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	<title>Polianders Zeitreisen</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Poliander erzählt Ihnen was</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 08:51:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrwasser]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>

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		<description><![CDATA[Poliander schwenkt den Hut und erzählt: Die Geduld der Wanderratte und andere Märchen beim Literaturfest Meißen. Else Gold zeigt ihre Märchen und präsentiert: Zündblättchen. Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur. Wann? 9. Juni 2012, 15:30 Uhr Wo? Studio Else Gold Meißen,  Hahnemannsplatz 9 Alle Gästinnen und Gäste sind herzlich willkommen. Koordinaten: 51° 10&#8242; N, 13° [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Poliander schwenkt den Hut und erzählt:<strong><br />
Die Geduld der Wanderratte<br />
und andere Märchen</strong><br />
beim Literaturfest Meißen.</p>
<div id="attachment_4269" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/05/die-rechte-braut.jpg"><img class="size-medium wp-image-4269" src="http://www.poliander.de/files/2012/05/die-rechte-braut-300x112.jpg" alt="Else Gold: Die rechte Braut" width="300" height="112" /></a><p class="wp-caption-text">Else Gold: Die rechte Braut</p></div>
<p><a href="http://www.elsegold.de/">Else Gold</a> zeigt ihre Märchen und präsentiert:<br />
Zündblättchen. Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur.</p>
<p>Wann? 9. Juni 2012, 15:30 Uhr<br />
Wo? Studio Else Gold Meißen,  Hahnemannsplatz 9</p>
<p>Alle Gästinnen und Gäste sind herzlich willkommen.</p>
<p>Koordinaten: 51° 10&#8242; N, 13° 29&#8242; O, <a href="http://www.literaturfest-meissen.de/M/Details/Gramann">Literaturfest Meißen</a>, Stadt an der Elbe<br />
&#8220;Die Geduld der Wanderratte&#8221; von Poliander/ Ulrike Gramann erscheint als Zündblättchen Nr. 51.<br />
Zündblättchen können bei der Lesung erworben werden.</p>
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		<title>Glanz und Bescheidenheit</title>
		<link>http://www.poliander.de/2012/05/08/fussball-glanz-und-bescheidenheit/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 06:11:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>

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		<description><![CDATA[1 Ein weiblicher Hund sitzt auf dem Boden der S-Bahn, auf dem Hintern, die Hinterpfoten locker nach vorn gelegt, zwischen den Vorderpfoten, die, krallenbesetzt, leicht auswärts zeigen. Das Hundegesicht: müde, breit, vermeintlich zerdrückt. Der Mensch hält ein starkrosa Band, es umfasst dickledern den Hals des Tiers. Auf seiner breiten Zeile sitzen mit Strass besetzte Buchstaben: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1<br />
Ein weiblicher Hund sitzt auf dem Boden der S-Bahn, auf dem Hintern, die Hinterpfoten locker nach vorn gelegt, zwischen den Vorderpfoten, die, krallenbesetzt, leicht auswärts zeigen. Das Hundegesicht: müde, breit, vermeintlich zerdrückt. Der Mensch hält ein starkrosa Band, es umfasst dickledern den Hals des Tiers. Auf seiner breiten Zeile sitzen mit Strass besetzte Buchstaben: HERTHA.</p>
<p>2<br />
Am Ausgang des S-Bahnhofs wirbt die ansässige Pinte mit dem Versprechen: &#8220;Bei jedem Tor von Hertha BSC spendiert unser Team seinen Gästen eine Runde Kümmerling!&#8221;</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.s-bahn-berlin.de/">Berliner S-Bahn</a>. Andere <a href="http://www.poliander.de/2011/04/19/billy-wilder/">Hunde</a> bei Poliander.</p>
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		<title>Auf Kolonos zum letzten Mal</title>
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		<pubDate>Sat, 05 May 2012 05:59:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Leuchtfeuer]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum letzten Mal Auf Kolonos. Das heißt: Ödipus ist gegangen. Das heißt: Die letzte Vorstellung ist gewesen, liebe Leserin, lieber Leser, mindestens für diese Spielzeit. Das kleine Haus, der Saal nicht einmal ausverkauft, im großen Haus nebenan: Don Giovanni, nichts gegen Don Giovanni, nichts gegen Mozart, nur dass die Opernbesucher so befremdet schauen, dass P. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4211" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/05/auf-kolonos.jpg"><img class="size-medium wp-image-4211" src="http://www.poliander.de/files/2012/05/auf-kolonos-300x185.jpg" alt="Bild: Badisches Staatstheater Karlsruhe" width="300" height="185" /></a><p class="wp-caption-text">Dort. Bild: Badisches Staatstheater</p></div>
<p>Zum letzten Mal <em>Auf Kolonos</em>. Das heißt: Ödipus ist gegangen. Das heißt: Die letzte Vorstellung ist gewesen, liebe Leserin, lieber Leser, mindestens für diese Spielzeit. Das kleine Haus, der Saal nicht einmal ausverkauft, im großen Haus nebenan: Don Giovanni, nichts gegen <em>Don Giovanni</em>, nichts gegen Mozart, nur dass die Opernbesucher so befremdet schauen, dass P. Fluchtreflexe unterdrücken muss, in der kleinen Stadt. Nur Mut: <span id="more-4209"></span>Im kleinen Haus ist es still, als wir hereinkommen. Zwei Frauen schaun in den Saal, gehn über die Bühne, leichtfüßig, man hält sie einen Augenblick lang für sehr anmutige Theaterbesucherinnen, überaus ungezwungen, wie sie sich da bewegen. Nicht leicht, sich da einfach zu setzen anstatt den Fuß ebenfalls durch den Saal eilen zu lassen. Dann aber gehören sie zu Ödipus&#8217; Gruppe, zeigt sich, sie sind <a href="http://www.ancientgreece.com/s/GreekMyths/Antigone/">Antigone</a> und Ismene, Töchter und Schwestern des <a href="http://www.ancientgreece.com/s/GreekMyths/Oedipus/">Ödipus</a>.</p>
<p>Kolonos liegt außerhalb, am Rande von Athen, ein Ort, in dem Ödipus und &#8220;die Mädchen&#8221;, wie Handke sie nennt, bleiben können. <em>Die ganze Gegend hier ist heilig, und sie hat/ Der reine Poseidaon. Drin ist aber/ Der feuerbringende, der Gott, der Titan/ Prometheus&#8230;</em> Das Bleiben der Flüchtigen wird noch bestritten werden, weil er er ist, Ödipus Ödipus, und der Ort der Ort: der heilige Hain der Eumeniden, furchterregender guter Göttinnen. Der Chor, BewohnerInnen des Ortes, Wanderer und Theseus zugleich, erschrickt vor dem Gast. Die Töchter tanzen, ruhelos; Ödipus, in verschiedener Gestalt, erzählt: Seine Taten habe er mehr erlitten als verübt. Nun will er sterben, und der Ort seines Grabes, sprach das Orakel, wird Glück bringen seinen Bewohnern. (Und darum wollte Kreon ihn, Ödipus, nach Theben holen, ihn vor der Stadt zu begraben, als Schutzwall in seinem Krieg.) Abkehr vom Kampf: Ödipus folgt weder Kreon, auch nicht, als der die Töchter entführt, die Theseus dann befreit, die Rechte der Flüchtlinge so schützend,  noch lässt er, Ödipus wieder, sich von seinem Sohn Polyneikes zur Rückkehr bewegen. Nicht nach Theben, wo Polyneikes dann sterben wird, Antigone ihn begräbt entgegen dem Verbot des Tyrannen (doch das ist eine andere Sache, die wir nur wissen, nicht heute erzählt sehn).  So ist es gut. Ödipus zieht sich zurück, Ödipus stirbt, ein Bote kommt, ein Zeuge. Zurück bleiben die Mädchen.</p>
<p>Das ist die Geschichte. Noch nie, liebe Freundinnen Leserinnen, sah las hörte P. sie so ergreifend erzählt.  Der ruhelose Tanz, dessen Musik nur in der streifenden Bewegung sich zeigt, die Gruppen von SprecherInnen, aus denen wer hervortritt, der jetzt Ödipus, gleich drauf im roten Kleid eine andre sein kann, die Tänzerinnen, der Gesang. Die Worte, Hölderlins Fragmente, so trefflich gewählt: <em>Denn nirgend bleibt er./ Es fesselt kein Zeichen, nicht immer./ Ein Gefäß ihn zu fassen.</em> Die Musik, P. erkennt kaum, was sie zitiert, nur dass, P. löst sich auf in der Musik und setzt sich wieder zusammen, und es ist keine Überwältigung, sondern ernst und leicht.</p>
<p>Ach, wärt ihr dabei gewesen.</p>
<p>Koordinaten: 28. April 2012, <a href="http://www.staatstheater.karlsruhe.de">Badisches Staatstheater</a>, 49° 1&#8242; N, 8° 24&#8242; O, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sophokles">Sophokles</a>, <a href="http://www.ancientgreece.com/s/GreekMyths/Oedipus/">Mythos vom Ödipus</a><br />
Musik: Wolfgang Rihm, Übersetzung von <em>Ödipus auf Kolonos</em>: Peter Handke<br />
Vertonte Worte: Hölderlin, Odyssee, Hermann Lenz<br />
Bild links, Quelle: Badisches Staatstheater Karlsruhe</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Liebes Hansaviertel, guter John Cage</title>
		<link>http://www.poliander.de/2012/04/26/liebes-hansaviertel-guter-john-cage/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 04:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute ist ein gerader Tag. An geraden Tagen können alle, die John Cage in der Akademie der Künste besuchen, in das Zimmer mit der nachgebauten Installation 33 1/3 gehen und aus den Schallplatten wählen, die auf schmalen Leisten an den Wänden stehn. Auf jeden Plattenspieler im Raum, es sind sechs, wird eine Platte gelegt, jeder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4169" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/04/akademie-der-kuenste.jpg"><img class="size-medium wp-image-4169" src="http://www.poliander.de/files/2012/04/akademie-der-kuenste-300x179.jpg" alt="Gute alte Moderne" width="300" height="179" /></a><p class="wp-caption-text">Gute alte Moderne</p></div>
<p>Heute ist ein gerader Tag.</p>
<p>An geraden Tagen können alle, die John Cage in der Akademie der Künste besuchen, in das Zimmer mit der nachgebauten Installation 33 1/3 gehen und aus den Schallplatten wählen, die auf schmalen Leisten an den Wänden stehn. Auf jeden Plattenspieler im Raum, es sind sechs, wird eine Platte gelegt, jeder kann in Umdrehung versetzt werden. Poliander nahm Monteverdi, aufgeführt von Nadia Boulanger, ein paar Platten blieben liegen, ein paar Spieler bestückte ein Mann, der ein sehr kleines Kind vor dem Bauch trug. <span id="more-4167"></span>Die Kleine schaute klaräugig und aufmerksam. Manche Platten trudelten bald aus. Monteverdi klang und klang. Klänge, hat John Cage gesagt, interessierten ihn mehr als Musik.</p>
<p>An ungeraden Tagen ist das 33 1/3-Zimmer geschlossen, mit einer halbhohen Tür, einer Platte eher oder Planke, die erlaubt, hineinzusehen. An ungeraden kann man eine andere Installation besuchen, deren Eingang dann offen ist (die Tür ist so angeschlagen, dass Sie mal hier, mal da &#8211; Sie verstehn? Was da passiert, wissen wir nicht. P. reckte zwar den Arm hinein, um den weißen Band mit der Aufschrift &#8220;Essay&#8221; zu greifen, doch was drin steht, wird hier nicht erzählt. Wenn der letzte Tag des Monats ein 31. ist, ist das Zimmer 33 1/3 zwei Tage lang geschlossen.</p>
<p>Wird ein Künstler hundert, wird gern gesagt, sein Werk sei &#8220;unglaublich frisch&#8221;. Sieht man John Cage, der als Maler begann und Komponist wurde, in den Videos in und vor der Ausstellung, bekommt man tatsächlich das Gefühl, die 70er Jahre seien gestern gewesen. Liegt das am eigenen Alter?  Kann sein. Kann auch sein, dass ein paar Ideen tatsächlich noch immer radikal sind. John Cage als bildender Künstler, nie gehört. An wem das wohl liegt? P. grinst über die Gefährtin. Schöne Ausstellung, zeigt die Arbeit von John Cage und Künstlern, die ihn beeinflussten, zu ihm gehören, passen. Passt, ja.</p>
<p>Blätter mit zufällig aneinander gereihten Zahlen, manche halb gerahmt von Cages Bleistiftstrich. P. erinnert sich an jenes Dorf in der Bretagne, das Haus, in dem wir übernachten wollten, hatte die Hausnummer 1557. Die Straße war lang, aber so lang? Und zwischen den Hausnummern erschienen rätselhafte Lücken, da: Nr. 225, hier: Nr. 314, und jetzt: Nr. 875. Was so randomhaft aussah, erklärte sich zuletzt durch die Entfernung der Häuser vom Ortsmittelpunkt, in Metern. Wir mochten das Haus, hinter dem das Meer begann. Auch hinter dem Zahlenzufall lauert die Unendlichkeit.</p>
<p>&#8220;Open your window and count the stars./ If rainig count the raindrops.&#8221;<br />
(J.C., 4&#8217;33&#8221;)</p>
<p>P. bewundert die Vögel auf Leitungsdrähten, ein Bild von Josef Albers, einen Künstler, den auch P. nicht kennt. Wären sie Noten, welche Klänge ergäben sich dann? Sperlings Geräusch vielleicht, oder Getaube vom Dach. Oder das ist überhaupt die Musik, die Vögel schreiben. Wir hören ja meistens ihr Alltagsgespräch. Die Tiere. Eine Tierpflegerin von Paul Klee, nie gesehn, hält ein kleines Schwein in den Armen, daneben sitzt die Sau, lange Schnauze, betörender Blick. (Klee, den KunstgewerblerInnen hier endlich mal entkommen, die verirrn sich nicht zu John Cage.) In fremden Briefen lesen darf die Besucherin auch: Cage schreibt an Jawlensky, dass er, Cage, kein Deutsch kann. Er schreibt auf deutsch: &#8220;Ich schreibe Musik. Sie sind mein Lehrer.&#8221;</p>
<p>Draußen ist das Hansaviertel, und da muss man dann auch noch ein bisschen bleiben. Wann wurde es nochmal gebaut? &#8220;Bei der <a href="http://deu.archinform.net/stich/543.htm">IBA 1957</a> natürlich!&#8221;, das weiß Polianders Gefährte im Schlaf. Polianders hat&#8217;s vergessen, ist mehr Auge halt. Wie frisch die Luft ist, wie vertraut die gute alte Moderne. Regen beginnt. Es tropft und tropft. Die feste Kapuze des Wachsmäntelchens übergezogen, ähnelt P.s Silhouette den flachen Zipfelmützen der Akademieanbauten.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Akademie_der_K%C3%BCnste_%28Berlin-Hansaviertel%29">52° 31&#8242; 4&#8221; N, 13° 20&#8242; 46&#8221; O</a>, Das Jahr von <a href="http://www.adk.de/de/projekte/2011/cage/programm2012.htm">John Cage</a> in der Berliner <a href="www.adk.de/">Akademie der Künste</a>.</p>
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		<title>Kinoliebe auf der Insel</title>
		<link>http://www.poliander.de/2012/04/23/kinoliebe-auf-der-insel/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 10:08:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Hafenhotel]]></category>

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		<description><![CDATA[Polianders  führte auf die kleine Insel Amrum. Dort besuchte P. auch das Kino &#8220;Lichtblick&#8221;, nahe bei der Stelle, von der aus die alten Amrumer übers Meer schauten, damit ihnen kein Strandgut verlorenginge. Wer dort &#8211; in Kino natürlich, nicht auf dem verschwundenen Ausguck der Herren des Strandes &#8211; nie den legendären Film &#8220;Sturmflut I&#8221; sah [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4141" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/04/frau-keppler-mit-bauer-b12.jpg"><img class="size-medium wp-image-4141" src="http://www.poliander.de/files/2012/04/frau-keppler-mit-bauer-b12-300x248.jpg" alt="Frau Keppler will sich nie von der Kinomaschine trennen" width="300" height="248" /></a><p class="wp-caption-text">Frau Keppler will sich nie von der Kinomaschine trennen</p></div>
<p>Polianders <a href="http://www.poliander.de/2012/02/28/polianders-einsame-reise/">Winterreise</a> führte auf die kleine Insel Amrum. Dort besuchte P. auch das Kino &#8220;Lichtblick&#8221;, nahe bei der Stelle, von der aus die alten Amrumer übers Meer schauten, damit ihnen kein Strandgut verlorenginge. Wer dort &#8211; in Kino natürlich, nicht auf dem verschwundenen Ausguck der Herren des Strandes &#8211; nie den legendären Film &#8220;Sturmflut I&#8221; sah oder, neuerdings, &#8220;Die Nordsee von oben&#8221;, kann kaum richtig auf der Insel gewesen sein. &#8220;Lichtblick&#8221; zeigt seit den siebziger Jahren fünf Filme am Tag im Sommer, zwei am Freitag im Winter.</p>
<p>P. sucht immer die Gegend, das platte Land, Landschaft und Meer, aber P. sucht auch immer das Kinoglück. Das Kinoglück ist heute schnell bedroht. Das Amrumer Kino soll, mitsamt dem historischen Seeheim, schon bald abgerissen werden, am 1. Oktober 2012. Wird es in Zukunft Kino auf Amrum geben?</p>
<p>Lesen Sie mehr über das kleine Kino &#8220;Lichtblick&#8221; und die Aussichten für das große Kinoglück auf der Insel:<br />
<a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/224731.lichtblicke-zwischen-ebbe-und-flut.html">Polianders Reportage &#8220;Lichtblicke zwischen Ebbe und Flut&#8221;</a></p>
<p>Koordinaten: 54° 39′ 6” N, 8° 20′ 11” O</p>
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		<title>Ohne Mantel, durchleuchtet</title>
		<link>http://www.poliander.de/2012/04/15/ohne-mantel-durchleuchtet/</link>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 14:30:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[auflösen]]></category>
		<category><![CDATA[Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Durchgang]]></category>
		<category><![CDATA[Worte und Sprüche]]></category>

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		<description><![CDATA[Kleiner als gedacht, aber wohlgestalt, zeigt er sich seine Blätter im Spiegel. Sie störn ihn nicht, in der Sonnabendnachmittagssonne, die Spaziergängerinnen, die durch den Garten ziehn, Einblicke suchen und Zauberworte finden. Wer schaut, findet der Lerchen Sporn, des Himmels Schlüssel, Hunds Zahn, Adonis&#8217; Röschen, Iris aus Buchara und Kaufmanns Tulpe. Ja los, mach dich auf! [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4125" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/04/enthuellter-baum-fruehlingslicht.jpg"><img class="size-medium wp-image-4125" src="http://www.poliander.de/files/2012/04/enthuellter-baum-fruehlingslicht-240x300.jpg" alt="Im Spiegel" width="240" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Im Spiegel</p></div>
<p>Kleiner als gedacht, aber wohlgestalt, zeigt er sich seine Blätter im Spiegel. Sie störn ihn nicht, in der Sonnabendnachmittagssonne, die Spaziergängerinnen, die durch den Garten ziehn, Einblicke suchen und Zauberworte finden. Wer schaut, findet der Lerchen Sporn, des Himmels Schlüssel, Hunds Zahn, Adonis&#8217; Röschen, Iris aus Buchara und Kaufmanns Tulpe.</p>
<p>Ja los, mach dich auf!</p>
<p>Koordinaten: 52° 27&#8242; 29” N, 13° 17&#8242; 15” O, <a href="http://www.bgbm.de/">Botanischer Garten Berlin</a>, aufs Bild klicken, um den kleinen Baum von nah zu sehen.</p>
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		<title>Scyllablau auf den Wiesen</title>
		<link>http://www.poliander.de/2012/04/06/scyllablau-auf-den-wiesen/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Apr 2012 10:55:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Rätseln]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230; doch einer steht noch im Winterschlafrock vorm Spiegel. Koordinaten: 52° 27&#8242; 29&#8221; N, 13° 17&#8242; 15&#8221; O, Botanischer Garten Berlin, aufs Bild klicken, um den Hauch Wiesenblau zu finden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4093" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/04/verhuellter-baum-bot-garten.jpg"><img class="size-medium wp-image-4093" src="http://www.poliander.de/files/2012/04/verhuellter-baum-bot-garten-300x225.jpg" alt="Er hält sich den Mantel zu" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Er hält sich den Mantel zu</p></div>
<p>&#8230; doch einer steht noch im Winterschlafrock vorm Spiegel.</p>
<p>Koordinaten: 52° 27&#8242; 29&#8221; N, 13° 17&#8242; 15&#8221; O, <a href="http://www.bgbm.de/">Botanischer Garten Berlin</a>, aufs Bild klicken, um den Hauch Wiesenblau zu finden.</p>
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		<title>Nicht der Ort</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Apr 2012 11:27:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Schlechter Stern]]></category>
		<category><![CDATA[Wegelagerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Poliander liest manchmal Gedichte, schreibt aber nie welche. Das, findet P., liegt daran:  Die Zahl der guten Gedichte in einer Sprache ist begrenzt. P. streitet nicht, ob es hundert sind, fünfhundert oder fünf. Aber hunderttausend sind es nicht. Möglicherweise sinkt für jede neue gute Gedicht ein anderes gutes ins Vergessen. &#8220;Ich weiß nicht, was ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Poliander liest manchmal Gedichte, schreibt aber nie welche. Das, findet P., liegt daran:  Die Zahl der guten Gedichte in einer Sprache ist begrenzt. P. streitet nicht, ob es hundert sind, fünfhundert oder fünf. Aber hunderttausend sind es nicht. <span id="more-4071"></span>Möglicherweise sinkt für jede neue gute Gedicht ein anderes gutes ins Vergessen. &#8220;Ich weiß nicht, was ein gutes Gedicht ist, aber ich erkenne es sofort, wenn ich es sehe&#8221;, sagt P.</p>
<p>Poliander wird auch ärgerlich, wenn einer eine, irgend eine, sagen wir: seine Meinungsäußerung mit irgend welchen Zeilenumbrüchen versieht, um sich und seine Meinung ins warme Mäntelchen dieses sogenannten Gedichts zu schlagen oder um, sagt P., mit seiner Meinung in den Windschatten der Dichtung zu treten. Dafür ist Gedichtung nicht da. Die Mähre, auf ein eitler Preisträger in den erhofften Skandal reitet, ist kein Gedicht.</p>
<p>Ein gutes Gedicht, sagt P., gilt auch, wenn der Tag, an dem es geschrieben wurde, vorbei ist. Ein gutes Gedicht hat einen guten Stern, selbst wenn es im Zeichen des schlechten Sterns geschrieben wurde. Poliander lächelt, hat beim Reisen gern ein Gedicht über Gedichte dabei.</p>
<p><strong>Rede vom Gedicht</strong></p>
<p>Das Gedicht ist nicht der Ort, wo die Schönheit gepflegt wird.</p>
<p>Hier ist die Rede vom Salz, das brennt in den Wunden.<br />
Hier ist die Rede vom Tod, von vergifteten Sprachen.<br />
Von Vaterländern, die eisernen Schuhen gleichen.<br />
Das Gedicht ist nicht der Ort, wo die Wahrheit verziert wird.</p>
<p>Hier ist die Rede vom Blut, das fliesst aus den Wunden.<br />
Vom Elend, vom Elend, vom Elend des Traums.<br />
Von Verwüstung und Auswurf, von klapprigen Utopien.<br />
Das Gedicht ist nicht der Ort, wo der Schmerz verheilt wird.</p>
<p>Hier ist die Rede von Zorn und Täuschung und Hunger<br />
(die Stadien der Sättigung werden hier nicht besungen).<br />
Hier ist die Rede von Fressen, Gefressenwerden<br />
von Mühsal und Zweifel, hier ist die Chronik der Leiden.<br />
Das Gedicht ist nicht der Ort, wo das Sterben begütigt<br />
wo der Hunger gestillt, wo die Hoffnung verklärt wird.</p>
<p>Das Gedicht ist der Ort der zu Tode verwundeten Wahrheit.<br />
<em>Flügel! Flügel! Der Engel stürzt, die Federn</em><br />
<em>fliegen einzeln und blutig im Sturm der Geschichte!  </em><br />
Das Gedicht ist nicht der Ort, wo der Engel geschont wird.</p>
<p>Christoph Meckel</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.gedichte.vu/index.html?rede_vom_gedicht.html">Quelle von Christoph Meckels Gedicht im Web</a>. Sollte wer finden, dass Poliander zu Unrecht dieses Gedicht hier zitiert hat, so bitten wir freundlich um Nachricht auf diesem <a href="http://www.poliander.de/ueber/">Weg</a>.<br />
Aktueller Anlass (falls jemand tatsächlich den Text, denn der deutsche Nobelpreisträger Grass als ein Gedicht deklariert, nicht gelesen haben sollte, bittet Poliander, diesen selbst zu googlen), <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/das-israel-gedicht-von-grass/marcel-reich-ranicki-ueber-guenter-grass-es-ist-ein-ekelhaftes-gedicht-11710933.html">berechtigte Kritik</a>.</p>
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		<title>Tugenden: verloren oder weggeworfen?</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 11:09:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnstation]]></category>
		<category><![CDATA[Durchgang]]></category>

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		<description><![CDATA[Zugbegleiter: Meine Damen und Herren, wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit! Wir haben im vorderen Zugteil einen Beutel gefunden mit einer Herrenjacke. Auf der Jacke steht: &#8220;Glaubwürdigkeit und Fairness&#8221;. Falls Sie die verloren haben, melden Sie sich bitte beim Zugpersonal. Koordinaten: ICE, deutschsprachiger Raum, deutsches Territorium]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zugbegleiter:</em><br />
Meine Damen und Herren, wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit! Wir haben im vorderen Zugteil einen Beutel gefunden mit einer Herrenjacke. Auf der Jacke steht: &#8220;Glaubwürdigkeit und Fairness&#8221;. Falls Sie die verloren haben, melden Sie sich bitte beim Zugpersonal.</p>
<p>Koordinaten: ICE, deutschsprachiger Raum, deutsches Territorium</p>
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		<title>Die Schritte der Heiligen</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 12:41:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisebrief]]></category>
		<category><![CDATA[Durchgang]]></category>
		<category><![CDATA[Gegend]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8230; machen kein Geräusch. Und unter den noch kahlen Bäumen ist es still und auf den mit Erde gefüllten Stufen, zu deren Halt paar dicke Äste genügen für die Schritte der Lebenden, von denen nur wenige hier herumgeistern, genau genommen zwei, P. und Begleitung. Später im herzförmigen Labyrinth, wo die Frauenklause gewesen sein soll, entdecken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4043" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/03/disibodenberg-klosterruine-1.jpg"><img class="size-medium wp-image-4043" src="http://www.poliander.de/files/2012/03/disibodenberg-klosterruine-1-225x300.jpg" alt="Schneeglöckchen der Heiligen" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Schneeglöckchen der Heiligen</p></div>
<p>&#8230; machen kein Geräusch. Und unter den noch kahlen Bäumen ist es still und auf den mit Erde gefüllten Stufen, zu deren Halt paar dicke Äste genügen für die Schritte der Lebenden, von denen nur wenige hier herumgeistern, genau genommen zwei, P. und Begleitung. Später im herzförmigen Labyrinth, wo die Frauenklause gewesen sein soll, entdecken sie noch eine, genau, Frau, die hat einen langen Anorak an und singt vor sich hin, während sie das Herz abläuft.<span id="more-4035"></span> An diesen Ort auf einem Berg, genannt nach dem irischen <a href="http://www.heiligenlegenden.de/literatur/bavaria-sancta/zweiter-abschnitt/disibod/home.html">Disibod</a>, kam die junge Hildegard, die 1098 Geborene, im Jahr 1112 mit ihrer <a href="http://www.heiligenlexikon.de/BiographienJ/Jutta_von_Sponheim.html">Jutta</a>, ihrer Lehrerin, geistlichen Mutter. <a href="http://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Hildegard_von_Bingen.html">Hildegard</a> blieb lange hier, 38 Jahre, dann zog sie weiter mit ihren Nonnen und Freundinnen, zum Rupertsberg, auch nicht so weit weg von dieser Gegend am Disibodenberg, in der Glan und Nahe zusammenfließen. Ihren Hauch atmet noch immer der Wald um die Ruine des Klosters, Fundamente und Gemäuer aus Jahrhunderten vor und anch Hildegard. Manche Leute halten die heilige Hildegard für die Erfinderin des Dinkelbreis, darüber kann Poliander ganz schön gnatzig werden. Denn die Dichterin und Komponistin, Ärztin und Äbtissin, die gelehrte Frau war eine machtvolle Person, nicht bloß wortmächtig, obwohl auch das nicht wenig wäre, sagt P., genaugenommen: mehr als das meiste sonst.</p>
<p>Es ist still hier, weil es später Nachmittag ist oder früher abend, früh im Jahr, im März, es geht frische Luft hier oben, und die Sonne drüben hinter den Bäumen an der Frauenklause ist schon dunkelrot, nur die Vögel sind zu hören, beinahe, und manchmal surrt es leise in P.s Fotoapparat. Da haben wir schon die Geräusche abgestellt, so weit es geht, aber in der Dämmerung muss man ziemlich fummeln, um das Schneeglöckchenfeld noch draufzukriegen, ja.  Am Berg, als wir hinaufkamen, weideten Schafe und ihre Lämmer, uns Städtischen mehr Augenweide als die Bauwerksüberreste hier oben. Gut, beinahe. Das Gelände ist weitläufig, und was in gut erhaltenen Kirchen beinahe nie ins Auge fällt, sieht man hier genau, die Mühe von Tausenden Handgriffen, mit denen Stein auf Stein gesetzt wurde, um ein paar Handvoll Menschen und ihren Gästen und Schutzbefohlenen Raum zu geben. Poliander guckt ins Hospiz, einen nach oben offenen Innenraum, der einst zwei Stockwerke und ein Dachgeschoss hatte. Nun bedeckt den Raum nur noch der Himmel. Aber was heißt &#8220;nur noch&#8221;! Der Himmel bedeckt das Kloster. Hinter P. raschelt es. Doch im trockenen Laub ist nichts zu sehen, nur ein Blatt zittert. Durch das Hospiz schweift der Blick nach oben, in den sich verdunkelnden Himmel. P. mag nicht eintreten. Wieder das Rascheln, niemand zu sehen.</p>
<p>Licht, das Hildegard sah, und Musik, die sie hörte: Visionen zu haben, war gefährlich, als Frau zumal. Ob Lob oder Lästerung wurde nicht demokratisch entschieden, von Männern sowieso. P. mag den Gedanken der Inferiorität mittelalterlicher Frauen trotzdem nicht sonderlich. (Guckt euch doch mal das Biedermeier an, Frauen!) Das Leben im Orden bedeutete Gelehrsamkeit und ihre Anwendung im Heilen von Kranken, in der Komposition, im Denken und Niederschrieben des Gedachten. Die Steine, wird gesagt, schweigen. Steine gibt es viele hier, sie liegen auch einfach in Haufen herum, überwuchert von dickwurzligem Efeu. Unten am Weg haben die Leute von der Stiftung Tafeln aufgestellt, kluge Sätze aus dem Zusammenhang genommen, P. schaut hin, der Gefährte liest sie ganz genau, P. guckt lieber wieder in die Gegend. Eine Frau mit Hund kommt den Berg herauf, hinten am Berg, wo auch der Wein wächst. Jetzt, im März, sind es kurze, kahle Arme, die Fäuste und Ellenbogen aus dem Boden recken, gehalten von Stützen und Drähten.</p>
<p>Später will das Auto nicht anspringen, und weil es P. und dem Gefährten an technischer Gelehrsamkeit mangelt, wird lange telefoniert. Es wird dunkel, kalt, ein paar Mücken kommen. Es ist Nacht, als sie abfahren. Disibodenberg mit Schafen und Ruinen, da kann man mal hinfahren.</p>
<p>Koordinaten: 49° 46&#8242; 40&#8221; N, 7° 42&#8242; 15&#8221; O, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=fivtu3XKWSE">Columba aspexit (hören)</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Disibodenberg">Disibodenberg</a>. Um den Ruinenpark zu besuchen, passiert man ein Drehkreuz, Eintritt 3 Euro (Automat). Momentan ruhen offenbar die Arbeiten und Einrichtungen der <a href="http://www.disibodenberg.de/">Stiftung Scivias</a>.</p>
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