<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Aufenthalt</title>
	<atom:link href="http://www.poliander.de/tag/aufenthalt/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.poliander.de</link>
	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Jan 2012 19:50:18 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2.1</generator>
		<item>
		<title>Spatzenliebe</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/11/22/spatzenlieb/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2011/11/22/spatzenlieb/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 06:28:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=3611</guid>
		<description><![CDATA[Auf dem flachen Dach sitzen, Tee trinken: Noch im November kommen sie, stieben vorbei, wollen ihr Stück vom Kuchen. Immer gern. Immer grün ist das Gestrüpp dort drüben, wo sie wohnen. Die Brüder Grimm kolportieren ihr großes Verlangen nach der Liebe. Von mir kriegen sie Krümel vom Knusperkeks, frei von Schokoladeresten. Unsere Liebe ist platonisch: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3619" class="wp-caption alignleft" style="width: 306px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/11/sperling.jpg"><img class="size-medium wp-image-3619" src="http://www.poliander.de/files/2011/11/sperling-296x300.jpg" alt="Ich werde gemustert." width="296" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ich werde gemustert.</p></div>
<p>Auf dem flachen Dach sitzen, Tee trinken: Noch im November kommen sie, stieben vorbei, wollen ihr Stück vom Kuchen. Immer gern. Immer grün ist das Gestrüpp dort drüben, wo sie wohnen. Die Brüder Grimm kolportieren ihr großes Verlangen nach der Liebe. Von mir kriegen sie Krümel vom Knusperkeks, frei von Schokoladeresten. Unsere Liebe ist platonisch: Ich durchdringe ihren Blick nicht, falls sie was  sagen, bleibt&#8217;s ungehört. Wenn ich gehe, mustern sie meine Spuren nach Brauchbarem. Wenn ich wiederkomme: Sie sind schon da. Das leise Geräusch der Kamera beeindruckt sie längst nicht. Wir schaun zu einander, aber bleiben für uns.<span id="more-3611"></span></p>
<p>Die Brüder Grimm sagen:<br />
SPERLING [Lfg. 16,12],  m. passer. patronymische weiterbildung von ahd. sparo, mhd. nhd. spar (sp. 1919) zum gemütlichen ausdruck des kleinen, unbedeutenden. vgl. sperling, passerculus SCHERÄUS 155 in der zeitschr. f. deutsche wortforschung 2, 199a, wo diese bedeutung der wortbildung noch gefühlt wird. vgl. WILMANNS 2, 280. selten ist die schreibung spärling: aber die spärling leident den krampf auf den dächern. MEGENBERG  &#8230;<br />
1)   sperling allgemein unser volksthümlicher vogel, der gegenüber menschlicher siedelung die gröszte anhänglichkeit zeigt, und deshalb von dem menschen ungemein viel in den kreis seiner gemütlichen betrachtung gezogen ist, wie der reiche schatz der für diesen vogel gefundenen benennungen deutlich macht&#8230; die engere familie des sperlings &#8230;  zerfällt in zwei arten: feldsperling, passer montanus und haussperling, passer domesticus. BREHM 3, 156.<br />
a)   wesen des sperlings: im thun und treiben unseres sperlings, den man bald einen schelm, bald einen dieb schilt, den man grundhäszlich findet und mit aller möglichen verachtung behandelt, zeigt sich dem einfachen beobachter vor allem ein im widerspruch stehendes verhältnisz der körperkräfte zu den geistesfähigkeiten. NAUMANN bei BREHM 3 (1866), 156; doch diese würdigung ist &#8230; alt: ein sperling ist ein kleines vögelein, es hat ein klein köpfflein, ein kleines gehirn, gleichwol ist es klüger in diesem stück (des regierens) als Plato und Socrates gewesen sind. SCHUPPIUS 7 &#8230;</p>
<p>stark verlangend nach liebesgenusz gilt er als ein wollüstiger vogel: er beeiferte sich auch der gröszte esser, der gröszte trinker, und der gröszte held in einer andern art von leibesübung zu seyn, worin er mit verdrusz den sperling und den maulwurf für seine meister erkennen muszte. WIELAND 6, 92 (der goldene spiegel 1, 3); so könnte man durch das beispiel des habichts, des hechts und anderer königlicher würger den würgern der erde fein äsopisch schmeicheln, durch das beispiel des sperlings die wollust &#8230; empfehlen. HERDER zur schönen literatur u. kunst 20, 55 &#8230;<br />
(gekürzt)</p>
<p>Koordinaten: 52° 27&#8242; 29&#8221; N, 13° 17&#8242; 15&#8221; O, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_W%C3%B6rterbuch">Grimmsches Wörterbuch</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2011/11/22/spatzenlieb/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>In der Höhle der heiligen Tiere</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/11/05/die-hoehle-der-vergessenen-traeume/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2011/11/05/die-hoehle-der-vergessenen-traeume/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 05 Nov 2011 09:21:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Sternbild]]></category>
		<category><![CDATA[Umsteigen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=3505</guid>
		<description><![CDATA[Im Kino: Poliander hat Schwierigkeiten mit der Brille. Doch die Reise, von der die Rede ist, kann nur tun, wer sich mit einer gelben, schlechtsitzenden Brille ausrüstet. Das hat der Reiseleiter verfügt. Die Brille soll helfen, den Raum zu schauen und die Zeit, vor allem die Zeit, denn es geht 37.000 Jahre in die Vergangenheit. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3525" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/11/pferde-in-chauvet.jpg"><img class="size-medium wp-image-3525" src="http://www.poliander.de/files/2011/11/pferde-in-chauvet-300x225.jpg" alt="Tiergesichter. Bild: Wikimedia" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Tiergesichter in der Höhle. Bild: Wikimedia</p></div>
<p>Im Kino: Poliander hat Schwierigkeiten mit der Brille. Doch die Reise, von der die Rede ist, kann nur tun, wer sich mit einer gelben, schlechtsitzenden Brille ausrüstet. Das hat der Reiseleiter verfügt. Die Brille soll helfen, den Raum zu schauen und die Zeit, vor allem die Zeit, denn es geht 37.000 Jahre in die Vergangenheit. <span id="more-3505"></span>Weil die Spur dieser Vergangenheit fragil ist und zart, dürfen wir ihr im Kino folgen.</p>
<p>Sechs Tage lang, an jedem Tag vier Stunden durfte <a href="http://www.imdb.com/name/nm0001348/">Werner Herzog</a> in der <a href="http://www.culture.gouv.fr/culture/arcnat/chauvet/fr/">Grotte Chauvet-Pont-d&#8217;Arc</a> in Südfrankreich filmen. Sonst bleibt sie verschlossen, und auch WissenschaftlerInnen dürfen nur selten und für kurze Zeit in ihr Aufenthalt nehmen. An den Wänden dieser Höhle, deren Boden bedeckt ist von Gebeinen wilder Tiere, die hier lebten, finden sich die ältesten bekannten Malereien der Menschheit, 1994 entdeckt.  Im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aurignacien">Aurignacien</a> lebten hier Menschen, die sich von jenen Tieren ernährten und wohl auch ihre Beute wurden, denn neben Mammuten, Nashörnern, Gazellen, Hirschkühen und Hirschen gab es hier auch Löwen und Höhlenbären, die in großen Gruppen durch das Tal mit dem Brückenbogen wanderten. Die eiszeitlichen JägerInnen kannten schon die großen Zyklen, denen die Tiere folgten, wenn sie in den Wintern von Norden her kommend bis an die Pyrenäen wanderten. Die Tiere und ihr Zug bestimmten ihr Leben, und sie selbst erkannten sich als Tiere, auch in ihrem Leben stand der Zyklus der Geburten im Mittelpunkt. Und sie begannen, den tierisch-menschlichen Zügen eine Form zu geben. Die Höhle, in die wir mit Herzog reisen, birgt Malerei. In andere Höhlen, unbekannt, ob die KünstlerInnen von der Ardèche eine direkte Verbindung dorthin hatten,  überwinterten Frauen- und Tierfiguren, auch Löwenmenschen und Musikinstrumente, die ältesten Instrumente der Welt, gefunden im Geißenklösterle und der Hohlefelshöhle auf der schwäbischen Alb. Ein Wissenschaftler in Herzogs Film beschreibt die Fluidität des Lebens jener Menschen, die mit Tieren und Geistern nahe verbunden gewesen sein können, im ständigen Übergang. Ein Archäologe erzählt, dass er nach jedem Besuch der Höhle so stark von den Löwen träumte, ohne Angst, aber doch so intensiv, dass er seitdem nur von ferne und an den Messdaten und digitalen Bildern forschen kann. Der dritte macht Musik auf einer Flöte, die der von der schwäbischen Alb nachgebaut ist, in vertraut pentatonischer Stimmung.</p>
<p>Die Bilder der Höhle, sagt Poliander, muss eine gesehen haben. Und wenn eine danach träumt, sieht sie vielleicht die Hand jenes 1,80 m großen Menschen, einer sehr großen Frau (sagt jedenfalls P. und bis zum Beweis des Gegenteils), mit dem gebogenen kleinen Finger, die Hand, deren Abdrücke die Höhle durchziehen. Und wenn du aufwachst, schau auf deine eigene Hand, wie P., und wenn der kleine Finger gebogen ist, bist du eine Nachfahrin jenes Menschen, kann sein. Und wenn auch der Reiseleiter manchmal besser geschwiegen hätte: Er hat uns hingeführt.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chauvet-H%C3%B6hle">44° 21&#8242; 0&#8221; N, 4° 29&#8242; 24&#8221; O</a>, <a href="http://www.trailerseite.de/film/11/die-hoehle-der-vergessenen-traeume-kino-trailer-21123.html">Trailer</a> (von Werbung nicht abschrecken lassen), <a href="http://www.wernerherzog.com/index.php?id=64">Steinzeit in mass media</a> (Herzog in einer Fernsehshow)<br />
Polianders Lektüreempfehlung: Hans Peter Duerr, Sedna oder die Liebe zum Leben, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2011/11/05/die-hoehle-der-vergessenen-traeume/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auf tiefen Abhängen mit Vergil</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/07/27/hoellenreise-mit-vergil/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2011/07/27/hoellenreise-mit-vergil/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 27 Jul 2011 10:55:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=3057</guid>
		<description><![CDATA[&#8220;Ich kann nicht mehr sagen, wie ich dort hineingelangte; so voll Schlaf war ich zu jener Zeit, dass ich vom wahren Wege abkam.&#8221; In den Wald zu gehen war, buchstäblich wie metaphorisch, kein Spaß vor 700 Jahren. Und erst hineingeraten!, was gleichbedeutend ist mit dem Abkommen vom rechten Weg, metaphorisch wie buchstäblich. Ein gesuchtes Abenteuer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3069" class="wp-caption alignleft" style="width: 246px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/07/dante-alighieri.jpg"><img class="size-medium wp-image-3069" src="http://www.poliander.de/files/2011/07/dante-alighieri-236x300.jpg" alt="Dante Alighieri" width="236" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Dante Alighieri</p></div>
<p><em>&#8220;Ich kann nicht mehr sagen, wie ich dort hineingelangte; so voll Schlaf war ich zu jener Zeit, dass ich vom wahren Wege abkam.&#8221; </em><br />
In den Wald zu gehen war, buchstäblich wie metaphorisch, kein Spaß vor 700 Jahren. Und erst hineingeraten!, was gleichbedeutend ist mit dem Abkommen vom rechten Weg, metaphorisch wie buchstäblich. Ein gesuchtes Abenteuer ist es nicht, dass <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/115">Dante, der Dichter</a>, sich dorthin begibt,  auch kein Zufall. Wilde Tiere locken sein Auge, dann verstellen sie, Pardeltier,  Löwe und Wölfin, ihm den Weg, &#8220;es war die Zeit beim Anbruch des Morgens, und die Sonne stieg auf in den Sternen, die mit ihr waren&#8221;, und so gerät er noch tiefer hinein, dorthin, &#8220;wo die Sonne schweigt&#8221;.  Den, der ihm begegnet, erkennt er als den Dichter <a href="http://www.lingualatina.de/biographiae/vergil.htm">Vergil</a>. Und obwohl der ausruft: &#8220;Warum willst du zurück zu solcher Qual? Warum steigst du nicht den angenehmen Berg hinauf, der doch Anfang und Grund aller Freude ist?&#8221;, leitet Vergil, Reise- wie Seelenführer, ihn nicht etwa aus dem Wald hinaus, sondern an den Ort, von dem kaum wer zurückkehrt. Kaum wer, nicht niemand. Wanderschaft ist kein Zeitvertreib, und wer in den Krater der Hölle steigt, tut dies nie ohne guten, tiefen Grund. <span id="more-3057"></span></p>
<p>Dantes Reise ist Schilderung einer (gut mittelalterlichen) Visio, politischer Lagebericht, historischer Kurs und Extrembergsteigen in einem. Was er beobachtet, zeichnet er getreu auf, jedes Gespräch mit Vergil, jede Konversation mit einem der einst Lasterhaften, die im Inferno ganz leibhaftig büßen, aber auch die eigene Schwäche und Müdigkeit, die ihn angesichts der Schrecken befällt, die Furcht, wenn es zuweilen selbst festes Handanlegen der Teufel braucht, damit Vergil und er im unwegsamen Gelände vorankommen. Denn die Höllenbewohner nehmen Kontakt auf. Dass Vergil einen Lebenden durchs Inferno leitet, begreifen sie schnell und wüten darüber: &#8220;Komm du allein, und der soll abhauen, der so frech hier eingedrungen ist. Der ist doch wohl verrückt! Alleine soll er zurücklaufen! Soll er doch sehen, wie er&#8217;s schafft! Und du bleibst hier, was hast du den auch herumzuführen durch die finstere Gegend!&#8221; Von Schaulustigen halten sie nichts.</p>
<p>Und doch vollbringt Dante mit Hilfe Vergils seine Reise durch den Wald der Verdammten, die ihm in vielerlei Gestalt, so auch in der von Gestrüpp und Gesträuch begegnen. Als er einen Zweig abbricht, beginnt der Strauch zu ihm zu reden: &#8220;Wir waren doch Menschen, und jetzt sind wir Gestrüpp! Selbst wenn wir Natternseelen wären, hätte deinen Hand noch rücksichtsvoller sein müssen.&#8221; Und das ist erst der Anfang. Dantes Weg durch die Gräben und über die Schotterhänge der Hölle, sein Gespräch mit jenen, die in Feuer verwandelt sind und brennen, sein Geleit, das Kentauren und selbst zankende Teufel ihm gewähren, weil Vergil sie davon überzeugt oder sie zwingt, also diesen Weg des Dichters zu verfolgen, ist so schrecklich wie spannend und, in manchen Gesängen, stehen der Leserin, dem Leser die Bilder klar und krude wie in einem Comic vor Augen. Denn in der Hölle gelten die Gesetze des <em>contrapasso</em> oder Kontrapassum, so dass die Lasterhaften je auf eine Art gestraft sind, die ihr Laster spiegelt. Eine fürchterliche Gerechtigkeit ist das, und doch fühlen wir, ganz wie die beiden Wanderer teils Zorn, teils Mitleid.  Von Fall zu Fall und Aufstieg zu Aufstieg, und wenn am Ende Vergil und Dante Luzifer selbst durch den Pelz kriechen und Dante, sich umwendend, Teufel wie Hölle plötzlich in Verkehrung sieht, bleibt auch uns der Atem aus.</p>
<p>Und das liegt an der schönen, nie zu hoch tönenden Prosaübersetzung von Hartmut Köhler. Poliander ist berückt. P. und P.s Gefährtin empfehlen allen, dieser guten Geschichte auf ihren abschüssigen Wegen zu folgen.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.reclam.de/detail/978-3-15-010750-8/Dante_Alighieri/La_Commedia___Die_Goettliche_Komoedie">Dante Alighieri, Inferno/Hölle.</a> Italienisch/deutsch. Übersetzt und kommentiert von Hartmut Köhler. Stuttgart: Reclam 2010.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2011/07/27/hoellenreise-mit-vergil/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Loibls Buchstabenkunst 3</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/12/15/loibls-buchstabenkunst-part3/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/12/15/loibls-buchstabenkunst-part3/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Dec 2010 08:07:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=2263</guid>
		<description><![CDATA[Mit Maria und Josef sei sie bei der Arbeit an der Krippendarstellung nicht glücklich geworden, sagt Loibl mir bei unserem Wiedersehen im Atelier. Erst als sie sich auf die Geburt konzentriert habe, die doch eigentlich Menschwerdung bedeute, hätten sich Text und Bild geformt. Sie selbst habe diese Menschwerdung mehrmals erlebt. Ihre Kinder. Ein leerstehender Laden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2271" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-mittagessen-detail.jpg"><img class="size-medium wp-image-2271" title="loibl mittagessen detail" src="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-mittagessen-detail-300x271.jpg" alt="Ruth Loibl, Mittagessen, Detail mit Stuhl, Tisch, Schrift" width="300" height="271" /></a><p class="wp-caption-text">Ruth Loibl, Mittagessen, Detail mit Stuhl, Tisch, Schrift</p></div>
<p>Mit Maria und Josef sei sie bei der Arbeit an der Krippendarstellung nicht glücklich geworden, sagt Loibl mir bei unserem Wiedersehen im Atelier. Erst als sie sich auf die Geburt konzentriert habe, die doch eigentlich Menschwerdung bedeute, hätten sich Text und Bild geformt. Sie selbst habe diese Menschwerdung mehrmals erlebt. Ihre Kinder. Ein leerstehender Laden zwischen Innsbrucker Platz und Hochschule der Künste. Vor 20 Jahren fuhr die Studentin Loibl als mit dem Fahrrad vorbei. Der Laden wurde ein Ort, an dem sich die eigene Erfahrung von Menschwerdung mit der Menschwerdung Gottes verband, <a href="http://www.poliander.de/2010/12/13/loibls-buchstabenkunst-part-2/">Jahre später ein Schauplatz in ihrer Grafik</a>. <span id="more-2263"></span>Die Bildhauerin und Buchdruckerin, geboren 1959 in Nürnberg, lebt in Rheinfelden bei Basel. Dorthin führte sie eine private, nicht berufliche Entscheidung. Am 9. November 1989 nahm sie mit ihrer Tochter den Nachtzug Berlin-Basel. Ein Fahrgast, der gegen Morgen in Freiburg zustieg, erzählte ihnen, dass in Berlin die Mauer gefallen sei. In Südbaden war das eine Nachricht, kein Geschichtsbruch, der sie selbst betraf: &#8220;Als ich nach Rheinfelden kam, gab es da nur Chemiker und alemannische Hausfrauen.&#8221; Aber Rheinfelden hat eine Gemeinsamkeit mit dem geteilten Berlin: es existiert zweimal. Ein Rheinfelden liegt diesseits, eines jenseits der deutsch-schweizer Grenze.</p>
<p>Andere Künstler, erzählt sie, hätten sich nach der Ausbildung umstandsloser als sie selbst in den Beruf integriert. Sie habe beobachtet, dass &#8220;ihnen das Leben abhanden kommt.&#8221; Dieses Leben, mit dem sie &#8220;soziale Einbindung, Nahrungsbeschaffung, Familie, Freunde&#8221; meint, ist in Loibls Arbeit sehr präsent. Mit Naturalismus hat das nichts zu tun, kaum mit Realismus. Loibl legt biographische Spuren, so in Zeichnungen, die den Grundriss der Familienwohnung überlagern. Der Blick wandert in den Raum hinein und erfasst nacheinander die Schuhe an der Wand, den Kücheneingang, den Tisch, Stühle, nicht in &#8220;realistischer&#8221; Perspektive. Sondern das Auge nähert sich wie bei einer Kamerafahrt den einzelnen Dingen nacheinander, zoomt sie heran, andere bleiben fern. Diese erzählerische Haltung findet sich auch in Objekten, wie in den &#8220;Kämmen&#8221;, gesägten Objekten aus Holzkloben, in denen ein Einschnitt dicht neben den anderen gesetzt ist. Sie entstanden bei gleichzeitiger Betreuung eines Kleinkindes, die zu vielen Arbeitsunterbrechungen führte. &#8220;<a href="http://www.ruthloibl.de/bildhauerei.html">Später hab ich einfach weitergesägt.</a>&#8221; Störungen sind ein Geschenk, sagt sie, weil sie Situationen verschieben. Die biographische Struktur bedeutet Verständigung: &#8220;Das heißt nicht, dass ich dauernd aus meinem Leben erzähle. Ich mache das, um Antwort zu bekommen. Dass von anderen etwas kommt, was nicht von mir kommen kann.&#8221; Sie will, sagt sie, mit Fremdheit umgehen, anstatt sie zu umgehen. Mit einem Projekt in der Stadt Rheinfelden stehen, bei dem sie gemeinsam mit dem Künstler Tobias Eder einen imaginären <a href="http://www.centralpark-kunstprojekt.de/">Centralpark Rheinfelden</a> anregte, Centralpark wie Central Park. Leute aus dem deutschen und dem Schweizer Rheinfelden pachteten für 25 Euro eine Parzelle und gestalteten sie nach ihren Vorstellungen. Die Arbeit erzählte, was in der kleinen Industriestadt fehlt. So kam die Stadt zu Loibl. Auch anders: Als Lehrerin an der Rheinfeldener Volkshochschule zeigt sie Jugendlichen, darunter Jugendliche aus einem Asylbewerberheim, in ihrer Werkstatt, wie sie selbst einen Text setzen und drucken können. Das <a href="http://www.ruthloibl.de/setzen_und_drucken.html">Drucken</a> ist auch so etwas, das durch Zufall zu ihr kam, als sie vor mehr als zehn Jahren die Möglickeit hatte, eine alte Druckerpresse zu übernehmen, vollständig mit allen Lettern.</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p>Koordinaten: Rheinfelden, Berlin, Laden, Park, Fahrrad, Zug</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/12/15/loibls-buchstabenkunst-part3/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Blattgold</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/11/04/blattgold/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/11/04/blattgold/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 04 Nov 2010 12:04:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Gegend]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=2031</guid>
		<description><![CDATA[Koordinaten: 52° 33´ N,  13° 22´ O Im Herbst lesen: Kirstin Warschau]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2035" class="wp-caption alignleft" style="width: 309px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/11/ende-oktober_-foto-warschau.jpg"><img class="size-medium wp-image-2035" title="ende oktober_ foto warschau" src="http://www.poliander.de/files/2010/11/ende-oktober_-foto-warschau-299x251.jpg" alt="Menschen und Hängebuche" width="299" height="251" /></a><p class="wp-caption-text">Hängebuche und Menschen. Foto: Kirstin Warschau</p></div>
<p>Koordinaten: 52° 33´ N,  13° 22´ O<br />
Im Herbst lesen: <a href="http://www.krimi-couch.de/krimis/kirstin-warschau.html">Kirstin Warschau</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/11/04/blattgold/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ingenieurswerk über der Hafenstadt</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/10/05/ingenieurswerk-morlaix/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/10/05/ingenieurswerk-morlaix/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Oct 2010 13:28:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Hafenhotel]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>
		<category><![CDATA[Pferdewechsel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=1889</guid>
		<description><![CDATA[Dass es 58 Meter hoch ist, wollen Sie vielleicht wissen. Dass es  285 Meter lang ist, wollen Sie vielleicht wissen.  Seit 1864 fahren hier die Züge auf der Strecke Paris &#8211; Brest. Brest im Westen ist gemeint. Das wollten Sie doch wissen? Ja, Sie können hier aussteigen. Nach Morlaix kommen, vom Meer, müde, vom Laufen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1887" class="wp-caption alignleft" style="width: 234px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/10/morlaix-viaduc-nacht.jpg"><img class="size-medium wp-image-1887" title="morlaix viaduc nacht" src="http://www.poliander.de/files/2010/10/morlaix-viaduc-nacht-224x300.jpg" alt="Le viaduc" width="224" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Le viaduc</p></div>
<p>Dass es 58 Meter hoch ist, wollen Sie vielleicht wissen. Dass es  285 Meter lang ist, wollen Sie vielleicht wissen.  Seit 1864 fahren hier die Züge auf der Strecke Paris &#8211; Brest. Brest im Westen ist gemeint. Das wollten Sie doch wissen? Ja, Sie können hier aussteigen.</p>
<p>Nach Morlaix kommen, vom Meer, müde, vom Laufen, vom Schwimmen, vom Autofahren. Wenn Sie ein Auto dabeihaben, parken Sie es am Hafen. Gehn Sie, das Handtuch über der Schulter, rüber zum Hotel du Port.  Am Zebrastreifen ruft eine aus dem Auto, ob das hier die Route nach Carantec ist. <em>Mais oui!</em>, sagen Sie, als wären Sie daheim. <em>Aber der Strand</em>, wolln Sie noch rufen, <em>ist schöner in Plougasnou, in St. Samson, und bitte, versäumen Sie nicht, zum Pointe de Primel zu wandern, dort</em>- Der PKW mit der Dame darin ist längst verschwunden. <span id="more-1889"></span>Im <a href="http://www.lhotelduport.com/">Hotel du Port</a> ist ein Zimmer frei. Es wird Ihr Lieblingszimmer auf dieser Reise, obwohl es klein ist und ohne besonderes Einrichtungsraffinement. Es ist nur, dass nichts fehlt und nichts zuviel ist. Ein Bett für zwei, eine Decke, eine Dusche, ein orangeroter Vorhang am Fenster. Die Frau am Empfang trägt ein feuerrotes Kleid und erklärt die Stadt mit Pfeffer. Und Sie gehen gegen Abend zum Viadukt, nicht zu spät, denn nachts ist das Tor geschlossen. Und vom Zwischengeschoss, wo man geht, schaun Sie dann mit Schwindel hinunter, doch mit noch viel mehr Schwindel nach oben, in die erleuchteten Bögen. Keine Sorge, versehentlich fällt man hier nicht runter. Aber es ist seltsam, auf Höhe des flamboyanten Turms von St. Melaine zu sein und den Leuten aufs Dach zu schaun und in die Regenrinne. Es regnet nicht oder nur kurz, eine Husche, schon ist sie vorbei, und Sie wischen die Tropfen vom Brillenglas.</p>
<div id="attachment_1921" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/10/pointe-de-primel.jpg"><img class="size-medium wp-image-1921" title="pointe de primel" src="http://www.poliander.de/files/2010/10/pointe-de-primel-300x225.jpg" alt="Im Dunst" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Im Dunst</p></div>
<p>Ja, das Licht. Und ein Glas trinken und dem Wirt zuschauen, der aussieht wie ein linker Kabarettist von daheim, nur netter, viel netter, und zwei Mädchen kommen rein, Enkelinnen wahrscheinlich, kriegen ein Eis und kichern und stehen vor Ihnen und schauen Ihnen zu, und dann fühlen doch Sie sich wie ein Eindringling und lächeln verlegen vor diesen Mädchen und trinken schnell aus. Kinder fotografiert man nicht, als Touristin. Und dann am Hafen langgehn bis zur Schleuse. Es ist still, auf einem Boot sitzt sie innen und schaut auf ein Display, und er sitzt draußen, das Buch in der Hand und das Rotweinglas vor sich, und wenn Sie zurückkommen, ist er eingenickt, und sie sitzt immer noch im hellen Salon vor ihrem Laptop. Auf der andern Seite des Hafens sehen Sie ein hell leuchtendes Lokal. Ein Jugendlicher, barfuß, läuft da rüber. Der Mond kommt hoch. Leiser Nebel. Zurück im Hotel. Und jetzt ist schon Nacht, vergessen Sie nicht, den Pointe de Primel zu träumen. Morgen nehmen Sie den Zug.</p>
<p>Koordinaten: 48° 35&#8242; N, 3° 50&#8242; W, höchster Punkt der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Morlaix">Stadt</a>: 104 Meter über NN, im Norden des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Finist%C3%A8re">Finistère</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/10/05/ingenieurswerk-morlaix/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Schöne träumt</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/04/23/schoene-goettin/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2010/04/23/schoene-goettin/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 10:14:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Augenweide]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
		<category><![CDATA[Raumflug]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=1221</guid>
		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1227" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/04/schoene-goettin.jpg"><img class="size-medium wp-image-1227" src="http://www.poliander.de/files/2010/04/schoene-goettin-300x168.jpg" alt="Vogel und Frau" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Vogel und Frau</p></div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2010/04/23/schoene-goettin/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Schönes Buch</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/11/25/schones-buch/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2009/11/25/schones-buch/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 18:29:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=969</guid>
		<description><![CDATA[Tags: lesen. Nachts: schreiben. München 1982: der junge Biller geht lieber mit Prominententöchtern in den Englischen Garten als zum Studieren ins Germanische Seminar. Er schreibt einen Roman, und mit dem Manuskript im Gepäck entgeht er nur zufällig einer Kofferbombe, die am Flughafen explodiert. Der Roman erscheint trotzdem nie. Später, als Biller schon Erzählungen veröffentlicht hat, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tags: lesen.<br />
Nachts: schreiben.</p>
<p>München 1982: der junge Biller geht lieber mit Prominententöchtern in den Englischen Garten als zum Studieren ins Germanische Seminar. Er schreibt einen Roman, und mit dem Manuskript im Gepäck entgeht er nur zufällig einer Kofferbombe, die am Flughafen explodiert. Der Roman erscheint trotzdem nie. Später, als Biller schon Erzählungen veröffentlicht hat, fragt ihn ein Literaturprofessor: &#8220;Was glauben Sie, gibt es eine jüdische Figur in einem deutschen Roman, mit der sich ein deutscher Leser identifizieren kann?&#8221; Maxim Biller hat in seinem neuen Buch alles getan, diese Figur <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/159841.maxim-biller-als-er-selbst.html?sstr=biller">zu werden&#8230;</a></p>
<p>Koordinaten: Maxim Biller, Der gebrauchte Jude. <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/159841.maxim-biller-als-er-selbst.html?sstr=biller">Kritik</a>. 25.11.2009.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2009/11/25/schones-buch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Am Oberrhein im Kunstverein</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/07/14/am-oberrhein-im-kunstverein/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2009/07/14/am-oberrhein-im-kunstverein/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2009 16:42:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=655</guid>
		<description><![CDATA[Liebe kluge schöne Freundinnen, ich schreibe euch, überraschend und selbst überrascht, vom Oberrhein. Hättet ihr gedacht, dass sich hier, zwischen Strasbourg und Karlsruhe eine Geburts- und Hauptlandschaft des Jugendstils befand? Ich nicht. Auch nicht, dass er mit Politik begann, obwohl ich mir gerade das hätte denken können bei diesen Plakaten vom Landesmuseum, kürbisgelb und feminismuslila. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_677" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/07/Rose.jpg"><img class="size-medium wp-image-677" src="http://www.poliander.de/files/2009/07/Rose-300x289.jpg" alt="Rose, nie ganz Natur" width="300" height="289" /></a><p class="wp-caption-text">Rose, nie ganz Natur</p></div>
<p>Liebe kluge schöne Freundinnen,</p>
<p>ich schreibe euch, überraschend und selbst überrascht, vom Oberrhein. Hättet ihr gedacht, dass sich hier, zwischen Strasbourg und Karlsruhe eine Geburts- und Hauptlandschaft des Jugendstils befand? Ich nicht. Auch nicht, dass er mit Politik begann, obwohl ich mir gerade das hätte denken können bei diesen Plakaten vom <a href="http://www.landesmuseum.de">Landesmuseum</a>, kürbisgelb und feminismuslila. Nicht abschreckend genug, ich ging hin. Alle anderen waren auch da.</p>
<p><span id="more-655"></span></p>
<p>Es lag an Vorurteilen und meiner Ahnungslosigkeit in Fragen des Dekorativen, mit der ich nur Politik, Wirtschaft und Magie zweckbestimmt und zielführend erachtete. Aber die verbanden sich hier um 1900 auf spezielle Art, zwischen Strasbourg, Basel, Karlsruhe und Pforzheim: Kunst, Handwerk, Industrie, Architektur. Dabei hätte ich mich nur einmal umdrehen müssen am <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karlsruhe_Hauptbahnhof">Bahnhof Karlsruhe</a>, da hätte ich schon gesehen, wie Kunst und Wirklichkeit, ihr wisst schon, Jugendstil eben. Politische Grafik und na schön, dass war Anfang, das riss mich erst rein und dann hin, und ja, Gegenstände rissen mich hin, dann, die einfachen vor allem, ein Stuhl aus Basel, aus geraden Stücken zusammengesetzt, Büromöbel, eine maskuline Rocknadel aus Pforzheim, und das war Industrie, schon 1900, die Schmuckherstellung in Pforzheim. Und immer dieses Ineinander von Elsass, Schweiz und Baden, regionale Nähe und Durchdringung. Was von Berlin immer behauptet wird, grenzübergreifende Nähe zum Nachbarland, weas dort in Wahrheit doch nur ein Aufsaugen von Arbeits- und Schöpfungskraft ist, hier erschien sie wirklich, heute noch, heute überhaupt geht die Straßenbahn auf die andere Seite der Grenze und wieder zurück.<br />
Und Häuser wie große Truhen, offene Konstruktionselemente. Eine Erklärerin schritt durch meinen Luftraum im Dienstmädchenkleid und schwenkte den Staubwedel aus Straußenfeder. Sie hatte das Kleid, damit sie nicht verlorenging unter den Besucherinnen und Besuchern. Aber die wirklichen Dienstmädchen begannen ihre Tagesarbeit um 6, endeten sie um 23 Uhr.  &#8220;Nixe im Goldfischteich&#8221;, schöne Sünde, nicht für sie, für sie Waschschüssel und Krug: ganz wenig geschwungen, ziemlich streng. Und im Rücken immer  das Herrenzimmer. Der dicke Schreibtisch, ich sah gleich, in welchem verschlossenen Schubfach damals die Pornos lagen und beim Sessel die Zigarrenschenbecher mit den  Tierleibern in der Aschenschale. Kürbisgelb und feminismuslila, am Ende mochte ich das Plakat. Es waren alle da, stundenlang, an einem schwülen Sommersonntagnachmittag.</p>
<p>Von der Magie schreibe ich nichts. Fahrt selber hin, dann werdet ihr sehen.<br />
Alles Liebe<br />
eure Poliander</p>
<p>Koordinaten: Grenzregion, um 1900, Karlsruhe, Badisches Landesmuseum, noch bis zum 9. August 2009</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2009/07/14/am-oberrhein-im-kunstverein/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wetter von früher</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/07/02/suggestives-altes-wetter/</link>
		<comments>http://www.poliander.de/2009/07/02/suggestives-altes-wetter/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2009 15:32:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erregung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.poliander.de/?p=631</guid>
		<description><![CDATA[Es ist der erste Sommertag, 30. Juni, wenn einer deutschen Stadt überhaupt je kontinentales Wetter möglich ist, dann sollte es hier sein, und zwar jetzt, doch es lässt auf sich warten, die letzten zwölfwochenlangen Hitzeperioden sind Jahre her, es ist nicht egal, das Wetter, das Wetter in Berlin, das Klima in Brandenburg, es ist nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist der erste Sommertag, 30. Juni, wenn einer deutschen Stadt überhaupt je kontinentales Wetter möglich ist, dann sollte es hier sein, und zwar jetzt, doch es lässt auf sich warten, die letzten zwölfwochenlangen Hitzeperioden sind Jahre her, es ist nicht egal, das Wetter, das Wetter in Berlin, das Klima in Brandenburg, es ist nicht mehr verpönt, das Wetter ist das einzige Thema, <span id="more-631"></span>Kälte, Regen, Ärger, der durch S-Bahnen wabert. 30. Juni, der erste schwüle Tag, ein diesiger Morgen, du besorgst dein Zeug, Post die wegmuss, Post, die herkommt, dann kommst du aus der Schwüle wieder rein, nassgeschwitzt, nein, es war nicht warm, gleich drauf frierst du am Schreibtisch. 19 Uhr gehst du auf den Balkon, da ist plötzlich Himmel da, Zeit und Blau. Du traust dem Frieden nicht, alle anderen haben den Sommer schon begriffen, heut oder nie, du eilst, das Wetter widersteht der Eile mit Zuckergeruch von Linden. Einen südlichen Augenblick glauben alle an den Sommer, Kinder steigen auf die turmhohe Brunnenfigur am Rüdesheimer Platz, ein Ritter, Siegfried und Sieger, endlich der Bestimmung zugeführt, ein Kletterfels zu sein. Keine Musik, nur Stimmen, Gewirr, die Kleider, Windstille, der Weinbrunnen ist ein Kiosk, dein Lieblingsplatz ist unten, zwischen den Beeten, so lindenumstanden und baumbekränzt, ein Paradiesgarten, wäre er nicht zu groß dafür und ließe sich das Einhorn blicken. Im Senat haben sie Heliotrop angeordnet, tiefviolett, und fleißige Lieschen, knallpink. Oben am Brunnen sitzen sie in Gruppen, auf haltlosen Bänken, schwankenden Stühlen, Rabatteneinfassungen unten die Paare und Freundinnen, du auch, bist verabredet. Weinbrunnen ist ein schöner Name, aber der profane Wein kommt aus der Flasche. Er schwappt über auf dem Weg vom Kiosk, du opferst ein paar Tropfen, überlegst es dir, leckst über die Hand, später ziehst du die Kamera aus der Jacke, du hast natürlich eine Jacke dabei in deinem Misstrauen gegen das Wetter, Himmel und Menschen, du gibst es schnell auf, den Sommer zu fotografieren, du machst ein privates Foto von G., wie sie trinkt und von Ernstem spricht, Wein mischt sich mit dem Wasser vom beschlagenen Glas auf den Boden, wo eine Assel vor der Erschütterung erschrickt und wegrennt, es scheint nie zu enden, da kommt Wind auf. Nicht doch, nicht schon heute, du wolltest einschlafen in dieser Wärme, diesem Schweiß, Rauchgeruch, Pfirsichgeschmack, rosa Schnaps, der einen anderen Sommer geschluckt hat, weiter westlich her. Es donnert, nicht jetzt dieses Gewitter, es donnert, ihr schiebt davon, weiche, schwere Tropfen durchnässen die Haare, Lindenblüten eilen zur Erde, der Geruch fließt, mischt sich mit dem Regen, mit dem Staub, der eben anfing, eine Idee von Steppe zu geben, ihr stellt euch unter, es regnet auf G.s Rad, Es hat keinen Sinn, ich fahre, sagt sie und wischt den Sattel trocken, in ihren Brauen eine Spur Hortobagy, doch so trocken wie dort kann es in Berlin nicht werden, niemals, Fahr vorsichtig, rufst du. Was nicht nass werden darf, wird von der Jacke in die Hose geschoben, Zigaretten, Mobiltelefon, nur die Kamera passt nicht in die klammen Taschen und ist jetzt kein Ding mehr, das Bilder macht, sondern eins, das nicht nass werden darf, zuletzt die Brille von den Augen, so siehst du immer noch besser als mit dem wasserüberströmten Ding. An der K.-Straße schaust du nach links, wo milchiges Blau steht (nur über dir immer dieses Graubraun), es ist noch hell!, und es regnet auch aus dem Blau oder hat geregnet, fällt auf die Straße, und in diesem See der halbe Mond, verschwommen in den kurzsichtigen Augen wie im Spiegel eines Gewässers, es ist gleich jetzt, ob du schneller gehst oder nicht, ob du nass bist oder nicht, du bist nass bis auf die Haut, es ist Sommer, es ist ganz altes Wetter wie damals, als die Götter es noch selbst herstellten.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bezirk/lexikon/weinbrunnen.html">Rüdesheimer Platz</a>, Sommer</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.poliander.de/2009/07/02/suggestives-altes-wetter/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

