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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Absteigen</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Es führt eine Brücke übern Kanal</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 16:34:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
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		<description><![CDATA[Durch die Straßen schleicht eine Alte mit steingrauem Haar, im Perlonbeutel klappern Bierflaschen. Der einjährige, zottige Hund zerrt an der Leine. Sie ist dem Tier nicht mehr gewachsen. An der Admiralbrücke bleibt sie stehn, schlingt die Hundeleine um das Geländer, zieht den Knoten fest an. Sie lehnt sich ans Geländer, greift eine Flasche heraus. &#8220;Habter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3789" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/12/admiralbr%C3%BCcke-2011.jpg"><img class="size-medium wp-image-3789" src="http://www.poliander.de/files/2011/12/admiralbr%C3%BCcke-2011-300x243.jpg" alt="Prosit 2012" width="300" height="243" /></a><p class="wp-caption-text">Prosit 2012</p></div>
<p>Durch die Straßen schleicht eine Alte mit steingrauem Haar, im Perlonbeutel klappern Bierflaschen. Der einjährige, zottige Hund zerrt an der Leine. Sie ist dem Tier nicht mehr gewachsen. An der Admiralbrücke bleibt sie stehn, schlingt die Hundeleine um das Geländer, zieht den Knoten fest an. Sie lehnt sich ans Geländer, greift eine Flasche heraus. &#8220;Habter mal n Siebzehner?&#8221;, ruft sie den Punks zu, die am andern Ende der Brücke lungern. <span id="more-3781"></span>&#8220;Hasten Euro?&#8221;, fragt der irokesenschnittige Junge, der ihr die Flasche aus der Hand nimmt und sie geschickt mit den Zähnen öffnet, &#8220;türlich nich, was?&#8221; Die Frau schüttelt den Kopf, nimmt einen süchtigen Zug aus der Flasche und reicht dem Jungen ihren Beutel mit den restlichen Bierflaschen: &#8220;Brauch ich nich mehr.&#8221; Der lässt sich seine Überraschung nicht merken, fragt aber höflich: &#8220;Un ne Penne, willste mitkomm?&#8221; Die Alte schüttelt den Kopf. Die Bengel trollen sich, den Bierbeutel schwenkend. Sie trinkt ihr Bier in kleinen Schlucken, beugt sich runter und lässt auch den Hund aus der Flasche saufen. Wien Baby, denkt sie und lächelt plötzlich in Erinnerung an eine Jugendliebe, sie lässt sich neben den Hund aufs Brückenpflaster sinken und schaut zum Himmel hoch. Vom Himmel hoch, da komm ich her, murmelt sie. Orion lockert seine Schultern, schüttelt Beteigeuze und Bellatrix. Alte Liebe rostet nicht, murmelt die Alte. Nicht weit weg knallen ein paar Böller, dann wieder Stille. &#8220;Insel Poel&#8221; heißt das Schiff, über und über bedeckt mit Graffiti, auf dem die Geister des abgelebten Jahres Pogo tanzen. Im neuen Jahr wird der Bezirk es abschleppen lassen, stand im Berliner Nachtspiegel. Gepflegte Biere sind was andres, die alte Frau lacht und beugt sich übern Kanal. Sie spuckt Zahn um Zahn ins Wasser, dass ölige Tropfen aufspritzen, die sie, plötzlich flink, mit ihrem Feuerzeug zündet. Ihr Mantelgürtel beginnt zu blinken, etwas heult auf, für einen Augenblick ist die Brücke gleißend erleuchtet. &#8220;Leute&#8221;, ruft die Zahnlose, &#8220;die paar Stunden macht ihr ohne mich!&#8221; Kichernd fährt sie ab, voll ins Dunkel, dreht sich noch einmal und wirft die Bierflasche, die knallt und in tausend spiegelnde Splitter zerstiebt. Wer jetzt einen aufhöbe, könnte das eigne Gesicht in den Stufen des Alters erblicken. Niemand kommt vorbei, nur der Hund schaut sich noch einmal als Welpe.</p>
<p>Stunden später, das Feuerwerk  ist in vollem Gang, kläfft er, noch immer festgeleint. Die Brücke ist voller Leute jetzt, Sektflaschen kullern, Raketen schießen ab und away!, Orion fängt sie mit den Händen und lässt ihre Sterne erblühn. Es kracht hier und da und schnell hinternander, jemand fängt eine Radiosendung: &#8220;Die Frage ist doch&#8221;, spricht ein Mann von der Polizeigewerkschaft ins Mikrofon, &#8220;ob die Berliner wirklich die Gebrauchsanweisung der neuartigen Feuerwerkskörper beachten und die vier Batterien sorgfältig voneinander getrennt zünden!&#8221;, Besorgnis wabert im Studio, niemand hört zu. Ein paar Sterne stürzen in den Landwehrkanal. Der Hund schiebt Panik. Gläser klingen kurz und klirren lang, &#8220;Zu mir oder zu dir?&#8221;, fragt eine einen, der Morgen ist fern und nah, das Erwachen in fremden Betten, das verstohlene Tasten nach der Armbanduhr und das vorsichtige Wischen am verschmierten Lippenstift, damit der Gefährte der Nacht nicht überm Clownsmund erschreckt. Als obs darauf ankäm. Doch noch sind wir nicht soweit. Während die Brücke sich langsam leert, der Hund erschöpft, resigniert, kommt von hinten ich weiß nicht von wo kommt ein Junge, der längst im Bett sein sollte, aber eben nicht ist, und der weiß, was er will, geht auf den Hund zu, lässt ihn am Handrücken riechen, seine Hand riecht gut, irgendwie nahrhaft, der Junge sagt nichts, aber der Hund ist entschlossen, zu winseln, sollte er die Leine nicht vom Geländer lösen, der Hund weiß, er muss nicht winseln, der Junge knüpft ihn vom Geländer, &#8220;gleich&#8221;, sagt er und sieht dabei schon fast erwachsen aus und grinst verlegen und nimmt das Tier doch sicher an seine Seite und geht mit zielstrebigen Schritten über die Brücke und jenseits und verschwindet irgendwo, vorn in der Körte und hält die Nase in den plötzlich eiskalten Wind und beugt sich zum Hund: &#8220;Butterbrot mit Zucker, in Milchkaffee gestippt, na?&#8221; Das neue Jahr knurrt leise und hebt die Nase.</p>
<p>Koordinaten:<br />
<strong>Poliander wünscht allen Leserinnen und Lesern Glück, Liebe, Gesundheit und Erfolg, Brot und Wein! </strong></p>
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		<title>Oh Farbe, oh fließendes Wasser</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 18:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, Noviomagus Nemetum, denn die hießen Nemeter, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2941" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden.jpg"><img class="size-medium wp-image-2941" src="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden-300x168.jpg" alt="Die blauen Läden" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Die blauen Läden</p></div>
<p>Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Speyer">Noviomagus Nemetum</a>, denn die hießen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nemeter">Nemeter</a>, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem heiligen Hain, dieses Rätsel überlassen wir der Leserin zur Übung. <span id="more-2731"></span>Also die kleine Stadt mit einem Bahnhof von drei Bahnsteigen und dem Bus davor, der steht mit offener Tür, steig ein, wusschh! Natürlich steigen wir an der falschen Stelle aus, doch was macht das schon? Vor einer Kirche ein Auto, raus steigt eine ältere Frau, die nach tiefer Bodenständigkeit riecht, und die sagt dir dann mit einem Akzent, der noch viel fremder ist als pfälzisch, wo&#8217;s langgeht. Erleichterung, wir sind nicht am Ende der Welt hier, wir sind links vom Rhein, aber nicht hinterm Mond. Dann geht es durchs Altpörtel, ein Torturm wie aus dem Kinderbuch so fein, dann durch die Fußgängerzone. Die Speyerer und Speyerinnen sitzen aber und lassen sich vom Himmel bescheinen, was ist der auch blau heute. Die schöne Göttin hinterließ die feine Farbe auf den Fensterläden der Gasse schräg weg vom Dom.</p>
<p>Noch schöner, <a href="http://www.speyer.de/de/tourist/museen/schpira">das kleine Museum</a>. Und hinuntersteigen, in das stille mittelalterliche Bad, ein heiliger Ort, auch heilig vor lauter Geschichte, steinern und mit sachtem feuchtem Atem. Ach, Säulchen, wie sie den Durchblick teilen. Polianders Blicke ins Grundwasser und auf den Grund. Dort liegt das Geld der Touristen, das die Engel nicht heben. Poliander guckt nah, Ungeschick verlass mich nicht! fällt P.s Reisehut direkt hinein, schwimmt zur Seite, Poliander steht wie taub, schon zieht Polianders Gefährte den Schuh vom Fuß, steigt dem Hut hinterdrein, kommt nass zurück, steigt mit Poliander die Teppe, und während sie noch mit Tempotaschentüchern die Füße des Gefährten trocknen, schwimmt eine neue Schar Touristen die Treppe herunter, schwimmt trocken, versteht sich, doch hinab, strafende Blicke: Was haben die hier gemacht! Poliander und Gefährte fragen sich. Ist der Hut noch der selbe wie zuvor? Ist das Bad noch das selbe wie zuvor? Sie grinsen vor Verlegenheit, ihr Grinsen macht sie mehr verlegen, und sie machen sich eilig davon. Vorm Tor, wieder im Blau, stülpt P. den Hut über die Ohren, es tropft. Doch wer behielte nicht gern im Frühsommer einen kühlen Kopf.</p>
<p>Koordinaten: 49°19&#8217;10&#8221; N, 8°25&#8217;52&#8221; O, <a href="http://www.speyer.de/">Speyer</a></p>
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		<title>Billy Wilder</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/04/19/billy-wilder/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Apr 2011 22:55:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Leuchtfeuer]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Oh&#8221;, sagte die Frau, als sie den Sportwagen vor sich her in Richtung Ausgang schob und dabei zwischen Barhockern und dem  Tisch von Poliander und Polianders Begleiterin aneckte. Aus dem Wägelchen schauten zwei Hunde, einer klein und schwarz, der andere groß und hellbeige, beide mit samtglattem Fell und abgeplatteter Schnauze, während Poliander mit langem Arm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Oh&#8221;, sagte die Frau, als sie den Sportwagen vor sich her in Richtung Ausgang schob und dabei zwischen Barhockern und dem  Tisch von Poliander und Polianders Begleiterin aneckte. Aus dem Wägelchen schauten zwei Hunde, einer klein und schwarz, der andere groß und hellbeige, beide mit samtglattem Fell und abgeplatteter Schnauze, während Poliander mit langem Arm den Barhocker ein wenig beiseiterückte, so dass die Herrin der beiden Tiere deren Gefährt einfach würde durchschieben können. &#8220;Oh&#8221;, sagte Polianders hundekundige Begleiterin, &#8220;zwei Möpse!&#8221; <span id="more-2765"></span>Die Frau lächelte Polianders Begleiterin an, nahm die Hände vom Griff des Wagens und legte sie, in einer mehr sachverständigen als anzüglichen Geste locker auf ihre Brüste, um diese dann einige Male leicht auf und ab zu rucken, &#8220;zwei Möpse!&#8221;, wiederholte sie. Und während Poliander der Mund offen stehen blieb, erklärte die Frau in fehlerlosem, mit einem schönen Akzent versehenen Deutsch: &#8220;Das ist komisch im Deutschen, dass man solche Hunde Möpse nennt und auch das&#8221;, worauf sie nun erneut leicht ihre Brüste drückte. Sie trug ein anliegendes Kleid, darüber eine Lederjacke, die nur in Taillenhöhe geknöpft war, so dass das schöne, weiß-blaue Blumenmuster des Kleides Poliander ins Auge sprang. &#8220;Ja, das ist wahr&#8221;, sagte Polianders Begleiterin zu der Frau, die nun die Hände wieder um den Handgriff des Sportwagens schloss und ihn anschob, ihrerseits an den Schultern berührt von einem der beiden leicht untersetzten Männer, die hinter und mit ihr zum Ausgang strebten. &#8220;Einen schönen Abend noch die Damen!&#8221;, er nickte Poliander und Polianders Begleiterin zu.  Poliander nickte zurück, während Polianders Begleiterin sich bereits lachend zur Seite beugte. &#8220;Hast du die Schuhe gesehen?&#8221;, fragte Poliander. &#8220;Oh ja!, mindestens 12 cm Absatz.&#8221; Poliander nickte, &#8220;Ja, und an den Zehen offen!&#8221; Sie bestellten weitere Cocktails.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.hallohund.de/Hundewunsch/Der-richtige-Hund/Welche-Rasse-passt-zu-mir-Heute-Der-treue-Mops/781622">Mopshund</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=oMtCa-_ygto">Mopsgedicht</a></p>
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		<title>Schreiben macht das Leben süß</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/03/02/schreiben-macht-das-leben-suess/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 08:09:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>
		<category><![CDATA[Worte und Sprüche]]></category>

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		<description><![CDATA[Koordinaten:  48° 52&#8242; N, 2° 20&#8242; O]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2631" class="wp-caption alignleft" style="width: 672px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/03/bonbons.jpg"><img class="size-full wp-image-2631" src="http://www.poliander.de/files/2011/03/bonbons.jpg" alt="Schöne Stadt" width="662" height="326" /></a><p class="wp-caption-text">Schöne Stadt</p></div>
<p>Koordinaten:  48° 52&#8242; N, 2° 20&#8242; O</p>
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		</item>
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		<title>Im Schatten fremder Beine</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/02/01/im-schatten-fremder-beine/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 12:50:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
		<category><![CDATA[Wegelagerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Frau 1: Gucke mal, die könntch auch brauchen. Frau 2: Findest du? Frau 1: Meinst du, die sind zu knapp? Frau 2: (schweigt) Frau 1: Die passen sich an. So was habb ich noch ni. Händlerin: (lächelt) Frau 1: Die passen jedor. Händlerin: (lächelt) Frau 1: Ein Paar hiervon bitte! Händlerin: Gern. Poliander (zu sich): [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em> </em></p>
<div id="attachment_2543" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><em><em><a href="http://www.poliander.de/files/2011/02/die-beine.jpg"><img class="size-medium wp-image-2543" title="Beine am Domplatz" src="http://www.poliander.de/files/2011/02/die-beine-300x225.jpg" alt="Beine am Domplatz" width="300" height="225" /></a></em></em><p class="wp-caption-text">Am Domplatz</p></div>
<p><em>Frau 1:</em> Gucke mal, die könntch auch brauchen.<br />
<em>Frau 2:</em> Findest du?<br />
<em>Frau 1:</em> Meinst du, die sind zu knapp?<br />
<em>Frau 2</em><em>: (schweigt)</em><br />
<em>Frau 1:</em> Die passen sich an. So was habb ich noch ni.<br />
<em>Händlerin: (lächelt)</em><br />
<em>Frau 1: </em>Die passen jedor.<br />
<em>Händlerin: (lächelt)</em><br />
<em>Frau 1:</em> Ein Paar hiervon bitte!<br />
<em>Händlerin:</em> Gern.</p>
<p><em>Poliander (zu sich):</em> Früher war hier nur der Gemüsemarkt.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.erfurt.de/ef/de/entdecken/webcam/domplatz/">50° 59&#8242; N, 11° 2&#8242; O</a>, Sonnabend, -5° Celsius</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Auf dem Hotelflur ist es still</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/12/31/hotelflur-es-ist-still/</link>
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		<pubDate>Thu, 30 Dec 2010 23:03:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Endstation]]></category>
		<category><![CDATA[Hafenhotel]]></category>
		<category><![CDATA[Sternbild]]></category>

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		<description><![CDATA[Etwas schleicht vorbei. Eine huscht herum. Eine Tür hat schon geklappt, eine zweite klappt jetzt. Dame im Morgenrock späht aus der Tür, hängt das Schild auf den Türknauf: &#8220;Bitte nicht stören&#8221;, Dame schaut links und rechts: Nacktes tappt vorbei, Dame missbilligt, zieht den Kopf zurück, Schloss schnappt ein. Unterm fest geschlungnen Morgenrock wartet ein Likör [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2373" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/12/rauchverbot-und-ascher.jpg"><img class="size-medium wp-image-2373" title="rauchverbot und ascher" src="http://www.poliander.de/files/2010/12/rauchverbot-und-ascher-300x205.jpg" alt="Auch im neuen Jahr: sowohl als auch" width="300" height="205" /></a><p class="wp-caption-text">Wünschen Neujahr 2011: Herzliches Sowohl Als Auch!</p></div>
<p>Etwas schleicht vorbei. Eine huscht herum. Eine Tür hat schon geklappt, eine zweite klappt jetzt. Dame im Morgenrock späht aus der Tür, hängt das Schild auf den Türknauf: &#8220;Bitte nicht stören&#8221;,<span id="more-2369"></span> Dame schaut links und rechts: Nacktes tappt vorbei, Dame missbilligt, zieht den Kopf zurück, Schloss schnappt ein. Unterm fest geschlungnen Morgenrock wartet ein Likör im leeren Magen auf den nächsten. Die Dame leckt über blasse Lippen. Heut nacht kommt&#8217;s darauf an, nicht mehr Sorgen als Likör zu haben, doch auch nicht mehr Likör als Sorgen. Die Flasche ist noch lang nicht leer. Nacht der Nächte, Dame wühlt in Tasche, Nichtraucherin braucht Lektüre. Likörflasche und Gläschen kommen auf dem Nachttisch zu stehen, mit dem Buch in der Hand hüpft sie ins Bett, als warte da einer, rückt, das Buch auf den Knien, Beine und Rückseite zurecht, zieht die Decke unters Buch und greift das Schnapsglas.</p>
<p>Die nackten Füße sind den Gang draußen runter getappt. Die Tür zur Treppe trägt die Aufschrift &#8220;Nicht arretieren!&#8221; Sie ist mit einem Keil ist festgeklemmt. Dann die Faltungen der Aufzugschiebetür, gleich daneben die erste Stufe. Roter Hoteltreppensamtläufer, leicht verfleckt. Neben dem Aufzug hockt einer und raucht. Füße  bleiben stehn:<br />
Haben Sie Feuer?<br />
Sicher doch, Mädchen.<br />
Danke. <em>(Dick wird die Glut, glutrot.)</em><br />
Is dir nich kalt, Kleene, so barfuß?<br />
Nee. <em>(Sie mustert den Alten.)</em><br />
Hat er dir versetzt? <em>(Sie zuckt die Schultern.)</em><br />
<em>(Unten krachen Böller.</em>) Könnt langsam uffhörn, was?<br />
<em>(Sie nickt.)</em><br />
Die denken ooch, das neue soll&#8217;s bringen. Ich sage dir was. <em>(Er lehnt sich ans Geländer, sie setzt sich auf die Treppe.) </em>Mit Poesie alleene is dir nicht geholfen.</p>
<p>Das Mädchen zündet sich die nächste Zigarette aus ihrer Schachtel an. Sie zieht die bleichen Zehen nach oben. Aber davon wird uns auch nicht wärmer. Schimmern die Füße nicht schon bläulich? Der Alte geht langsam den Flur hinunter. Vor der Tür mit dem Schild &#8220;Bitte nicht stören&#8221; bleibt er stehen, hebt die Hand und krümmt die Finger, richtet den Knöchel in Richtung Klopfen. Dann lässt er die Hand sinken und geht weiter. Er hat hier nichts mehr zu schaffen. Das junge Jahr hat schon viereinhalb Stunden. Das Mädchen an der Treppe vorn wirft den Zigarettenstummel in den Ascher, streckt sich, steht. Plötzlich geht sie, geht sie einen Schritt schneller, rennt zuletzt, schnappt die Zimmertür auf, wirft ihre Sachen in den Koffer, schnappt den zu, die Zahnbürste fällt ihr ein, Zähneputzen fällt aus, eine Laufmasche fällt das Bein hinunter, das gleich in den Schnürstiefel schlüpft. Fliegenbeindünne Wimpern werden streichholzdick, den schwarzen Lack auf den Nägeln auszubessern, bleibt keine Zeit, wohl aber für die Träne unterm Aug. Kettenlast sinkt um den Hals. Schnappt sich den Koffer, die Junge, klappt durch die Tür, steppt übern Gang, pfeift aufn Aufzug, rennt sie runter, die Treppe, dreht von Absatz zu Absatz. Unten schwingt die Tür zurück ins Schloss, da springt sie schon am Ende der Straße in die Tram. Ein neues Jahr ist kein Baby, Baby!, es ist eine tätowierte Jugendliche mit melancholischer Frisur, und wenn&#8217;s erst mal losrennt, sei fix, dann kriegst du&#8217;s vielleicht ein.</p>
<p>Koordinaten:<br />
<strong>Dank allen, die Poliander 2010 begleitet haben.<br />
Wünschen: Gute Reise mit leichtem Gepäck, unbeirrte Ankunft im neuen Jahr!</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>In Auray</title>
		<link>http://www.poliander.de/2009/10/22/in-auray/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Oct 2009 11:35:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Umsteigen]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Poliander in Auray strandete, strandete sie mit einem Auto, meinem Begleiter und mir. Wir hatten uns an Kreisverkehre gewöhnt, die in Abständen von 200 Metern aufeinander folgten, Auray aber besaß sogar einen viereckigen Kreisverkehr. Poliander hatte mir im Nacken gesessen, während ich im Office du Tourisme im Gastgeberverzeichnis blätterte. Bei der Adresse von M.  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_843" class="wp-caption alignleft" style="width: 242px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/09/auray_austernfischer_klein.JPG"><img class="size-medium wp-image-843" src="http://www.poliander.de/files/2009/09/auray_austernfischer_klein-232x300.jpg" alt="Nicht alle Austernfischer sind Vögel " width="232" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Nicht alle Austernfischer sind Vögel </p></div>
<p>Als Poliander in Auray strandete, strandete sie mit einem Auto, meinem Begleiter und mir. Wir hatten uns an Kreisverkehre gewöhnt, die in Abständen von 200 Metern aufeinander folgten, Auray aber besaß sogar einen viereckigen Kreisverkehr. Poliander hatte mir im Nacken gesessen, während ich im Office du Tourisme im Gastgeberverzeichnis blätterte. Bei der Adresse von M.  et Mme. Le Serrec wurde sie unruhig, schon gut, sie hatte eine Nase für Ziele. <span id="more-803"></span></p>
<p>Während wir allerdings diesen quadratischen Kreisverkehr umrundeten und uns fragten, ob er als Kreisverkehr bezeichnet werden und ob man ihn umrunden durfte, also mitten in diesem quadratischen Kreisverkehr, begann mein Begleiter zu murren. Es war die richtige Straße, und sie sah aus wie eine Hauptstraße. Sicherheitshalber drehten wir noch ein Quadrat, aber es <em>war</em> die richtige Straße. Als wir dann auf dem Hof des Hauses standen, triumphierte Poliander. Das Quartier war ein Extrahaus, das <a href="http://tymamgoze.e-monsite.com/accueil.html">Haus der Großmutter</a>, hinter dem neuen Haus, und wenn uns in der Nacht etwas beunruhigen würde, dann allenfalls die Stille, denn die Straße hörte beim ersten Dämmerlicht auf, Hauptstraße zu sein. Mit den Großmüttern hatten sie&#8217;s hier, das hatte ich schon begriffen. Poliander interessierten die Großmütter nicht. Sie war fasziniert von M. Le Serrec, der groß und lang in seinen Pantoffeln stand und weit ausholte, um den Verkauf bretonischer Möbel nach China zu beschreiben, via Rotterdam. Ständig flüsterte Poliander mir ins Ohr, was ich noch fragen sollte. Erst als sie die geschnitzte Figur sah, die M. Le Serrec ins Zimmer gestellt hatte, war sie still. &#8220;Das hat er selbst gemacht&#8221;, sagte sie dann und bewunderte sich.</p>
<p>Am Sonnabend schickte uns M. Le Serrec zum Hafen, wo sie die Austern feierten. Das ist wieder so ein Touristending, sagte ich, ging aber mit. Vor der großen Kirche hielt eine Dame uns an: ob wir englisch sprächen. &#8220;Oui.&#8221; Wo ging es zu den Markthallen? &#8220;Regardez&#8230;&#8221;, wir zeigten es auf dem Plan. Ich setzte dreimal an, ehe mein Gehirn begriff, englisch? K. lachte über mich. &#8220;Les halles&#8230; sont&#8230; is closed now&#8221;, Sonnabend Nachmittag, um zwei. &#8220;Sure?&#8221; Sure. Ich staunte den Begleiter der Dame  an, nicht jung, aber in durchsichtigem weißen Hemd. Fror er nicht? Der Wind ging vom Meer, der Wind ging wie nur was. Was da in die Bucht rauschte, hieß Loch, wir gingen im Zickzack bergrunter und drauf zu. Eilig entleerte der Fluss die Gezeitenfracht in den Golf, aber so weit sahn wir nicht.  Der Hafen war alt, aber die Austernfischer neu, mindestens neu gestrichen, ungelenke Gestelle, die sich wer weiß wie über Wasser hielten. Zack! öffnete der Austernfischer die Auster, das Wunderding, vor ihm häuften sich die Schalen.  Hier gab es keine englischsprachigen Touristen oder wir sahn sie nicht. Die Austernfischer, die wir von der Nordsee kannten, eilige Vögel, hatten keine Saison in Auray. Die Leute aus Auray saßen in langen Reihen, aßen drei Sachen: Austern, Muscheln, Frites, und tranken Muscadet. Ein Mann legte die Muschelschalen säuberlich ineinander, wie Löffelchen. Eine Flasche Muscadet war gar nicht  so viel. Leute fingen an zu singen, plötzlich waren Bombarden da. Wir waren gern, wo die Musik spielt. Draußen fielen ein paar Regentropfen, der Kaffee ging aus, die Musik spielte, Zurufe der Leute. Ein Mann schob uns den Teller hin: probieren. Wir probierten, ohne zu erkennen, was, salzige Paste. Die Musik spielte wilder. Ich brauchte Bewegung. Wir bedankten uns, gingen die Bucht hinunter, Ebbe war, der Loch ein rasches Rinnsal zwischen fetten Schlickpolstern. Als wir zurückkehrten, öffneten Frauen Austern um die Wette, Marie-Claire, Pascale, Vivienne und Danielle. Eifer, zwei Dutzend Austern auf schnellstem Weg tödlich zu verwunden. Der  Zauber war hin. Danielle verletzte sich, und ihr Blut floss in die Auster. Sie wurde disqualifiziert, es begann zu regnen, ich ging in der Menge verloren. Poliander, rief ich, und K.! Fand sie nicht, eilte die Treppe hinauf nach Saint-Goustan, fand sie nicht, auch nicht in Saint-Sauveur. Zeit verging zwischen Mauern, aus denen Grünzeug quoll. Unten, auf der Brücke beugten Leute sich über den Loch. Die Gezeiten hatten gewechselt, Meer trieb mit Gewalt den flussauf, Strömung saugte sich durchs Flussbett und strudelte um die Brückenpfeiler. Sechs Jugendliche waren mit Kanus den Fluss herabgekommen und hielten sich an der Hafenmauer. Sie mussten raus, rechts unterhalb der Brücke, doch der Strom war gegen sie. Aufregung und Neugier, die Leute schauten, die Kanuten beobachteten die Strömung und rannten mit ihren Booten dagegen. Hier, hier, dicht am Pfeiler, nicht ganz so dicht!, dreimal anrennen, geschickter einfahren, wilder paddeln, einmal, dreimal, schließlich durch. Ein  Junge ließ sich mutwilig zurücktreiben, er machte es nochmal und nochmal. Genug geguckt?, sagt K. hinter mir, und Poliander legte mir die Hand auf den Arm. Nie, sagte ich, lass uns schauen, wo die Musik spielt. Das Meer flutete den Fluss wie Lust die Adern.</p>
<p>Koordinaten: Auray, September 2009.</p>
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		<title>Heilige Anna Mädchenmutter</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 12:19:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Meer schlägt langsam, es schlägt schwer, es schlägt sanft am 31. August, doch der Wind ist fest und entschlossen. Wenn wir die Mützen nicht festhalten, müssen wir sie abnehmen, sonst sind sie hin. Das ist der letzte Tag im Jahr, an dem wir auf den Leuchtturm steigen können, der heißt Phare St. Mathieu, es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_793" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/09/Pointe-St-Mathieu.JPG"><img class="size-thumbnail wp-image-793" src="http://www.poliander.de/files/2009/09/Pointe-St-Mathieu-150x150.jpg" alt="Pointe St. Mathieu" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Pointe St. Mathieu</p></div>
<p>Das Meer schlägt langsam, es schlägt schwer, es schlägt sanft am 31. August, doch der Wind ist fest und entschlossen. Wenn wir die Mützen nicht festhalten, müssen wir sie abnehmen, sonst sind sie hin. Das ist der letzte Tag im Jahr, an dem wir auf den Leuchtturm steigen können, der heißt Phare St. Mathieu, es ist ein so blauer Tag, so strahlend, mein Begleiter fotografiert die Inseln, die Felsen im Meer, die Klippen, an denen aus Seeleuten Fische werden, und das ist ist kein Spaß, sondern tödlich. <span id="more-759"></span>Wer dem Wind nicht traut, der plötzlich ausbricht, dass die Haare flattern wie Fahnen, lehnt sich an die Turmwand und lässt die anderen Touristen vorbeischleichen, handnah, denn der begehbare Ring um den Turmgipfel ist schmal. Ein Junge steht bereit, das Meer zu erklären, er erklärt, er lächelt, er wartet, dass wir gehen und er im Windschatten die Zigarette entzünden kann. Mais fumez! Morgen sind seine Ferien zu Ende, morgen ist der Turm geschlossen, und im nächsten Sommer die Schule vorbei, er geht studieren, Bonne chance!, rufen wir im starken Wind, Bonne voyage! Schon sind wir mit unserem Französisch am Ende. Unten am Turm die Klosterruine, unten am Turm die Kirche, der Brunnen, das Militärgelände, Défense d&#8217;entrer, das Radar, und auch das Radar hat seinen Turm.</p>
<p>An der Kirche, die steht noch, finden wir die Geschichte der Heiligen Tanguy und Haude. Haude und Tanguy waren Geschwister. Tanguy glaubte der Stiefmutter, die Haude verleumdete, worin wohl verleumdet eine Stiefmutter in der Legende ein Mädchen? Nein, es wird nicht erzählt. Tanguy enthauptete die Schwester. Als er seinen Fehler und ihre Tugendhaftigkeit bemerkte, tat er Buße, wurde Mönch, erbaute auf Geheiß des großen Heiligen St. Pol Aurelian ein Kloster, St. Mathieu. Hier ist es, Ruine, durch deren Dachöffnung ohne Dach der gleichgültige Himmel scheint, zwischen den Mauern ist der Radarturm sichtbar, sie überragend.</p>
<div id="attachment_763" class="wp-caption alignleft" style="width: 187px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/09/Bretonische-Anna.JPG"><img class="size-medium wp-image-763" src="http://www.poliander.de/files/2009/09/Bretonische-Anna-177x300.jpg" alt="Anne et Marie, en Bretagne" width="177" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Anne et Marie, en Bretagne</p></div>
<p>Tanguy, wurde vom Ehrenmörder nun auch zum großen Heiligen, Türme heißen nach ihm. Über die Heilige Haude erfahre ich hier nichts weiter, erst später, ohne kirchliche Hilfe finde ich ihren Namen als den einer <a href="http://www.landunvez.fr/rubrique.aspx?idrub=16&amp;id=28">Quelle</a>. Hier ist Tanguys Kirche, darin Introun Varia ar Chras, Notre Dame de Grace, die am ersten September Pardon gewährt. Die Kirche ist klein, bröckelnd, schlecht gelüftet, es riecht nach Schimmel, Algen, Frömmelei, und ihre erste Attraktion ist ein Automat, an dem man nicht Süßigkeiten, sondern religiöse Traktate zieht, der katholische Westen, ich kann was lernen. Ich drehe mich weg, soll das doch fotografieren, wer will. Da trifft mich ihr Blick. Ich  erkenne sie nicht gleich, weil ich das Kind nicht erkenne, das Mädchen, das ein sternenbesetztes Buch in Händen halt. Ich muss auch was lernen. &#8220;Santez Anne&#8221;: Das gelehrte Mädchen ist Maria, nicht Haude; die Frau, die ihre Hände faltet über die kluge Nachkommenschaft, ist <a href="http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_464.html">Anna, biblische Spätgebärerin</a>. Bisher kannte ich sie <a href="http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_467.html">selbdritt</a> mit Maria auf dem Schoß, die ihrerseits Annas Enkel, Jesus, hält, oder mit Joachim, ihrem Mann, an der Goldnen Pforte, wo sie einander ihr geheimes Wissen sagten, um ein spätes Kind, Maria eben. Ich werde Sainte Anne noch oft treffen, in der Bretagne, wo sie sich vermischt mit der großen Königin, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anne_de_Bretagne">Anne de Bretagne, Anna Breizh</a>, immer wieder mit Maria, Maria als Halbwüchsiger, Maria in der Pubertät, oft Maria mit hochgereckten Armen, die Hände verbunden mit denen Annas, der heiligen Mädchenmutter, die ihr Mädchen nicht hindert, forsch auszuschreiten, die Lieblingsheilige des Finisterre, das auf bretonisch nicht das Ende der Welt bedeutet, sondern Pen-ar Bed: ihren Anfang.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Pointe_Saint-Mathieu">Pointe St. Mathieu</a>. Als das Christentum in die Bretagne kam. Als ich die Heilige Mädchenmutter sah.  <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Pointe_Saint-Mathieu"><br />
</a></p>
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		<title>Hund, hieß Luna</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 12:09:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Schönste Stellen]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Fluss in seinem steinernen Trog glitzerte. Poliander waren die Stiefel eng auf dem Weg zum Ufer, Wind schnob ihm die Haare aus dem Gesicht, ein Sonnenbrand begann seinen Lauf auf Stirn, Nasenrücken und Oberlippe. Die Zelte dort vorn mussten es sein, P. beschleunigte den Schritt, Schatten, dachte er. Im Innern war es taghell, kurz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_595" class="wp-caption alignleft" style="width: 299px"><a href="http://www.poliander.de/files/2009/06/lesebus_fahrt_nicht.jpg"><img class="size-medium wp-image-595" src="http://www.poliander.de/files/2009/06/lesebus_fahrt_nicht-289x300.jpg" alt="Test" width="289" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Lesebus fährt nicht.</p></div>
<p>Der Fluss in seinem steinernen Trog glitzerte. Poliander waren die Stiefel eng auf dem Weg zum Ufer, Wind schnob ihm die Haare aus dem Gesicht, ein Sonnenbrand begann seinen Lauf auf Stirn, Nasenrücken und Oberlippe. Die Zelte dort vorn mussten es sein, P. beschleunigte den Schritt, Schatten, dachte er. Im Innern war es taghell, kurz flog P. ein Buchmessengefühl an,</p>
<p><span id="more-543"></span>die Einsamkeit neben Büchern fremder Leute.  P. zog die Reihen der Bücherstände mit Blicken aus: knochiges Hüftgebein, überraschend bloße  Oberarminnenseiten, bepelzte Stücke Handrücken und Kinn, Tiermaul, blickdichtes  Oberlid, wimperndunkler Aufschlag, hinter dem ein StillruhtderSee zu vermuten war. Ritter oder Ritterin?, dachte P., er  entschloss sich: Neugier voran! und betrat die Bücherweide, wo Druckerzeugnisse grasten. Bildpostkarten ließ er links liegen, dahinter ein Stand mit einem emsig wirkenden  Mann, der was kritzelte, ohne hinzusehen, aber P. sah hin: Tiere, Kamele, Kühe, Wie heißt dieser Hund?, fragte  Poliander und deutete auf einen langohrigen, kurzbeinigen mit Punkten. Luna, sagte der Mann, Luna blind, und ignorierte, was P. in Wahrheit hatte wissen wollen, Hunde mit Punkten, wie nannte man die ? Und waren die nicht sowieso hochbeinig? Und warum zeichnen Sie mit geschlossenen Augen?, das fragte P. Erleichtert die Arbeit, sprach der Mann. Aha, sagte P., begriff jedoch nicht, Ich bin Arzt, sagte der Mann, der Doktor also, Wenn ich Kindern Blut abnehme, zum Beispiel, zeichne ich dabei Tiere, ohne hinzukucken, die Kinder kucken, wundern sich, dass ich die Tiere auswendig zeichne, Blut ist abgenommen, fertig, sagte der Doktor. Er zeichnete auch Bücher und Leporellos, sah P., schaute gleich begehrlich. Wenn Sie mir, sagte der Doktor, meine Losung in eine fremde Sprache setzen, gebe ich Ihnen das Bild. Tiere Zeichnen Mit Ohne Kucken, las P., Dessigner Les Animaux Les Yeux Fermeés. Fremde Sprache hab ich nur die, die sie auch schon haben, alte Sprache, geht das auch?, fragte P., Ja, geht, sogar gern, sagte der Doktor, P. sagte: malen diu tier an schouwen, P. lächelte, Schreiben Sie&#8217;s mir! sagte der Doktor und reichte Luna über den Tisch. Poliander dankte. Ging weiter, unter den Füßen atmete die Erde. Am anderen Ende, im zweiten Zelt, die Büste von Peter Hacks, hinterm Stand Hacks&#8217; Eckermann, P. fragte, P. grinste, kein Zauber, flüchtiges Nicken, woanders dann ein Buchkatalog, drauf ein Möchtegerngedicht von einem Möchtegerntucholsky, P. grinste wieder, plötzlich Gedränge, P. warf die Arme hoch und drehte sich durch die Leute und drehte sich um und um und stand vor Büchlein aus dickem Papier, Anfassenslust packte P., ach! Drehte sich um, Geräusch in Fußhöhe, ein Bellen jetzt, ein herrenloses, Geh!, sagte Poliander, Wohin?, sprach der Hund. Zu deinem Menschen, sagte Poliander, Hab keinen, der Hund. P. seufzte. Man wusste, worauf so was hinlief, Genau, sagte der Hund, bring mich raus. P. sah das hellere Licht am Ende des Zelts, ging voran, Hund neben sich, ging hinaus, Ich brauch einen Kaffee, sagte P., Wir treffen uns am Baum, sagte der gepunktete Hund mit den kurzen Beinen.  P. wusste gleich, an welchem Baum, dem mit einer Bank rundrum. Als er hinkam, saß eine Frau da, schwarze Haare, dunkelrote Sommersprossen, Entschuldigung, sagte P., Haben Sie einen Hund gesehn? Sie griff in die Hosentasche, brachte einen Spiegel zu Tage, Ich seh eine Frau, sagte rasch ihre helle Stimme. P. seufzte. Er hielt ihr den Kaffeebecher hin, sie teilten das bittere brühheiße Getränk. Gehn wir ans Ufer, sagte die Frau und wies auf die Anlegestelle, Ich will zurück zu den Büchern, sagte P., Zu viele Menschen, stellte sie fest, P. aber stand auf und ging zielstrebig zwischen  den Tischen hindurch und zu jener Anfassenslust aus weichen Papier, über die eine Frau herrschte mit rot-eckig-kurz-festem Schopf, dreimal Bindestrich, dachte P., ich will sie besuchen, suchte sich ein Buch aus, bemäntelte die Neugier mit fehlendem Geld, auf seiner Stiefelspitze fühlte er einen Fuß, eine Pfote eher, als er hinsah, war da nichts, er überreichte seine Karte und würde sich melden. Als er einen Underground-Comic kaufte, spürte er wieder den Pfotentritt. Hinterm Comicstand war ein Vorhang, da zog&#8217;s ihn hin, da zog&#8217;s ihn hindurch. Hinterm Vorhang wartete Luna, rötliche Sommersprossen flossen von ihrem Hals bis zum Schambein und erweckten den Eindruck eines kurzhaarig seidigen, gefleckten Pelzes. Ich wollte zum Lesebus, sagte P., Lesen hören kannst du immer, sagte Luna, Es ist nur ein Vorhang, der uns von der Menge trennt, sagte P., Nichts trennt uns von der Menge, sagte Luna, Ich habe unanständige Gedanken, sagte P. Luna lachte nicht, sondern hob die Hand, und in ihrem Handteller sah P. die Zeichnung eines Fensters, dahinter eine Straße und jenseits der Straße eine Reihe von Platanen und hinter den Platanen den Fluss, auf dem ein Schleppschiff vorbeizog, und durch das Fenster in den Aufbauten des Schleppschiffs sah Poliander ein Paar, das sich küsste, Vorsicht, wollte er rufen, Habt ihr die Hand am Steuer?, richtig, sah P., der Schiffer schaute der Frau, während er sie küsste, über die Schulter und lenkte den Schlepper, nicht gerade mühelos, musste man sagen, aber grad an der steinernen Brüstung vorbei. Übers Deck rannte ein kurzbeiniger Hund mit schwarzen Punkten im Fell.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.minipresse.de/">Minipressenmesse</a> 2009</p>
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		<title>Einhards Baustelle</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Apr 2009 08:57:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Sternbild]]></category>
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		<description><![CDATA[Überall wurden Postkarten verkauft, die ein Kirchlein zeigten, ordentlich und aus rotem Sandstein, es sah gar nicht so alt aus, es sah aus wie ein Modell oder ein etwas ernsthafteres Spielzeug, aber eins, das in einer Modelleisenbahnanlage Platz fände. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_331" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-331" src="http://www.poliander.de/files/2009/04/einhards-basilika_1-300x246.jpg" alt="Baustelle" width="300" height="246" /><p class="wp-caption-text">Basilika fliegt nicht.</p></div>
<p>Überall wurden Postkarten verkauft, die ein Kirchlein zeigten, ordentlich und aus rotem Sandstein, es sah gar nicht so alt aus, es sah aus wie ein Modell oder ein etwas ernsthafteres Spielzeug, aber eins, das in einer Modelleisenbahnanlage Platz fände. Und auch der Ortsname klang nach Eisenbahnmodell: Steinbach in Michelstadt, nicht <em>michel </em>wie deutscher Michel, <em>michel</em> wie <em>michlinstat</em>, und das heißt: großer Ort.</p>
<p><span id="more-201"></span>Beinahe hätten wir den Wegweiser &#8220;Einhards Basilika&#8221; übersehen, er wies uns von der Einhardstraße ins Private, ein Gartenzaun, ein Tor, Eintritt ein Euro fünfzig. Kasse: geschlossen. Gradaus ging der Blick, wurde gefangen von einer Baustelle, einem fragilen, riesenhaften Gerüst, Bauschuttcontainern voll Schotter, in denen Kleingehölze siedelten. Ein Wellblechdach schwebte über der Kirche, die man hinterm Gestrüpp aus Gerüststangen mehr ahnte als sah. Der Wellblechflügel flog nicht; breite Gurte, viele, fesselten ihn an die Schuttcontainer. Deshalb also. Gras und Bänke, die Frauen, wie sie da saßen, saßen da der Sonne wegen. Auf dem Dorf wünscht man immer einen Guten Tag. Das Portal war ohne Tür, in die Halle schien Wetter, über gestampften Boden staubte der Lehm. Aus Putzresten griff eine gemalte Hand. In der Sakristei stand ein junger Mann, aus Japan dachten wir, und schrieb lehrhafte Texte von den Aufstellern ab. Seine frierende Freundin verabschiedete sich nach draußen, eine Rentnergruppe kam, das Licht ging aus. Ich ging ein paar Schritte in die Halle zurück, eine Lichtschranke sprang an, die Rentner bedankten sich, doch ehe sie zu lesen begannen, entsannen sie sich eines Termins und eilten weg.</p>
<p>Einhard war nicht hier, der gelehrte Reliquiendieb. 827 soll die Basilika fertig gewesen sein, da zog Ratleik, sein Freund,  nach Rom, Reliquien besorgen. Wie er das Heiligengrab eröffnete, wie er die Gebeine zweier Heiliger, nicht nur des einen, fand, wie er den einen stahl. Wie Ratleik nach Tagen wiederkam zum Grab, bebend, auch den zweiten zu stehlen. Denn musste der nicht den Gefährten im Tode vermissen, mit dem er fünfhundert Jahre das Grab geteilt hatte? Da ließ sich die Grabplatte leicht heben, denn der Heilige half mit, so Ratleik sein Einverständnis demonstrierend beim Bubenstück. Erst jenseits der Alpen trug man das Märtyrergebein offen, Leute staunten,  dann die Ankunft der Heiligen in Michelstadt. Nicht ihr kleinstes Wunder, ließen die Heiligen Einhard und seine gottvollen Männer im Traum wissen, dass ihres Bleibens nicht sei. Ruhe wollten sie finden, doch nicht in Michel-, sondern in Seligenstadt. So ging Einhard, der große Chronist des großen Karl, ging hin und baute auch in Seligenstadt. Seine Basilika blieb zurück, verschont von den Neuerungen, die der heilige Tourismus schon im Mittelalter mit sich brachte, alte Steine, alte Ziegel, jahrhundertlang Sanierungsprojekt, jetzt wieder. Wir standen in der Halle herum und rätselten, welche Steine welcher Zeit entstammten.</p>
<p>Draußen vorm Portal wehte es frisch, ging es ein paar stolpernde Schritte hinab in die Krypta. Man sah, wo die Sarkophage standen, die Altarnische leer, Sonne fing sich in der Plexiglasscheibe, mit der wohl Getier ausgesperrt  wird, hier war nichts, hier war etwas, ein Hauch, ein Luftzug. Nein, sagte ich: Hier machst du kein Foto .</p>
<p>Koordinaten: Einhard, Michelstadt, die 20er Jahre des 9. Jahrhunderts</p>
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