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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Begegnung</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Ungetilgte Spuren</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 13:34:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Durchgang]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Der Engel des Vergessens dürfte vergessen haben, die Spuren der Vergangenheit aus meinem Gedächtnis zu tilgen.&#8221; Maja Haderlap, Engel des Vergessens Jedes Buch ist eine Reise. Maja Haderlaps Roman ist eine Reise durch die Nacht, sagt P., und P. sagt auch, dass sich niemand einbilden soll, dass das dann ein Zitat wäre von irgendwas. Poliander [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3859" class="wp-caption alignleft" style="width: 161px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/01/haderlap-engel-des-vergessens.jpg"><img class="size-full wp-image-3859" src="http://www.poliander.de/files/2012/01/haderlap-engel-des-vergessens.jpg" alt="Abbildung: Wallstein Verlag Göttingen" width="151" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">Abbildung: Wallstein Verlag </p></div>
<p><em>&#8220;Der Engel des Vergessens dürfte vergessen haben, die Spuren der Vergangenheit aus meinem Gedächtnis zu tilgen.&#8221;</em><br />
<em>Maja Haderlap, Engel des Vergessens</em></p>
<p>Jedes Buch ist eine Reise. Maja Haderlaps Roman ist eine Reise durch die Nacht, sagt P., und P. sagt auch, dass sich niemand einbilden soll, dass das dann ein Zitat wäre von irgendwas. Poliander und ich, wir haben lange kein Buch gelesen, das so gut geschrieben ist, so poetisch, von Romantizismus frei. Haderlap erzählt von einer Kindheit und Jugend in Kärnten, Koroška, in beidem, dazu in dem Geisterbezirk, in dem die Toten und ihre Spuren leben.<span id="more-3857"></span> Und die Lebenden gehen mit ihnen um oder sie meiden sie. Haderlap ist in dem magischen Jahr 1961 geboren, sechzehn Jahre nach dem Krieg, und wer je glaubte, in diesen Jahren, den Sechzigern, sei der Krieg lange her gewesen, kann den Irrglauben verlieren an ihrem Buch. Wer meint, keine Kindheit gehabt zu haben, sieht hier, was eine Kindheit heißt, nämlich ist sie nicht der Ort und die Zeit, wohin man sich sehnt in sehr guten oder sehr trüben Stunden. Sondern die Kindheit ist die Fremde, aus der man gekommen ist, gekrochen oder erhobenen Haupts gegangen, meistens mal so, mal so. Ein Kind gewesen zu sein heißt, etwas hinter sich zu haben. Das Kind, dieses Ich, von dem Haderlap erzählt, hat vieles hinter sich, Großmutter, Verwandte, Leute, und viele Tote. Das Außergewöhnliche an Haderlaps Kindheitsbuch ist nicht die getreue Schilderung des Lebens auf dem Land. Vom Leben auf dem Land sprechen andere Bücher auch und kennen auch all die heute unappetitlich scheinenden rußigen, säuerlichen,  blutigen, realistischen Einzelheiten. Außergewöhnlich ist die starke und stetige Präsenz der Toten, die starke Realität der Geschichte, an der sie teilhatten, der Verbrechen, die an ihnen getan wurden; außergewöhnlich ist die Präsenz der verletzten, abgestorbenen, verwilderten Teile in denen, denen Geschichte geschah. Das erkennen heißt, den Grund des immer wieder neuen Erschreckens finden.  Warum tun die Erwachsenen, was sie tun? Warum sind sie, wie sie sind?</p>
<p>&#8220;Engel des Vergessens&#8221; ist ein Roman über den Krieg und wie er sich in denen fortsetzt, die ihn überlebten. &#8220;Ich möchte einmal mit dir zur Arbeit gehen&#8221;, sagt die Tochter zum Vater. Die Arbeit ist im Wald. Dort oben, wo man &#8220;spazieren&#8221; muss, wie der Vater sagt, weil man sonst außer Atem kommt. &#8220;Bist du im Krieg hier gewesen?&#8221;, fragt das Mädchen. &#8220;Ja, wir hatten höher oben einen Bunker, sagt er. Dein Großvater hat den Kurierposten geleitet. Ich habe gekocht. Es war sehr gefährlich.&#8221; Und als das Mädchen fragt, ob er Angst hatte: &#8220;Wird schon so gewesen sein, ich war ja noch ein Kind, ein paar Jahre älter als du.&#8221; Alle waren sie bei den Partisanen oder haben sie doch unterstützt oder unterstützen müssen, auch die tiefkatholische Großmutter, die dem Mädchen die düsteren Tricks verrät, mit denen man sich in höchster Gefahr in Schutz nimmt, verzweifelte Tricks wie Kreuze schlagen mit der Zunge im geschlossenen Mund. Es ist ein Buch über die Marter, über Ravensbrück, über die Deportation in KZs und darüber, wer es überstand und wer nicht, und jede und jeder dieser Leute bekommt die eigene Geschichte, nichts wird ausgelassen. Es ist ein Buch über die Sprache, die slowenische, die deutsche, und über die Unterschiede zwischen denen, die so oder so sprechen und sich so oder so erinnern. Und einmal, in einer Wirtschaft kommt es beinah zu einer Schlägerei oder Schlimmerem, und das Mädchen, das schon in die Schule geht in der Stadt, fährt den unerhört aufgebrachten Vater mit dem Traktor nach Hause und singt Partisanenlieder auf dem Weg und singt aus Angst, dass sie zu singen aufhören könnte und den Vater nicht nach Hause bekommt. Es ist ein Buch über die Androhung zu sterben, über das jahrzehntelange stückweise Sterben derer, die die Marter überlebten.</p>
<p><em>&#8220;Er hat mich durch ein Meer geführt, in dem Überreste und Bruchstücke schwammen. Er hat meine Sätze auf dahintreibende Trümmer und Scherben prallen lassen, damit sie sich  verletzen, damit sie sich schärfen.&#8221;<br />
Maja Haderlap über den Engel<br />
</em></p>
<p>Koordinaten: 46° 46&#8242; N, 13° 49&#8242; O, Maja Haderlap, <a href="http://www.wallstein-verlag.de/9783835309531.html">Engel des Vergessens, Göttingen: Wallstein 2011</a></p>
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		<title>Poliander behielt recht, wurde traurig, ist froh. Besuchen Sie Leipzig!</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/12/16/poliander-behielt-recht-mit-frau-scharff/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 10:46:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>
		<category><![CDATA[Umsteigen]]></category>

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		<description><![CDATA[2009 reiste ich nach Leipzig und traf dort Frau Scharff, die über ein Reich aus feinen Sächelchen herrscht, und mir zeigte, wie sie damit anderen Menschen den Alltag versüßt. Frau Scharffs Geschäft in der Reichsstraße, nicht weit vom Bahnhof, nah am Bildermuseum gefiel mir sehr. Ihr Weg in den &#8211; damals &#8211; dritten Beruf beeindruckte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3693" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/12/laden-frau-scharff.jpg"><img class="size-medium wp-image-3693" src="http://www.poliander.de/files/2011/12/laden-frau-scharff-225x300.jpg" alt="Regale waren voll" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Regale waren voll. Foto: Frau Scharff</p></div>
<p>2009 reiste ich nach Leipzig und traf dort Frau Scharff, die über ein Reich aus feinen Sächelchen herrscht, und mir zeigte, wie sie damit anderen Menschen den Alltag versüßt. Frau Scharffs Geschäft in der Reichsstraße, nicht weit vom Bahnhof, nah am Bildermuseum gefiel mir sehr. <span id="more-3679"></span>Ihr Weg in den &#8211; damals &#8211; dritten Beruf beeindruckte mich. Ihr erstes Großprojekt, die <a href="http://www.monaliesa.de/">Frauenbibliothek MonaLiesA</a>, existiert weiter, auch ohne sie, denn sie verstand es, sich zuerst unentbehrlich und dann auch wieder entbehrlich zu machen. <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/156006.frau-scharffs-drittes-leben.html">Ich schrieb darüber</a>. Ihre Katzen erwähnte ich in der Zeitung nicht, nur <a href="http://www.poliander.de/2009/08/16/das-katzengluck/">hier</a>. Etwas muss ja privat sein, sogar im Netz. Und ich schrieb: &#8220;Was machen Sie als nächstes, Frau Scharff?&#8221;, denn wir wussten schon: Das jetztige muss nicht das letzte Leben sein. Katzen haben sieben, bekanntlich. Wie viele Berufe wir im Leben ausüben werden, ist uns noch unbekannt. Frau Scharff springt grade in den nächsten. Ihr Satz von damals: &#8220;Vielleicht bin ich so ein Mensch, der in Abständen was andres machen muss, auch wenn ich eine Höllenangst davor habe. Ich vertraue darauf, dass dann wieder was Schönes kommt. Es ist im Grunde immer schöner geworden.&#8221;</p>
<p>Frau Scharffs Laden mit all den Schmuckstücken, dem Thüringer Waldglas, weißem Porzellan, feinen Weißwaren, Büchern und Schnäpsen schließt. Auch die Regale und die Buchstaben der Leuchtreklame sind zu haben. Frau Scharffs Arbeit geht weiter. Wie, das fragen Sie sie am besten selbst. Besuchen Sie Leipzig! Sonst bleiben womöglich  Sächelchen übrig, die dann per Post verschickt werden müssen. Soll sie doch neue Sachen finden, die sie per Post verschicken kann!</p>
<p>Koordinaten: 51° 20&#8242; N, 12° 25&#8242; O, <a href="http://www.frauscharff.de/">Frau Scharff</a>. Geöffnet noch bis zum 29. Dezember 2011.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Keiner, der anderen die Stiefel putzt</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/12/13/keiner-der-anderen-die-stiefel-putzt/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 10:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im November reiste Poliander nach Bremen und sprach mit Ludwig Baumann. Baumann, Jahrgang 1921, wollte nicht auf Menschen schießen. Er desertierte. Mehrere Hunderttausend Männer sind aus der Wehrmacht desertiert. Mehrere Zehntausend wurden verurteilt. Über Zwanzigtausend wurden hingerichtet. Desertion, wie deserere, vernachlässigen, verlassen, also Fahnenflucht, das Fernbleiben eines Soldaten von militärischen Verpflichtungen, die Vernachlässigung, das Verlassen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im November reiste Poliander nach Bremen und sprach mit Ludwig Baumann. Baumann, Jahrgang 1921, wollte nicht auf Menschen schießen. Er desertierte. Mehrere Hunderttausend Männer sind aus der Wehrmacht desertiert. Mehrere Zehntausend wurden verurteilt. Über Zwanzigtausend wurden hingerichtet. Desertion, wie deserere, vernachlässigen, verlassen, also Fahnenflucht, das Fernbleiben eines Soldaten von militärischen Verpflichtungen, die Vernachlässigung, das Verlassen solch einer Pflicht, der Fahne nicht dienen, sie verlassen. Wer nicht hingerichtet wurde, erlebte Zuchthaus und Strafbataillon. Wenige überlebten, auch Ludwig Baumann. Andere, die überlebt hatten, schwiegen. Baumann redet. Er  ist ein Zeuge, er sagt: &#8220;Ich kenn keinen mehr. In Bayern, zum Beispiel, auf dem Lande, da kann sich keiner melden, da sind die Kriegerdenkmäler auf dem Friedhof, wer sich da als Deserteur meldet, wird es schwer haben.&#8221; Baumann ist ein zierlicher, zäher Mensch, grade und freundlich, mit einem bewegten Leben, von dem er offen berichtet. Baumann sagt: &#8220;Der Kampf um Gerechtigkeit, das ist für mich das Wichtigste, weißt du?&#8221; Heute wird er 90 Jahre alt.</p>
<p>Mehr lesen: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/213215.der-raedelsfuehrer.html">Der Rädelsführer</a>, in der Tageszeitung ND vom 13. Dezember 2011</p>
<p>Koordinaten:<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bremen"> 53° 5&#8242; N, 8° 48&#8242; O</a>, 90. Geburtstag</p>
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		<title>Spatzenliebe</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 06:28:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem flachen Dach sitzen, Tee trinken: Noch im November kommen sie, stieben vorbei, wollen ihr Stück vom Kuchen. Immer gern. Immer grün ist das Gestrüpp dort drüben, wo sie wohnen. Die Brüder Grimm kolportieren ihr großes Verlangen nach der Liebe. Von mir kriegen sie Krümel vom Knusperkeks, frei von Schokoladeresten. Unsere Liebe ist platonisch: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3619" class="wp-caption alignleft" style="width: 306px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/11/sperling.jpg"><img class="size-medium wp-image-3619" src="http://www.poliander.de/files/2011/11/sperling-296x300.jpg" alt="Ich werde gemustert." width="296" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ich werde gemustert.</p></div>
<p>Auf dem flachen Dach sitzen, Tee trinken: Noch im November kommen sie, stieben vorbei, wollen ihr Stück vom Kuchen. Immer gern. Immer grün ist das Gestrüpp dort drüben, wo sie wohnen. Die Brüder Grimm kolportieren ihr großes Verlangen nach der Liebe. Von mir kriegen sie Krümel vom Knusperkeks, frei von Schokoladeresten. Unsere Liebe ist platonisch: Ich durchdringe ihren Blick nicht, falls sie was  sagen, bleibt&#8217;s ungehört. Wenn ich gehe, mustern sie meine Spuren nach Brauchbarem. Wenn ich wiederkomme: Sie sind schon da. Das leise Geräusch der Kamera beeindruckt sie längst nicht. Wir schaun zu einander, aber bleiben für uns.<span id="more-3611"></span></p>
<p>Die Brüder Grimm sagen:<br />
SPERLING [Lfg. 16,12],  m. passer. patronymische weiterbildung von ahd. sparo, mhd. nhd. spar (sp. 1919) zum gemütlichen ausdruck des kleinen, unbedeutenden. vgl. sperling, passerculus SCHERÄUS 155 in der zeitschr. f. deutsche wortforschung 2, 199a, wo diese bedeutung der wortbildung noch gefühlt wird. vgl. WILMANNS 2, 280. selten ist die schreibung spärling: aber die spärling leident den krampf auf den dächern. MEGENBERG  &#8230;<br />
1)   sperling allgemein unser volksthümlicher vogel, der gegenüber menschlicher siedelung die gröszte anhänglichkeit zeigt, und deshalb von dem menschen ungemein viel in den kreis seiner gemütlichen betrachtung gezogen ist, wie der reiche schatz der für diesen vogel gefundenen benennungen deutlich macht&#8230; die engere familie des sperlings &#8230;  zerfällt in zwei arten: feldsperling, passer montanus und haussperling, passer domesticus. BREHM 3, 156.<br />
a)   wesen des sperlings: im thun und treiben unseres sperlings, den man bald einen schelm, bald einen dieb schilt, den man grundhäszlich findet und mit aller möglichen verachtung behandelt, zeigt sich dem einfachen beobachter vor allem ein im widerspruch stehendes verhältnisz der körperkräfte zu den geistesfähigkeiten. NAUMANN bei BREHM 3 (1866), 156; doch diese würdigung ist &#8230; alt: ein sperling ist ein kleines vögelein, es hat ein klein köpfflein, ein kleines gehirn, gleichwol ist es klüger in diesem stück (des regierens) als Plato und Socrates gewesen sind. SCHUPPIUS 7 &#8230;</p>
<p>stark verlangend nach liebesgenusz gilt er als ein wollüstiger vogel: er beeiferte sich auch der gröszte esser, der gröszte trinker, und der gröszte held in einer andern art von leibesübung zu seyn, worin er mit verdrusz den sperling und den maulwurf für seine meister erkennen muszte. WIELAND 6, 92 (der goldene spiegel 1, 3); so könnte man durch das beispiel des habichts, des hechts und anderer königlicher würger den würgern der erde fein äsopisch schmeicheln, durch das beispiel des sperlings die wollust &#8230; empfehlen. HERDER zur schönen literatur u. kunst 20, 55 &#8230;<br />
(gekürzt)</p>
<p>Koordinaten: 52° 27&#8242; 29&#8221; N, 13° 17&#8242; 15&#8221; O, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_W%C3%B6rterbuch">Grimmsches Wörterbuch</a></p>
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		<title>Homo viator, Märchensträhnen und goldener Grund</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/08/19/homo-viator-maerchen-goldgrund/</link>
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		<pubDate>Fri, 19 Aug 2011 10:07:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer in der Zeit unterwegs ist, hört auch viel von den Reisen anderer. Wo die schönen Bücher wohnen und wo die Triebisch in die Elbe mündet, begegnete Poliander Frau Gold und Herrn Silesius, nicht dem Angelus, aber auch aus dem Osten. Sie nahmen P. mit auf ihre Zeitreise durch Europa, die Kunst, das Leben. Süß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3235" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/08/erdbeeren.jpg"><img class="size-medium wp-image-3235" src="http://www.poliander.de/files/2011/08/erdbeeren-300x195.jpg" alt="Erdbeeren, Wegerich, Brennessel" width="300" height="195" /></a><p class="wp-caption-text">Erdbeeren, Wegerich, Brennessel</p></div>
<p>Wer in der Zeit unterwegs ist, hört auch viel von den Reisen anderer. <a href="http://www.minipresse.de/">Wo die schönen Bücher wohnen</a> und <a href="http://www.stadt-meissen.de/">wo die Triebisch in die Elbe mündet</a>, begegnete Poliander Frau Gold und Herrn Silesius, nicht dem <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/10">Angelus</a>, aber auch aus dem Osten. Sie nahmen P. mit auf ihre Zeitreise durch Europa, die Kunst, das Leben. Süß dufteten die Wilderdbeeren.<span id="more-3229"></span></p>
<p><em>Sie: </em><br />
In ihrem Küchenbuffet hat sie Märchen stehen wie andre Leute Eierbecher. Und auf den glatten Zylindern, die die Sockel ihrer Märchen vorstellen, könnten genauso gut Eier sitzen. Ob die zum Frühstücksei taugten oder darin ein silbernes Schlänglein sitzt &#8211; wer weiß. Grad jetzt sitzen kugelrunde Froschkönige darauf, auf gegenüberliegenden Punkten mit der goldenen Kugel besetzt, die in den Brunnen fiel, und dem Krönchen, das die Prinzessin trug. Dreht man das Objekt, kommen, je nach Ansicht, Dienst und Herrschaft zum Vorschein. Sie schneidet schon einmal eine Strähne aus dem eignen Zopf, wenn einem Märchen grad goldene Haare fehlen, und wenn sie Musik braucht, bringt sie Amöben zum Singen. Sie hütet die Erinnerung und macht aus Scherben ihre Stärke.</p>
<p><em>Er:</em><br />
Er weiß, wie man Kühe hütet. Er verließ sein Mutterhaus mit zehn und fragte bei polnischen Bauern nach Arbeit. Auch die waren arm, kreuzunglücklich dazu, umgesiedelt aus jenem Galizien, das zu vielen vergangenen Reichen gehörte, auch einmal zur Sowjetunion.Er hütete die zwölf Kühe der Familie, arbeitete, was anfiel. Allein und unterwegs machte er Erfahrungen, die bis heute wirken, das Licht über einem Hohlweg, der Fleck, auf dem Grasnelken standen. Als er viel später noch einmal zur Schule ging, im fernen Münsterland, sagte der Lehrer: &#8220;Geh raus, zeichne die Kirche!&#8221; Er meinte es gut. Die anderen im Dorf riefen ihn &#8220;Barbar&#8221;. Sie hatten noch nie einen Protestanten gesehen. Er ging fort und fort und druckte und malte und schrieb und band ein. Das kann er selbst.</p>
<p>Poliander besuchte Herbst und Gold und schrieb alles auf. Ihre Geschichte, erzählt von Ulrike Gramann, erscheint am 20. August in der Wochenendbeilage der Tageszeitung ND. Hier online lesen: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/204847.der-nomade-und-die-meisterin-der-scherbenstaerke.html">Der Nomade und die Meisterin der Scherbenstärke</a></p>
<p>Koordinaten: 50° 0&#8242; N, 8° 16&#8242; O und 51° 10′ N, 13° 29′ O. Die Gespräche mit <a href="http://www.elsegold.de/">Gold</a> und <a href="http://www.weherbst.de/">Herbst</a> führte Poliander Himmelfahrt 2011 in Mainz und Pfingsten 2011 in Meißen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>3. Welle, 4. Welle, Brandung</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/04/12/missys-feministische-brandung/</link>
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		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 05:41:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrwasser]]></category>
		<category><![CDATA[Lockung]]></category>

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		<description><![CDATA[Poliander: Wie wichtig ist Rebellion? Stefanie Lohaus, Missy-Redakteurin: Wir beziehen uns stark auf den Dritte-Welle-Feminismus, der Anfang der 90er Jahre in den USA entstand, und auf die Riot-Grrrls-Bewegung von jungen feministischen Frauen aus der Punkrockszene. Aber Rebellion in Deutschland, das ist schwierig. Wir versuchen eine Art Unterhaltung, die Utopie enthält: Mit welchen Themen würden wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2747" class="wp-caption alignleft" style="width: 150px"><em><a href="http://www.poliander.de/files/2011/04/missy-cover-heft-10.jpg"><img class="size-full wp-image-2747" src="http://www.poliander.de/files/2011/04/missy-cover-heft-10.jpg" alt="Missy Magazine 10" width="140" height="181" /></a></em><p class="wp-caption-text">Missy Magazine 10</p></div>
<p><em> </em></p>
<p><em>Poliander: </em>Wie wichtig ist Rebellion?<br />
<em>Stefanie Lohaus, Missy-Redakteurin: </em>Wir beziehen uns stark auf den Dritte-Welle-Feminismus, der Anfang der 90er Jahre in den USA entstand, und auf die Riot-Grrrls-Bewegung von jungen feministischen Frauen aus der Punkrockszene. Aber Rebellion in Deutschland, das ist schwierig. Wir versuchen eine Art Unterhaltung, die Utopie enthält: Mit welchen Themen würden wir uns beschäftigen, wenn wir bereits in einer anderen Gesellschaft lebten?<span id="more-2719"></span></p>
<p><em>Poliander:</em> Welche Rolle spielen dabei Rubriken wie Style Neid?<br />
<em>Lohaus:</em> Bei Style Neid geht es vor allem darum, Individualität zu geben, zu zeigen „Du musst nicht den Regeln folgen.“  Dabei ist es bezeichnend, dass die Frauen sehr viel Second-Hand-Kleidung tragen. Wir fragen ausdrücklich nach ökologischem Konsum. Manche sagen ja, manche können es sich nicht leisten, manche bevorzugen Second Hand.</p>
<p><em>Poliander: </em>Es gibt aber auch wieder viele junge Frauen, die sich zurechtmachen wie Barbiepuppen. Die meinen das sicher nicht alle ironisch.<br />
<em>Lohaus:</em> Viele werden merken, dass es nicht reicht, sich anzuziehen wie Barbie. Und deswegen gibt es uns ja auch.</p>
<p><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/195349.unterhaltung-mit-utopie.html?sstr=lohaus">Mehr lesen</a>.<br />
<a href="http://missy-magazine.de/">Missy lesen</a>.</p>
<p>Koordinaten: Poliander beobachtet den Feminismus. <a href="http://www.poliander.de/2009/08/24/poliander-liest-unbekannter-erdteil/">Tiefer blicken</a>.</p>
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		<title>How fragile. We are.</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Mar 2011 19:17:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrwasser]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Sonntag fährt Poliander nach Laufenburg. Der Weg läuft in die Schweiz, nach Deutschland, in die Schweiz. Vieles Umsteigen am Bahnhof Basel, Kinder und Erwachsene, alle im gleichen Häs, ist das alemannische Fasnet?, fragte P. sich. Das Ziel ist Laufenburg, halb schweizerisch, halb deutsch, auf der schweizer Seite das Rehmann-Museum, ein privates Museum des Bildhauers [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2653" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/03/iris-hutegger_auch-noch.jpg"><img class="size-medium wp-image-2653" src="http://www.poliander.de/files/2011/03/iris-hutegger_auch-noch-300x225.jpg" alt="Iris Hutegger: Auch.Noch." width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Iris Hutegger: Auch.Noch.</p></div>
<p>Am Sonntag fährt Poliander nach Laufenburg. Der Weg läuft in die Schweiz, nach Deutschland, in die Schweiz. Vieles Umsteigen am Bahnhof Basel, Kinder und Erwachsene, alle im gleichen Häs, ist das alemannische Fasnet?, fragte P. sich. Das Ziel ist Laufenburg, halb schweizerisch, halb deutsch, auf der schweizer Seite das <a href="http://www.rehmann-museum.ch/">Rehmann-Museum</a>, ein privates Museum des Bildhauers Erwin Rehmann. <span id="more-2645"></span>P. fährt nach Rheinfelden, lässt sich aufsammeln, mitnehmen, fährt  im nebligen Frühlingslicht. In Rehmanns Museum begegnet sie wieder der Arbeit von <a href="http://www.ruthloibl.de">Loibl</a>, gläsernen Kugeln, gefüllt mit fein gefalteten Buchstabenpaketen.  Sie schweben im Gegenlicht, ohne sichtbare Schwere in der Vitrine, erst in der Hand fühlt P. ihr Gewicht. Auch andere stellen dort aus, neun schweizer, sechs deutsche KünstlerInnen. Neben dem Museum ein Märzenbecher-Garten, darin ein vielfarbig grauer Kater mit dunklen Ringen auf der Hüfte, als hätte wer seine Rauchringe dorthin geblasen, elegant getigertes Kleid. Der hellgraue Tag, P. schaut rüber zum Rhein, überm Rhein auf einer Bank ein Paar, sie setzt sich auf seine Oberschenkel, Spiel, nicht nötig zu sagen: unschuldiges Spiel. P. meint ihr Lachen zu hören. Unten im Geschoss, dem Fenster zum Rhein gegenüber, die zwei Stühle aus Wollfaden, die beiden Fliegen aus Fliegen. <a href="http://www.irishutegger.ch/">Iris Hutegger</a> sagt: &#8220;Wie sprich ich über jemanden, der nicht da ist?&#8221; Wer nicht da ist, sitzt auf den Stühlen aus Faden und Luft. Poliander denkt an ihre FreundInnen in anderen tektonisch aktiven Zonen der Welt.</p>
<p>Koordinaten: Laufenburg CH <a href="http://www.laufenburg.ch/">47° 33&#8242; 40&#8221; N, 8° 3&#8242; 34&#8221; O</a>, Laufenburg D <a href="http://www.laufenburg.de/wDeutsch/">47° 34&#8242; N, 8° 4&#8242; O</a>. Fliegen sehen: neben einem Stuhl und an der Wand. <a href="http://www.seismoblog.de/">Seismoblog</a></p>
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		<title>Loibls Buchstabenkunst 4</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Dec 2010 23:11:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Souvenir]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer eine Krippe zeichnet. Wenn eine diese Krippe zeichnet, auch wenn die Krippe dann  eine Ladenwohnung ist, in der die Frau lebt und das Kind, wenn eine diese Krippe zeichnet, wie fern von Stall, Stern, Halleluja auch immer, setzt sie sich in Beziehung zu diesem Gottkind und seinem christlichen Vater. Der Ort ist Berlin, Innsbrucker [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2293" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-materialwirkung-unter-glas2.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-2293" title="loibl materialwirkung unter glas2" src="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-materialwirkung-unter-glas2-150x150.jpg" alt="Ruth Loibl, Buchbinderleinen, Detail" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Ruth Loibl, Buchbinderleinen, Detail</p></div>
<p>Wer eine Krippe zeichnet. Wenn eine diese Krippe zeichnet, auch wenn die Krippe dann  eine Ladenwohnung ist, in der die Frau lebt und das Kind, wenn eine diese Krippe zeichnet, wie fern von Stall, Stern, Halleluja auch immer, setzt sie sich in Beziehung zu diesem Gottkind und seinem christlichen Vater. Der Ort ist Berlin, Innsbrucker Platz, und hinter Laden, Telefon, Zimmerecken erstreckt sich (sichtbar für das innere Auge der Betrachterin) der ganze Zinnober von Esel und Engel, schmalen Fingern, die eine Krone halten, einer Ankündigung, einer Lilie, aus der der Stempel entfernt wurde. Warum Gott?<span id="more-2281"></span>In ihrer grafischen Serie &#8220;raum gottes&#8221; zerlegt Loibl dann Gottes Raum in drei Schichten: das Wort in Gestalt von Textauszügen aus Alexander von Humboldts &#8220;Kosmos&#8221;, das Bild in Form von Federstrichen und die Unterbrechung, nämlich durch Schnitte im Papier. Aus diesen Schnitten entstehen neue Worte, auf jedem Bild des Zyklus eines. &#8220;Merkwürdigerweise zeichnet sich das Wort &#8216;staub&#8217; wenig ab, es löst sich auf.&#8221; Das Material bewirkt, dass die Buchstaben sich in den Schnitten mehr oder minder gut abzeichnen. Loibl akzeptiert das: &#8220;Es ist gut, wenn noch jemand mitarbeitet.&#8221; Wer ist das, &#8220;jemand&#8221;? Der Zufall? Gott? Loibls Federstriche suggerieren wie in &#8220;Innsbrucker Platz&#8221; Räume. Immer sind es Innenräume, nie sind Menschen zu sehen. Sie sagt: &#8220;Der Raum Gottes ist für mich ein Innenraum, weil der Glaube von Menschen gemacht ist.&#8221; Und der Weltenraum? &#8220;Der kommt durch den Kosmos-Text.&#8221; Zwischen Mittel- und Hintergrund entstehen Raumecken. Das erinnert weniger an konkrete Zimmer als an Ecken von Räumen, die weitere Räume verdecken und sich in eine unsichtbare Tiefe hinein fortsetzen. &#8220;Vielleicht ist dahinter jemand, vielleicht reden da zwei.&#8221; Je mehr sie sich zurücknähme, desto mehr Platz entstehe um sie herum. Sie spricht davon, dass Leben &#8220;wirkt, das wir nicht bestimmen.&#8221; Ruth Loibl wuchs in einem Handwerksbetrieb auf, in einer Großfamilie. Wer auf der Treppe des Hauses ging, war am Schritt zu erkennen. Das war eine körperliche Erfahrung, etwas zu hören, zu fühlen, das man nicht sah. So fühlte sie damals auch den Zopf, den sie hinter dem eigenen Kopf flocht und der jetzt in einer ihrer Zeichnungen wiederkehrt. Aus der Zopfstruktur ergeben sich Linien. Der Text, der unter diesen Linien liegt, ist der Lebenslauf. Heute trägt sie das Haar kurz. Der Zopf und sein Muster sind in ihren Fingern geblieben. &#8220;Wir haben viele solche Muster in unserem Körper&#8221;, sagt sie. Das ist ein strenger Gedanke. Der Briefauszug Jacob Grimms, den Loibl druckte, enthält die Passage: &#8220;Wir kommen hier auf die Treue. Eine mathematische ist vollends unmöglich und selbst in der wahrsten, strengsten Geschichte nicht vorhanden; allein das thut nichts, denn daß Treue etwas wahres ist, kein Schein, das fühlen wir und darum steht ihr auch eine Untreue wirklich entgegen.&#8221; Wege und Umwege führen in jedem Raum, hinter dem ein anderer Raum ist.</p>
<p><em>(Schluss)</em></p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.ruthloibl.de">Ruth Loibl</a>.<br />
Persönlicher Bezug: <a href="http://www.poliander.de/2010/11/29/mit-loibl-im-weltraum/">Weltraum</a>.<br />
Sehen: Poliander sah 2010 <a href="http://www.koelner-dom.de/19150.html">Gerhard Richters Fenster</a> im Kölner Dom, <a href="http://glasblog.blogspot.com/2007/08/gerhard-richter-klner-dom.html">dazu gefunden in einem Glasblog</a>.<br />
Hören: Poliander möchte 2011 John Cage in Halberstadt hören, <a href="http://www.john-cage.halberstadt.de/">2/ASLSP (as slow as possible)</a>.</p>
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		<title>Loibls Buchstabenkunst 3</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Dec 2010 08:07:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufenthalt]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit Maria und Josef sei sie bei der Arbeit an der Krippendarstellung nicht glücklich geworden, sagt Loibl mir bei unserem Wiedersehen im Atelier. Erst als sie sich auf die Geburt konzentriert habe, die doch eigentlich Menschwerdung bedeute, hätten sich Text und Bild geformt. Sie selbst habe diese Menschwerdung mehrmals erlebt. Ihre Kinder. Ein leerstehender Laden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2271" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-mittagessen-detail.jpg"><img class="size-medium wp-image-2271" title="loibl mittagessen detail" src="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-mittagessen-detail-300x271.jpg" alt="Ruth Loibl, Mittagessen, Detail mit Stuhl, Tisch, Schrift" width="300" height="271" /></a><p class="wp-caption-text">Ruth Loibl, Mittagessen, Detail mit Stuhl, Tisch, Schrift</p></div>
<p>Mit Maria und Josef sei sie bei der Arbeit an der Krippendarstellung nicht glücklich geworden, sagt Loibl mir bei unserem Wiedersehen im Atelier. Erst als sie sich auf die Geburt konzentriert habe, die doch eigentlich Menschwerdung bedeute, hätten sich Text und Bild geformt. Sie selbst habe diese Menschwerdung mehrmals erlebt. Ihre Kinder. Ein leerstehender Laden zwischen Innsbrucker Platz und Hochschule der Künste. Vor 20 Jahren fuhr die Studentin Loibl als mit dem Fahrrad vorbei. Der Laden wurde ein Ort, an dem sich die eigene Erfahrung von Menschwerdung mit der Menschwerdung Gottes verband, <a href="http://www.poliander.de/2010/12/13/loibls-buchstabenkunst-part-2/">Jahre später ein Schauplatz in ihrer Grafik</a>. <span id="more-2263"></span>Die Bildhauerin und Buchdruckerin, geboren 1959 in Nürnberg, lebt in Rheinfelden bei Basel. Dorthin führte sie eine private, nicht berufliche Entscheidung. Am 9. November 1989 nahm sie mit ihrer Tochter den Nachtzug Berlin-Basel. Ein Fahrgast, der gegen Morgen in Freiburg zustieg, erzählte ihnen, dass in Berlin die Mauer gefallen sei. In Südbaden war das eine Nachricht, kein Geschichtsbruch, der sie selbst betraf: &#8220;Als ich nach Rheinfelden kam, gab es da nur Chemiker und alemannische Hausfrauen.&#8221; Aber Rheinfelden hat eine Gemeinsamkeit mit dem geteilten Berlin: es existiert zweimal. Ein Rheinfelden liegt diesseits, eines jenseits der deutsch-schweizer Grenze.</p>
<p>Andere Künstler, erzählt sie, hätten sich nach der Ausbildung umstandsloser als sie selbst in den Beruf integriert. Sie habe beobachtet, dass &#8220;ihnen das Leben abhanden kommt.&#8221; Dieses Leben, mit dem sie &#8220;soziale Einbindung, Nahrungsbeschaffung, Familie, Freunde&#8221; meint, ist in Loibls Arbeit sehr präsent. Mit Naturalismus hat das nichts zu tun, kaum mit Realismus. Loibl legt biographische Spuren, so in Zeichnungen, die den Grundriss der Familienwohnung überlagern. Der Blick wandert in den Raum hinein und erfasst nacheinander die Schuhe an der Wand, den Kücheneingang, den Tisch, Stühle, nicht in &#8220;realistischer&#8221; Perspektive. Sondern das Auge nähert sich wie bei einer Kamerafahrt den einzelnen Dingen nacheinander, zoomt sie heran, andere bleiben fern. Diese erzählerische Haltung findet sich auch in Objekten, wie in den &#8220;Kämmen&#8221;, gesägten Objekten aus Holzkloben, in denen ein Einschnitt dicht neben den anderen gesetzt ist. Sie entstanden bei gleichzeitiger Betreuung eines Kleinkindes, die zu vielen Arbeitsunterbrechungen führte. &#8220;<a href="http://www.ruthloibl.de/bildhauerei.html">Später hab ich einfach weitergesägt.</a>&#8221; Störungen sind ein Geschenk, sagt sie, weil sie Situationen verschieben. Die biographische Struktur bedeutet Verständigung: &#8220;Das heißt nicht, dass ich dauernd aus meinem Leben erzähle. Ich mache das, um Antwort zu bekommen. Dass von anderen etwas kommt, was nicht von mir kommen kann.&#8221; Sie will, sagt sie, mit Fremdheit umgehen, anstatt sie zu umgehen. Mit einem Projekt in der Stadt Rheinfelden stehen, bei dem sie gemeinsam mit dem Künstler Tobias Eder einen imaginären <a href="http://www.centralpark-kunstprojekt.de/">Centralpark Rheinfelden</a> anregte, Centralpark wie Central Park. Leute aus dem deutschen und dem Schweizer Rheinfelden pachteten für 25 Euro eine Parzelle und gestalteten sie nach ihren Vorstellungen. Die Arbeit erzählte, was in der kleinen Industriestadt fehlt. So kam die Stadt zu Loibl. Auch anders: Als Lehrerin an der Rheinfeldener Volkshochschule zeigt sie Jugendlichen, darunter Jugendliche aus einem Asylbewerberheim, in ihrer Werkstatt, wie sie selbst einen Text setzen und drucken können. Das <a href="http://www.ruthloibl.de/setzen_und_drucken.html">Drucken</a> ist auch so etwas, das durch Zufall zu ihr kam, als sie vor mehr als zehn Jahren die Möglickeit hatte, eine alte Druckerpresse zu übernehmen, vollständig mit allen Lettern.</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p>Koordinaten: Rheinfelden, Berlin, Laden, Park, Fahrrad, Zug</p>
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		<title>Loibls Buchstabenkunst 2</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/12/13/loibls-buchstabenkunst-part-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 13 Dec 2010 07:44:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerk]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Innsbrucker Platz in Berlin ist ein leerer Ort, eine Kreuzung, nach der zwei Bahnhöfe und mehrere Haltestellen benannt sind. Wer nachts über den Innsbrucker Platz kommt, fühlt stärker die Leere des Weltraums als die Fülle des Sternenhimmels. Als man bei der Erzdiözese Freiburg 2009 zeitgenössische Krippendarstellungen suchte, reichte Ruth Loibl eine graphische Arbeit mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2253" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-innsbrucker-platz-II-detail1.jpg"><img class="size-medium wp-image-2253" title="loibl innsbrucker platz II detail1" src="http://www.poliander.de/files/2010/12/loibl-innsbrucker-platz-II-detail1-300x219.jpg" alt="Innsbrucker Platz II Detail" width="300" height="219" /></a><p class="wp-caption-text">Ruth Loibl, Innsbrucker Platz II (Detail)</p></div>
<p>Der Innsbrucker Platz in Berlin ist ein leerer Ort, eine Kreuzung, nach der zwei Bahnhöfe und mehrere Haltestellen benannt sind. Wer nachts über den Innsbrucker Platz kommt, fühlt stärker die Leere des Weltraums als die Fülle des Sternenhimmels. <span id="more-2247"></span></p>
<p>Als man bei der Erzdiözese Freiburg 2009 zeitgenössische Krippendarstellungen suchte, reichte Ruth Loibl eine graphische Arbeit mit dem Titel &#8220;Innsbrucker Platz&#8221; ein: sechs Spalten Gedrucktes, die Zeichnung zeigt eine Zimmerecke, die sich nach zwei Seiten öffnet, kariertes Bettzeug, unter dem man einen Fuß ahnt, altmodisch gemustertes Linoleum, das Dahinter verstellt von Wänden. Die Zeichnung kann ohne den Text nicht sein, in dem Leute reden, über den Laden, der so lange leer stand, der eine Geschichte hat, der jetzt hell erleuchtet ist, in dem eine Frau lebt mit einem Kind, die lacht und telefoniert. Es könnte auch anders sein, sagt das Reden. Das Reden wiederholt auch, was in Medien berichtet wurde: &#8220;Andere wie sie, die sperren sich in der Toilette ein und plötzlich ist ein Kind da. Keiner will etwas gemerkt haben, niemand, ein Kind aus dem Nichts. Nein, aus ihrem Bauch. Gott weiß, wie es hinein gekommen ist.&#8221; Ein nahezu leerer Raum, Gerede über Frauen, die ihre Kinder töten: Kann das eine Weihnachtskrippe sein? Einen Preis hat Loibl mit ihrer leisen, sturen Provokation nicht gewonnen. Jede kann sich selbst fragen, ob sie das wundert.</p>
<p>Im Frühling 2010 zeigt Loibl im Kloster Hegne am Bodensee die Ausstellung &#8220;vom lachen und vom vergessen&#8221;. Es stürmt am 28. Februar, dem Tag der Eröffnung, die Wellen tragen Kämme. Das Kloster wirkt, dem starken Wind ausgesetzt, exponiert. Später am Tag bricht in Teilen Baden-Württembergs der Bahnverkehr zusammen. Zwei katholische Schwestern kommen aus Richtung des Klosters auf mich zu, und ihre Silhouette im Gegenlicht gleicht dem Umriss von zwei älteren türkischen Frauen, die sich in ihren langen Mänteln und großen Kopftüchern zueinander beugen und unterhalten. Dies weckt ein vertrautes Gefühl, als ginge ich über die Hauptstraße in Berlin-Schöneberg. Vor dem Kloster überquere ich eine ziemlich befahrene Straße; von der aufgeweichten Grasnarbe diesseits rette ich mich hinüber zum Klosterfriedhof. Das Tor des Gottesackers ist verschlossen. Ich umgehe ihn und finde das eigentliche, moderne Klostergebäude und Tagungshaus oberhalb zugiger Parkplätze. Als ich auf dem Vorplatz ankomme, bricht für einen Augenblick die Sonne durch. Kontakt zum Mobilfunknetz gibt es nicht. Am Empfang sagt eine blonde Frau, die Ausstellung sei doch &#8220;hier, überall&#8221;. Und hier ist auch der &#8220;Innsbrucker Platz&#8221;, gezeichnet, gedruckt. Die Schwestern im Kloster scheinen, als sie später die Bilder ansehen, mehr getroffen als provoziert.</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p>Koordinaten: 52° 33&#8242; N, 13° 22&#8242; O und 47° 43&#8242; N, 9° 4&#8242; O</p>
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