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	<title>Polianders Zeitreisen &#187; Ausgrabung</title>
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	<description>ULRIKE GRAMANN SCHWENKT DEN HUT</description>
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		<title>Keine Nostalgie</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 21:35:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
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		<category><![CDATA[Ströme]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Mädchen mit einem Schirm ist ein Motiv dieses Films, das P. nicht vergisst. Die Kleine geht und holt ihren besoffnen Vater aus der Kneipe. Ihre Beharrlichkeit und Unverdrossenheit in ihrem schweren Kinderleben hat P. damals beeindruckt, sie, die im Film wohl Edith hieß, jedenfalls sagt das Polianders Erinnerung im Nachhinein, ist eine seltsame, wunderbare [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3823" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2012/01/michael-gwisdek.jpg"><img class="size-medium wp-image-3823" src="http://www.poliander.de/files/2012/01/michael-gwisdek-300x214.jpg" alt="Gwisdek. Pressefoto: Babylon Berlin" width="300" height="214" /></a><p class="wp-caption-text">Gwisdek, anderer Film. Pressefoto Babylon Berlin</p></div>
<p>Ein Mädchen mit einem Schirm ist ein Motiv dieses Films, das P. nicht vergisst. Die Kleine geht und holt ihren besoffnen Vater aus der Kneipe. Ihre Beharrlichkeit und Unverdrossenheit in ihrem schweren Kinderleben hat P. damals beeindruckt, sie, die im Film wohl Edith hieß, jedenfalls sagt das Polianders Erinnerung im Nachhinein, ist eine seltsame, wunderbare Nebenfigur der Filmgeschichte (nee, wir haben es jetzt mal nicht kleiner, liebe Leute!) Der Film &#8220;Jadup und Boel&#8221; war, als P. ihn sah, 1988 wahrscheinlich, das Radikalste, was im Osten zu sehen war, nimmt man das, was offiziell zu sehen war, für das Ganze. (Was nicht  ganz korrekt ist, im Großen und Ganzen aber doch.)<span id="more-3815"></span>P. hat diesen Film damals gesehen, im Osten, in der letzten Phase des Niedergangs. Er war verboten, aber er wurde gezeigt, im Berliner Kino &#8220;Babylon&#8221; (heute: Babylon/Mitte, denn es gibt auch Babylon/Kreuzberg). Mundpropaganda, sie gingen hin, zwei Freundinnen, sie zogen sich extra bunt an: Die Schwarzgekleideten würden alle, alle da sein. Bunt, um den Niedergang zu negieren, denn sie selbst würden nicht niedergehen, da waren sie sicher, was an ihrer Unerfahrenheit lag oder ihrer Arroganz oder beidem. Die Schwarzgekleideten waren auch alle da. Die Plätze des Kinos reichten, aber keiner blieb leer. P. kann heute nicht rekonstruieren, wer gesagt hatte, dass es diesen Film geben würde, und rekonstruiert auch nicht, warum er eben doch, verbotenerweise, gezeigt wurde. Auch nicht, warum heute, wenn überhaupt, von diesem Verbot die Rede ist und nie davon, dass er ganz wenige Male (P. vermutet: zweimal) zu sehen war. Dabei charakterisiert das so sehr gut den verzweifelten und aberwitzigen Zustand des Staates in seinen letzten Jahren. Ständig brach irgendwas zusammen, ständig ging es doch wieder weiter, ständig besorgte ihnen einer den rettenden Kredit, der das Leiden verlängerte  (Strauß, you remenber?), ständig ging uns auch ganz privat das Geld aus, ständig brauchten wir dann doch keins, weil uns wer was schenkte, dauernd kriegte wer Einreiseverbot, dauernd reiste wer aus, ständig wurde irgendwo hart durchgegriffen, ständig schlüpfte irgendwo was durch. Genug, dass wir uns nicht beruhigten, genug, dass wir nicht vollends ausflippten.</p>
<p>Es ist eine spezielle Sache, warum dieser Film auch nach dem Ende der Verbote nie die Popularität fand, die andere erlangten, wie &#8220;Spur der Steine&#8221; zum Beispiel. Es ist nichts darin, das zum Schenkelklopfen animiert.  Er bringt manchmal zum Lachen, aber macht keine populären Witze. Er bezieht sich auf Tabus, über die zu reden auch heute noch tabu ist. Vergewaltigung zum Beispiel. Er zeigt nicht nur das hyperrealistische Detail, wie bei der Eröffnung einer Kaufhalle ein benachbartes Häuschen zusammenbricht (ja realistisch, P. sah Häuser zusammenbrechen, die wurden nicht abgerissen, sondern brachen einfach zusammen und wurden weggeräumt). Der Film erzählt, wie ein Händler übers Land zieht und den Leuten ihre historischen Möbel abschwatzt, um sie zu &#8220;Antiquitäten&#8221; zu machen (und wir wissen ja alle, was mit diesen Antiquitäten geschah, oder?) Er erzählt aber auch die Geschichte  des Mädchens Boel und die des Mädchens Edith, erzählt etwas über widerständiges, widerspenstiges Leben. Der Film wirft einen Blick vom Turm übers Land, atemlos vom Treppensteigen, atemberaubend vor Weite.</p>
<p>Jetzt, aus Anlass des Geburtstags von Michael Gwisdek, der jenen Antiquitätenhändler spielt, wird &#8220;Jadup und Boel&#8221; wieder gezeigt. Wer was verstehen will, kann da ruhig mal hingehen. Wer einen großartigen Film sehen will, der dauerhafter ist als der Staat, der ihn verbot, auch.</p>
<p>Ansehen: 18. Januar 2012, 18 Uhr im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin<br />
Koordinaten: 52° 31&#8242; 33&#8221; N, 13° 24&#8242; 42,8&#8221; O, <a>Jadup und Boel (1980)</a>, R.: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Simon">Rainer Simon</a>, 103 min</p>
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		<title>Polianders Märchengeschenk</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 23:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzweg]]></category>

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		<description><![CDATA[Brüder Grimm: Der Dreschflegel vom Himmel Es zog einmal ein Bauer mit einem Paar Ochsen zum Pflügen aus. Als er auf den Acker kam, da fingen den beiden Tieren die Hörner an zu wachsen, wuchsen fort, und als er nach Haus wollte, waren sie so groß, daß er nicht mit zum Tor hinein konnte. Zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3749" class="wp-caption alignleft" style="width: 178px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/12/morlaix-haus-von-anne-de-bretagne.jpg"><img class="size-medium wp-image-3749" src="http://www.poliander.de/files/2011/12/morlaix-haus-von-anne-de-bretagne-168x300.jpg" alt="Wir erzählen dir was" width="168" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Wir erzähln Ihnen was</p></div>
<p><strong>Brüder Grimm: Der Dreschflegel vom Himmel</strong></p>
<p>Es zog einmal ein Bauer mit einem Paar Ochsen zum Pflügen aus. Als er auf den Acker kam, da fingen den beiden Tieren die Hörner an zu wachsen, wuchsen fort, und als er nach Haus wollte, waren sie so groß, daß er nicht mit zum Tor hinein konnte. Zu gutem Glück kam gerade ein Metzger daher, dem überließ er sie, und schlossen sie den Handel dergestalt, daß er sollte dem Metzger ein Maß Rübsamen bringen, der wollt ihm dann für jedes Korn einen Brabanter Taler aufzählen. Das heiß ich gut verkauft! <span id="more-3745"></span>Der Bauer ging nun heim, und trug das Maß Rübsamen auf dem Rücken herbei; unterwegs verlor er aber aus dem Sack ein Körnchen. Der Metzger bezahlte ihn, wie gehandelt war, richtig aus; hätte der Bauer das Korn nicht verloren, so hätte er einen Brabanter Taler mehr gehabt. Indessen, wie er wieder des Wegs zurückkam, war aus dem Korn ein Baum gewachsen, der reichte bis an den Himmel. Da dachte der Bauer &#8220;weil die Gelegenheit da ist, mußt du doch sehen, was die Engel da droben machen, und ihnen einmal unter die Augen gucken.&#8221; Also stieg er hinauf und sah, daß die Engel oben Hafer droschen, und schaute das mit an, wie er so schaute, merkte er, daß der Baum, worauf er stand, anfing zu wackeln, guckte hinunter und sah, daß ihn eben einer umhauen wollte. &#8220;Wenn du da herabstürztest, das wär ein böses Ding&#8221; dachte er, und in der Not wußt er sich nicht besser zu helfen, als daß er die Spreu vom Hafer nahm, die haufenweis da lag, und daraus einen Strick drehte; auch griff er nach einer Hacke und einem Dreschflegel, die da herum im Himmel lagen, und ließ sich an dem Seil herunter. Er kam aber unten auf der Erde gerade in ein tiefes tiefes Loch, und da war es ein rechtes Glück, daß er die Hacke hatte, denn er hackte sich damit eine Treppe, stieg in die Höhe und brachte den Dreschflegel zum Wahrzeichen mit, so daß niemand an seiner Erzählung mehr zweifeln konnte.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/220">Brüder Grimm</a>, <a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/754/1">Märchen im Projekt Gutenberg</a>, <a href="http://woerterbuchnetz.de/DWB/">Grimmsches Wörterbuch online</a></p>
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		<title>Geschüttelte Faust und eleganter Fingerzeig</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 21:44:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Sternbild]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerwanderung]]></category>

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		<description><![CDATA[Es muss zwischen September 1983 und Mai 1989 gewesen sein, dass in der Berliner Almstadtstraße eine Galerie öffnete. Wahrscheinlich ist es nicht vor 1985 gewesen, da Poliander und ich in unseren ersten beiden Jahren in Berlin die Almstadtstraße, die frühere Grenadierstraße im Scheunenviertel, sicher nicht kannten. Wir wohnten in Ostkreuz. Am wahrscheinlichsten ist, dass ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es muss zwischen September 1983 und Mai 1989 gewesen sein, dass in der Berliner Almstadtstraße eine Galerie öffnete. Wahrscheinlich ist es nicht vor 1985 gewesen, da Poliander und ich in unseren ersten beiden Jahren in Berlin die Almstadtstraße, die frühere Grenadierstraße im Scheunenviertel, sicher nicht kannten. Wir wohnten in Ostkreuz. Am wahrscheinlichsten ist, dass ich um 1987 zum ersten Mal in der Galerie war. Sie hieß sicher &#8220;Weißer Elefant&#8221;. Beim ersten Besuch sahen P. und  ich dort Bilder von Gundula Schulze, später erneut. Ihre Fotografien waren vor allem eines: radikal. <span id="more-3707"></span>Heute sehe ich diese frühen Arbeiten der Fotografin Gundula Schulze Eldowy wieder und weiß, dass ich sie auch damals so verstanden habe. Auf einem der Bilder taucht eine alte Frau aus dem Dunkel und schüttelt die Faust, gegen einen Menschen, der links im Bild nur bruchstückhaft erkennbar ist, sicher auch gegen die Kamera. Die Frau ist wütend, sie hat nicht aufgegeben, ihre Wut hat viel Überzeitliches, Mythisches, viel, das über den Ärger, unerlaubt fotografiert zu werden, hinausgeht. Ich erkenne darin die Wut von Leuten wieder, die ich in Moskau fotografierte, im Sommer 1990, auf einem Markt, auf dem es beinahe nichts zu kaufen gab&#8230; Auf einem anderen Foto, bei dem ich nicht sicher bin, ob ich es damals in der Almstadtstraße gesehen habe, stehen zwei Mädchen schräg im Bild, trotziger Blick über schweren Schatten, dunkle Ponys, die ihre Gesichter zusätzlich bedrücken, und eines der Mädchen macht eine klassische, elegante Geste mit dem Finger. Sie zeigt zur Erde und weist auf etwas, das die Betrachterin nicht sieht. Poliander sagt: in die Unterwelt. Das andere, größere Mädchen stützt sich auf einen Stock oder Stecken. Die Blicke sind zeitlos, die Kinder ohne Alter.</p>
<p>Berlin, in das Poliander und ich in den frühen achtziger Jahren kamen, haben wir nie als Heimat verstanden oder es sonstwie gekauft. Vielmehr nahm die Stadt uns in Besitz, schluckte uns umstandlos, hat uns seitdem oft geschluckt, verdaut, wieder ausgespien. Die Anonymität der Stadt hat viele Gesichter, die wir in den Fotografien von Gundula Schulze wiederfinden und auf der Straße, noch immer. Die Gesichter, nicht die Anonymität. Die S-Bahn-Bögen, nahe am Bahnhof Friedrichstraße waren mit faustgroßen Löchern übersät, viele Häuser hatten ebenfalls diese tiefen Löcher in ihren Fassaden. Auch in Erfurt hatte es Verfall gegeben, Vernachlässigung, waren Häuser buchstäblich vor unseren Augen zusammengebrochen. Dort hatten wir in einem der ältesten Häuser der Stadt gelebt, einem verbauten Labyrinth winziger Wohnungen, Dachböden, Keller, teils baupolizeilich gesperrt, auch sonst baufällig an der Grenze zur Begehbarkeit. Wenn es gewitterte, floss das Wasser in Sturzbächen über die Haustreppe, die innere, versteht sich. &#8220;Ruinen schaffen ohne Waffen&#8221; lautete der bittere Spruch, den die Erfurterinnen hersagten, um ihren Kummer über die Verkommenheit der Innenstadt, die im Krieg unzerstört geblieben war, auszudrücken. Kam Honecker zur Staatsjagd, strich man die &#8220;leergewohnten&#8221; Häuser über dem verdreckten, abblätternden Putz, soweit der Blick aus einem auf der Hauptstraße fahrenden Auto in die Seitenstraßen hinein möglich war. Auch in Berlin waren die Häuser verkommen, doch diese Ruinen waren durch Waffen entstanden. Die meisten Zerstörungen rührten vom Krieg und den  Kämpfen der letzten Kriegstage  her. Viele Gesichter beherrschte eine unterdrückte Wut, oft auch Resignation. Schulzes Fotos rufen die Erinnerung an diese Zeit zurück, an die späte DDR, in der ich verständnislos schaute, wenn Freunde aus dem Westen beklagten, Ostberlin sei so grau. Ja wie denn sonst? Und als P. und ich später Westberlin sahen, haben wir es eben nicht groß anders empfunden. Sicher, es war mehr und besser renoviert. Doch bis heute finden wir, selbst im gepflegten Südwesten, in manchen Straßenzügen Häuser, die Narben des Krieges tragen, zuweilen überwuchert vom Efeu. Manchmal, damals, kamen Freunde aus der Provinz und suchten in Berlin eine Wohnung, dann liefen wir sonntags stundenlang treppauf, treppab und fragten nach freistehenden Wohnungen. Viele Leute öffneten auch nachmittags im Bademantel, meine Besucherinnen staunten: Kümmerte es denn keinen, was man hier machte, sonntags nachmittags? Poliander und mich kümmerte es nicht. Es gefiel uns sogar.</p>
<p>Schulze Eldowys Fotos werden in der Galerie c/o Berlin gezeigt. Dort, im ehemaligen Postfuhramt ist das Abgeranzte eine Allianz mit der Sparsamkeit eingegangen. Keine Wand gestrichen, nichts renoviert, die Hinweisschilder dienen der Orientierung im Haus kaum andeutungsweise, auch wenn sie aus Freundlichkeit für Touristen in englischer Sprache sind. Nicht zu renovieren galt in den 1990er Jahren als irgendwie schick, vielleicht verband sich in der 2000 gegründeten Galerie damit die Hoffnung auf das Provisorische aller Existenz. Die Bilder von Gundula Schulze Eldowy wirken an diesem Ort, der die Verkommenheit der letzten DDR-Jahre perpetuiert, dennoch vollkommen fremd. Die kleine Galerie &#8220;Weißer Elefant&#8221; in der Almstadtstraße, lebhafte Erinnerung, war ein Laden mit riesigen Fenstern, die Wände schneeweiß gestrichen. Alle, die ich kannte, liebten den Ort und bangten um seine Weiterexistenz. Denn Schulzes Bilder erschienen unerhört subversiv, nicht obwohl, sondern weil das, was sie zeigten, jeder in der umgebenden Realität sehen konnte. Auch seine Zerstörung, übrigens, denn noch vor 1989 begann man, einen Teil der Almstadtstraße neu zu bebauen, mit unschönen, disproportionierten Wohnhäusern.</p>
<p>Heute überfallen Schulzes Fotos die Besucherin, die schon vor 1989 in Berlin lebte, wie ein Déjà-vu. c/o Berlin zeigt, dankenswert, auch den Film <a href="http://www.progress-film.de/de/filmarchiv/film.php?id=804">&#8220;Aktfotografie. Z.B. Gundula Schulze&#8221;</a> von Helke Misselwitz (1983). Wer sich die zwölf Minuten nimmt und ihn ansieht, kann neben dem Gespräch mit Gundula Schulze Sequenzen sehen, die  Misselwitz in einer Kaufhalle gefilmt hat. Sie sind wundervoll.</p>
<p>Koordinaten: 52° 31&#8242; 29&#8221; N, 13° 23&#8242; 40&#8221; O, <a href="http://www.berlin-ineinerhundenacht.de/">&#8220;Berlin in einer Hundenacht&#8221;</a>. youtube:  <a href="http://www.youtube.com/watch?v=YqYDoQEjI8A">Interview mit Gundula Schulze</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=OX-VXdDvoi0&amp;feature=related">Interview Teil2</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=M7_2s4eHkoQ&amp;feature=related">Teil 3</a>,  <a href="http://www.co-berlin.info/programm/exhibitions/2011/gundula-schulze-eldowy.html">Ausstellung bei c/o Berlin</a>, 10. Dezember 2011 bis 26. Februar 2012</p>
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		<title>In der Höhle der heiligen Tiere</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/11/05/die-hoehle-der-vergessenen-traeume/</link>
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		<pubDate>Sat, 05 Nov 2011 09:21:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Kino: Poliander hat Schwierigkeiten mit der Brille. Doch die Reise, von der die Rede ist, kann nur tun, wer sich mit einer gelben, schlechtsitzenden Brille ausrüstet. Das hat der Reiseleiter verfügt. Die Brille soll helfen, den Raum zu schauen und die Zeit, vor allem die Zeit, denn es geht 37.000 Jahre in die Vergangenheit. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3525" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/11/pferde-in-chauvet.jpg"><img class="size-medium wp-image-3525" src="http://www.poliander.de/files/2011/11/pferde-in-chauvet-300x225.jpg" alt="Tiergesichter. Bild: Wikimedia" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Tiergesichter in der Höhle. Bild: Wikimedia</p></div>
<p>Im Kino: Poliander hat Schwierigkeiten mit der Brille. Doch die Reise, von der die Rede ist, kann nur tun, wer sich mit einer gelben, schlechtsitzenden Brille ausrüstet. Das hat der Reiseleiter verfügt. Die Brille soll helfen, den Raum zu schauen und die Zeit, vor allem die Zeit, denn es geht 37.000 Jahre in die Vergangenheit. <span id="more-3505"></span>Weil die Spur dieser Vergangenheit fragil ist und zart, dürfen wir ihr im Kino folgen.</p>
<p>Sechs Tage lang, an jedem Tag vier Stunden durfte <a href="http://www.imdb.com/name/nm0001348/">Werner Herzog</a> in der <a href="http://www.culture.gouv.fr/culture/arcnat/chauvet/fr/">Grotte Chauvet-Pont-d&#8217;Arc</a> in Südfrankreich filmen. Sonst bleibt sie verschlossen, und auch WissenschaftlerInnen dürfen nur selten und für kurze Zeit in ihr Aufenthalt nehmen. An den Wänden dieser Höhle, deren Boden bedeckt ist von Gebeinen wilder Tiere, die hier lebten, finden sich die ältesten bekannten Malereien der Menschheit, 1994 entdeckt.  Im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aurignacien">Aurignacien</a> lebten hier Menschen, die sich von jenen Tieren ernährten und wohl auch ihre Beute wurden, denn neben Mammuten, Nashörnern, Gazellen, Hirschkühen und Hirschen gab es hier auch Löwen und Höhlenbären, die in großen Gruppen durch das Tal mit dem Brückenbogen wanderten. Die eiszeitlichen JägerInnen kannten schon die großen Zyklen, denen die Tiere folgten, wenn sie in den Wintern von Norden her kommend bis an die Pyrenäen wanderten. Die Tiere und ihr Zug bestimmten ihr Leben, und sie selbst erkannten sich als Tiere, auch in ihrem Leben stand der Zyklus der Geburten im Mittelpunkt. Und sie begannen, den tierisch-menschlichen Zügen eine Form zu geben. Die Höhle, in die wir mit Herzog reisen, birgt Malerei. In andere Höhlen, unbekannt, ob die KünstlerInnen von der Ardèche eine direkte Verbindung dorthin hatten,  überwinterten Frauen- und Tierfiguren, auch Löwenmenschen und Musikinstrumente, die ältesten Instrumente der Welt, gefunden im Geißenklösterle und der Hohlefelshöhle auf der schwäbischen Alb. Ein Wissenschaftler in Herzogs Film beschreibt die Fluidität des Lebens jener Menschen, die mit Tieren und Geistern nahe verbunden gewesen sein können, im ständigen Übergang. Ein Archäologe erzählt, dass er nach jedem Besuch der Höhle so stark von den Löwen träumte, ohne Angst, aber doch so intensiv, dass er seitdem nur von ferne und an den Messdaten und digitalen Bildern forschen kann. Der dritte macht Musik auf einer Flöte, die der von der schwäbischen Alb nachgebaut ist, in vertraut pentatonischer Stimmung.</p>
<p>Die Bilder der Höhle, sagt Poliander, muss eine gesehen haben. Und wenn eine danach träumt, sieht sie vielleicht die Hand jenes 1,80 m großen Menschen, einer sehr großen Frau (sagt jedenfalls P. und bis zum Beweis des Gegenteils), mit dem gebogenen kleinen Finger, die Hand, deren Abdrücke die Höhle durchziehen. Und wenn du aufwachst, schau auf deine eigene Hand, wie P., und wenn der kleine Finger gebogen ist, bist du eine Nachfahrin jenes Menschen, kann sein. Und wenn auch der Reiseleiter manchmal besser geschwiegen hätte: Er hat uns hingeführt.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chauvet-H%C3%B6hle">44° 21&#8242; 0&#8221; N, 4° 29&#8242; 24&#8221; O</a>, <a href="http://www.trailerseite.de/film/11/die-hoehle-der-vergessenen-traeume-kino-trailer-21123.html">Trailer</a> (von Werbung nicht abschrecken lassen), <a href="http://www.wernerherzog.com/index.php?id=64">Steinzeit in mass media</a> (Herzog in einer Fernsehshow)<br />
Polianders Lektüreempfehlung: Hans Peter Duerr, Sedna oder die Liebe zum Leben, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Oh Farbe, oh fließendes Wasser</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/06/21/blau-farbe-fliessendes-wasser/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 18:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Absteigen]]></category>
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		<category><![CDATA[Magie]]></category>
		<category><![CDATA[Rätseln]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, Noviomagus Nemetum, denn die hießen Nemeter, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2941" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden.jpg"><img class="size-medium wp-image-2941" src="http://www.poliander.de/files/2011/06/speyer-die-hellblauen-läden-300x168.jpg" alt="Die blauen Läden" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">Die blauen Läden</p></div>
<p>Mit dem Zug hinfahren heißt: am Kernkraftwerk vorbei. Gleich da geht&#8217;s übern Rhein. Der früheste bekannte Name der Stadt: Noviomagus. Neues Feld heißt das, neue Ebene, neuer Markt, ein keltisches Oppidum, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Speyer">Noviomagus Nemetum</a>, denn die hießen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nemeter">Nemeter</a>, die Leute hier, und waren schon da, bevor Cäsar kam. Ob ihre schöne Göttin dann blieb, in ihrem heiligen Hain, dieses Rätsel überlassen wir der Leserin zur Übung. <span id="more-2731"></span>Also die kleine Stadt mit einem Bahnhof von drei Bahnsteigen und dem Bus davor, der steht mit offener Tür, steig ein, wusschh! Natürlich steigen wir an der falschen Stelle aus, doch was macht das schon? Vor einer Kirche ein Auto, raus steigt eine ältere Frau, die nach tiefer Bodenständigkeit riecht, und die sagt dir dann mit einem Akzent, der noch viel fremder ist als pfälzisch, wo&#8217;s langgeht. Erleichterung, wir sind nicht am Ende der Welt hier, wir sind links vom Rhein, aber nicht hinterm Mond. Dann geht es durchs Altpörtel, ein Torturm wie aus dem Kinderbuch so fein, dann durch die Fußgängerzone. Die Speyerer und Speyerinnen sitzen aber und lassen sich vom Himmel bescheinen, was ist der auch blau heute. Die schöne Göttin hinterließ die feine Farbe auf den Fensterläden der Gasse schräg weg vom Dom.</p>
<p>Noch schöner, <a href="http://www.speyer.de/de/tourist/museen/schpira">das kleine Museum</a>. Und hinuntersteigen, in das stille mittelalterliche Bad, ein heiliger Ort, auch heilig vor lauter Geschichte, steinern und mit sachtem feuchtem Atem. Ach, Säulchen, wie sie den Durchblick teilen. Polianders Blicke ins Grundwasser und auf den Grund. Dort liegt das Geld der Touristen, das die Engel nicht heben. Poliander guckt nah, Ungeschick verlass mich nicht! fällt P.s Reisehut direkt hinein, schwimmt zur Seite, Poliander steht wie taub, schon zieht Polianders Gefährte den Schuh vom Fuß, steigt dem Hut hinterdrein, kommt nass zurück, steigt mit Poliander die Teppe, und während sie noch mit Tempotaschentüchern die Füße des Gefährten trocknen, schwimmt eine neue Schar Touristen die Treppe herunter, schwimmt trocken, versteht sich, doch hinab, strafende Blicke: Was haben die hier gemacht! Poliander und Gefährte fragen sich. Ist der Hut noch der selbe wie zuvor? Ist das Bad noch das selbe wie zuvor? Sie grinsen vor Verlegenheit, ihr Grinsen macht sie mehr verlegen, und sie machen sich eilig davon. Vorm Tor, wieder im Blau, stülpt P. den Hut über die Ohren, es tropft. Doch wer behielte nicht gern im Frühsommer einen kühlen Kopf.</p>
<p>Koordinaten: 49°19&#8217;10&#8221; N, 8°25&#8217;52&#8221; O, <a href="http://www.speyer.de/">Speyer</a></p>
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		<title>Graue und blaue Stadt</title>
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		<pubDate>Sat, 28 May 2011 18:11:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Destination]]></category>
		<category><![CDATA[Hafenhotel]]></category>
		<category><![CDATA[Leuchtfeuer]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Stadt, vom Hafen aus gesehen. Der Hafen von der Stadt her, bei Niedrigwasser, ein Schlammfeld. Mit der großen Flut kam die Küste  übers Meer nach Husum. Da wollte der Grund nicht  glauben, dass er nun Meeresgrund geworden. Nicht nass genug, der Hafen, sagen Hafenleute. Einmal soll das anders werden. Aber da streiten noch welche, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2895" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/05/husum_hafen.jpg"><img class="size-medium wp-image-2895" src="http://www.poliander.de/files/2011/05/husum_hafen-300x225.jpg" alt="Verschlickter Hafen in Husum" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Verschlickter Hafen in Husum</p></div>
<p>Die Stadt, vom Hafen aus gesehen. Der Hafen von der Stadt her, bei Niedrigwasser, ein Schlammfeld. Mit der großen Flut <a href="http://www.husum-tourismus.de/geschichte-husum.html">kam die Küste  übers Meer nach Husum</a>. Da wollte der Grund nicht  glauben, dass er nun Meeresgrund geworden. Nicht nass genug, der Hafen, sagen Hafenleute. Einmal soll das <a href="http://www.shz.de/nachrichten/lokales/nordfriesland-tageblatt/artikeldetails/article/111/husums-hafen-haengt-bald-nicht-mehr-am-tropf.html">anders werden</a>. Aber da streiten noch welche, dass <a href="http://www.shz.de/nachrichten/lokales/husumer-nachrichten/artikeldetails/article/111/gegen-den-sanierungsstau.html">ein Wunder gemacht wird</a> und das Meer im Hafen bleibt.</p>
<p>Theodor Storm ist in Husum geboren. <span id="more-2883"></span>Endlose Stunden Erkältungskrankheiten, immer wieder von vorn: die in goldgrünes Leinen gebundenen Bändchen, Volksausgabe nannte man das,  das hieß &#8220;nicht wissenschaftlich&#8221; und hieß auch, so weil jeder Band nur 5 Mark kostete und ganz sicher der Worterklärungen wegen, die man dem Volk gern dazu gibt. Polianders Gefährtin, damals, war ein Lesevolk, fiebrig im Bett hielt sie ein Buch in der Hand oder eher unter der Nase, denn zum Halten war die Hand zu schwach, konkret auch zu klein, &#8220;handlich&#8221; sind die Bändchen für erwachsene Hände. Draußen schien die Sonne, im Buch schob sie sich in die Wolken und drüber und drunter: <em>&#8220;Die meisten mögen wohl nach Westen blicken, um sich an dem lichten Grün der Marschen und darüberhin an der Silberflut des Meeres zu ergötzen, auf welcher das Schattenspiel der langgestreckten Insel schwimmt; meine Augen wenden unwillkürlich sich nach Norden, wo, kaum eine Meile fern, der graue spitze Kirchturm aus dem höher belegenen, aber öden Küstenlande aufsteigt; denn dort liegt eine von den Stätten meiner Jugend.&#8221;</em> Silberflut, Schatten, nie gesehene Küste, so schuf der Erzähler der stets in sich verschachtelten und verrahmten Geschichten den Direktanschluss an Grimms Märchen, Polianders Freundin liebster Lektüre bis auf den heutigen Tag. Ein Fremder kam, Wetters oder sonstiger  Umstände wegen, an einen Ort, der vorerst nicht zu verlassen war, ein Aufenthalt tat not, Kaffee wurde gereicht, und dann überm Lesen vergessen, denn vor oder nach dem Kaffee oder dem Roten aus Lübeck tauchte ein Manuskript auf in des Fremden Erzählung, gerade recht, dem Aufenthalt einen Zweck und der Zeit Endlosigkeit zu geben. Polianders erkältete Freundin identifizierte sich gleich mit jedem lesenden Fremden, um sich anschließend und beizeiten auf die Seite des Helden zu schlagen, der aus der Tiefe von Schachteln gekommen war, in denen man die Manuskripte aufbewahrte. Der Held konnte  ein Mädchen sein, die <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/M%C3%A4rchen+und+Spukgeschichten/Die+Regentrude">tapfere Maren</a>, die die Regentrude weckte. Maren konnte das. (Der Weg zur Trude ging durch den Stamm eines hohlen Baums, hinab, dort unten lag auch eine Landschaft, jetzt trocken, später von einem schönen Fluß durchschwemmt, so dass Maren, nachdem sie den Feuermann gelöscht, Kahn fahren konnte.) Polianders Freundin hatte keine Ahnung vom Meer.  Von trocknen Wiesen aber und hohlen Bäumen. Das Meer würde sie schon noch kennenlernen. Gingen die Geschichten auch gut aus, erzählten sie sich doch in einem Ton, der Kummer kennt. Sie gingen sowieso meistens schlimm aus, war wer im Meer versunken am Ende, in einem Tümpel zumindest, wie das Unglück es fügte, oder im Alleinsein, weil einer leichtsinnig versprochen hatte, nicht die Hexe zu heiraten, und dumm genug war, sich an das Versprechen zu halten. Die Leserin schlief ein, ließ aber das Buch nicht fallen. Storm musste man halten, der hatte ja den Wind schon im Namen, so wer konnte auch im Teppichboden untergehn, wenn man nicht achtgab.</p>
<p>Nähert man sich Husum mit der Bahn, sieht man den Hafen gleich, und gleich sieht man auch, ob Hoch- oder Niedrigwasser ist. Viel Schiffe sind da nicht, aber dunkelblaue und weiße Wolken, sie eilen, die Regenhusche kommt und geht, dicke, saftige Tropfen, und die Stadt ist grau und ziegelrot und trotz dem verschlickten Hafen ganz sauber.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.husum.org/">54° 29&#8242; N, 9° 3&#8242; O</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Unbekannte Schrift, unverwandte Sprache</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/02/28/unverwandte-sprache/</link>
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		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 10:32:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>

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		<description><![CDATA[Poliander auf Blütenlese in fremder Weltgegend: Seltsame Bilder, unbekannte Schrift, Verschlüsselungsrätsel aus unbestimmter Zeit. Koordinaten: Spiegel, Gwup, Telepolis.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Poliander auf Blütenlese in fremder Weltgegend:<br />
<a href="http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-20885.html">Seltsame Bilder</a>, <a href="http://www.gwup.org/component/content/article/107-sonstige-themen/894-voynich-manuskript">unbekannte Schrift</a>, <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31971/1.html">Verschlüsselungsrätsel aus unbestimmter Zeit</a>.</p>
<p>Koordinaten: Spiegel, Gwup, Telepolis.</p>
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		<title>Spielen mit Briefelfetzerin</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/02/21/spielen-mit-briefelfetzerin/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 12:52:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Déjà-vu]]></category>
		<category><![CDATA[Rätseln]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerk]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus dem Liber Vagatorum tritt er heraus, der Briefelfetzer, der Schreiber, der bis zum Gehtnichtmehr seine Mütter und Schwestern verleugnet, wo Schreibwerk doch wahrlich ihr Werk ist, verwandt mit dem Erzählen, Spinnen, Weben und Hinterlassen von Zeichen auf ehedem nackter Wand. Poliander begegnet einer Briefelfetzerin in der reichen und turmreichen Stadt, in der Schreiber und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left">
<div id="attachment_2613" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/02/Liber-Vagatorum.jpg"><img class="size-full wp-image-2613" src="http://www.poliander.de/files/2011/02/Liber-Vagatorum-e1298296122514.jpg" alt="Sie erreichen die Stadt. (Liber Vagatorum)" width="250" height="301" /></a><p class="wp-caption-text">Sie erreichen die Stadt. (Liber Vagatorum)</p></div>
<p>Aus dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liber_Vagatorum">Liber Vagatorum</a> tritt er heraus, der Briefelfetzer, der Schreiber, der bis zum Gehtnichtmehr seine Mütter und Schwestern verleugnet, wo Schreibwerk doch wahrlich ihr Werk ist, verwandt mit dem Erzählen, Spinnen, Weben und Hinterlassen von Zeichen auf ehedem nackter Wand. Poliander begegnet einer Briefelfetzerin in der reichen und turmreichen Stadt, in der Schreiber und Schreiberinnen allezeit reichlich zu Gast gewesen sind.<span id="more-2599"></span></p>
<p>&#8220;Eine Vision, eine Vision!&#8221;, ruft die Briefelfetzerin aus, die Augen ekstatisch nach oben gedreht, &#8220;von der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_von_Alexandrien">Katharina aus Alexandrien</a>!&#8221;  IngenieurInnen, MathematikerInnen, Diagnosefachmänner und  Computerfachfrauen, Filmwissenschaftlerinnen, Maler- und Schreiberinnen  staunen, am allermeisten über die Geistesgegenwart der Schreiberin, die  heilige Worte mit einem analogen Diktiergerät aufzeichnete. Das Dinglein  schnarrt ein bisschen, doch brav gibt es das Rätsel wieder: &#8220;Fünf  Finger und doch keine Hand&#8221;, und das Ding sollen wir finden? Jaja, da  kichert die Briefelfetzerin.  Und das Zeichen Katharinas sollen wir  finden, das zurück führt in ihre grausige Geschichte, eine Waffe, die  letztlich ihren Triumph bedeutet.</p>
<div id="attachment_2607" class="wp-caption alignright" style="width: 199px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/02/katharinas-zeichen-finden.jpg"><img class="size-full wp-image-2607" src="http://www.poliander.de/files/2011/02/katharinas-zeichen-finden.jpg" alt="Katharinas Attribut fehlt ein Stück." width="189" height="268" /></a><p class="wp-caption-text">Katharinas Attribut fehlt ein Stück.</p></div>
<p>Ach Briefelfetzerin, das hat etwas mit  der Stadt zu tun, in die du einzogst, nicht wahr? &#8220;Oh ja. Und mit  Mainz.&#8221; Das muss jetzt aber reichen an Hilfe. Wir schleichen durch die  Stadt, mustern Aushänge, Aufkleber und Graffiti. Briefelfetzerin ist eine famose Erzählerin.  Sie leitet uns geschickt zur Kürschnergasse, gleich hinter Wasser oder davor, nahe an der Furt, nahe an der Straßenbrücke, gleich bei der steinernen Chronik und dem wenigeren der beiden Märkte. Jaja, der heißt so. Eine kluge Kürschnerin, erzählt sie uns, hielt stand, als man ihr Folter androhte und antat. Ganz wie die heilige Katharina, nur dass die heilig wurde und die kluge Kürschnerin kam frei, ohne Hexenverruf wieder Kürschnerin zu sein. Kürschnerin&#8230; das hat doch wieder etwas mit dem Ding zu tun, das wir raten und finden sollen. Es ist ein klarer, kalter Wintertag, und in jedem Laden, in den die Briefelfetzerin uns schickt, fragt Poliander nach der Losung. Liebe Leserin, was soll ich tun? Ich darf sie nicht verraten! Unterm Dom fanden wir sie nicht, die Katharina, und nicht das Ding. Ein paar Fetzen Pergament leiteten uns in die Pergamentergasse. Dort endlich fanden wir ein Kästchen mit jenem Ding, der Dönerbräter gab es heraus, ein Glück, wir wussten das Wort. Zurück ging&#8217;s zum Dom, doch dort war sie nicht, die Katharina. Endlich, in der Nebenkirche fanden wir sie und gaben ihr wieder, was fehlte, gaben es her wir unter den strengen Augen der Aufsichtsperson.</p>
<p>Und zuletzt lenkte die Briefelfetzerin unsere Schritte zu den Hüterinnen der Weisheit vom Dom, gleich neben der vereisten Treppe. Die freundlichen Frauen händigten es Poliander aus: &#8220;Das Katharinenspiel&#8221;, 1340 oder 1350 geschrieben in der Stadt Erfurt.  Ohne Frau Briefelfetzer und Poesiebüro Erfurt hätten wir es nie gefunden! Wirr ist unsere Rede, wir wissen es, doch wir dürfen nicht mehr verraten, fahren Sie hin, probieren Sie es aus!</p>
<p>Koordinaten: 50° 59′ N, 11° 2′ O, <a href="http://www.poesiebuero.de/">Briefelfetzerin</a> weiß mehr und spielt gern.<br />
Poliander schrieb auch über <a href="http://www.poliander.de/2011/02/01/im-schatten-fremder-beine/">Erfurts Beine</a>, <a href="http://www.poliander.de/2009/05/04/brunnenkresse/">Erfurts Grün</a>, <a href="http://www.poliander.de/2010/02/09/netze-auswerfen/">Geschichten aus Thüringen</a></p>
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		<title>Erstes Buch &#8211; letzte Exemplare</title>
		<link>http://www.poliander.de/2011/01/07/zeit-ines-letzte-exemplare/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 Jan 2011 10:58:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Buchstabenfracht]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerk]]></category>

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		<description><![CDATA[Polianders erstes Buch (1997): Die Zeit Ines Probe, 1 &#8220;Ich habe dich heute gesehen. Du gingst an dem Kaffeehaus vorbei, in dem ich mit Flora saß. Ich drehte meinen Kopf nicht, ich war starr vor Angst, du könntest mich bemerken. Das Bild, ich drehte meine Pupillen dir hinterher, bis ich das Gefühl hatte, meine Augen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2435" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2011/01/die-zeit-ines.jpg"><img class="size-medium wp-image-2435" title="die zeit ines" src="http://www.poliander.de/files/2011/01/die-zeit-ines-300x300.jpg" alt="Die Zeit Ines" width="300" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Die Zeit Ines. Erzählung</p></div>
<p>Polianders erstes Buch (1997):<br />
<strong>Die Zeit Ines</strong></p>
<p>Probe, 1<br />
<em>&#8220;Ich habe dich heute gesehen. Du gingst an dem Kaffeehaus vorbei, in dem ich mit Flora saß. Ich drehte meinen Kopf nicht, ich war starr vor Angst, du könntest mich bemerken. Das Bild, ich drehte meine Pupillen dir hinterher, bis ich das Gefühl hatte, meine Augen würden aufreißen. Ich habe Floras Blick bemerkt. Den Kaffee habe ich nicht umgestoßen, die Zigarettenasche fiel nicht auf die Glasplatte. Der Mann, der bei dir war, war dein Ehemann. Er hielt dich an der Hand. Du hast dich in den Hüften gedreht und das Kinoprogramm am Haus gegenüber gelesen. Dein Blick hat das Café gestreift. <span id="more-2417"></span>Ich sah, wie du ihn etwas gefragt hast. Er hat genickt. Dann bist du aber doch weitergegangen. Ich sah deine Schultern, du krümmst sie wie immer nach vorn. Dein Rücken tut dir weh von der Arbeit an einem Schreibtisch, in einem Amt.&#8221;</em></p>
<p>Probe, 2<br />
<em>&#8220;An einem Abend tauchte wieder Frank, der Dichter, auf, ich war nicht allein, es wurde getrunken, der Raum schwamm im Rauch. Ein verirrtes Liebespaar, dessen einer Teil verheiratet war, fragte, ob sie bei mir bleiben könnten über Nacht, ja konnten sie bleiben. Wir verteilten die Schlafsachen in Zimmer und Kammer. Frank war als einziger schließlich zurückgeblieben, ich war ratlos, ich öffnete das Fenster, ich konnte nichts mehr trinken, ich ging in die Küche und leerte den Aschenbecher aus, während Frank wartete, ich setzte mich schließlich an den Tisch, ich ließ mir von ihm eine Zigarette geben, ich rauchte. Er sah mir zu, wie ich rauchte.<br />
Meinst du, sie schlafen schon?<br />
Ich schüttelte den Kopf. Warum wohl sind sie hier geblieben, schlafen könnten sie auch bei der Ehefrau.<br />
Das ist wahr. Du bist nicht moralisch.<br />
Nein. Es geht mich nichts an.<br />
Aber es ist deine Wohnung.<br />
Ja.&#8221;</em></p>
<p>Letzte Exemplare:<br />
<strong>erhältlich direkt beim <a href="http://www.ulrike-helmer-verlag.de/">Ulrike Helmer Verlag</a></strong>, und zwar hier: <a href="http://helmer.txt9.de/cgi-bin/WebObjects/TXTSVHelmer.woa/54/wo/KVbLE1PnP1oaiaw8r4/28.0.15.1.5.1.0.7.0.1">Die Zeit Ines</a>,<br />
oder im Buchhandel.<br />
<strong>Beides nur noch für kurze Zeit.<br />
</strong>Wer mag, kann sich auch direkt <a href="http://www.poliander.de/copyright/">an mich wenden</a>. Ich komme auch gern und lese Ihnen aus der &#8220;Zeit Ines&#8221; oder <a href="http://www.poliander.de/lesen/">aus neuen Texten</a> vor.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Weltraumflug im Erzgebirge</title>
		<link>http://www.poliander.de/2010/09/22/weltraumflug-im-erzgebirge/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Sep 2010 08:21:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>poliander</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgrabung]]></category>
		<category><![CDATA[Große Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Raumflug]]></category>

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		<description><![CDATA[1973. Zuerst fliegen Kosmonauten. Sie schweben in der Weltraumrakete auf uns zu, von uns weg, einer drückt einen großen, eckigen Behälter an seinen Bauch. Die ewige Baustelle DDR: Nichts lag 1973 näher, als eine Filmhandlung auf die Baustelle zu verlegen. (2010 sackt die archäologische Schicht DDR bereits unter den drübergebauten Schichten zusammen.) Daniel: Im Zeitalter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1865" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.poliander.de/files/2010/09/die-taube-auf-dem-dach.jpg"><img class="size-medium wp-image-1865" title="die taube auf dem dach" src="http://www.poliander.de/files/2010/09/die-taube-auf-dem-dach-300x225.jpg" alt="Die Taube auf dem Dach" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Bild: Defa-Spektrum</p></div>
<p>1973. Zuerst fliegen Kosmonauten. Sie schweben in der Weltraumrakete auf uns zu, von uns weg, einer drückt einen großen, eckigen Behälter an seinen Bauch.<span id="more-1859"></span></p>
<p><em>Die ewige Baustelle DDR</em>: Nichts lag 1973 näher, als eine Filmhandlung auf die Baustelle zu verlegen. (2010 sackt die archäologische Schicht DDR bereits unter den drübergebauten Schichten zusammen.)<br />
<em>Daniel</em>: Im Zeitalter des Weltraumflugs will er keinen Dreck schippen. Dreck kann er schippen oder gehn, sagt die Bauleiterin. Daniel bezieht das Arbeiterwohnheim und hängt ein Bild vom Kosmos neben die Sehnsuchtskinderbilder Kerims, des Palästinensers.  Beim Betriebsvergnügen stört Daniel den Spaß, später lernt er, den Kran zu fahren, ein Ding, das sich zur Arbeit eignet wie zum Absturz.<br />
<em>Linda Hinrichs</em>: Bauleiterin, sorgt, dass Material da ist.  Linda hat keine Angst hat keine Angst hat keine Angst. Wenn es sein muss, lässt sie sich von dem, der Balken hat, auch ans Bein fassen, und verspricht die Lieferung von Gehwegplatten, eine coole Vertreterin der Tauschwirtschaft. Das hat sie sich nicht ausgesucht. Den Mann sucht sie sich aus. Die Männer.<br />
<em>Lindas Sekretärin</em>: Ihre Chefin macht das.<br />
<em>Erika</em>: Die kann den Kran schon fahren.  Beim Frühstück liest sie Kontaktanzeigen. Vor.<br />
<em>Das minderjährige Paar</em>: Er will nicht bei seiner Ärztin-Mutter leben und lernen, sondern arbeiten, darum gefällt er ihr, auch wenn sie mit Bestimmtheit das Fenster schließen kann. Auf der Bank: Philemon und Baucis als Kinder.<br />
<em>Böwe</em>: Hat schon überall gearbeitet. Böwe und Daniel sind Lindas Männer.</p>
<p><em>Die Taube auf dem Dach</em>: Das ist der Titel, der sieht aus, als hätt ihn wer im Nachhinein gefunden. Lieber die Taube auf dem Dach als den Spatz in der Hand.  Das dachten die, die dableiben wollten. Und die Regisseurin, Drehbuchautorin, ihre eigne Assistentin und so weiter, Iris Gusner, zeigt ihre Leute, die mit Steinen umgehn, in der Glaskugelfabrik. War das denn wirklich so? So auch. Und das wird so erzählt, dass du denkst: Ja, so war&#8217;s. Und dass du dich immer so fremd fühlst, weil es doch nicht sein kann, dass es war wie im Film. Wie in diesem Film schon, nur dass es sich anfühlte wie wirklich, nur dass es wirklich war. &#8220;Die Taube auf dem Dach&#8221; sehen ist wie schweben. Der Ort, in dem wir schweben, ist der Weltenraum. Und da gibt es auch Stellen zum Lachen, an diesem Ort, in diesem Film.</p>
<p>Der Film hat eigene, verzweifelt unheimliche Wege: 1973 nicht zur Aufführung freigegeben. Wegen Angst vor dem Film nicht archiviert, sondern vernichtet. Auf welche Weise das Filmmaterial zerstört wurde, scheint nicht mehr bekannt zu sein. Iris Gusner arbeitet weiter. Die Magie des Zufalls konserviert eine Arbeitskopie. Iris Gusner entschließt sich, in den Westen zu gehen. Raumzeit wechselt in Echtzeit. Der Kameramann, Roland Gräf, gräbt bei der Restaurierung anderer verbotener Filme (und das war 1989/1990) in einer Ecke des Arbeitsraums, in einer tieferen archäologischen Schicht. Er findet &#8220;Die Taube auf dem Dach&#8221;. Schichten haben sich gelöst: Von dem farbigen Material lässt sich nur schwarzweiß ein Negativ machen. 1990 wird &#8220;Die Taube auf dem Dach&#8221; zweimal aufgeführt. Das Material verschwindet erneut. 2009 erneute Epiphanie.</p>
<p>Geht gleich hin, um das Schicksal des Films ist es nicht geheuer.</p>
<p>Koordinaten: <a href="http://www.defa-spektrum.de/?Verleih/1015889">Fakten</a>, <a href="http://www.babylonberlin.de/Programm.htm">Programm</a> des <a href="http://www.babylonberlin.de/">Babylons</a> in Berlin-Mitte, weitere <a href="http://www.defa-spektrum.de/?Verleih/1015889">Spieltermine</a>.</p>
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