kleiner geworden, ich etwa nicht?, dreißig Jahre, ich gehe ihr nach, ich berühre sie am Arm, sie schaut mich an, sie schaut weg, &#8220;Ach&#8221;, sagt Dr. J., ich sage: &#8220;Ja.&#8221; Wo komme ich her, was mache ich hier, wo lebe ich jetzt? Gut, sagt sie, geht es ihr, und lebe ich, ich errate die Frage, Ja, ich lebe davon, Nein, es ist keine gute Frage. Nach zwei Minuten sind wir schon uneins. Ist es nicht, sagt sie, die einzige, die alles entscheidende Frage? Nein, sage ich, sie beantwortet sich im Augenschein. Waren wir je einig, denke ich, habe ich laut gedacht? &#8220;Doch&#8221;, sagt sie, natürlich, sie vertritt ja die Frau in der Literatur, die kenne ich auch, diese Frau, Heldin auf dem Papier, Herrscherin über das Papier, Sklavin, addicted to words. Was tut sie nun?, Großmutterdienste in der Stadt, ehrenamtlich, ihre Freunde lachen, mir gefällt es, dass sie das tut, es ist handfest, ich vergesse die Frage von vorhin, dann ein Lidschlag, Blick zum Dom, der Moment vorbei, Verlegenheit kommt auf, es gibt nichts zu erzählen nach dreißig Jahren, oder alles, und wer will das wissen, alles? A. erlöst mich, ihre Bekannte ist fort, sie wartet, &#8220;Sie entschuldigen&#8221;, jetzt ganz Konversation, selbstverständlich, da ist es zwölf, Glocken läuten, das stört das Gespräch und rührt immer, adieu also und alles Gute, das unbedingt, alles Gute.</p>
<p>Wir hatten den Stand schon gehabt, eben, vorher meine ich, da lag sie in großen Kisten, feucht, grün, grüner und feuchter als alles, brüchige Blättchen, scharf, salzig: <a href="http://www.heilkraeuter.de/lexikon/brunnenk.htm"><em>Nasturtium officinale</em></a>. A. führte mich nun über den Platz, die Glocken läuteten noch immer, ich tratschte schnell etwas über Dr. J., während wir erneut die Stände durchmusterten, aber nirgend war das Kraut so grün und so feucht wie am ersten: Beute, wir retteten sie vor der Sonne, und A. brachte mich zum Zug, das Gras ist grüner, dachte ich, er fuhr an, der Zug. Schärfer, feuchter, grüner &#8211; ich rettete den Beutel erneut, nun auf den Gepäckrost -, aber, dachte ich, das war kein Grund zum Bleiben. Ich drehte mich zum Fenster, um A. zu winken.</p>
<p>Koordinaten: Erfurt, 1979, 2009</p>
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		<title>Unter Achalm</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/03/24/unter-achalm/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 08:58:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Leuchtfeuer]]></category>

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		<description><![CDATA[Poliander: Der Grieshaber, hat der schwäbisch gesprochen?

Lebrecht: Warum willst du das wissen?


Ausstellung: Grieshaber und die Moderne im Spendhaus Reutlingen.
Besprechung: ND vom 24.03.2009 Lesen

Koordinaten: HAP Grieshaber, geb. 15. Februar 1909]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_345" class="wp-caption alignleft" style="width: 218px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/03/grieshaber.jpg"><img class="size-medium wp-image-345" src="http://www.poliander.de/files/2009/03/grieshaber-208x300.jpg" alt="Bildquelle: Spendhaus Reutlingen (freies Pressematerial)" width="208" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Bild: Spendhaus Reutlingen (Pressematerial)</p></div>
<p class="MsoNormal"><em>Poliander</em>: Der Grieshaber, hat der schwäbisch gesprochen?<em><br />
Lebrecht</em>: Warum willst du das wissen?<em><br />
Poliander</em>: Ich war in Reutlingen. Die reden ja sehr laut dort, die Leute. Und ich dachte, das Schwäbisch ist nicht niedlich, sondern kraftvoll, schon fast gewaltsam. Und die Holzschnitte-<em><br />
Lebrecht</em>: Was? Grieshaber? Der war aus Oberschwaben, aus Rot an der Rot war der, der hat nicht gesprochen wie die Reutlinger, auch nicht wie ich.</p>
<p class="MsoNormal"><span id="more-39"></span><em>Poliander</em>: Exotisch schon.<br />
<em>Lebrecht</em>: Ja Herrgottslächle, was stellst du dir denn vor, was schwäbisch ist. Da davon hast du keine Ahnung, das sind lauter eigene Worte, die gibt es nur in Schwaben, nirgends sonst! Was machst du überhaupt in Reutlingen, was rufst du mich nicht an vorher, wenn du da hinfährst?<br />
<em>Poliander</em>: Ich werd die Ausstellung besprechen, die im Spendhaus. Sag mal, das ist doch die Achalm, dieser Berghut, den man vom Fenster aus sieht?<br />
<em>Lebrecht</em>: Ja was weiß ich. (murrt)<br />
<em>Poliander</em>: Komm, du weißt das.<br />
<em>Lebrecht</em>: Das ist ein einzelner Berg, ein Solitär. Das ist Eningen unter Achalm, der Ort. Auf der Achalm, da hat der gelebt. Was rufst du nicht an? Ich hätt dir wen organisiert, den kenn ich von früher, wir waren bei den Naturfreunden damals, in Reutlingen, der wär mit dir rauf.<br />
<em>Poliander</em>: Aber ich schreibe über die Holzschnitte, weißt du? Im Spendhaus die.<br />
<em>Lebrecht</em>: Ja Holzschnitte, was heißt hier Holzschnitte, wie willst du das verstehen, wenn du nicht mal auf den Berg gehst, was? Da sind wir damals auch rauf, als der Geburtstag hatte, 70. hatte der damals, da haben sie ihm Siebdrucke überreicht und was gesungen, Arbeiterlieder, nein, nicht Arbeiterlieder, ich sag mal: etwas aus dem Formenkreis des demokratischen Liedguts.<br />
<em>Poliander</em>: Das ist gut. Aber ich schreibe über die Ausstellung.<br />
<em>Lebrecht</em>: Hier anrufen und fragen, ob der schwäbisch gesprochen hat. „Schwäbisch“, so was, als ob es das gäbe, es gibt nicht ein „Schwäbisch“, das kannst du nicht vergleichen, was die Reutlinger schwätzet und was die in Oberschwaben!<br />
<em>Poliander</em>: Ich brauche den Hintergrund, die Kraft, die da dahinter steckt.<br />
<em>Lebrecht</em>: Und das fragst du mich, wie der geredt hat? Du hast keine Ahnung und schreibst vom Schwäbischen?<br />
<em>Poliander</em>: Ich will es nur wissen, ich schreib es nicht.<br />
<em>Lebrecht</em>: Was? Und dann schreibst du das noch nicht mal?</p>
<p class="MsoNormal">
<p>Ausstellung: Grieshaber und die Moderne, <a href="http://www.reutlingen.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=1212">Spendhaus Reutlingen</a>, 15. Februar bis  1. Juni 2009.<br />
Besprechung:  ND vom 24. März 2009 <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/146050.herreissend-die-zukunft.html" target="_blank">Lesen</a></p>
<p>Koordinaten: HAP Grieshaber, geb. 15. Februar 1909</p>
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